Lebensdaten
1729 oder 1724 bis 1800
Beruf/Funktion
Historiker ; bayerischer Rat
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117044350 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lippert, Johann Kaspar (bis 1770/72)
  • Lippert, Johann Kaspar Edler von
  • Lippert, Johann Kaspar (bis 1770/72)
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Orte

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Zitierweise

Lippert, Johann Kaspar Edler von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117044350.html [20.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Georg Kaspar L. (1677-1730), Handelsmann, Ratsherr u. Kirchenverwalter in F., S d. Schreibers Christof u. d. Barbara Schimani;
    M Elisabeth (1688–1765), T d. Webers Hans Eggl in F. u. d. Margaretha N. N.;
    Trostberg (?) 1758 Maria Elisabeth (1736–1805), T d. Joh. Michael Rieger (1705–79), Kürschnermeister u. Bgm. in Trostberg, u. d. Maria Elisabeth Landsberger;
    3 S, 1 T, u. a. Joh. Theodor (1768–1826), Landrichter in Dachau, dann Hofkammerrat u. Rentbeamter zu Rain in Niederschönenfeld, seit 1804 Herr auf Tandern.

  • Leben

    Nach der Ausbildung am Augustinergymnasium zu Taus und bei den Jesuiten in Klattau (Böhmen), in Regensburg und Straubing und bei den Franziskanern in Cham bezog L. 1750 die Univ. Ingolstadt, wo er 1755 zum Dr. iur. utr. promoviert wurde. Nach praktischer Tätigkeit im heimatlichen Furth, am Landgericht in Neumarkt, als Hofrat in München und Landrichter in Rain am Lech kehrte er 1758 als Professor „für jus patrium zu explicirung des Codicis Maximilianei“ nach Ingolstadt zurück. 1761 Rektor, wurde er, von Joh. Adam v. Ickstatt weggelobt, 1762 zum kurfürstl. Revisionsrat und 1765 auch noch zum Kommerzienrat in München ernannt. Er war Mitglied der Bayer. Akademie der Wissenschaften, deren Vorgeschichte er schrieb, und 1768/69 Direktor ihrer Historischen Klasse, deren Korrespondenz er schon 1761-65 geführt hatte, ferner Bücherzensurrat, Rat am Wechselgericht, Hofbibliothekar, Geh. Archivar und Ministerialkommissär für die Philosophische und später auch für die Juristische Fakultät in Ingolstadt. Er verkehrte in den Kreisen der Münchner Hofkünstler (Roman Anton Boos, Christian Wink, Franz Andreas Schega, George de Marées, Joh. Bapt. Straub, Dominikus von Aulicžek u. a.) und machte sie durch Kurzbiographien mit Werkverzeichnissen in der „Kunstzeitung der Kayserl. Akademie zu Augsburg“ (1770-72) der literarischen Öffentlichkeit bekannt. Dabei huldigte er in Anlehnung an Joh. Joachim Winckelmann und Joh. Gg. Sulzer, nach der „großen Dürre“ des Rokoko, der Simplizität und Schicklichkeit des Frühklassizismus. Anscheinend war er 1770 auch an der Gründung der kurfürstl. Zeichnungsschule, Vorläuferin der Münchner Akademie der Bildenden Künste, beteiligt. Als Historiker besorgte er eine neue und um das bisher unveröffentlichte Buch VI erweiterte Ausgabe der „Res Boicae“ des Markus Welser von 1602 (1777), während die geplante Edition unveröffentlichter Briefe Welsers, Christof Gewolds, des Gaspar Scioppius und Matthäus Raders unterblieb. Der Regierungswechsel von Max III. Josef zu Kf. Karl Theodor machte L. zwar zum Rat bei der neu eingerichteten Oberen Landesregierung, brachte aber sonst zunächst einen Rückschlag in der Karriere des ehrgeizigen, eitlen und streberischen, aber auch gescheiten, unerhört arbeitsamen und leutselighilfsbereiten Mannes. Klerikal geprägt, Jesuitenfreund über die Aufhebung des Ordens hinaus (mochte er diese Bindungen auch zeitweilig aus Opportunismus verleugnen) und mit verschiedenen bayer. Klosterprälaten in regem Briefwechsel (unter seinen vielen Korrespondenten finden sich aber auch Gottsched, Klopstock und Lavater; Schubart, Nicolai und Gercken waren in München recht angetan von ihm, und für den 1794 als „Kantianer“ aus Dillingen vertriebenen Sailer hat er sich eingesetzt!) –, wußte er sich Karl Theodor jedoch in der im Zusammenhang mit der Illuminatenaffäre einsetzenden Reaktion unentbehrlich zu machen. 1791 wurde er Sekretär des Pfalz. Löwenordens, 1792 Wirkl. Geh. Rat, Geh. Referendär in geistlichen Sachen und Kurator des Schulwesens in Bayern, der Oberpfalz und im Hzg. Neuburg und schließlich 1797 an Stelle des liberalen Pfälzers Stefan Frhr. v. Stengel Geh. Kabinettssekretär und damit der engste Mitarbeiter des Kurfürsten. 1799 enthob ihn Max IV. Josef sofort aller seiner Ämter.

    Zu Unrecht und in Überschätzung seiner Fähigkeiten und Möglichkeiten ist L., „mehr der geschobene als der schiebende Reaktionär“ (Michael Doeberl), von der liberalen bayer. Historiographie des 19. Jh., vor allem in der Nachfolge des ihm nicht wohlgesonnenen Lorenz v. Westenrieder, zum bösen|Gewissensrat Karl Theodors – neben dem Exjesuiten Ignaz Frank – und schurkischgrausamen Großinquisitor der Illuminatenverfolgung gemacht worden.

  • Werke

    Weitere W u. a. Nachr, v. d. ehem. gel. Gesellschaften in Baiern, in: Abhh. d. churfürstl.-baier. Ak. d. Wiss. 1, 1763, S. 3-38, 2, 1764, S. 3-48;
    Nachrr. v. Elias Holl, e. Augsburg. Architekten, in: Kunstztg. d. Kayserl. Ak. zu Augsburg 3, 1772, S. 5-47.

  • Literatur

    ADB 18;
    Gerichte in d. Unterwelt, Ueber einige Manen aus d. Lande Baiern, 1800;
    F. Muncker, Btrr. z. dt. Litteraturgesch. aus Münchener Hss. I: Ein Brief Boies u. drei Briefe Klopstocks an J. K. v. L., in: Jb. f. Münchener Gesch. 5, 1894, S. 17-24;
    G. Ferchl, Bayer. Behörden u. Beamte 1550-1804, = Oberbayer. Archiv 53, 1908/12, S. 116 f., 795 u. 1299;
    R. Messerer (Hrsg.), Briefe an d. GR J. C. v. L. in d. J. 1758-1800, = dass. 96, 1972 (L, P, vgl. P. Fuchs, in: HZ 221, 1975), 101, 1976 (P), 104, 1979;
    G. Henle, J. G. K. v. L., in: Die Oberpfalz 7, 1913, S. 115-18;
    L. Maenner, Bayern in u. vor d. Franz. Rev., 1927, bes. S. 102 ff.;
    Joh. Brunner, Gesch. d. Grenzstadt Furth im Wald, 1932 (L, P);
    R. Heininger, J. C. L. u. d. bayer. Staat, 1933 (L);
    L. Hammermayer, Gründungs- u. Frühgesch. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1959;
    M. Spindler (Hrsg.), Electoralis Academiae Scientiarum Boicae Primordia, Briefe aus d. Gründungszeit d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1959 (L);
    R. van Dülmen, Propst Franziskus Töpsl (1711–96) u. d. Augustiner-Chorherrenstift Polling, 1967;
    ders., Aufklärung u. Reform in Bayern, I: Das Tagebuch d. Pollinger Prälaten Franz Töpsl (1744–52) u. s. Korr. mit Gerhoh Steigenberger (1763–68), in: Zs. f. bayer. Landesgesch. 32, 1969, S. 606-747, 886-961, II: Die Korr. d. Pollinger Prälaten Franz Töpsl mit Gerhoh Steigenberger (1773–87/90), ebd., Beih. 2, R. B., 1970;
    P. Steiner, Joh. Bapt. Straub, 1974;
    L. Hammermayer, Gesch. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1759-1807, 3 Bde., 1953-84 (L). - Zur Familie: E. Geiß, Tandern, Schloß u. Hofmark u. s. Besitzer, in: Oberbayer. Archiv 32, 1872 f., S. 226-62;
    Gen. Hdb. d. in Bayern immatr. Adels 13, 1980, S. 754-57 (P).

  • Portraits

    Ölgem. v. G. de Marées, 1768 (Privatbes.), Abb. in: R. Paulus, Der Bildnismaler G. de Marées, 1913, Abb. 23, u. Gen. Hdb. d. in Bayern immatr. Adels 13, 1980, n. S. 754;
    danach Kupf. v. J. E. Haid, 1784, Abb. in: G. J. Wolf, Das Kurfürstl. München 1620-1800, 1930, vor S. 324;
    2 Medaillen u. Gipsmedaillon v. F. A. Schega, 1768 u. 1772 (Staatl. Münzslg. München bzw. Städt. Kunstslgg. Augsburg), Abb. in: P. Grotemeyer, F. A. Schega 1711-87 …, 1971, Nr. 87 f. u. VI (vgl. S. 34, 39 f. u. 71 f.).

  • Autor/in

    Peter Fuchs
  • Empfohlene Zitierweise

    Fuchs, Peter, "Lippert, Johann Kaspar Edler von" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 657 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117044350.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lippert: Johann Kaspar v. L., geb. zu Furch im baierischen Wald am 23. September 1724, zu München am 7. April 1800. Er wurde nach Beendigung der juristischen Studien an der Hochschule zu Ingolstadt 1758 zum Professor daselbst „für jus patrium zu explicirung des Codicis Maximilianei“ mit 600 fl. Besoldung ernannt, 1761 als Commercien- und Revisionsrath nach München berufen, 1779 zum Oberlandesregierungsrath, 1792 zum wirklichen geheimen Rath befördert. Seit 1761 war er Mitglied, seit 1768 Director der historischen Classe der Akademie der Wissenschaften. Als solcher hielt er 1763 einen Vortrag über die ehemaligen gelehrten Gesellschaften in Baiern (Abhandlungen, Bd. I, Abth. 1, S. 4) und veranstaltete 1777 eine neue Ausgabe der baierischen Geschichte des Marcus Welser mit Hinzufügung des früher unterdrückten sechsten Buches. Allein einer Thätigkeit von andrer Art verdankt L. eine traurige Berühmtheit. Während er sich, so lange der milde, aufgeklärte Kurfürst Max Joseph regierte, in auffälligster Weise, wie Westenrieder sagt, als „Erzdeclamator wider die Jesuiten“ hervorthat, „ist er später ein Renegat für dieselben geworden und stand sich wohl dabei“. Er war der Vertraute und das Werkzeug des Beichtvaters des Kurfürsten Karl Theodor, P. Frank, der so willkürlich und unheilvoll auf die Regierungsgeschäfte einwirkte. Als die Verfolgung des Illuminatenordens begann, stand L., im Volksmund nur als „der Edle von“ (er war durch Patent vom 22. Januar 1773 in Adelstand erhoben worden) bezeichnet, an der Spitze des Inquisitionsgerichts, das nach wirklichen und angeblichen Mitgliedern des vervehmten Ordens fahndete, die würdigsten und verdienstvollsten Männer von Amt und Würden verdrängte und durch Knebelung der Presse jenen Obscurantismus zu befestigen suchte, dessen Herrschaft Karl Theodors letzte Regierungsjahre zur traurigsten Periode der baierischen Geschichte|stempelt. Westenrieder stellt in seinem Tagebuch die nur für die Nachwelt komisch klingende Behauptung auf: „Lippert's Regierung kann die Regierung des baierischen Robespierre genannt werden“. Solcher Art waren „die mit unermüdetem Fleiß geleisteten Dienste“, um deren willen er zum Geheimrath, 1797 auch zum adjungirten geheimen Cabinetssecretär erhoben wurde. In Volkskreisen aber war er so verhaßt, daß er, als Karl Theodor beim Anrücken der Franzosen 1796 aus München entfloh, fußfällig bat, mit dem Fürsten die Stadt verlassen zu dürfen. Nach der Thronbesteigung Max Joseph's IV. wurde L. sofort, „da die kurfürstliche Regierung eine neue Einrichtung der Regierungsgeschäfte beabsichtige, aller Stellen, Dienste und Pflichten enthoben“ und behielt nur den Titel eines geheimen Raths und eine kleine Pension. Als er bald darauf starb, erschienen zahlreiche Pasquille, die über den Tod der „Baierns Männer verschlingenden Hyder“ frohlockten.

    • Literatur

      Baader, Lexikon verstorbener baierischer Schriftsteller, II, S. 169. — Oberbaierisches Archiv. 13. Bd., S. 164. — Münchener Intelligenzblatt, Jahrg. 1777, S. 229. —
      Westenrieder, Geschichte der baier. Akademie der Wissensch., I, S. 58 ff. —
      Kluckhohn, Aus Westenrieder's Nachlaß, in den Abhandlungen der Münchener Akademie, 16. Bd., 2. Abth., S. 58. — Personalacten im Reichs- und im Kreisarchiv zu München.

  • Autor/in

    Heigel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heigel, Karl Theodor von, "Lippert, Johann Kaspar Edler von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 735-736 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117044350.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA