Lebensdaten
1885 – 1962
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
auf einer Seereise von den USA nach Deutschland
Beruf/Funktion
Hochfrequenztechniker ; Industrieller
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 14005233X | OGND | VIAF: 103363336
Namensvarianten
  • Löwe, Siegmund
  • Loewe, Siegmund
  • Löwe, Siegmund
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Zitierweise

Loewe, Siegmund, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd14005233X.html [15.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Ludwig (1844-1914), Dr. med., Arzt in B.;
    M N. N.;
    B David, Industrieller in B. u. USA.

  • Biographie

    L. verließ vorzeitig die Schule, war 1½ Jahre lang Feinmechanikerlehrling und dann Helfer für Präzisionsmessungen an der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt in Berlin. Daneben hörte er Vorlesungen über Elektrotechnik bei A. Slaby an der TH Charlottenburg. 1905-10 arbeitete L. als Ingenieur bei der Firma Telefunken in Berlin. Dann konnte er die Reifeprüfung nachholen und in Jena Physik und Astronomie studieren. 1912 promovierte er dort bei Max Wien, einem führenden Vertreter der Funktechnik, zum Dr. phil. Anschließend arbeitete er wieder bei Telefunken und übernahm Anfang 1915 die technische Leitung der „Dr. E. F. Huth Gesellschaft für Funktelegraphie“ in Berlin. Ende 1918 machte sich L. selbständig und gründete ein Laboratorium, das sich mit Funk- und Vakuumtechnik, aber auch mit medizinischen Problemen befaßte. 1922 entwickelte er zusammen mit dem Amerikaner Lee de Forest Verbesserungen an Elektronenröhren. Er erhielt Patente für den Konus-Lautsprecher, bei dem die Schallabgabe direkt durch die Membran erfolgte. Im Januar 1923 gründete er gemeinsam mit seinem Bruder David die „Radio-Frequenz GmbH“ für den Bau von Rundfunkgeräten, ein Pionierunternehmen der Branche in Deutschland. Weitere Gründungen L.s waren die Loewe Radio GmbH und die Audion-Werk Dr. S. Loewe GmbH. 1925 wurde die Astro-Werke GmbH gekauft. Alle diese Firmen faßte L. 1929 in der Berliner Radio-Handels AG zusammen, die seit 1930 „Radio AG Dr. S. Loewe“ hieß. 1938 gab L. den Vorsitz dieser Gesellschaft auf und emigrierte in die USA. Hier leitete er die schon zuvor gegründete Loewe Radio Inc., New York. Nach dem Krieg schaltete er sich wieder in die wissenschaftlich-technische Leitung seiner deutschen Stammfirma ein, die neben dem nach der Demontage wiederaufgebauten Berliner Werk seit 1948 über eine Zweigniederlassung in Kronach (Oberfranken) verfügte. Seit 1951 werden hier auch Fernsehgeräte hergestellt. Das Kapital der Loewe Opta AG (Firmenname seit 1949) befand sich in Familienbesitz. L. war bis zu seinem Tode Vorsitzender des Aufsichtsrats.

    L. erkannte frühzeitig die Bedeutung einer allgemeinen Verbreitung des Rundfunks. Nach einer Studienreise in die USA im Frühjahr 1920, also noch vor dem Beginn der dortigen großen Radio-Bewegung, setzte er sich für einen Rundfunk durch hochfrequenten Drahtfunk auf den bestehenden Versorgungsnetzen ein. Am 3.3.1923 veranstaltete er in seinem Laboratorium für den Reichspräsidenten Ebert eine Rundfunkvorführung. Er beteiligte sich an der Gründung von Vereinen wie dem Deutschen Radioclub, die durch ihr Wirken in der Öffentlichkeit die Einführung eines allgemeinen Rundfunks in Deutschland vorbereiten halfen.

    Schon 1922 sicherte sich L. die Mitarbeit des damals erst 15jährigen Manfred v. Ardenne. Die enge Zusammenarbeit, die bis 1932 währte, befruchtete entscheidend die Forschung in den L.schen Laboratorien. Ein Ergebnis war die Loewe-Dreifach-Röhre, die erste Integrierte Schaltung, die L. im Sept. 1924 zum Patent anmeldete. Mit ihr und der durch Ardenne optimierten Widerstands-Verstärkerschaltung fertigte er seit 1926 den preiswerten, leistungsstarken „Ortsempfänger“ OE 333. Dieses bald in Millionen-Stückzahlen gebaute Radio brachte L. für 39,50 RM in den Handel, ein Drittel des bisherigen Preises vergleichbarer Geräte. Ein „Fernempfänger“ (2H3N) für Batteriebetrieb mit Hochfrequenzverstärker (HF-Zweifachröhre) und ein Empfänger mit Netzanschluß (R 533) folgten. Um 1925 erkannte L. die Bedeutung von Schwingquarzen und verwendete sie als Zeit- und Frequenznormale. 1929 gehörte er (neben den Firmen Zeiss Ikon, Robert Bosch und Baird Television) zu den Gründern der Fernseh-AG in Berlin. In der Folge setzte er sich für das Fernsehsystem mit Elektronenstrahlen ein. Mit Hilfe des 1925-28 entwickelten Breitbandverstärkers und einiger Erfindungen Ardennes (Glühkathoden-Elektronenstrahlröhre mit besonders großer Helligkeit, „Leuchtfleck“-Abtaster) gelang der Aufbau einer Fernsehanlage mit Aufnahme- und Wiedergabesystem. Sie arbeitete am 14.12.1930 zum erstenmal. Im März 1931 erreichte das ständig verbesserte System mit der Verarbeitung von 10 000 Bildpunkten die Qualität der mechanisch arbeitenden Fernsehsysteme, war diesen jedoch an Bildhelligkeit weit überlegen. Daher stellten nun alle Firmen die Arbeit an mechanischen Fernsehsystemen ein. L. zeigte diesen ersten Prototyp eines vollelektronischen Fernsehsystems, jetzt mit 180 Zeilen und 25 Bildwechseln in der Sekunde, auf der Berliner Funkausstellung 1931. Auf der Funkausstellung 1933 stellte er seinen ersten in Serie gebauten elektronischen Fernsehempfänger vor. Nach seinem Vorschlag hatte er einen gemeinsamen Oszillator für UKW-, Bild- und Tonträgerempfang. Im März 1935 wurde das Fernsehen in Deutschland eingeführt, und 1936 erfolgten bereits regelmäßige Übertragungen von den Olympischen Spielen in Berlin durch den Fernsehsender Witzleben. –|L.s mathematisch-physikalische Begabung wurde in glücklicher Weise durch seine experimentell-konstruktiven Fähigkeiten ergänzt. Dadurch wurden die Loewe-Werke zu einer Keimzelle der Rundfunk- und Fernsehentwicklung.

  • Literatur

    . E. Nesper, Ein Leben f. d. Funk, 1950, S. 103, 110;
    G. Goebel, Dr. S. L. z. Gedächtnis, in: Nachrichtentechn. Zs. (NTZ) 15, 1962, Nr. 6, S. 305 f., Nr. 7, S. 362;
    M. v. Ardenne, Ein glückl. Leben f. Technik u. Forschung, 1972;
    ders., S. L., in: S. v. Weiher (Hrsg.), Männer d. Funktechnik, 1983, S. 111 f. (P);
    R.-D. Dennewitz, Loewe Story, 1973 (P);
    60 J. Loewe, in: Funktechnik 38, 1983, Nr. 10, S. 402 f.;
    Hdb. d. Dt. Aktienges. 1961/62, S. 3373.

  • Autor/in

    Helmut Mielert
  • Zitierweise

    Mielert, Helmut, "Loewe, Siegmund" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 86-88 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd14005233X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA