Lebensdaten
1902 bis 1969
Geburtsort
Kempten
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Anthropologe ; Humangenetiker ; Arzt
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118750941 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Saller, Karl Felix
  • Saller, Karl
  • Saller, Karl Felix
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Zitierweise

Saller, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118750941.html [22.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich Karl (1868–1955), aus Neu-Ulm, Dr.-Ing., Reichsbahn-Abt.präs. in Regensburg, S d. Karl Philipp (1825–1904), aus Obermoschel (Pfalz), kgl. Baurat in Augsburg, u. d. Magdalena Flach (1846–1923), aus Memmingen;
    M Gertrud Franziska (1882–1962, ev.), T d. Felix Stieve (1845–98, altkath.), aus Münster, Prof. d. Gesch. in M. (s. ADB 54), u. d. Agnes Schäffer (1859–1928, altkath.), aus Bonn;
    Tante-m Hedwig Stieve (1889–1979, kath.), Leiterin d. Fam.fursorge d. Bez.amts Berlin-Wedding, Vf. v. Schrr. z. Wohlfahrtspflege (s. Who is who d. soz. Arbeit, hg. v. H. Maier, 1998);
    1) Göttingen 1930 (⚮) Herta Alma Ella (1909–99, ev.), aus Riga, T d. Edgar Richard Groß (1873–1917), aus Riga, Pastor in Marienburg, u. d. Marie Leonie Peterson (1875–1918), aus Wenden, 2) 1948 Nina Elsner (* 1924, ev.), aus Charkow;
    1 S aus 1) Heinrich (* 1941), Dr. rer. nat. habil., wiss. Mitarbeiter am MPI f. Physik in M. (s. Kürschner, Gel.-Kal. 2003), 3 T aus 1) Eva-Marie (* 1931, Gerfried Ziegelmayer, * 1925, Dr. med., Dr. rer. nat., Prof. d. Anthropol. u. Humangenetik in M., s. Kürschner, Gel.-Kal. 2003; L), Ruth (* 1932), Monika Elisabeth (* 1940, Dr. Peter Düll, Pharmazeut an d. Univ. Freiburg, Br.), 1 S aus 2) Karl Rudolf (* 1952), 1 T aus 2) Anna Margarethe (* 1950), Dr. med., Gynäkol. in M.

  • Leben

    S. besuchte in Nürnberg und Regensburg das humanistische Gymnasium und studierte anschließend in München Naturwissenschaften und Medizin. 1924 wurde er mit einer Arbeit über die Vererbung von Haarform und Haarpigment bei Mischlingspopulationen zum Dr. phil. und 1926 mit einer experimentellen Arbeit über „Beziehungen zwischen Keimdrüsenfunktion und Skelettmorphologie“ zum Dr. med. promoviert. Seine Lehrer waren der Anthropologe Rudolf Martin (1864–1925) und der Anatom Benno Romeis (1888–1971). 1924-26 Assistent an der Anthropologischen Staatssammlung in München, 1926-28 am Anthropologischen Institut in Kiel, habilitierte S. sich dort für das Fach Anthropologie.

    1929-35 war er mit Umhabilitation für „Anatomie einschließlich Anthropologie“ am Anatomischen Institut in Göttingen tätig. Seine Forschungen bezogen sich in diesen Jahren auf tierexperimentelle Untersuchungen über das Wachstum, Arbeiten zur historischen und prähistorischen Anthropologie, anthropologische Untersuchungen an verschiedenen Bevölkerungsgruppen Deutschlands und auf Beiträge zur Vererbungswissenschaft und Eugenik. Als Lehrbücher entstanden ein „Leitfaden der Anthropologie“ (1930) und eine „Einführung in die menschliche Erblichkeitslehre und Eugenik“ (1932), die beide in der Fachliteratur große Anerkennung fanden. Ein Schwerpunkt seiner damaligen wissenschaftlichen Tätigkeit waren Arbeiten zu Rassenfragen. Schon in seiner Habilitationsschrift „Die Entstehung der ‚nordischen Rasse' “ (Zs. f. d. ges. Anatomie, I/83, 1927, S. 411-590) gelangte S. entgegen der vorherrschenden Meinung zu dem Schluß, dieser Begriff sei „eine Konstruktion, die dem Tatsachenmaterial nicht entspricht und daher unhaltbar“. Er vertrat die Ansicht, die dt. Bevölkerung sei aus einer Mischung sehr verschiedener älterer Relikte entstanden und eine biologische Einheit, die durch Wechselbeziehungen zwischen Erbe und Umwelt einem stetigen Wandel unterworfen ist. Damit geriet S. zunehmend in Konflikt mit dem NS-Regime und der von diesem geförderten Rassenideologie. Bereits 1934 erhielt er Redeverbot in der Öffentlichkeit, vier seiner Bücher, welche die Rassenfrage zum Gegenstand hatten, wurden verboten und am 14.1.1935 wurde S. die Lehrbefugnis entzogen. Daraufhin kündigte er auch seine Assistentenstelle am Anatomischen Institut. In seiner Abschiedsrede betonte er nochmals, daß er von seiner wissenschaftlich begründeten Meinung nicht abgehen könne.

    In den folgenden Jahren arbeitete S. als Arzt in freier Praxis, gründete 1936 ein Sanatorium in Badenweiler und wurde 1939 als Truppenarzt zur Wehrmacht eingezogen. Nach Kriegsende übernahm er 1945 die ärztliche Leitung am Robert Bosch-Krankenhaus in Stuttgart. In dieser Zeit publizierte er vorwiegend Beiträge zur individuellen Konstitution, ihrer Diagnostik und Therapie unter besonderer Berücksichtigung von Naturheilverfahren und Homöopathie, Themen, die er auch später immer wieder aufgriff im Sinne einer „anthropologischen Medizin“.

    Nach seiner Rehabilitation in Göttingen 1946 wurde S. 1947 als Privatdozent für das Fach „Anatomie einschließlich Anthropologie und Konstitutionslehre“ an die Med. Fakultät der LMU München berufen und 1948 auf den Lehrstuhl für Anthropologie der Naturwiss. Fakultät. Seit 1949 war er Direktor des Anthropologischen Instituts und der Anthropologischen Staatssammlung in München, welche er nach der völligen Zerstörung 1944 wieder aufbaute, und übernahm gleichzeitig einen Lehrauftrag für Konstitutionslehre in der Med. Fakultät. Wegen der Bedeutung, die S. der Humangenetik innerhalb der Anthropologie beimaß, erfolgte 1958 auf seine Veranlassung hin die Umbenennung zum Institut für Anthropologie und Humangenetik. Als Herausgeber der 3. Auflage des von Rudolf Martin begründeten, international verbreiteten „Lehrbuchs der Anthropologie“ (4 Bde., 1957–66) war S. bestrebt, den Rahmen einer naturwissenschaftlichen Anthropologie als „Naturgeschichte, Naturgegenwart und Naturzukunft der Hominiden in zeitlicher und räumlicher Ausdehnung“ neu abzustecken, unter besonderer Berücksichtigung einer „Konstitutionsanthropologie“ und einer „angewandten Anthropologie“ u. a. mit Bevölkerungsbiologie und Eugenik. Als erster unter seinen Fachkollegen setzte sich S. nach dem Krieg öffentlich kritisch mit der Rassenideologie des Nationalsozialismus und ihrer Verflechtung mit Teilgebieten der Anthropologie auseinander (Die Rassen lehre d. NS in Wiss. u. Propaganda, 1961). In seinen letzten Lebensjahren arbeitete S. als Autor und Herausgeber an einem mehrbändigen Handbuch zur „Rassengeschichte der Menschheit“ (1. Lfg., 1968), zu dem Wissenschaftler aus 22 Ländern Beiträge beisteuerten, und gründete 1951 eine internistische Privatklinik in München/Großhesselohe. Sein größtes Verdienst bestand darin, daß er mit dem Ansehen, welches ihm seine Kollegen im Ausland bewahrt hatten, dazu beitrug, dem Fach Anthropologie in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg wieder Geltung zu verschaffen.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Conseil permanent d. Internat. Kongresses f. Anthropol. u. Ethnol. (1949); Gründungsmitgl. d. Ges. f. Ernährungsbiol. (1950); korr. Mitgl. d. Soc. Italiana di Anthropologia e Ethnologia, Florenz (1951) u. d. Anthropol. Ges., Wien (1953); Membre Associié de la Soc. d'Anthropol. (1967); 1. Vors. d. Bundesverbandes Dt. Ärzte f. Naturheilverfahren (1951–69); Alexander v. Humboldt-Medaille (Univ. Berlin, 1959); Hrdlicka-Medaille (Univ. Prag, 1963); Dr. phil. h. c. (Jena 1962).

  • Werke

    Weitere W Konstitution u. Rasse beim Menschen, in: Ergebnisse d. Anatomie u. Entwicklungsgesch. 28, 1929, S. 250-422;
    Die Keuperfranken, 1930;
    Die Fehmaraner, 1930;
    Einf. in d. menschl. Erblichkeitslehre u. Eugenik, 1932;
    Der Weg d. dt. Rasse, 1934;
    Ofnet, Eine Wanderung zu d. Mälern am Weg d. dt. Rasse, 1934 (mit F. Merkenschlager);
    Biol. d. dt. Volkskörpers, 1934;
    Vineta, Eine dt. Biol. v. Osten her gesehen, 1935 (mit F. Merkenschlager);
    Grundlagen d. Anthropol., 1949;
    Art- u. Rassenlehre des Menschen, 1949;
    Allg. Konstitutionslehre, 1950;
    Angew. Anthropol., 1951;
    Konstitutionstherapie in neuer Sicht, Abriß e. anthropol. Med., 1960;
    Leitfaden d. Anthropol., 21964;
    Hg.:
    Rassengesch. d. Menschheit, 1. Bd.: Australien, Indonesien-lndopakistan, Die Zigeuner, 1968;
    Mithg. d. Zss.
    Human Genetics (Abstracts);
    Excerpta Medica (Amsterdam);
    Anthropologia (Brno/CSSR), 1962 ff.;
    Schriftleiter d. Zss.
    Hippokrates, 1945-48;
    Die Heilkunst, 1949-69;
    W-Verz. mit 392 Titeln in: K. Henning, Personalhibliogr. d. Professoren u. Dozenten d. Anthropol. Inst. an d. Naturwiss. Fak. d. Ludwig-Maximilians-Univ. zu München im Zeitraum v. 1885-1970, Diss. Erlangen 1972.

  • Literatur

    G. Ziegelmayer u. F. Schwarzfischer, in: Anthropol. Anz. 32, 1969, S. 287 f.;
    V. Harth, in: Die Heilkunst 82, 1969, S. 318;
    G. Ziegelmayer, 100 J. Anthropol. in München, in: Würzburger Med. Mitt. 59, 1987, S. 245-69 (P);
    A. Lüddecke, Der ‚Fall Salier' u. d. Rassenhygiene, 1995;
    F. Spencer (Hg.), Hist. of Physical Änthropology, II, 1997, S. 905 f.;
    Kürschner, Gel.-Kal. 1966;
    Munzinger;
    – Eigene Archivstud. (Univ.archiv München).

  • Portraits

    Fotos (München, Inst. f. Anthropol. u. Humangenetik).

  • Autor/in

    Gerfried Ziegelmayer
  • Empfohlene Zitierweise

    Ziegelmayer, Gerfried, "Saller, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 378-379 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118750941.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA