Lebensdaten
1796 - 1871
Geburtsort
Boppard/Rhein
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Möbelbauunternehmer
Konfession
-
Normdaten
GND: 118802100 | OGND | VIAF: 25398878
Namensvarianten
  • Thonet, Michael

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Zitierweise

Thonet, Michael, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118802100.html [12.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    Wahrsch. aus flandr. Fam.;
    V Franz Anton (Donet) (1760–1837), aus Aachen, Gerbermeister in Andernach, seit 1796 in B., S d. Johannes (1730–1805);
    M Margarethe Fischbach ( 1815, 1] N. N. Lanesin);
    2 Schw; Boppard 1820 Anna Maria (1799–1862), T d. Nicolaus Crass (Graß, Grahs) ( n. 1820), aus Rüdesheim/Rhein, Metzger in B., u. d. Catharina Mahlmann ( 1814);
    7 S (2 früh †) Franz (1820–98), Michael (II.) (1824–1902), August (1829–1910), Joseph (1830–87), Jacob (1841–1929), alle Möbelfabr. (alle s. Fam.art.), 6 T (alle früh †).

  • Leben

    T. machte sich 1819 in seinem Heimatort als Bau- und Möbeltischler selbständig. Um 1830 begann er mit systematischen Versuchen, Möbelteile aus untereinander verleimten Holzlatten herzustellen. 1836 erfand er das Biegen von im Leimbad gekochtem, schichtverleimtem Holz und stellte erstmals die „Bopparder Schichtholzstühle“ her. 1840 scheiterte eine Patentanmeldung in Preußen, 1841 wurde sein Verfahren in Frankreich patentiert. Im selben Jahr erhielt T. auf einer Gewerbeausstellung in Koblenz Kontakt zum österr. Kanzler Clemens Fürst v. Metternich, der ihn an den Wiener Hof vermittelte. 1842 stellte T. seine Stühle dem Kaiserhaus vor und erhielt von der Hofkammer das Privileg für jedwede Art des Holzbiegens.

    Da seine Bopparder Werkstatt mit ca. 20–25 Beschäftigten in finanziellen Schwierigkeiten war, übersiedelte T. noch 1842 mit seiner Familie nach Wien, konnte dort aber wegen Kapitalmangels und Zunfteinsprüchen zunächst keine Werkstatt eröffnen. Er arbeitete für den MöbelfabrikantenClemens List und|danach zusammen mit seinen Söhnen drei Jahre lang für die Parkett-Werkstatt Carl Leistlers (1805–57) in Wien, daneben suchte er weiter seine Bugholztechnik zu verbessern. Im Auftrag Leistlers und gefördert von dem für den Fürsten Alois v. und zu Liechtenstein tätigen Architekten Peter Hubert Desvignes (1804–83) führte T. 1843–46 die Parkettarbeiten im neuen Palais Liechtenstein aus und lieferte die Bestuhlung aus Schichtholz (Liechtenstein-Sessel). 1849 gründete T. eine eigene Werkstatt in Wien. Er stellte Varianten des „Liechtenstein-Sessels“ aus Fertigteilen her, die er u. a. an den Fürsten Schwarzenberg lieferte (Sessel Nr. 1, Schwarzenberg Sessel, 1850) und die nach dem Baukastenprinzip die Kombination mit Teilen anderer Modelle erlaubten. Dieses Verfahren bildete die Grundlage späterer Typenvielfalt und der industriellen Serienproduktion in der Möbelherstellung. Gleichzeitig begann T. seine Produkte durch Stempel, seit 1862 durch eine registrierte Schutzmarke zu kennzeichnen, um sie von der aufkommenden Konkurrenz zu unterscheiden. 1851 wurde das Wiener Kaffeehaus Daum mit dem „Sessel Nr. 4“ eingerichtet; dieses Modell wurde zum klassischen Wiener Kaffeehausstuhl. Im selben Jahr erhielt T. auf der Londoner Weltausstellung eine Bronzemedaille für den „Stuhl Nr. 1“, 1855 folgte in Paris eine Silbermedaille, was zu einem ersten Exportauftrag nach Südamerika führte, viele weitere Auszeichnungen auf großen Gewerbeausstellungen folgten.

    1852 erwarb T. auf den Namen seiner Söhne ein neues Privileg zur Absicherung seines weiter verbesserten Bugholzverfahrens, seit dem offiziellen Fabrikstatus von 1855 konnte das Unternehmen mit zu diesem Zeitpunkt ca. 70 Beschäftigten unbehelligt von Zunftzwängen agieren. Bereits 1853 hatte T. per Gesellschaftsvertrag die Söhne als künftige Inhaber des Unternehmens „Gebrüder Thonet“ bestimmt, behielt aber die oberste Leitung bis zu seinem Tod.

    In diesen Jahren traf T. auch strategische ökonomische Entscheidungen. Zur Kostenersparnis bei der Rohstoffversorgung errichtete er Produktionsstätten in waldreichen Gegenden, so 1856 eine erste Möbelfabrik im südmähr. Koritschan. 1859 gelang T. hier nach weiteren langjährigen Experimenten mit dem „Stuhl Nr. 14“ der Durchbruch zur kostengünstigen industriellen Serienfertigung unter Einsatz der neuartigen Technik des Biegens von massivem Buchenholz, die mit standardisierten Arbeitsschritten erstmals eine Arbeitsteilung ermöglichte und den Einsatz billiger ungelernter Arbeitskräfte in ländlichen Gegenden erlaubte. Der aus wenigen Teilen bestehende Stuhl Nr. 14 (Wiener Kaffeehausstuhl) mit kreisrundem Sitzrahmen, Hinterbeinen und Rückenlehne aus einem Stück unter weitestgehendem Verzicht auf Leim ließ sich einfach zerlegen, transportieren und beim Kunden leicht wieder zusammenschrauben. Er wurde zu einem millionenfach verkauften preiswerten Massenprodukt und zum meistgebauten Stuhl der Welt. Ebenfalls 1859 wurde der erste Katalog aufgelegt. 1860 konstruierte T. das „Thonetsche Rad“, dessen Metallnabe das Auswechseln zerbrochener Speichen ermöglichte. 1867 bekam die Firma dafür bei der Weltausstellung in Paris eine Goldmedaille.

    Als T. 1871 starb, hatte „Gebrüder Thonet“ etwa 4000 Beschäftigte, 18 Filialen und Verkaufsniederlassungen in fast allen Metropolen Europas und in den USA. Die Firma verfügte über vier Produktionsstätten, neben Koritschan im tschech. Bystřice pod Hostýnem (Bistritz am Hostein, 1861), im ungar. Groß-Ugrócz (1865) und in Halenkov (Hallenkau) in der mähr. Walachei (1867).

  • Auszeichnungen

    A u. a. Rr.kreuz d. österr. Franz Joseph-Ordens; Rr. kreuz d. mexikan. Guadeloupe-Ordens; T.-Brunnen (Boppard, Marktplatz).

  • Literatur

    L Die Großind. Österr., 1898, Bd. III, S. 326;
    P. Hejcman, Dílo rukou i ducha, 1966;
    O. Bang, T., Gesch. e. Stuhls, 1979;
    A. v. Vegesack, Das T.-Buch, 1987;
    ders., T., Pionier d. Ind.designs 1830–1900, Ausst. kat. Vitra-Design-Mus. Weil am Rhein, 1994;
    A. Bangert, T.-Möbel, 1981;
    K. Mang, T., Bugholzmöbel, 1982;
    A. Bangert u. P. Ellenberg, T. Möbel, Bugholz-Klassiker v. 1830–1930, 1993;
    A. Gleininger, Der Kaffeehausstuhl Nr. 14 v. M. T., 1998;
    J. Uhlíř, T., Porýní, Vídeň, Morava, 2001;
    M. Myška u. a., Historická encyklopedie podnikatelu˚ Čech, Moravy a Slezska, 2003, S. 477;
    E. B. Ottillinger (Hg.), Gebrüder T., Möbel aus gebogenem Holz, 2003, 22005;
    J. Geršlová, M. T., Nábytek z Rakouska, 2005;
    H. Kähne, Die T.s in Boppard, 2008 (L, P);
    J. Uhliř, Vom Wiener Stuhl z. Architektenmöbel, Jacob & Josef Kohn, T. u. Mundus, 2009;
    Möbel Design, Roentgen, T. u. d. Moderne, Ausst.kat. Roentgen-Mus. Neuwied, 2011;
    Wurzbach;
    Hist. Lex. Wien;
    Personenlex. Österr.;
    Dict. of Art;
    AKL;
    ÖBL;
    Qu Archiv d. Thonet GmbH u. Mus. in Frankenberg (Nordhessen); – Möbel: Mus. Boppard.

  • Portraits

    P Bronzebüste (Mus. Boppard)

  • Autor/in

    Jana Gerslová
  • Empfohlene Zitierweise

    Geršlová, Jana; Gerslova, Jana, "Thonet, Michael" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 196-197 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118802100.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA