Lebensdaten
1674 oder 1675 bis 1732
Geburtsort
Leipzig
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Historiograph ; Herausgeber ; Jurist ; kursächsischer Hof- und Justizrat ; Professor der Geschichte in Leipzig
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118783181 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mencke, Johann Burkhard
  • Mencke, Johann Burckhard
  • Linde, Philander von der (Pseudonym)
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Zitierweise

Mencke, Johann Burchard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118783181.html [26.04.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Otto (s. 1);
    Leipzig 1702 Katharina Margaretha (1684–1732), T d. Johann Friedrich Gleditsch (1653–1716), Buchhändler in L. (s. NDB VI), u. d. Katharina Margaretha Fritzsche geb. Goetze (1647–1720); Gvm d. Ehefrau Thomas Matthias Goetze ( 1672), Verlagshuchhändler in L. u. Frankfurt (s. NDB VI); Gmm d. Ehefrau Margarethe, T d. Matthaeus Merian d. Ä. (1593–1650), Maler, Kupferstecher, Verleger (s. NDB 17);
    2 S, 3 T, u. a. Friedrich Otto (1708–54), Hofrat u. Ratsherr in L. seit 1743, Hrsg. d. Acta Eruditorum 1732–54, Vf. zahlr. jur. Werke, Mitgl. d. Arkad. Ges. in Rom u. d. Lat. Ges. in Jena (s. ADB 21), Carl Otto (1711–59), kgl. poln. u. kursächs. Accis-Rat, Kanoniker zu Wurzen, Mitgl. d. florentin. Ges. d. Wiss.;
    E Peter Gf. v. Hohenthal (1726–94), Agrarwissenschaftler u. Schulreformer (s. NDB IX).

  • Leben

    Nach Abschluß der theologisch-artistischen Grundausbildung in Leipzig (1694 Magister Artium) studierte M. noch zwei Jahre Theologie. Die obligate Studienreise führte ihn – wie schon seinen Vater – in die Niederlande, nach Frankreich und nach England. 1699 nach Leipzig zurückgekehrt, erhielt M. in Nachfolge des in die Theol. Fakultät aufgerückten Adam Rechenberg die Professur für Geschichte. Um sich mit der von Halle ausgehenden neuen juristisch-historischen Methode vertraut zu machen, nahm er zusätzlich das Jurastudium auf und schloß es 1701 mit der Promotion ab. Dennoch blieb M. zeitlebens aus Überzeugung Professor der Artistenfakultät und wies mit diesem wissenschaftlichen Selbstverständnis bereits voraus auf die in der zweiten Jahrhunderthälfte sich vollziehende Emanzipationsbewegung der philosophischen von den „oberen“ Fakultäten.

    M. veröffentlichte eine Vielzahl historischer Werke, Editionen und Schriften zu publizistischen Fragen in lat. und vermehrt auch in deutscher Sprache. Gestützt auf eine weithin berühmte Familienbibliothek, leistete er die Vorarbeiten zu dem später von Jöcher herausgegebenen Gelehrtenlexikon; seit dem Tod seines Vaters 1707 gab er die Acta Eruditorum heraus. Ferner verfaßte er Gedichte unter dem Namen „Philander von der Linde“ sowie Abhandlungen zur Rhetorik, Poesie und Gelehrsamkeit, darunter die immer wieder kommentierte Satire „De Charlataneria Eruditorum“ (1713), die ihrerseits in einer langen Tradition stand. Als Schirmherr förderte er die Görlitzer (später: Deutschübende) poetische Gesellschaft, die Gottsched, damals Hauslehrer von M.s Kindern, 1727 zur Deutschen Gesellschaft erhob.

    Mit der Auffassung, daß die Geschichte Schlüssel fast aller Wissenschaften sein müsse und elegante Aufführung – sprachlich wie gesellschaftlich – den weltoffenen, toleranten Gelehrten ausmache, war M. Christian Thomasius und seiner Schule verpflichtet. Sein wissenschaftliches Werk gründete in einer typisch Leipziger – letztlich späthumanistischen – Tradition. M. gehörte zu den Reformern der noch recht orthodoxen Univ. Leipzig – er war unter den Männern der zweiten Generation einer der wichtigen – und insoweit auch zu den Vorläufern der „Leipziger Sprachaufklärung“, die aus der philologischrhetorischen Tradition hervorging.|

  • Auszeichnungen

    1708 wurde M. kgl. poln. Historiograph, 1709 kgl. Rat, 1723 Hofrat. Er war Mitglied der Royal Society London und der Preuß. Akademie der Wissenschaften. Innerhalb der Universität stieg er vom Collegiaten des Fürstenkollegiums (1713) über die Stellung als Decemvir (1729) zum Senior der Universität auf (1731).

  • Werke

    Ein vollst. W-Verz. fehlt;
    e. Teil d. Werke gab M.s Sohn Friedrich Otto heraus;
    weitere z. T. b. Jöcher.

  • Literatur

    ADB 21;
    R. Treitschke, Burkhard M., 1842;
    E. Reichel, Gottsched, 1908, S. 112-20;
    E. C. Scherer, Gesch. u. KG an d. dt. Universitäten, 1927, S. 158 ff.;
    A.-H. Hermes, J. B. M. in seiner Zeit, Diss. Frankfurt 1934;
    A. J. Brauer, Prof. J. B. M. (1674-1732), in: Notes and Records of the Royal Society of London 17/2, 1962, S. 190-97 (P);
    C. Wiedemann, Polyhistors Glück u. Ende, in: A. O. Burger u. K. v. See (Hrsg.), FS f. G. Weber, 1967, S. 231 ff.;
    N. Hammerstein, Jus u. Historie, 1972, S. 279-83;
    ders., Die Univ. Leipzig im Zeichen d. frühen Aufklärung, in: W. Martens (Hrsg.), Leipzig, Zentren d. Aufklärung, 1990, S. 63 ff.;
    W. Kühlmann, Gelehrtenrepublik u. Fürstenstaat, 1982, S. 381 f., 448 ff.;
    G. Tellenbach, Ausgew. Abhh. u. Aufsätze I, 1988, S. 308 ff.;
    Kosch, Lit-Lex.3.

  • Portraits

    Gem. v. J. Kupetzky (?) (Leipzig, Univ.bibl.).

  • Autor

    Notker Hammerstein
  • Empfohlene Zitierweise

    Hammerstein, Notker, "Mencke, Johann Burchard" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 34 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118783181.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mencke: Johann Burkhard M., geb. am 8. April 1674 zu Leipzig, der Sohn Otto Mencke's (s. u.). Nachdem er auf der Leipziger Nicolaischule vorgebildet, ebendaselbst Philosophie und Theologie studirt hatte, auch bereits mit dem zwanzigsten Jahre Magister der Philosophie geworden war, machte er 1698 in Begleitung seines Freundes Schütz eine Reise durch Holland, Frankreich und England, von der er eine bleibende Begeisterung für letzteres Land heimbrachte. In England verkehrte er mit hervorragenden Gelehrten, wie Cave und Wordward, arbeitete viel in Bibliotheken und trug sich mit biblio- und paläographischen Plänen. 1699 erhielt er in seiner Vaterstadt an Rechenberg's Stelle die Professur der Geschichte, ergänzte noch nachträglich die für diese Wissenschaft nöthigen Kenntnisse, unter anderen auch durch juristische Studien, erlangte 1701 zu Halle den juristischen Doctorhut, wurde 1708 nach Tentzel's Tode zum kurfürstl. sächsischen Historiographen und 1709 königl. polnischen Rath, 1723 zum Hofrath ernannt, vertrat die Universität auf dem Landtage zu Dresden und starb am 1. April 1732. Als Mensch wie als vielseitiger Gelehrter hochgeachtet, sorgte er eifrig für die Blüthe der Universität und das Wohl der Studirenden. 1717 erweiterte er die von etlichen Görlitzer Studenten 1697 gestiftete und unter seinem Schutz wirkende Görlitzer poetische Gesellschaft zu der Deutschübenden poetischen Gesellschaft; durch Gottsched, der ihr seit 1724 angehörte und bald die Rolle eines Leiters übernahm, ward sie dann 1727 zur deutschen Gesellschaft erhoben. Als Historiker hat er keinen bleibenden Ruhm erworben, seine Biographie Kaiser Leopold I. ist eine schwache Leistung. Verdienstlich dagegen ist sein Streben, die Geschichte auch dem gebildeten Laien zugänglich zu machen, seine Thätigkeit für die Litteraturgeschichte durch Herausgabe vergessener Schriftsteller und in erster Linie seine Sammlung und Sichtung des historischen Quellenmaterials. Seine "Scriptores rerum germanicarum praecipue Saxonicarum", 3 voll. fol. Lips. 1728—1730 sind noch jetzt nicht zu entbehren. Eine ganze Reihe wichtiger Quellen wurden in dieser Sammlung zum ersten Male bekannt gemacht, z. B. das "Chronicum Sampetrinum", Joh. Rothe's Thüringische Chronik, Hartung Kammermeister's Annales Erfurtenses. Mit Sorgfalt und einer für jene Zeit bemerkenswerthen Correctheit herausgegeben, haben die Scriptores lange Zeit in den Händen der Geschichtsforscher gute Dienste geleistet; noch heute haben einige von M. darin herausgegebene Werke eine neue Edition nicht gefunden. Von großem Interesse ist auch: "Sigismundi Augusti Polon. Reg. epp. legationes et responsa nec non Stephani Batorii Epp. Decas etc.", 1703, eine Sammlung der Briefe und Legationsinstructionen Königs Sigismund August von Polen. Nach seines Vaters Tode setzte er dessen Acta Eruditorum fort und bearbeitete selbst gründliche und gelehrte Anzeigen für dieselben. 1715 begründete er die "Neuen Zeitungen von gelehrten Sachen" und legte den Grund zu dem später von Jöcher herausgegebenen Gelehrtenlexikon, indem dessen erste 1715 erschienene Auflage nach von M. gegebenem Plan und Grundriß durch Andere ausgearbeitet wurde. Seine Gedichte gab er unter dem Namen Philander von der Linde heraus, 4 Bde. 1705. Seine zahlreichen kleinen und akademischen Schriften historischen und archäologischen, auch moralisirenden und satirischen Inhalts sind nach seinem Tode von seinem Sohne gesammelt worden in Orationes academicae, Dissertationes literariae und Dissertationum academicarum decas, sämmtlich Lips. 1734. Am weitesten und zwar in ganz Europa bekannt machten ihn die beiden oft herausgegebenen und in viele Sprachen übersetzten Reden "De charlataneria eruditorum", 1713 und 1715 gehalten, in welchen die Thorheiten und Schwächen der Gelehrten unter Anführung vieler Anekdoten geschildert wurden. Er besaß das Rittergut Görnitz bei Leipzig. Von seiner Gattin Katharina Margaretha, Tochter des Buchhändlers Gleditsch hinterließ er zwei Söhne und eine Tochter, letztere vermählte sich mit dem reichen Kaufmann Peter Hohmann, nachherigen Freiherrn von Hohenthal.

    • Literatur

      R. Treitschke, Burkhard Mencke. Zur Geschichte der Geschichtswissenschaft im Anfange des 18. Jahrh., Leipzig 1842.

  • Autor

    Flathe.
  • Empfohlene Zitierweise

    Flathe, Heinrich Theodor, "Mencke, Johann Burchard" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 310-311 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118783181.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA