Lebensdaten
1861 bis 1942
Geburtsort
Albeck bei Ulm
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Industrieller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118513818 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bosch, Robert
  • Bosch, August Robert
  • Bosch, Robert, der Ältere

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Zitierweise

Bosch, Robert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118513818.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Die Bosch waren seit der Mitte des 18. Jahrhunderts als Gastwirte zur „Krone“ und Bauern in Albeck ansässig;
    V Servatius (1816–80), S des Johann Georg (1785–1816);
    M Marg. Dölle aus Jungingen, beide seit Generationen auf der „Ulmer Alb“ ansässigen Bauernfamilien entstammend;
    N Carl s. (1);
    1) Obertürkheim 1887 Anna Kayser (geschieden 1926), 2) Marg. Würz;
    1 S, 2 T aus 1), 1 S, Robert (* 1928), Industrieller (siehe Munzinger), 1 T aus 2).

  • Leben

    Der Sinn des Knaben war auf Botanik und Zoologie gestellt. Aber auf Anregung des Vaters, der sich, ein wohlhabender Mann, 1869 in Ulm zur Ruhe gesetzt hatte, verließ er nach der „Einjährigen“-Prüfung die dortige Realschule und trat bei einem Feinmechaniker in die Lehre. Die Lehre hat er selber als schlecht bezeichnet. Aber in der Gehilfenzeit, die durch das Militärdienstjahr und ein Semester als außerordentlicher Hörer an der Stuttgarter Hochschule unterbrochen war, holte B. die Mängel seiner Schulung nach. Er arbeitete an verschiedenen Plätzen; wichtig wurden vor allem die Tätigkeit bei S. Schuckert in Nürnberg (1881) und der Aufenthalt in Amerika (1883/84), wo er bei S. Bergmann und Edison Beschäftigung fand. Seinen Auslandsaufenthalt beschloß er mit einer halbjährigen Arbeit bei Siemens Brothers in London. Die Reihung dieser Namen hat schier etwas Programmatisches, denn an sie schließt sich die Entfaltung der modernen Elektrotechnik, die gerade in jenen Jahrzehnten mit Telegraph, Telephon und jetzt auch der Beleuchtung das Gemeinschaftsleben revolutionierte. B. glaubte eine Zeitlang, Beleuchtungsfachmann zu werden; als er 1886 in Stuttgart mit einem Arbeiter und einem Lehrling eine Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik eröffnete, war er aber gehalten, Aufträge, wie sie eben kamen, auszuführen, ein handwerklicher Beginn wie viele; die Kundschaft wuchs und hielt sich, weil gute Arbeit geleistet wurde.

    Die sonderliche Lebensaufgabe wuchs B. aber zu von einer anderen Seite: Otto hatte den zuverlässigen Verbrennungsmotor für Gas erdacht, Daimler ihn für Benzinverbrauch und Fahrzeuge entwickelt. Eine noch ungesicherte Frage blieb dabei die regelmäßige Zündung für das Gasgemisch. Bei den Deutzer Gasmotoren hatte man, einer Anregung von W. Siemens folgend, einen Apparat mit Magnetzündung gebraucht. Einen solchen - er war nicht geschützt - baute auf Grund einer zufälligen Bestellung auch B.; weitere folgten. Es handelte sich in den ersten zehn Jahren nur um Zündungen für standortfeste Motoren mit begrenzter Umlaufzahl, seit 1896 aber auch um Fahrzeugmotoren, die bislang mit dem Daimlerschen „Glührohr“ oder mit Batteriezündung versehen waren. Bei B. wurden nun auch für diesen Zweck Magnetzünder entwickelt, zunächst für Niederspannung, seit 1905 durch G. Honold für Hochspannung. B. hatte immer auch sein Installationsgeschäft weiterbetrieben, anfangs zurückhaltend in der Spezialisierung - mochte das nicht, nach seinem mißtrauischen Wort, eine „Eintagsfliege“ sein? Jetzt trieb ihn die Entwicklung fabrikatorisch voran, zumal auch der französische und englische, seit 1906 der amerikanische Markt nach seiner Ware rief. In wenigen Jahren hatte er eine Weltstellung gewonnen, überall Vertretungen, und dies ohne Patentschutz, allein durch die ausgezeichnete Arbeit. Gewiß trug ihn der mächtig einsetzende Automobilismus mit voran, aber er gab ihm mehr, als er ihm dankte: in seinen Werkstätten wurden bald neben den Zündern die übrigen „Zubehörteile“, Öler, Anlasser, Lichtmaschinen, die verschiedensten Arten der Scheinwerfer, später auch Signale („B.horn“), Winker, Wischer, Bremsen usw. hergestellt; seine Arbeiten dienten der Zuverlässigkeit und Sicherheit des Fahrens. Nach 1926 wurde auch die Einspritzpumpe für Schwerölmotoren in seiner Fabrik entwickelt. B. ist selber kein „Erfinder“ gewesen, aber, mit einem untrüglichen Gefühl für das technisch Rationelle begabt, wurde er zu einem überlegenen Organisator der Fertigung, immer für die besten Werkzeugmaschinen, die beste Form, die solideste Arbeit besorgt. „Lieber Geld verlieren als Vertrauen“. - „Ich verdanke meine Erfolge weniger meinen Kenntnissen als meinem Charakter.“ Der Name B. sollte schlechthin eine Qualitätsbezeichnung werden und wurde es. Mit kühner Entschlußkraft ging B. schon 1908 daran, sich im Halbzeug unabhängig zu machen durch Pressen und Gießerei; daran schloß sich die Entwicklung neuer Werkstoffe. Vom Ende der 20er Jahre ab erweiterte sich das Stuttgarter Geschäft zum Konzern: B. übernahm die Junkersschen Gasöfen in Dessau, die Radiowerke „Blaupunkt“, die Fernseh-AG, er ging in die Herstellung von Elektro-Werkzeugen, von Film-Vorführapparaten usw. - die Mitte der Erzeugung blieb aber die den Motoren zugehörige Apparatur, vor allem bedeutsam für und durch die rasche Zunahme des Flugwesens.

    Im deutschen Unternehmertum seiner Zeit war er bei seinem Beginn nur mit E. Abbe und H. Freese vergleichbar - er hieß „der rote B.“. 1906 führte er den Achtstundentag ein, 1908 den freien Samstag-Nachmittag, den bezahlten Urlaub, lehnte werkseigene Wohlfahrtsunternehmungen ab und zahlte überdurchschnittliche Löhne, bis 1913, da ein sinnloser Streik sein bisher gutes Einvernehmen mit den Gewerkschaften für einige Zeit störte, auch die Sozialversicherungsanteile der Gefolgschaft. Nach dem Kriege errichtete er für die Werksangehörigen durch große Stiftungen Hilfskassen für Erziehungsbeiträge, für Altersversorgung - schon 1913 hatte er eine vorbildliche Lehrlingswerkstätte ins Leben gerufen. Der bedeutsamste Zug seines Wesens war die souveräne Stellung zum Besitz. Er war nach zwei Jahrzehnten mühsamer Entwicklung ein vermögender, dann ein sehr reicher Mann geworden - in seinem Betrieb ein unerbittlicher Erzieher zur Sparsamkeit, gab er Millionen um Millionen für öffentliche Zwecke. In seinem humanitären Grundgefühl Pazifist, wollte er am Krieg kein Geld verdienen: 1916 setzte er 13 Millionen für den Neckarkanal aus, weitere Millionen für Gesundheitspflege, Erwachsenenbildung, unterstützte mit großen Beiträgen F. Naumanns „Staatsbürgerschule“, den „Deutschen Werkbund“, die Völkerbundsliga, die Vereinigung „Paneuropa“ usf. Der Förderung der technischen Bildung hatte schon 1910 eine Millionenstiftung an die Technische Hochschule Stuttgart gegolten; zahllose wissenschaftliche Unternehmungen - doch keineswegs wahllos - erfreuten sich seiner Unterstützung, vor allem auch auf dem Gebiete der Heilkunde. Er war Anhänger einer „naturgemäßen Lebensweise“ und der Homöopathie; dieser zu ermöglichen, ihre Ebenbürtigkeit in Forschung und klinischen Verfahren zu erweisen, war ein Hauptanliegen seiner späteren Jahre; das großartige, hervorragend ausgestattete „Robert B.-Krankenhaus“ in Stuttgart (eröffnet 1940)|wurde die Krönung dieses Strebens. Er ermöglichte auch die Begründung des „Paracelsus-Museums für die Geschichte der Heilkunde“.

    B. selber hat es dem bäuerlichen Erbe seines Blutes zugeschrieben, daß er auch in der Landwirtschaft Pionierversuche unternahm. Sein Ausgangspunkt war freilich gewerblicher Natur gewesen, als er im oberbayerischen Moos weite Gründe erwarb, um in einem neuen Verfahren mittels elektrischen Stromes Torf zu gewinnen. Das war technischökonomisch mißlungen. Er entschloß sich nun zu einer umfassenden Melioration und schuf damit eine vielseitige Modellwirtschaft („B.hof“ bei Beuerberg) - es entstand dort die größte europäische Siloanlage in einem einheitlichen Betrieb. Neben den landwirtschaftlichen Interessen, die seine ökonomisch-rationale wie seine naturheilkundliche Teilnahme lebendig hielt, war in ihm, erst verhältnismäßig spät, die Jagdleidenschaft erwacht; seine Jagden, zumal im Allgäu und auf der Alb, waren berühmt, auch durch die Wildpflege.

    Beim Kriegsausbruch 1914 gingen 88% von B.s Erzeugnissen ins Ausland. Die Niederlassungen im feindlichen Ausland wurden beschlagnahmt, ja, in Amerika wurde der Versuch gemacht, den Namen B. den Erwerbern der dortigen Fabrik zu sichern, so daß B. einen Prozeß um seinen eigenen Namen führen mußte! Es war eine glänzende Leistung, daß er, trotzdem inzwischen fast überall Konkurrenzfirmen gegründet waren, seine Stellung auf dem Weltmarkt wiedergewinnen konnte, ohne Preisschleuderei, allein durch die Erhaltung der Qualität. Als er starb, beschäftigten seine Werke - dies freilich z. T. unter dem Einfluß des Kriegsbedarfs - an 40 000 Menschen. Die ganze Entwicklung war, mit Ausnahme einer amerikanischen Anleihe nach der Inflation, ohne Inanspruchnahme fremden Geldes erreicht worden; auch dies eine Sonderstellung des Mannes in der neueren Geschichte der Industrie. B. hatte sich einen überdurchschnittlichen technischen und kaufmännischen Mitarbeiterstab herangeholt, dem er seine Grundgesinnung einzuprägen verstand, mit der Verantwortung aber auch Freiheit und Chance gab.

    Seine persönlichen Züge waren sehr schwäbisch-heimatlich bestimmt. Neben der Weltläufigkeit seines Denkens stand eine gewisse Scheu im Gesellschaftlichen, eine Ablehnung alles bloß Konventionellen, eine ihn selber peinigende Unsicherheit bei allem öffentlichen Auftreten. Ein sehr scharfer kritischer Verstand, ein ungewöhnliches Gedächtnis, die konkrete, allem Spekulativ-Abstrakten fremde Art des Denkens waren ihm eigentümlich - eine rasche Erregbarkeit, vor allem, wo er Unrecht sah oder witterte, ließ ihn manchmal schroff und herb auftreten; aber dahinter verbargen sich Züge einer verhaltenen Mitleidensfähigkeit. Parteipolitisch ungebunden, einer demokratischen Familie entstammend, hatte er seine Stellung auf der deutschen Linken bezogen; bei aller inneren Bewegtheit durch die vaterländischen Dinge blieb er dem laufenden politischen Betriebe fern, um dann in großen Fragen - etwa der Sozialreform, der Arbeitszeitverkürzung, der Weltwirtschaft, auch der Verständigung mit Frankreich - seine Stimme zu erheben. - B. hat Titel und Orden abgelehnt. Wider seinen Einspruch war ihm 1910 der Dr.-Ing. e.h. verliehen worden; bei seinem 80. Geburtstag wurde er von Tübingen zum Dr. med. h. c. promoviert; der gleichzeitigen Ernennung zum „Pionier der Arbeit“ war beim 70. Geburtstag die Auszeichnung mit dem Adlerschild vorangegangen.

  • Werke

    Die Verhütung künftiger Krisen in d. Weltwirtschaft, 1930 (auch engl. u. franz.);
    Erinnerungen, z. T. abgedr. in d. Werkzs. „Der B.zünder“.

  • Literatur

    C. Matschoß-E. Diesel, R. B. u. sein Werk, 1931 (P);
    R. Reusch-H. Bücher, R. B., 1931 (Privatdr.);
    Th. Heuss, R. B., 1931 (Sammelwerk) (P);
    ders., R. B., Leben u. Leistung, 1946, 21948 (P);
    ders., R. B., in: Stuttgart, 1948, S. 68-74, = Merian, Städte u. Landschaften;
    50 J. Bosch, 1936 (Werkgesch.) (P);
    F. Schildberger, Vom Werden d. Hauses B., in: Motortechn. Zs. 3, 1941, S. 281-84: ders., in: VDI-Zs. 86, 1942, S. 306 f.;
    E. Quandt, R. B., 1942;
    Bosch-Schrr.-Reihe 1-6, 1950 ff. (P).

  • Portraits

    Büsten (Dt. Mus. München, Paracelsus-Mus. Stuttgart u. Verwaltungsgebäude d. Stuttgarter Werkes);
    Ölgem. v. B. Pankol (B.haus Stuttgart).

  • Autor/in

    Theodor Heuss
  • Empfohlene Zitierweise

    Heuss, Theodor, "Bosch, Robert" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 479-481 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118513818.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA