Lebensdaten
1914 bis 1988
Geburtsort
Hildesheim
Sterbeort
Hannover
Beruf/Funktion
Physiker ; Politiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 123151376 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pestel, Eduard Christian Kurt
  • Pestel, Eduard
  • Pestel, Eduard Christian Kurt
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Zitierweise

Pestel, Eduard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123151376.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V kurt, kaufm., seit 1908 in H., S e. Gastwirts in Lauterbach (Vogtland);
    M N. N.;
    1) 1940 Mary Jaqueline Evans, 2) 1961 Anneliese Ude, Psychotherapeutin;
    K, u. a. Robert, Physiker.

  • Leben

    P. besuchte nach einer Maurerlehre drei Jahre die Höhere Technische Staatslehranstalt für Hoch- und Tiefbau in Hildesheim und studierte anschließend 1935-38 an der TH Hannover Zu Beginn des 2 Weltkriegs befand er sich als Austauschstudent in den USA bzw. Mexiko. Nach einem gescheiterten Heimkehrversuch arbeitete er 1940/41 an der deutschen Botschaft in Washington. Eine erneute Rückreise nach Deutschland wurde 1941 durch eine Erkrankung seiner Frau in Japan unterbrochen; der Ausbruch des Japan.-russ. Krieges verhinderte danach die Weiterreise. 1942-47 arbeitete P. bei den Firmen Leybold bzw. Osaka Kinzoku Kogyo in Osaka. Nach seiner Rückkehr wurde er 1947 in Hannover promoviert (Ein strenges Verfahren z. Berechnung v. Trägerschwingungen unter wandernden Lasten). Nach der Habilitation 1950 über eine Theorie der Biegeschwingungen bei verschiedenen Belastun gen lehrte P. als Dozent und apl. Professor und wurde 1957 als o. Professor auf den Lehrstuhl für Mechanik der TH Hannover berufen (1969/70 Rektor). Schwerpunkte seiner Hochschultätigkeit waren Forschungen auf dem Gebiet der Regelungstechnik, der Plastizitätstheorie, der Plasto- und Elastomechanik und der Strömungstechnik. Seine wichtigsten Veröffentlichungen auf diesen Gebieten sind „Technische Mechanik“ (2 Bde., 1969–71, mit Jens Wittenburg) und „Matrix Methods in Elastomechanics“ (1962, mit Frederick A. Leckie). 1971 gründete P. gemeinsam mit Lothar Hübl das private „Institut für Angewandte Systemforschung und Prognose“ (ISP) in Hannover, das er bis zu seinem Tode leitete.

    Seit 1969 war P. Mitglied des Exekutivkomitees des 1968 gegründeten „Club of Rome“. Dieser hatte sich – wie P. im Vorwort zur deutschen Ausgabe des 1. Berichts des Club of Rome „Die Grenzen des Wachstums“ (1972) schrieb – die Aufgabe gestellt, „die Ursachen und inneren Zusammenhänge der sich immer stärker abzeichnenden Menschheitsprobleme zu ergründen“ und die politischen Entscheidungsträger darauf aufmerksam zu machen. P. gehörte zu den Kritikern der 1972 von Dennis Meadows und seinen Mitarbeitern am Massachusetts Institute of Technology (MIT) verfaßten Untersuchung; er sah die Welt darin zu vereinfacht dargestellt und auf zu wenige Parameter reduziert. Seine gemeinsam mit dem Amerikaner Mihailo Mesarovic erarbeitete Studie „Menschheit am Wendepunkt“ (1974) entwickelte statt dessen ein stärker regional gegliedertes Weltmodell und bemühte sich um eine stärkere Differenzierung der Rohstoff- und Energieprobleme sowie der wirtschaftlichen Strukturen als Voraussetzung für konkrete politische Schlußfolgerungen. Die Arbeit wurde als offizieller 2. Bericht des Club of Rome akzeptiert. In dem Buch „Das Deutschland-Modell“ (1978) führte P. diese Forschungen im nationalen Rahmen weiter: Mittels eines Computerprogramms wurde die mögliche Entwicklung der deutschen Bevölkerung und Wirtschaft bis zum Jahr 2000 simuliert, wobei v. a. die errechneten andauernd hohen Arbeitslosenzahlen für großes politisches Aufsehen sorgten. P.s Prognosen bestätigten sich, und sein Ansatz einer Entwicklung von Weltmodellen unter Berücksichtigung sich wandelnder Sozialsysteme erlangte Bedeutung als Entscheidungshilfe für Politiker.

    1977-81 war P. (parteilos, 1978 CDU-Mitgl.) Minister für Wissenschaft und Kunst in der|niedersächs. Regierung Ernst Albrecht. Eine von ihm eingesetzte „Forschungsstruktur-kommission“ veränderte das Hochschulwesen des Landes entscheidend, indem neue Forschungseinrichtungen geschaffen und das „Niedersächs. Institut für Wirtschaftsforschung“ ins Leben gerufen wurden. In seinen letzten Lebensjahren übte P. Beratertätigkeiten u. a. im Auftrag der Weltbank aus.|

  • Auszeichnungen

    Vizepräs, d. DFG (1971–77); Senatsvors. d. Fraunhofer-Ges. (1974); Vors. d. Kuratoriums d. Stiftung Volkswagenwerk (1977–79); Mitbegr. d. Dt. Ges. Club of Rome (1978); Dr. eng. h. c. (Rensselaer Polytechnic Inst. Troy, N. Y., 1970); Mitgl. d. Nat. Ac. of Engineering (Washington D. C.); Begr. (1982) u. Vors. (1982–88) d. Dt. Technion-Ges.; Komtur d. ital. Verdienstordens (1972); Max Born-Medaille d. Ges. f. Verantwortung in d. Wiss. (1982); Karmarsch-Denkmünze d. Hann. Hochschulgemeinschaft (1987).

  • Werke

    Weitere W Grundlagen d. Regelungstechnik, 1961;
    Strömungstechn. Unterss. v. Staubniederschlagsmeßgeräten, 1962;
    Vorlesung üb. Kinematik u. Kinetik, 1964;
    Dynamics, 1968 (mit W. T. Thomson);
    Phänomene d. pulsierenden Strömung im Blutkreislauf aus technolog., physiolog. u. klin. Sicht, 1969;
    Statics, 1969 (mit W. T. Thomson);
    Der teufl. Regelkreis, Das Globalmodell d. Menschheitskrise, 1972;
    Unsere Chance heißt Vernunft, Lernen f. d. Welt v. morgen, 1980;
    Perspektiven d. Dienstleistungswirtsch., 1986;
    Jenseits d. Grenzen d. Wachstums, 1988 – Autobiogr. Notizen:
    Uns fehlte d. geistige Kompaß, in: Mein Elternhaus, Ein dt. Fam.album, hg. v. R. Pörtner, 1984, 31994, S. 167-74 (P).

  • Literatur

    J. Schmidt, in: SZ v. 29.4.1981 (P);
    J. Streich, 30 J. Club of Rome, Anspruch, Kritik, Ziele, 1997 (P);
    Cat. professorum TH Hannover 1831-1981, II, 1981 (P);
    Pogg. VII a;
    Munzinger;
    Hildesheimer Lit.lex. v. 1800 bis heute, hg. v. D. Kemper u. a., 1996.

  • Autor/in

    Wilhelm Füßl
  • Empfohlene Zitierweise

    Füßl, Wilhelm, "Pestel, Eduard" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 216 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123151376.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA