Lebensdaten
1889 bis 1952
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Schloß Hartmannsberg/Chiemsee
Beruf/Funktion
Bildhauer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119150204 | OGND | VIAF: 57418689
Namensvarianten
  • Thorak, Josef
  • Thorak, Joseph

Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Thorak, Josef, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119150204.html [01.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    Außerehel. V Josef (1847–1936), Hafnergehilfe, S d. Josef, Schuster in Heilsberg (Ostpreußen);
    M Mathilde (1853–1943), T d. Martin Emig, Hammerschmiedemeister in S.;
    1) Berlin-Wilmersdorf 1918 1926 Herta (1895–1928), T d. Hugo Kroll,|2) Berlin-Wilmersdorf 1929 1933 Hilda (1898–n. 1945, jüd.), emigrierte n. England, T d. Meer Lubowski, Tierarzt (?), Übers., u. d. Adele Gesang, 3) 1946 Erna Hönig (1915–2004);
    2 S aus 1) (1 früh †) Siegfried (1917-um 1942), 1 S aus 2) Peter (1930–2006), emigrierte in d. Schweiz, 1 S aus 3) Hein Thilo (* 1949), 1 außerehel. S (früh †); Schwager Oskar Lubowski, Dr. med., Arzt in Berlin.

  • Leben

    Der aus einfachen Verhältnissen stammende T. wuchs zeitweise in einem Heim in Salzburg auf; um 1904 erhielt er, wahrscheinlich in Pressburg, eine Ausbildung im Töpferhandwerk, arbeitete anschließend in der Wienerberger Tonwarenfabrik in Wien und besuchte daneben Abendkurse an der dortigen Kunstgewerbeschule unter Leitung von Anton Hanak (1875–1934). Im Okt. 1911 begann T. ein Studium der Bildhauerei an der Wiener Akademie der bildenden Künste bei Josef Müllner (1879–1968), unterbrochen von einer Studienreise in die Türkei und auf den Balkan. Nach dem Studienabschluß 1915 erhielt T. auf Vermittlung des Direktors des Kunsthist. Museums, Julius v. Schlosser (1866–1938), Kontakt zum Generaldirektor der Preuß. Museen, Wilhelm v. Bode (1845– 1929), in Berlin, der ihm eine Gehilfenstelle bei dem Akademie-Lehrer Ludwig Manzel (1858–1936) und erste Aufträge verschaffte. So schuf T. für die Verlegerfamilie Ullstein einen dekorativen Brunnen (Druckhaus Tempelhof, 1926) und eine Grabplastik (Friedhof Herrstraße, 1928); auch Kriegerdenkmale (Berlin-Wannsee, 1920) und Bauplastiken an Schulen und Kirchen gehörten zu diesen frühen Arbeiten. Mit seinen in Wachs modellierten, idealisierten Frauen- und muskulösen Männerfiguren errang T. Aufmerksamkeit in der Berliner Gesellschaft. Er wurde Mitte der 1920er Jahre Mitglied der Secession und des Dt. Künstlerbundes. 1920 zog er nach Bad Saarow und ließ sich dort ein Atelierhaus bauen.

    Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 ließ sich T. von seiner jüd. Frau scheiden, obwohl ihm ein Auftrag in der Türkei die Möglichkeit zur Ausreise mit Frau und Kind geboten hätte. In Ankara übernahm er, auf Vermittlung des ausführenden Architekten Clemens Holzmeister (1886–1983), die Fertigstellung des von Hanak entworfenen Emniyet-Denkmals (1934). Weitere Aufträge, darunter ein Porträt des Staatsoberhaupts Kemal Atatürk, schlossen sich an. T. orientierte sich jedoch auf eine Karriere in Deutschland, wo ihm das „Amt Rosenberg“ 1935 eine erste Einzelausstellung ausrichtete. Die Porträts von Hitler (1934, 1936), Hindenburg (1932), Mussolini (1934, 1942) und Piłsudski (1935) weisen auf T.s Nähe zu den Parteifunktionären hin, die ihm zu weiteren Staatsaufträgen verhalfen. Bauplastiken für das neue Gebäude der Reichsbank in Berlin (1936–38) und Skulpturen auf dem Olympia-Gelände 1936 sowie die monumentalen Figurengruppen „Familie“ und „Kameradschaft“ für die Weltausstellung 1937 in Paris gingen den umfangreichen, nie fertiggestellten Aufträgen für die plastische Ausgestaltung des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg voran. Seit 1937 stellte T. regelmäßig auf der Großen Dt. Kunstausstellung in München seine Auftragswerke für das NS-Regime aus.

    1937 wurde T. auf Veranlassung Hitlers als Leiter einer Meisterklasse an die Akademie der Bildenden Künste in München berufen und ihm ein großer – von Albert Speer geplanter – Atelierneubau in Baldham zur Verfügung gestellt. Trotz dieser Gunstbeweise erlebte T. zum Ende der 1930er Jahre eine Zurücksetzung gegenüber seinem Rivalen Arno Breker (1900–91), der wie er einen konservativen Monumentalstil mit muskulösen Männerfiguren pflegte. Während Breker daneben auch gefällig posierende Frauenakte modellierte, gerieten T.s Frauenfiguren zunehmend herber. Erst mit den pathetischen weiblichen Figuren der 1940er Jahre, wie „Das Licht“ oder „Letzter Flug“ (beide 1942), kehrte T. zu einer tradierten Körperlichkeit zurück, die wieder Anklang bei der Parteiführung fand. Als „unersetzlicher Künstler“ war er auch in der Endphase des Krieges vom aktiven Militäreinsatz befreit.

    Die zahlreichen Partei- und Privataufträge ließen T. zu Wohlstand kommen, den er 1938 mit dem Erwerb von Schloß Hartmannsberg (Chiemgau) demonstrierte. 1943 gelangte er in den Besitz von Schloß Prielau, das das Land Salzburg von der Familie Hugo v. Hofmannsthals beschlagnahmt hatte.

    1948 wurde T. von der Spruchkammer München als „minderschwer“ betroffen eingestuft, das Urteil wurde in zwei Berufungsverfahren 1949 und 1951 bestätigt. Nach einem bescheidenen Neuanfang auf dem Gebiet der dekorativen Keramik verlegte T. seinen künstlerischen Schwerpunkt auf religiöse Plastiken. Bereits 1950 wurde ihm im Garten von Schloß Mirabell in Salzburg eine Ausstellung gewidmet, auf der auch Großplastiken aus der NS-Zeit gezeigt wurden.

  • Auszeichnungen

    A Gr. Staatspreis d. Preuß. Ak. d. Künste (1928); Berufung an d. Preuß. Ak. d. Künste (1937, nicht rechtskräftig); Nominierung z. Dt. Nat.preis (1938, nicht realisiert); – J.-T.-Str. in Salzburg-Aigen.

  • Werke

    Weitere W u. a. Porträt Wilhelm v. Bode, Bronze, 1926 (ehem. Kronprinzenpalais, verschollen); Denkmal d. Arbeit Berlin-Charlottenburg, ausgeführt: „Arbeit“ u. „Heim“, Stein, 1930 (Knobelsdorff-/Ecke Königin-Elisabeth-Str.); Porträt Max Schmeling, Bronze, 1932 (Berlin, Privatbes.); Porträt Paul v. Hindenburg, Bronze, 1932 (Kloster Dietramszell); Faustkämpfer, Bronze, 1936 (Olympia-Gelände, Berlin); Märzfeldbekrönung, 1937–41, unvollendet; Zwei Pferde, Bronze, 1939 (ehem. Garten Neue Reichskanzlei, Berlin); Porträt Friedrich d. Gr., Bronze, 1940 (Nachlaß T.); Das Licht, Marmor, 1942 (Kurverw. Bad Gastein); Große Pietà, Bronze, 1949 (Petersfriedhof, Salzburg); – Nachlaß: Privatbes.

  • Literatur

    L Kunst im Dritten Reich, hg. v. Beauftragten d. Führers (…), 1938, H. 7, 1941, H. 4 u. 1943, H. 12;
    Ausst. v. Entwürfen f. e. Platzgestaltung in Berlin, Ausst. kat. Kunsthandlung Viktor Hartberg 1928;
    W. v. Bode, Der Bildhauer J. T., 1929;
    Der Spiegel v. 13. 4. 1950;
    Die Neue Ztg. v. 27. 2. 1952 (Nachruf);
    Hermann Josef Neumann, Der Bildhauer J. T., Diss. TU München 1992 (ungedr.);
    O. Rathkolb, Ganz groß u. monumental, in: Kunst u. Diktatur, Architektur, Bildhauerei u. Malerei in Österr., Dtld., Italien u. d. Sowjetunion 1922–1956, hg. v. J. Tabor, Ausst.kat. Künstlerhaus Wien 1994, S. 586–91;
    J. Petropoulos, The Faustian Bargain, 2000;
    J. Gabler, Auftrag u. Erfüllung, in: Ausdrucksplastik, hg. v. U. Berger, 2002, S. 78–85;
    S. Rollinek, Der Bildhauer J. T. als NS-Karrierist, in: Pol. Skulptur, Barlach, Kasper, T., Wotruba, Ausst.kat. Landesgal. Linz 2008, S. 77–98;
    R. Thoms, Gr. Dt. Kunstausst. München 1937–1944, Verz. d. Künstler, Bd. II: Bildhauer, 2011;
    M. Haas, Die ‚Gottbegnadeten-Liste‘ (BArch R 55/20252a), in: Eine Institution zw. Repräsentation u. Macht, Die Univ. f. Musik u. darstellende Kunst Wien im Kulturleben d. NS, 2014, S. 250;
    ThB;
    Vollmer;
    Klimesch (P);
    Personenlex. Österr.;
    Salzburger Kulturlex.;
    Enz. NS;
    Biogr. Lex. Drittes Reich; Kulturlex. Drittes Reich.

  • Portraits

    P Photogr. v. A. Eisenstaedt, „Max Schmeling wird v. J. T. modelliert“, 1931 (Bonn, Ges. Photo Archiv), Abb. in: Lichtbildnisse, Das Porträt in d. Fotogr., hg. v. K. Honnef, 1982, S. 502; Öl/Lwd. v. W. Kohlhoff, 1937 (Privatbes.); Öl/Lwd. v. F. Erler, 1939 (Verbleib unbek.)

  • Autor/in

    Josephine Gabler
  • Empfohlene Zitierweise

    Gabler, Josephine, "Thorak, Josef" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 197-199 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119150204.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA