Lebensdaten
1601 oder 1602 bis 1634
Geburtsort
Weilheim
Sterbeort
Augsburg
Beruf/Funktion
Bildhauer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118740164 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Betel, Georg
  • Betle, Georg
  • Petle, Georg
  • mehr

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Zitierweise

Petel, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118740164.html [18.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Clemens (Clement) Petle (um 1560–1612), wahrsch. aus Schwaben, Kunstschreiner (Kistler) u. Bildhauer, 1587 Bürger in W.;
    M Maria, T d. Thomas Älbl, Sporer u. Waagmstr. in W.;
    Om Johann Aelbl (Albel, 1552–1621), seit 1600 Stadtpfarrer in W., Schriftst. (s. NDB I);
    B Clemens, Goldschmied in W., erhielt 1625 d. Meisterrecht;
    Augsburg 1625 Regina, T d. Augustin Schreiber, Gastwirt in A, u. d. Barbara Erhart;
    4 S, 3 T

  • Leben

    Erste Anregungen empfing P. wohl schon in der väterlichen Werkstatt. 1617 wurden der Händler Caspar Schropp, Schwager seiner Mutter, und der Bildhauer Bartholomäus Steinle (um 1580–1628/29) zu seinen Vormündern bestellt. Bei letzterem ging P. mit ziemlicher Sicherheit in die Lehre. Um 1619/20 begann er die Wanderschaft und setzte seine Ausbildung vermutlich in München bei Christoph Angermair (um 1580–1632/33) fort. Er erlernte das damals beliebte Schnitzen in Elfenbein und brachte es schon bald zu großer Meisterschaft. Um 1620 reiste er wohl zum ersten Mal in die Niederlande. Verbürgt ist, daß er sich 1621 in Paris aufhielt, wo er ein Elfenbeinkruzifix schnitzte (verschollen). Von dort ging er weiter nach Italien, war 1621/22 in Rom, um 1622 in Genua. Auch dort stellte er Elfenbeinkruzifixe her (eines davon erhalten: Genua, Palazzo Pallavicino). Nach einem wahrscheinlichen Aufenthalt in München begab er sich vermutlich 1624 nach Antwerpen, wo er für Peter Paul Rubens Elfenbeinbildwerke mit antiken Themen schnitzte, darunter eine Venus mit Cupido (Oxford, Ashmolean Mus.).

    Spätestens im Frühjahr 1625 kehrte P. nach Deutschland zurück und ließ sich in Augsburg nieder. Im selben Jahr erhielt er das Bürger- und das Meisterrecht der Stadt und heiratete die Tochter einer namhaften Augsburger Bürgerfamilie. Einer der Trauzeugen und Taufpate der Kinder war der Maler Johann Mathias Kager (1575–1635). Im ersten Halbjahr 1628 hielt er sich wiederum bei Rubens in Antwerpen auf. P. vermittelte ihm Kunstankäufe und erwarb selbst Bilder von ihm und Anthonis van Dyck, die er weiterverkaufte. Auch während dieses Aufenthalts schuf er für Rubens Werke in Elfenbein. Zwei von überragender künstlerischer Qualität nach Entwürfen von Rubens haben sich aus dessen Nachlaß erhalten: ein Kruzifix (Dänemark, Schloß Frederiksborg, Nat.hist. Mus.), von dem P. noch weitere Versionen herstellte, und ein Salzfaß mit dem Triumph der Venus (Stockholm, Kgl. Schloß). Ebenfalls in Antwerpen ist vermutlich das Porträt P.s von Van Dyck entstanden (München, Alte Pinakothek).

    In Augsburg fertigte P. zahlreiche kleinplastische Werke in Elfenbein, Holz und Bronze, wie sie für Kunstkammern begehrt waren. Zunehmend bekam er auch Aufträge für großformatige sakrale Skulpturen, häufig auf Vermittlung seines Förderers Ottheinrich Gf. Fugger (1592–1644). Der 1629-31 aus Lindenholz geschnitzte hl. Sebastian (Aislingen, Sebastianskapelle), der „Pálffy-Crucifixus“ (jetzt in Marchegg, Christkönig-Kirche) und die Ecce-Homo-Figur (mit Originalfassung, Augsburg, Dom) zeigen wie die in Bronze gegossene Gruppe Christus am Kreuz mit der hl. Maria Magdalena (Regensburg, kath. Stadtpfarrkirche Niedermünster), daß P. nicht nur ein virtuoser Kleinplastiker war, sondern auch im großen Format – vor allem in seinen Christusdarstellungen – überzeugende Ausdrucksmöglichkeiten besaß.

    1631 wurde P. in den großen und kleinen Rat Augsburgs gewählt. Als aber die Schweden im April 1632 die Stadt eroberten und den kath. Stadtrat durch einen ev. ersetzten, verlor er sein Amt. Er durfte dennoch eine Bildnisbüste des in Augsburg weilenden schwed. Kg. Gustav II. Adolf für den Bronzeguß modellieren (eine der Bronzen in Stockholm, Kgl. Schloß). P. starb 33jährig während der Pestepidemie im Herbst oder Winter 1634 in der von kaiserl. Truppen belagerten Stadt.

    Nach der hohen Wertschätzung, die P.s Werk im 17. und 18. Jh. genoß, geriet der Bildhauer im 19. Jh. fast völlig in Vergessenheit. Seine Wiederentdeckung im 20. Jh. ist Karl Feuchtmayr (1893–1961) zu verdanken. P. ist zweifellos einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer der 1. Hälfte des 17. Jh., einer der ersten, der den Schritt vom Manierismus zum Barock konsequent vollzogen hat. Von wesentlicher Bedeutung war das Vorbild seines Freundes Rubens. Dennoch erreichte P. einen persönlichen Stil, der – trotz der Zäsur durch den Dreißigjährigen Krieg – auf die süddeutsche Barockplastik bis ins 18. Jh. nachwirkte.

  • Werke

    Weitere W Christus am Kreuz, Elfenbein, um 1618-20 (München, Bayer. Nat.mus.);
    Die Drei Grazien, Bronzerelief, um 1624 (Boston, Mus. of Fine Arts);
    Geißelung Christi, Figuren in Elfenbein u. Birnbaumholz, um 1625/26 (München, Bayer. Nat.mus.);
    Die beiden Schächer e. Kreuzigung, Bronzefiguren, um 1625/26 (Berlin, Staatl. Museen Preuß. Kulturbes.);
    Herkules u. d. nemäische Löwe, Elfenbeingruppe, um 1625/30 (München, Beyer. Nat.mus);
    Herkules im Kampf mit d. Hydra. Lindenholzgruppe, um 1625/30 (Augsburg, Städt. Kunstslgg., Maximilianmus.);
    Adam u. Eva. Elfenbeinrelief, 1627 (Antwerpen, Rubenshuis);
    Christus am Kreuz, Lindenholz, lebensgroß, um 1627 (Augsburg, Dominikanerkirche Heilig-Kreuz);
    Christus am Kreuz, Elfenbein, um 1630 (München, Schatzkammer d. Residenz);
    Hl. Christophorus. Lindenholz, lebensgroß, um 1630 (Augsburg, kath. Stadtpfarrkirche St. Moritz);
    Hl. Sebastian, Elfenbein, um 1630/31 (München, Bayer. Nat.mus.);
    Pokal mit Bacchanal, Elfenbein u. vergoldetes Silber, um 1630/33 (Augsburg, Städt. Kunstslgg., Maximilianmus.);
    Kreuzigungsgruppe d. Augsburger Heilig-Geist-Spitals, lebensgroße Figurengruppe aus Lindenholz, 1631 (Augsburg, Barfüßerlurche u. Städt. Kunstslgg., Maximilianmus.);
    Christus Salvator, Lindenholz, lebensgroß, 1632/33 (Augsburg, kath. Stadtpfarrkirche St. Moritz).

  • Literatur

    J. v. Sandrart, Teutsche Ac. d. Bau- Bild- u. Mahlerey-Künste, 1675, II. T., III. Buch, S. 342/343 (P), Faks. Neudr. 1994, Bd. I;
    Th. Müller u. A. Schädler, G. P. 1601-1634, Ausst.kat. München 1964 (P);
    Augsburger Barock, Ausst.kat. Augsburg 1968, bes. S. 73-75, 82-91;
    K Feuchtmayr, A. Schädler u. a., G. P. 1601/2-34, 1973 (Monogr. mit Werkkat. u. wieder abgedr. Texten K. Feuchtmayrs, Bibliogr., P);
    R. Helm, Weilheimer Straßennamen IV, Petelgasse (G. P. z. 350. Todestag), in: Lech-Isar-Land 1984, S. 236-46;
    A. Schädler, G. P. 1985 (Bibliogr., P);
    N. Lieb, in: Lb. Bayer. Schwaben 13, 1986, S. 118-43 (P);
    W. Zohner, Jesu Wandel, Die hl. Fam. d. Benediktinerinnen-Abtei Frauenchiemsee e. Werk G. P.s?, in: Jb. d. Ver. f. christl. Kunst e. V., XVI, 1987, S. 87-96;
    ThB;
    Dict. of Art;
    Augsburger Stadtlex. (P).

  • Portraits

    Ölbild v. A. Van Dyck, um 1628 (München, Alte Pinakothek);
    Studie zu Nachstich nach diesem Gem. v. J. v. Sandrart f. dessen „Teutsche Academie“, 1675, s. L (Bayer. Staatsbibl. München), abgeb. b. K. Feuchtmayer, A. Schädler, s. L.

  • Autor/in

    Alina Dobrzecki-Langer
  • Empfohlene Zitierweise

    Dobrzecki-Langer, Alina, "Petel, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 217-218 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118740164.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA