Lebensdaten
1706 bis 1780
Geburtsort
München
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Bibliothekar ; Historiker
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 120253801 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Oefele, Andreas Felix von
  • Oeffele, Anreas Felix von
  • Oefele, Andreas von
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Zitierweise

Oefele, Andreas von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120253801.html [15.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Franz Christoph O. (1656-1715) aus Schrobenhausen, Apotheker, Weinwirt „Zur Goldenen Krone“, Ratsherr u. Bgm. in M.;
    Stief-V (seit 1719) Ehrenfried Ferdinand v. Schollberg ( 1720) aus Breslau, kfl. Revisionsrat, kurprinzl. geh. Secretarius in M.;
    M Maria Anna ( 1754), Wwe d. Brauers N. N. Späth, T d. N. N. Filser, Brauer in M.;
    B Joseph Anton Leopold O. (1713-66), Dr. theol., Kanonikus b. U. L. Frau in M., Historiker;
    1743 Anna (1720–1803), T d. N. N. Bliemelmaier, Kaufm. in M.;
    2 S Clemens Benno (1746–1825), Dr. iur., Reg.rat in Sulzbach, Revisionsrat in Mannheim, Geh. Rat in M., seit 1775 Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss., Felix Adam Joseph (1748-v. 1780), Reg.rat in Burghausen, 1 T; Nachfahre Felix (s. 2).

  • Leben

    Bereits am Münchener Jesuitengymnasium (1718–24) begann O. mit Sammlungen zur bayer. Gelehrten-, Kunst- und Fürstengeschichte. Mit seinem Stiefvater bereiste er 1719 Wien, Prag und Schlesien. Ein Philosophiestudium an der Univ. Ingolstadt (1724/25) brach er ab, da ihm Oberhofmeister Maximilian Gf. Fugger einen Freiplatz am Mylianischen Kolleg der Univ. Löwen verschaffte, wo er alte Sprachen, Philosophie und Geschichte studierte. Kurz vor seiner Rückkehr 1730 veröffentlichte O. ein an Lipsius geschultes, dem bayer. Kf. Karl Albrecht gewidmetes kleines mythologisches Werk. In München erweiterte er seine Sammlungen zur bayer. Geschichte, begann einen rasch wachsenden gelehrten Briefwechsel, verband sich eng mit Protagonisten der süddeutsch-bayer. kath. Aufklärungs- und Sozietätsbewegung wie Agnellus Kandier und Eusebius Amort. Mit Franz Xaver Frhr. v. Lerchenfeld bereiste O. 1733/34 Frankreich, die österr. Niederlande und Holland sowie Paris, wo er u. a. mit dem Akademiesekretär Bernard de Fontenelle und dem Maurinerhistoriker Bernard de Montfaucon zusammentraf und vom Maler Josef Vivien in seiner Sammelleidenschaft für Kupferstiche bestärkt wurde.

    Zurückgekehrt, wurde O. 1734 Erzieher der Herzöge Maximilian ( 1738) und Clemens. Seit 1738 begleitete er letzteren als Geheimer|Kabinettsekretär auf dessen Reisen. Enge und dauerhafte Beziehungen ergaben sich auch zu Johann Adam Ickstatt. Kf. Max III. Joseph ließ sich bald nach seinem Regierungsantritt (Januar 1745) in künstlerischen und wissenschaftlichen Fragen von O. beraten. Die Kurfürstinmutter und Kaiserinwitwe Maria Amalia berief ihn 1745 zu ihrem Bibliothekar und als Münzkundelehrer für Prn. Maria Antonie Walburga; im folgenden Jahr wurde er kurfürstl. Hofrat, Hofbibliothekar und Antiquarius. Daneben versah er das Amt des Kabinettsekretärs bei Hzg. Clemens und seit 1751 auch bei dessen Gemahlin Maria Anna. Die Hofbibliothek bereicherte O. über mehr als 30 Jahre durch planvolle Erwerbungen, er verfertigte Kataloge sowie Handschriftenverzeichnisse und korrespondierte mit kath. wie prot. Gelehrten im Reich und im Ausland. Allerdings sperrte er sich gegen eine allgemeine Öffnung der Hofbibliothek. Seit 1746/47 bildete sich um O. ein exklusiver gelehrter Kreis, der seit 1750/51 als sog. „Oefelegesellschaft“ schärfere Konturen gewann und ein Mittelpunkt der bayer.-süddeutschen Aufklärungs- und Sozietätsbewegung wurde. Zu ihr gehörten geistliche und weltliche Gelehrte aus München, Hof- und Regierungsvertreter wie Siegmund Gf. Haimhausen und der Geh. Ratsvizekanzler Frhr. v. Kreittmayr, die Reformer an der Ingolstädter Juristenfakulät um Frhr. v. Ickstatt und Johann Georg Lori. nicht zuletzt Eusebius Amort, Propst Franziskus Töpsl und weitere Chorherren aus Stift Polling. Am Widerstand der Jesuiten scheiterte 1749 das Projekt einer Ingolstädter „Gelehrten Gesellschaft“.

    O. erarbeitete die bisher umfangreichsten und gründlichsten Sammlungen zu fast allen Gebieten der bayer. Geschichte, von denen jedoch nur die bayer. Geschichtsquellen, die O. 1748 nach einem Plan Kandlers sowie nach dem Muster von Editonen der Mauriner und der Brüder Bernhard und Hieronymus Pez aus Stift Melk begonnen hatte, ans Licht der Öffentlichkeit gelangten. Die „Scriptores rerum Boicarum“ sollten erstmals sowohl Urkunden als auch erzählende Quellen aus ganz Bayern umfassen. Da dieses Unternehmen die Kräfte eines einzelnen bei weitem überstieg, stützte O. sich meist auf Abschriften unterschiedlicher Qualität aus bayer. Klöstern und Stiftern, aus dem Kreis seiner Korrespondenten und der „Oefelegesellschaft“, aus der Hofbibliothek und aus eigenen Sammlungen. Auf Loris Drängen erwog er seit 1749 nach dem Vorbild der Editionen von Lodovico A. Muratori (1723 ff.) und Johann B. Mencken (1727/30) das Vorhaben zu „Scriptores rerum Germanicarum“ zu erweitern, nahm aber schließlich davon Abstand. Der erste Band der „Scriptores rerum Boicarum“ wurde 1753/54 gesetzt, doch O.s Zögern und Zweifel verhinderten eine prompte Auslieferung; diese erfolgte erst neun Jahre später, gemeinsam mit dem zweiten Band. Das lang erwartete Werk begründete O.s Ansehen auf Dauer. Ein geplanter 3. Band gelangte über heuristische Ansätze nicht hinaus. Vor einer Veröffentlichung des von ihm sorgfältig kopierten „Codex Traditionum Ravennatensis“ aus dem 10. Jh. sowie der bayer. Annalen des Rebdorfer Priors Kilian Leib aus dem frühen 16. Jh. scheute O. zurück. Ähnliches geschah mit den druckfertigen Teilen seiner „Bavaria Docta“.

    Im 1769 errichteten kurfürstl. Bücherzensurkollegium war O. „in historicis“ zuständig. Nach Aufhebung der Societas Jesu 1773 übernahm er die Leitung und Neukatalogisierung der ehem. Jesuitenbibliotheken zu München und Ebersberg. Eine Berufung in Gremien für die anstehenden Schul- und Studienreformen kam nicht zustande, da O. zu beiden rivalisierenden Reformrichtungen auf Distanz stand. Für die Hofbibliothek fand sich seit 1768 in Johann Caspar (v.) Lippert ein fähiger und ehrgeiziger Helfer, der sich 1775 die „Expectanz“ auf die künftige Leitung der Hofbibliothek zu sichern wußte. Dieser führte die Geschäfte, als O. nach einem Schlaganfall seit Februar 1777 nur noch bedingt arbeitsfähig war und drei Jahre später einem zweiten Anfall erlag.

  • Werke

    De Minerva sapientiae olim praeside Syntagma mythologico-historicum, 1730;
    Rerum Boicarum Scriptores nusquam antehac editi, 2 Bde., 1763. -W-Verz.:
    G. Leidinger, Oefeleana, in: Forsch, z. Gesch. Bayerns 13, 1906, S. 230-44, ebd. 14, 1907, S. 226-41. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Bayer. Staatsbibl. München, Hss.-Abt.

  • Literatur

    ADB 24;
    E. Frhr. v. Oefele, Aus A. F. v. O.s Memoiren, 1745, in: SB d. Bayer. Ak. d. Wiss., Phil.-Philol. Kl., 1891, S. 211-54;
    K. Trautmann, Aus d. Herrn A. F. v. O. Tagebüchern u. Aufschreibungen, in: Kulturbilder aus Alt-München, 1918, S. 43-93;
    M. Spindler (Hg.), Electoralis Academiae Scientiarum Boicae Primordia, 1959;
    L. Hammermayer, Zur Gesch. d. „Bibliotheca Falatina“ in d. Vatikan. Bibl., in: Röm. Quartalschr. 55, 1960, S. 1-42;
    ders., Gesch. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1750-1807, I, 21983 u. II, 1983;
    ders., Ed. u. Kritik d. Monumenta Boica 1763 bis 1768, in: Oberbayer. Archiv 80, 1955, S. 1-44;
    R. Messerer (Hg.), Briefe an d. Geh. Rat Johann Caspar v. Lippert aus d. J. 1758 bis 1800, ebd. 96, 1972 u. 101, 1976;
    R. van Dülmen (Hg.), Aufklärung u. Reform in Bayern, I, in: ZBLG 52, 1969 u. ebd. Beih. 2, 1970;
    ders., Propst Franziskus Töpsl (1711–1796) u. d. Augustiner-Chorherrenstift Polling, 1967;
    W. Bachmann, Die Attribute d. Bayer.|Ak. d. Wiss. 1807-1827, 1966;
    R. Bauer, Der kurfürstl. geistl. Rat u. d. bayer. Kirchenpol. 1768-1802, 1971, S. 107 ff.;
    F. Kreh, Leben u. Werk d. Reichsfrhr. Johann Adam v. Ickstatt 1702-1776, 1974;
    W. Burgmair, Die zentralen Reg.stellen d. Kf. Max III. Joseph 1745-1777, Diss. München 1992, S. 125-41, III, S. 321-25;
    V. Triftixoglu, Zwei Bearbeiter griech. Hss. in d. Münchener Hofbibl., in: Bibl.forum Bayern 22, 1994, S. 129-40.

  • Portraits

    Gem. v. J. Vivien (?), 1733 (Fam.bes.), u. v. G. Desmarées, um 1760 (München, Bayer. Staatsbibl.);
    Kupf. v. B. Hübner, 1775, Abb. in: M. Welser, Rerum Boicarum libri quinque, hg. v. J. C. Lippert, 1777;
    Medaille v. J. I. Scheufel, 1777.

  • Autor/in

    Ludwig Hammermayer
  • Empfohlene Zitierweise

    Hammermayer, Ludwig, "Oefele, Andreas von" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 426-428 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120253801.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Oefele: Andreas Felix v. O. (Oeffele) wurde am 17. Mai 1706 zu München bürgerlichen Eltern geboren; erst 1772 erwirkte er auf Grund eines königlichen Diploms vom Jahre 1498 die Nobilitirung. Nach dem frühen Verluste seines Vaters Franz Christoph O. (1715) heirathete seine Mutter (1719) den aus Breslau gebürtigen Revisionsrath und Cabinetssecretär des Kurprinzen von Baiern, Ferdinand Ehrenfried v. Scholberg, welcher vormals Director der Ritterakademie in Wien, dann Instructor der baierischen Prinzen im Exile zu Klagenfurt und Graz war und ein satirisches Zeitgedicht: „Die europäische Astraea, welche den gegenwärtigen Zustand der vornehmsten Höfe in Europa entdecket ... Klostergabe 1706“ anonym herausgab. Auf einer Reise mit demselben nach Prag und Wien im Sommer 1719 empfing O. die ersten größeren Eindrücke. Doch auch sein Stiefvater wurde ihm schon bald, am 5. December 1720, durch den Tod entrissen. Am Jesuitengymnasium seiner Vaterstadt 1718—1724 zu einem guten Lateiner gebildet, kam O. im November letzteren Jahres auf die Universität zu Ingolstadt, um Philosophie zu hören, im November 1725 auf jene zu Löwen; hier hatte ihm nämlich in dem Convict, welches der Luxemburger de Myle gestiftet, und worüber die Fugger das Patronat besaßen — Collegium Mylianum, auch Luxemburgisches und Fugger'sches Colleg genannt — der Obersthofmeister Graf Max v. Fugger einen Freiplatz verschafft. O. sollte da Jura studiren, doch weit mehr fesselten ihn Philologie und Geschichte. Die Commilitonen der „deutschen Nation“ wählten ihn (1727) zu ihrem Bibliothekar; von den Professoren aber nahm sich seiner am meisten Gerhard Kerckherdere an. Eine Reise durch Flandern bis Ostende im Sommer 1726 erweiterte den Gesichtskreis. Wissenschaftliches Vorbild ward ihm Justus Lipsius, der zu den stolzen Erinnerungen jener Musenstätte zählt. Durch dessen „Vesta“ wurde O. (1728) zu einem mythologisch-historischen Werkchen „De Minerva sapientiae olim praeside“ angeregt, welches er Ende 1730 zu Löwen erscheinen ließ und seinem Landesherrn widmete. Er hat sich hierin Evelius genannt, damit vlämische Leser, denen ja oe wie u lautet, seinen Namen nicht so unrichtig aussprächen. Die Erstlingsarbeit wurde beifällig aufgenommen, und der nach München zurückgekehrte Verfasser erhielt durch kurfürstliches Decret vom 2. Mai 1731, bis er „auf eine oder andere Weise mit der Zeit accommodirt" sein würde, eine jährliche Pension. Zugleich ward ihm bewilligt, „daß er den Acceß zur kurfürstlichen Bibliothek haben und sich nach Disposition des geheimen Kanzlers in Verrichtungen gebrauchen lassen solle“, womit namentlich die „Ausfertigung der lateinischen und französischen Briefschaften“ gemeint war. Allein der Kanzler v. Unertl, unter dessen Respicienz ein alter Hofrathssecretär die Hofbibliothek besorgte, verwandte den ihm unbequemen O. in keiner Weise und ließ denselben auch nicht in die Hofbibliothek hinein, so daß O. froh sein mußte, wenn seinen litterärgeschichtlichen Studien die Augustiner und Jesuiten ihre Bibliotheken öffneten. Da bot sich ihm ein angenehmer Weg zu weiterer Ausbildung dar: er übernahm die Begleitung eines jungen Freiherrn v. Lerchenfeld während eines Aufenthaltes zu Paris, der vom 18. Mai 1733 bis zum 15. März des folgenden Jahres währte. O. war mit Empfehlungen ausgerüstet, so an den bekannten Comte de Bavière, der in hohem militärischen Range damals zu Paris lebte; dieser stellte ihn dem Cardinale Fleury vor, welcher ihm alle litterarischen Schätze der französischen Krone zu eröffnen versprach. So wurde denn jene glückliche Zeit zum großen Theile in Museen und Bibliotheken, im Umgange mit Gelehrten und Künstlern, wie Fontenelle, Montfaucon, Souchay, Tournemine, Vivien, zugebracht. Daran schloß sich eine längere Reise durch Belgien und Holland. Heimgekehrt erhielt O. mit Decret vom 8. November 1734 die Stelle eines Instructors bei den Prinzen Max und Clemens, Söhnen des Herzoges Ferdinand,|eines Bruders des Kurfürsten Karl Albrecht von Bayern. Der Unterricht erstreckte sich auf Geographie, Geschichte und Moralphilosophie, spater auf Staatsrecht und Politik. Während aber der ältere Prinz im J. 1738 starb, ging Oefele's Thätigkeit bei dem Herzoge Clemens ( 1770) allgemach in die eines berathenden Secretärs über, bis er endlich (1745) auch officiell „geheimer Sekretär“ oder „Kabinetssekretär“ hieß; mittlerweile hatte er schon 1737 einen kurkölnischen Hofrathstitel erlangt. In solcher Stellung war O. längere Zeit der Heimath fern. So lebte er vom 24. Juli 1741 bis 21. Februar 1743 am kurpfälzischen Hofe zu Schwetzingen und Mannheim, wo sich sein Herzog (17. Januar 1742) mit der pfalzsulzbachischen Prinzessin Maria Anna vermählte — ein Aufenthalt, der durch mehrere Reisen nach Frankfurt, namentlich zur Krönung des Kaisers und der Kaiserin (12. Februar. 8. März 1742) unterbrochen wurde — dann von Ende Juni bis in den November 1743 zu Augsburg. Im J. 1751 ernannte ihn die später so berühmt gewordene Herzogin Maria Anna ebenfalls zu ihrem Secretär. Nachdem O. am 24. November 1743 eine Münchener Bürgerstochter geheirathet (aus welcher Ehe ihn nur ein Sohn überlebte) strebte er auch nach einem vor Wechselfällen mehr gesicherten Amte, das zugleich seiner wissenschaftlichen Neigung entspräche. Die Möglichkeit, ein solches zu erhalten, fand sich im J. 1746, als der bald darauf emeritirte Kanzler von Unertl die Hofbibliothek und das geheime Archiv abgeben mußte. O. wurde vermöge Decretes vom 6. Mai dieses Jahres „kurfürstlicher Rath, Bibliothecarius und Antiquarius“, wozu er nach seiner philologischen Bildung und vielseitigen Litteraturkenntniß sicherlich geeigneter war als zum Archivar, für dessen Posten ihn Kaiser Karl VII. ausersehen haben soll. Bei Errichtung einer Büchercensurcommission im J. 1769 wurde auch O. in dieselbe berufen und ihm das historische Fach zugetheilt. O. hat sich um die damals freilich noch kleine Hofbibliothek, deren Verwaltung er am 7. August 1746 antrat (das Antiquarium scheint ihm nicht übergeben worden zu sein), durch Neuordnung der verwahrlosten Bestände, durch Inangriffnahme eines Classenkataloges, welchen er aus 24 Bände brachte, ein technisches Verdienst erworben; noch nutzbarer für die Wissenschaft sollten sie „Rezensionen“ ihrer Handschriften machen. Das Manuscript wuchs hoch an, blieb indeß ungedruckt. Ueberhaupt hat O. seit jener Universitätsschrift lange Jahre nichts mehr publicirt. An Entwürfen fehlte es allerdings nicht, und zu ihrer Ausführung brachte er manchmal ein sehr umfangreiches Material zusammen, so für ein bairisches Gelehrten- und Künstlerlexikon, eine Monographie über König Ruprecht, eine Geschichte der deutschen Kaiserinnen und Königinnen; doch über das Excerptenstadium kam nur Weniges hinaus, sei es, weil die Kräfte versagten, oder die Scheu vor der Oeffentlichkeit ihn abhielt. Als 1733 eine Probelieferung seiner „Bavaria docta“ fertig war, vereitelte nicht so sehr die Mühe, einen Verleger zu finden, als Oefele's Bedenklichkeit das Erscheinen. Zum Glücke hat er doch einen wichtigen Plan, die Edirung ungedruckter bairischer Geschichtsquellen, aller Hemmnisse ungeachtet ausgeführt. Der Augustiner Agnellus Candler ( 1745), Verfasser einer Schrift über Herzog Arnulf von Bayern, hatte sich erst selbst mit dem Unternehmen getragen, dann aber O. dazu ermuntert; bald nachdem sich ihm die Schätze der Hofbibliothek erschlossen, ging dieser ans Werk. Als er den Stoff zu einem ersten Bande gesammelt, trat er mit dem Buchhändler Veith zu Augsburg in Verbindung, und im Jahr 1754 begann der Druck. Während desselben hoffte O. immer wieder neue Quellenstücke copiren und mit dem nöthigen Commentare versehen zu können. Aber die gebieterischen Berufsgeschäfte traten so störend dazwischen, daß er einmal anderthalb Jahre lang, 1756 auf 1757, als Herzog|Clemens schwer krank darniederlag, kein Manuscript absenden konnte. Endlich im November 1762 (auf den Titelblättern steht 1763) waren die beiden starken Foliobände der „Rerum Boicarum scriptores nusquam antehac editi etc.“ im Drucke vollendet, und am 3. des folgenden Monates überreichte sie O. seinem Kurfürsten. Das Werk, dessen Inhalt im Allgemeinen über den Landshuter Erbfolgekrieg (1505) nicht herabreicht, ist noch immer von erheblicher Brauchbarkeit, wenn schon die Art der Herausgabe heutige Anforderungen nicht befriedigen kann, Chronikalisches und Urkundliches, Altes und Neues, wie es eben dem Herausgeber in die Hand kam, bunt durcheinander läuft, für manches aber nur schlechte Handschriften zu Gebote standen, das späterhin nach besseren Vorlagen neu edirt ward. Für einen dritten Band der „Scriptores“ hatte O. schon einiges vorbereitet, doch hielten ihn seine Gesundheitsverhältnisse wieder ab, und dann wurde das Bedeutendere anderwärts herausgegeben. O. hat, wie bemerkt, zu lange gesäumt, mit Leistungen, die seinem Genius angemessen, in die Oeffentlichkeit zu treten; er hat auch das so förderliche Vereins- und Zeitschriftenwesen unterschätzt. Den Vorschlag Amort's (1732), mit ihm und Anderen ein baierisches Litteraturblatt zu gründen, dem jeden Monat die Biographie eines baierischen Gelehrten aus Oefele's Feder eingerückt werden sollte, lehnte er ab. Als er hinwiederum sein Vorhaben, eine baierische Künstlergeschichte der letzten drei Jahrhunderte stückweise herauszugeben, im „Neu-fortgesetzten Parnassus Boicus“ (1736, 2. Versammlung. S. 79—80) angekündigt, ohne die gewünschte Theilnahme zu finden, da schien ihm das Streben der Parnassus-Gesellschaft, auf mittlere Kreise belehrend zu wirken, ein verfehltes. Im J. 1751 schlug ihn Legipont, damals Secretär der vom Freiherrn v. Petrasch zu Olmütz gestifteten „Societas incognitorum litterariorum“, zum Mitgliede derselben vor. O. erhielt auch ein vom 30. April dieses Jahres datirtes Aufnahmediplom und faßte seine Verpflichtungen ernst. Freilich dem Ansinnen Legipont's, er möge mit Jckstatt zu Rathe gehen, ob sich nicht zu München oder Ingolstadt eine ähnliche Gesellschaft gründen lasse, gab O. keine Folge. Er glaubte nicht mehr daran, daß so etwas in Baiern möglich sei. Das baldige Ende jener Olmützer Gesellschaft konnte ihn darin nur bestärken. Ueberdies mit Lori's Charakter wohl bekannt, hatte er auch zu dessen Plan, eine baierische Akademie der Wissenschaften ins Leben zu rufen, kein Vertrauen. O. nahm zwar aus Lori's Hand das Diplom eines akademischen Mitgliedes dd. 22. Mai 1759 entgegen, aber an der Thätigkeit der Akademie hat er sich nur wenig betheiligt. Gerne hingegen, wie sein umfangreicher Briefwechsel zeigt, förderte er die Arbeiten Anderer, ohne Zeit- und Müheopfer zu scheuen. Manche haben dieß öffentlich anerkannt, so J. J. Reiste in seiner „Epistola ad Oefelium de consilio suo novam Demosthenis editionem adornandi“ (1766). Oefele's intimster gelehrter Freund war ein etwas jüngerer Münchener. Franz Töpsl, Propst des Chorstiftes Polling. Eine Fülle zeitgenössischer Nachrichten — Selbsterlebtes, Beobachtetes und ihm Erzähltes — hat O. seit dem 16. Lebensjahre meist in Tagebüchern und Memoirenbruchstücken niedergelegt. Lateinisch, französisch, deutsch geschrieben, haben sie natürlich verschiedenen Werth, stellen auch nur zum kleineren Theile, so für den Aufenthalt in der Pfalz und Frankfurt 1741—1743. etwas Zusammenhängendes vor, aber sie sind doch keineswegs nur witzige Anekdoten, sondern auch echthistorischer Stoff, für die Cultur- und äußere Geschichte Baierns im vorigen Jahrhunderte interessant genug, um eine Publicirung zu verdienen. Nachdem O. Anfangs 1777 vom Schlage berührt worden, infolge dessen zuerst einen Adjuncten (Revisionsrath von Lippert) erhalten, 1778 aber sein Bibliothekamt völlig niedergelegt hatte, zog er sich auf sein Haus und seine Sammlungen an Büchern, Gemälden, Kupferstichen, Münzen, Antiken und Naturalien zurück.|Am 24. Februar 1780 erlag er in seiner Vaterstadt einem wiederholten Schlagflusse.

    • Literatur

      Handschriftlicher Nachlaß Oefele's. — Westenrieder, Zum Andenken des Andreas Felix v. O., in W.'s baierischen Beiträgen zur schönen und nützlichen Litteratur II. Jahrg., I. Bd., 4. Stück, April 1780, S. 293—348 und (mit dem Porträtkopfe Oefele's nach Scheufel's Medaille vom Jahre 1777) separat gedruckt, München 1780. — K. A. v. Vacchiery, Rede, zum Andenken des ... Andre Felix v. O. den 10. Hornung auf dem akademischen Saale öffentlich abgelesen. München 1781 (mit Oefele's Porträt). — Beilage zur Augsburger Postzeitung Nr. 16 vom 21. Februar 1880.

  • Autor/in

    v. Oefele.
  • Empfohlene Zitierweise

    Oefele, Edmund Freiherr von, "Oefele, Andreas von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 24 (1887), S. 162-165 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120253801.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA