Lebensdaten
1873 bis 1956
Geburtsort
Klein-Glattbach (Württemberg)
Sterbeort
Leinfelderhof bei Vaihingen/Enz
Beruf/Funktion
Reichsaußenminister
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118786016 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Neurath, Konstantin Freiherr von
  • Neurath, Constantin Freiherr von
  • Neurath, Konstantin Freiherr von

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Zitierweise

Neurath, Constantin Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118786016.html [19.02.2018].

CC0

  • Genealogie

    Die Fam, stammt aus Alsfeld; Reichsadel 1791 für Constantin (1739–1816), Dr. iur., Reichskammerger.ass. in Wetzlar, dann Hofger.präs. in Rastatt (s. ADB 23; Nassau. Biogr.); sein Sohn Constantin (1777–1817) war ebenfalls am Reichskammerger.|tätig, seit 1817 württ. Justizmin. (s. Nassau. Biogr.);
    V Constantin (1847–1912), württ. Oberstkammerherr, S d. Constantin (1807–76), württ. Legationsrat, u. d. Emilie Freiin v. Reck (1815–58);
    M Mathilde (1847–1924), T d. Hermann Frhr. v. Gemmingen-Hornberg u. d. Pauline Freiin v. Ellrichshausen;
    Stuttgart 1901 Marie (1875–1960), T d. Bankdir. Alexander Moser v. Filseck u. d. Christine Kaupe;
    1 S Constantin (* 1902), Dr. iur., Diplomat, dann Vorstand d. Siemens-Argentina in Buenos Aires, 1 T Winifred (* 1904, Hans-Georg v. Mackensen, 1883–1947, Dr. iur., Diplomat).

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums in Stuttgart, dem Studium der Rechtswissenschaften in Tübingen und Berlin und dem 2. Juristischen Staatsexamen trat N. 1901 als Assessor in den konsularischen Dienst des Auswärtigen Amts ein. Auf Wunsch des Staatssekretärs Alfred v. Kiderlen-Waechter wurde er 1913 in die Politische Abteilung und damit in den diplomatischen Dienst übernommen. Von August 1914 bis 1915 nahm N. als Hauptmann d. Res. und Kompanieführer am 1. Weltkrieg teil. Anfang 1917 schied er aus dem Auswärtigen Amt aus, da er in der dortigen Presseabteilung keine Befriedigung fand und mit der Politik des Reichskanzlers Theobald v. Bethmann Hollweg nicht einverstanden war. Er wurde in Nachfolge seines Onkels Julius Frhr. v. Soden Kabinettschef des württ. Königs; bis 1919 blieb er dessen Treuhänder. In Stuttgart erlebte N. den Sturz des Königshauses und die Anfänge der Republik. Diese Erfahrungen bestärkten den schwäb. Aristokraten in seiner konservativ-monarchistischen Grundhaltung. 1919 kehrte N. in den Auswärtigen Dienst zurück: Am 13. Februar trat er die Nachfolge des zum Außenminister ernannten Grafen Ulrich v. Brockdorff-Rantzau als Gesandter in Kopenhagen an. 1922-30 war er Botschafter in Rom (Quirinal), dann in London.

    Anfang Juni 1932 ersuchte ihn Reichspräsident Hindenburg, den Posten des Außenministers im Kabinett Papen zu übernehmen und in dieser Stellung auch unter Schleicher und Hitler zu verbleiben. Letzterer akzeptierte den anglophilen N., da dieser das Vertrauen des Reichspräsidenten besaß, dessen Prärogative er in der Außenpolitik vorläufig noch zu respektieren hatte, und da die personelle Kontinuität an der Spitze des traditionell konservativen Auswärtigen Amtes 1933 innen- wie außenpolitisch zweckmäßig erschien. Auch nach Hindenburgs Tod 1934 gab es für Hitler keinen zwingenden Grund für ein Revirement im Auswärtigen Amt, da er sicher sein konnte, daß N. die Politik zur Revision des Versailler Vertrags vorbehaltlos unterstützte (Austritt aus dem Völkerbund, Saarabstimmung, Antikominternpakt, Rückkehr deutscher Truppen in das Rheinland). 1937 würdige er N.s Loyalität und außenpolitische Erfolgsbilanz im „Kampf gegen Versailles“ durch die Verleihung des Goldenen Parteiabzeichens der NSDAP und des Ehrenrangs eines SS-Gruppenführers; an seinem 65. Geburtstag erhielt N. das Goldene Treudienst-Ehrenzeichen. Zwei Tage später, am 4.2.1938, enthob ihn Hitler seines Amtes und ernannte Joachim v. Ribbentrop zum neuen Reichsaußenminister. Dieser schien ihm zur Durchsetzung der nun beginnenden expansiven Phase der Außenpolitik geeigneter als N., der auf Hitlers Pläne zur Annexion Österreichs und der Tschechoslowakei sowie die Bereitschaft zum Krieg gegen die Westmächte mit Bestürzung reagierte. Gleichwohl nahm er es bereitwillig hin, daß Hitler ihn zum Präsidenten des politisch wirkungslosen Geheimen Kabinettsrates und am 18.3.1939 zum Reichsprotektor von Böhmen und Mähren mit Sitz in Prag berief. Im Sept. 1941 ließ sich N. beurlauben; die Macht im Protektorat lag nun in den Händen seines Stellvertreters Reinhard Heydrich. Am 25.8.1943 wurde N. offiziell von Wilhelm Frick abgelöst. Anläßlich seines 70. Geburtstags erhielt er von Hitler eine Dotation in Höhe von 250 000 Reichsmark, im Juni 1943 folgte die Beförderung zum SS-Obergruppenführer. Nachdem sich Hitler des konservativen Diplomaten über Jahre zur Camouflage seiner langfristig revolutionären Außenpolitik bedient hatte, ließ er ihn in „Ehren“ fallen, als er der Tarnung nicht mehr bedurfte. 1946 wurde N. im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozeß vornehmlich wegen seiner Tätigkeit im Protektorat zu fünfzehn Jahren Haft verurteilt, 1954 jedoch auf Initiative des Vatikans und mit Billigung der Sowjets vorzeitig aus dem Spandauer Gefängnis entlassen.|

  • Auszeichnungen

    Dr. iur. h. c. (Camerino 1927).

  • Literatur

    L. Gf. Schwerin v. Krosigk, Es geschah in Dtld., 1962, S. 310-17;
    H.-A. Jacobson, Nat.soz. Außenpol. 1933-1938, 1968 (P);
    J. L. Heineman. Hitler's First Foreign Minister, C. Frhr. “. N., Diplomat and Statesman, 1979;
    H.-J. Döscher, Das AA im Dritten Reich, Diplomatie im Schatten d. „Endlösung“, 1987 (P);
    Rhdb. (P);
    Kosch, Biogr. Staatshdb. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: BA Koblenz.

  • Autor

    Hans-Jürgen Döscher
  • Empfohlene Zitierweise

    Döscher, Hans-Jürgen, "Neurath, Constantin Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 178 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118786016.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA