Lebensdaten
1842 bis 1910
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Versicherungsunternehmer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 10183988X | OGND | VIAF: 12680191
Namensvarianten
  • Molt, Carl Gottlob
  • Molt, C. G.
  • Molt, Karl Gottlob

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Zitierweise

Molt, Carl Gottlob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd10183988X.html [01.12.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Gottlob (1813–42), Mechaniker, Inh. e. Maschinenschlosserei in Ludwigsburg, S d. Gastwirts Johann Friedrich in Lorch;
    M Karoline Wirth (1810–63) aus St.;
    Stuttgart 1865 Christiane (1845–1919), T d. Schreiners Michael Schach u. d. Christiane Heinrike Leibfahrt;
    13 K (7 jung †), u. a. Alfred (1881–1935), Versicherungsdir., Walter (1887–1949), Dr. iur., Rechtsanwalt, beide in St.;
    E Peter (* 1929), Prof. Dr. phil., Referent f. Entwicklungshilfe im Innenministerium in Mainz (s. Wi. 1990).

  • Leben

    M. wurde kurz nach dem frühen Tod des Vaters geboren. Die Mutter mußte Werkstatt und Anwesen in Ludwigsburg mit erheblichem Verlust verkaufen und zog mit den drei unmündigen Kindern in ihre Heimatstadt Stuttgart, wo sie die Familie unter großer Mühe, zeitweise als Marktfrau arbeitend, durchbrachte und M. bis zu seinem 14. Lebensjahr die Realschule besuchen ließ. Anschließend absolvierte dieser eine Konditorlehre in Stuttgart und kam auf der üblichen Wanderung als Konditorgeselle über Braunschweig und Halle nach Lübeck zu der Marzipanfabrik Niederegger. Nach dem Tode seiner Mutter kehrte er nach Stuttgart zurück und nahm nach einjährigem Besuch einer Handelsschule eine Stelle als Buchhalter bei einer Nürnberger Möbelfabrik an. Mit seinem Schwager eröffnete er nach seiner Heirat ein Agenturgeschäft in Stuttgart.

    Durch die Übernahme der Vertretung für eine schweizer. Lebensversicherungs-Gesellschaft im Jahre 1868 wurde M. mit dem Versicherungswesen vertraut. Als das Reichshaftpflichtgesetz von 1871 aufgrund der zunehmenden Technisierung eine Gefährdungshaftung der Fabrikanten für Schäden einführte, die im Rahmen des Betriebes Arbeitern oder dritten Personen zugefügt werden, entstand eine Reihe von Versicherungs-Einrichtungen, mit denen er sich eingehend beschäftigte Dabei zeigten sich seine Begabung und sein außerordentliches Verständnis für juristische Zusammenhänge, obwohl er niemals Rechtswissenschaft studiert hatte. M. erkannte den Unterschied zwischen der Unfallversicherung der Arbeitnehmer und der Schadenersatzverpflichtung der Unternehmer. Gegen diese Haftpflichtgefahr wollte er Versicherungsschutz bieten und gründete zu diesem Zweck am 10.12.1874 zusammen mit dem Rechtsanwalt Karl Schott den Allgemeinen Deutschen Versicherungs-Verein in Stuttgart als Genossenschaft, die 1879 in einen Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit umgewandelt wurde. Neben der Haftpflichtversicherung nahm die Gesellschaft auch den Betrieb der Unfall-, Kranken- und Sterbegeldversicherung auf. Das 1885 in Kraft getretene Gesetz über die berufsgenossenschaftliche Unfallversicherung ersetzte die bisherige zivilrechtliche Haftung der Unternehmer durch die Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung und berechtigte die Betriebe zur Kündigung der privaten Versicherungsverträge. Während die übrigen in diesem Bereich tätigen Versicherer entweder das Geschäft aufgaben oder liquidierten, machte M. deutlich, daß nicht alle Arbeitnehmer versicherungsfähig waren, betriebsfremde Personen nach wie vor Ansprüche stellen und die Berufsgenossenschaften die Unternehmer regreßpflichtig machen konnten, und bot Versicherungsschutz gegen diese sog. Haftpflichtreste mit der Folge, daß dem Verein 1886 schon wieder 1508 Fabrikanten beigetreten waren.

    Nachdem die Haftpflichtversicherung in dem Jahrzehnt 1875-84 ausschließlich Deckung gegen die Schadenersatzpflicht der Unternehmer nach dem Reichshaftpflichtgesetz gewährt hatte, dehnte M. sie in einem dritten Schritt ihrer Entwicklung auf alle Betriebs-, Berufs- und Tätigkeitsgruppen sowie den privaten Bereich aus. Die technischen Grundlagen bildeten eine vorbildliche Statistik über den Risikoverlauf der verschiedenen Berufs- und Betriebszweige. Gleichzeitig propagierte er die Haftpflichtversicherung in Wort und Schrift, indem er auf die jedermann drohende Haftpflichtgefahr hinwies. Ende des Jahrhunderts kamen die Automobil-Haftpflichtversicherung und eine Karambolageversicherung als Vorläufer der Fahrzeugversicherung hinzu. Aufgrund der erfolgreichen Geschäftstätigkeit entwickelte sich die Gesellschaft zu einem der größten Versicherungsbetriebe in Deutschland mit 1500 Angestellten. M. bediente sich erstmals für die Versicherungswirtschaft der Hilfsmittel moderner Bürotechnik. Er setzte amerikan. Schreibmaschinen ein und stellte hierfür als einer der ersten weibliche Arbeitskräfte ein; diese „Fräulein“ arbeiteten in eigenen großen Schreibzimmern, die von den Räumen der männlichen Angestellten streng getrennt waren. Ferner besaß der Verein ein von Robert Bosch konstruiertes Netz elektrischer Aktenbahnen zur Verbindung sämtlicher Abteilungen des weitverzweigten Gebäudekomplexes, eine neuzeitliche Registratureinrichtung und eine für die damalige Zeit fortschrittliche Telefonanlage mit 250 Anschlüssen.|

  • Auszeichnungen

    GKR (1909);
    Mitgl. d. Stuttgarter Stadtverordnetenkollegiums;
    Mitgl. d. Beirats d. Kaiserl. Aufsichtsamtes f. Privatversicherung.

  • Werke

    Zur Arbeiterversorgungsfrage, 1881;
    Zum Entwurf d. Allg. obligator. Reichs-Unfallversicherungsgesetzes, 1881;
    Kritik d. Entwurfes e. Reichs-Unfall-Versicherungs-Gesetzes, 1881;
    Wie soll man sich versichern? Eine Anleitung z. Erzielung e. auskömml. Pension od. Alters-, Invaliden-, Witwen- u. Waisenversorgung, 1895;
    Zur Haftpflichtversicherung, Eine Abwehr u. Aussprache in friedl. Sinn, 1900;
    Die Kreditversicherung, 1905.

  • Literatur

    K. Lindeboom, Stuttgarter Ver. Versicherungs-AG in Stuttgart 1875-1925, 1925 (P);
    A. Manes, Versicherungslex., 31930, Sp. 1084 f.;
    W. Molt, in: Lb. Schwaben IV, 1948, S. 134-48 (W, L, P);
    L. Arps, Dt. Versicherungsunternehmer, 1968, S. 99-114 (P);
    P.Koch, Pioniere d. Versicherungsgedankens, 1968, S. 313-19 (L, P);
    P. Borscheid, 100 J. Allianz, 1990, S. 63-65.

  • Portraits

    Ölgem. v. H. Moor, 1909 (Dr. Peter Molt, Bad Honnef), Abb. b. W. Molt (s. L).

  • Autor/in

    Peter Koch
  • Empfohlene Zitierweise

    Koch, Peter, "Molt, Carl Gottlob" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 10 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd10183988X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA