Lebensdaten
1866 bis 1924
Geburtsort
Empoli bei Florenz
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Pianist ; Komponist ; Dirigent ; Musikschriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118518011 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Busoni, Ferruccio Benvenuto
  • Busoni, Ferruccio Dante Michelangelo Benvenuto
  • Busoni, Ferruccio
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Zitierweise

Busoni, Ferruccio, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118518011.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ferdinando (1834–1909), Klarinettenvirtuose, S des Giov. Batt. u. der Anna Bini;
    M Anna (1833–1909), T des Josef Ferdinand Weiß, Getreidekaufmann in Triest, u. der Carolina de Candido aus Friaul;
    Moskau 1890 Gerda, T des schwedischen Bildhauers Carl Aeneas Sjöstrand;
    S Benvenuto (* 1892), Graphiker u. Maler, Raffaelo (* 1900), Maler.

  • Leben

    B., schon als vierjähriges Kind musikalisch ungewöhnlich begabt, erhielt den ersten Unterricht durch die Eltern und gab mit noch nicht 8 Jahren in Triest sein erstes öffentliches Konzert. Bereits 1881 in Bologna zum|Mitglied der Reale Accademia filarmonica ernannt, führte er dort 1883 sein Oratorium „Il sabato del villaggio“ (nach Leopardi) auf. In Wien schloß er Freundschaft mit Carl Goldmark, dessen Oper „Merlin“ er im Klavierauszug herausgab. Brahms, dem er die Konzertetüden op. 16/17 gewidmet hatte, empfahl ihn an Carl Reinecke in Leipzig. Dort wurde er mit P. Tschaikowski, E. Grieg, Frederick Delius, Christ. Sinding und Gustav Mahler bekannt, veröffentlichte seine beiden Streichquartette und begann mit den oft angegriffenen Klavierübertragungen von Orgelwerken Johann Sebastian Bachs. B. ging auf Anraten Hugo Riemanns nach Helsingfors und nahm Verbindung mit Jan Sibelius und Armas Järnefelt auf. 1890 erhielt er in Moskau den Rubinsteinpreis für sein Konzertstück op. 31 a. Als Pianist von Weltruhm ließ er sich 1894 in Berlin nieder, das er, abgesehen von Konzertreisen und einem kriegsbedingten Aufenthalt in der Schweiz, bis zu seinem Tode als ständigen Wohnsitz hatte. Berühmt wurden ab 1902 seine Konzerte neuer Musik mit dem Philharmonischen Orchester, in denen erstmals unter anderem Werke von Schönberg und Bartok erklangen. Sein Heim war einer der großen geistigen Mittelpunkte Berlins.

    Als Schöpfer von zahlreichen Instrumentalwerken und viel diskutierten Opern („Dr. Faust“ wurde von seinem Freunde Philipp Jarnach vollendet) gehört B. zu den großen Wegbereitern der Neuen Musik sind seine frühen Werke noch der romantischen Tradition verpflichtet und setzt er selbst den Neubeginn seines Schaffens mit den „Elegien“ (1907) an, so darf man schon das von Max Reger hervorragend gewürdigte Konzertstück op. 31 a als wichtige Etappe auf dem Wege zu der von ihm in dem „Versuch einer neuen Ästhetik der Tonkunst“ verkündeten „Jungen Klassizität“ sehen, die gegen den Romantizismus des späten 19. Jahrhunderts die absolute Musik Bachs und Mozarts als Ausdruck der Melodie setzt. Trotzdem bleibt er Franz Liszt als dem Schöpfer neuer klavieristischer Gestaltungsmittel verbunden, wie bei ihm überhaupt das Klavier im Vordergrund steht. Parallel zu Schönberg, dem er indessen Anarchie vorwirft, entwickelt B., zeitlebens ein scharfer Denker mit pädagogischem Verantwortungsgefühl, über die Durmolltonalität hinaus eine völlig neue Harmonik und Gesetzmäßigkeit von unerhörter spekulativer Kraft, die in der Sonatina seconda ihren äußersten Punkt erreicht. Selbst der Entwurf eines Dritteltonsystems stammt von ihm. Durch seine kühne kombinatorische Phantasie steigert er sich in eine ständig wachsende Vereinsamung, die auch den Dramatiker ergreift. Dennoch sind seine Bühnenwerke (vor allem „Turandot“ und „Dr. Faust“), in denen er hohe dichterische Begabung zeigt, der Beginn einer heute noch nicht abgeschlossenen Entwicklung des Musiktheaters, die sich gegen den Ausdrucksrausch seiner Epoche stellt. Über seinen Weg ständig in tiefgründigen Schriften Rechenschaft ablegend, bekennt er sich in seiner Entgegnung auf Pfitzners Schrift „Futuristengefahr“ als Anbeter der Form, die er, zwiespältig in der Bewahrung der Tradition und in der umwälzenden Neugestaltung einer Zukunft der Musik, schöpferisch meistert.

  • Werke

    u. a. Symphon. Suite op. 25, 1888;
    Geharnischte Suite op. 34 a, 1895, Neufassung 1903;
    Violinkonzert op. 35 a, 1896/97;
    Violinsonate op. 36 a, 1898;
    Klavierkonzert mit Männerchor, 1903/04;
    Berceuse élégiaque op. 42, 1909;
    6 Sonatinen, 1910 bis 1921;
    Fantasia contrappuntistica, 1910 u. 1922;
    Die Brautwahl, Oper, 1912;
    Rondo arlecchinesco op. 46, 1915;
    Arlecchino, Oper, Zürich 1917;
    Neuausgaben u. Übertragungen d. Werke Bachs;
    zahlr. Bearbb. - Schrr.: Versuch einer organ. Klaviernotenschr., 1910;
    Lehre v. d. Übertragung v. Orgelwerken auf d. Klavier, Anhang z. Ausg. v. J. S. Bachs Wohltemperiertem Klavier, o. J.;
    Von d. Einheit d. Musik, 1922;
    Briefe an seine Frau, 1935.

  • Literatur

    H. Leichtentritt, F. B., 1916;
    H. Pfitzner, Futuristengefahr, in: Ges. Schrr. I, 1926, S. 185-223;
    S. F. Nadel, F. B., 1931;
    E. J. Dent, F. B., 1933;
    F. Hamel, in: Atlantis-Buch d. Musik, 1934, S. 358 bis 361;
    W. Georgii, in: Klaviermusik, 1941, S. 413 bis 415;
    E. Debusmann, F. B., 1949;
    H. Wirth, in: MGG (W, L).

  • Portraits

    Totenmaske (Slg. W. Krieg, Berlin).

  • Autor/in

    Helmut Wirth
  • Empfohlene Zitierweise

    Wirth, Helmut, "Busoni, Ferruccio" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 70-71 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118518011.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA