Lebensdaten
1837 – 1917
Geburtsort
Emmerich/ Rhein
Sterbeort
Rom
Beruf/Funktion
katholischer Theologe ; Kirchenhistoriker ; Christlicher Archäologe ; Rektor des Campo Santo Teutonico ; päpstlicher Geheimkämmerer ; apostolischer Protonotar
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118628046 | OGND | VIAF: 95214167
Namensvarianten
  • Waal, Anton Joseph Johann de
  • Waal, Anton Maria de
  • Waal, Anton de
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Waal, Anton de, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118628046.html [17.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm Johann (1803–81), aus E., Kaufm., Teilh. d. Posamentenfabrik W. C. Walter & Co. in E., S d. Johannes (1766–1841) u. d. Christine Rus (1756–1826);
    M Helena Maria (1810–57), aus Solingen, T d. Heinrich Johann van Beeck (1782–1849), Lehrer, u. d. Anna Christine Kuhlmann (1785–1814);
    14 jüngere Geschw u. a. Eduard, Stadtrat u. Kreistagsabg., Karl, Weinhändler, Heinrich, Konditor, Hugo, Zigarrengroßhändler;
    N Arthur (1865–1955), Vf. e. Fam.gesch. (s. L).

  • Biographie

    Nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums in Emmerich, dem Studium der kath. Theologie an der Akademie in Münster und der Priesterweihe 1862 ging W. 1868 als Kaplan an das Priesterkolleg Santa Maria dell’Anima in Rom und erwarb 1869 den theol. Doktorgrad an der Universität der Jesuiten. 1871 wechselte er an den Campo Santo Teutonico, dessen Rektor er mit Beginn 1873 wurde.

    Hier entfaltete er eine umfassende Aufbautätigkeit, indem er die Erzbruderschaft, die Eigentümerin dieser Institution, erneuerte und 1876 ein Priesterkolleg als Nutznießer der Immobilie gründete, das anders als alle anderen Kollegien in Rom wissenschaftlich orientiert war. Dazu baute er eine Fachbibliothek für Kirchengeschichte und Christliche Archäologie und ein Museum auf. Er führte Generationen von Priestern in die röm. Wissenschaftswelt ein. Geeignete Kandidaten, z. B. Adolf Hytrek, Carl Maria Kaufmann und Franz Joseph Dölger) schickte er auf archäologische Studienreisen nach Nordafrika und führte selbst mit Kollegiaten, z. B. Paul Styger, archäologische Grabungen durch (Platonia, S. Sebastiano).

    1887 gründete W. als Kollegsorgan die „Römische Quartalschrift für christliche Altertumskunde und Kirchengeschichte“, in der er die meisten seiner Beiträge publizierte, und 1901 den „Oriens Christianus“ für ostkirchliche Studien. 1888 holte er die in den politischen Katholizismus vernetzte „Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft im katholischen Deutschland“ ins Haus, die dort eine Station, bald ein Institut einrichtete, um das seit 1881 geöffnete Vatikanische Geheimarchiv für die dt. Wissenschaft zu erschließen. Zahlreiche Kollegiaten, z. B. Johann Peter Kirsch, Heinrich Swoboda, Gustav Piffl und Marius Besson, nahmen später in ihrer Heimat herausragende kirchliche und akademische Positionen ein. 1892 regte W. das erst 1925 realisierte „Museo Petriano“ an. Er war maßgeblich an der Etablierung internationaler Kongresse für Christliche Archäologie beteiligt (erstmals 1894 in Split). 1879 initiierte er am Campo Santo Teutonico die Gründung des „Collegium Cultorum Martyrum“, der einflußreichen Bewegung zur Erforschung und Popularisierung der Katakombenmärtyrer. Zur Verbreitung der Märtyrerverehrung schrieb W. auch Romane und Theaterstücke, daneben populäre Romführer. Um Mittel einzuwerben, unternahm er ausgedehnte Vortragsreisen in Deutschland. Er war ausgreifend pastoral tätig durch Pilgerbetreuung (Pilgerhaus am Campo Santo Teutonico), Katakombenführungen und neue Frömmigkeitsformen (seit 1904 Fest der Protomartiri Romani). Seit 1904 / 05 baute er als Kommissar im Auftrag der dt. Episkopate eine dt. Auslandsseelsorge in Italien auf. In Rom gründete W. Sozial- und Bildungseinrichtungen, für die er dt. Ordensleute gewann. Vergeblich blieben hingegen seine Bemühungen um eine konfessionelle dt. Schule.

    Der 1. Weltkrieg machte einen Großteil von W.s Lebensleistung zunichte. W. war Repräsentant des ultramontanen Katholizismus, der im Papsttum den Garanten der Kirchenfreiheit und kath. Emanzipation im Dt. Reich sah. Mit ausgeprägtem Organisationstalent betrieb W. eine durchaus liberale Wissenschaftsförderung. Dank seiner langen Amtszeit, seiner unzähligen Initiativen erhob er den Campo Santo Teutonico zu einer angesehenen Institution klerikaler Ausbildung und kirchengeschichtlich-archäologischer Wissenschaft.

  • Werke

    |Der italien. Raubzug wider Rom im Sept. 1870, Von e. Augenzeugen, 1871 (anon.);
    Der Rompilger, 1888, 121925;
    Der Campo Santo d. Deutschen zu Rom, 1896;
    Papst Pius X., Ein Lb. d. Hl. Vaters, 1903;
    Roma Sacra, Die Ewige Stadt in ihren christl. Denkmälern u. Erinnerungen alter u. neuer Zeit, 1905;
    Nachlaß: Archiv d. Campo Santo Teutonico (Rom);
    BA Koblenz.

  • Literatur

    |Arthur de Waal, Gesch. d. Geschl. de W., 1935, S. 30–38;
    ders., Prälat Dr. A. d. W., 1937;
    E. Gatz, A. d. W. (1837–1917) u. d. Campo Santo Teutonico, 1980 (W-Verz. S. 133–36, P);
    St. Heid, A. d. W., d. Campo Santo Teutonico u. d. christl. Archäol. Dalmatiens, in: Kačic´ 41–43, 2009–11, S. 1031–70;
    ders., in: Personenlex. Christl. Archäol. (Qu, W, L);
    ders., Wohnen wie in Katakomben, Kl. Mus.gesch. d. Campo Santo Teutonico, 2016;
    Päpstlichkeit u. Patriotismus, Der Campo Santo Teutonico, Ort der Deutschen in Rom zw. Risorgimento u. Erstem Weltkrieg (1870–1918), hg. v. St. Heid u. K.-H. Hummel, 2018.

  • Porträts

    |Ölgem. (Rom, Campo Santo Teutonico);
    zahlr. Photogrr. (Archiv d. Campo Santo Teutonico), Abb. in: Gatz, A. d. W., 1980 (s. L), Taf. 11–16.

  • Autor/in

    Stefan Heid, Hartmut Benz
  • Zitierweise

    Heid, Stefan; Benz, Hartmut, "Waal, Anton de" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 152-153 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118628046.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA