Lebensdaten
1870 bis 1933
Geburtsort
Brünn (Mähren)
Sterbeort
Kalksburg (Niederösterreich)
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
-
Normdaten
GND: 11857423X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Los, Adolf

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Zitierweise

Loos, Adolf, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd11857423X.html [25.08.2016].

CC0

Loos, Adolf

Architekt, * 10.12.1870 Brünn (Mähren), 23.8.1933 Kalksburg (Niederösterreich).

  • Genealogie

    V Adolf (1830–79), Steinmetz u. Bildhauer, führte e. eigenes Unternehmen; M Marie Hertl; Gmm N. N., aus d. Fam. Weckher v. Roseneckh in Mähren; 1) ( 1904) Lina Obertimpfler (1882–1950), Schauspielerin, d. Korr. zw. ihr u. L. wurde in d. Buch „Du. silberne Dame, Du“ (1966) veröff., 2) 1919 Else Altmann, Tänzerin, veröff. ihre Erinnerungen u. d. T.A. L. d. Mensch“ (1968), 3) 1929 Claire Beck, aus Pilsen, schrieb „A. L. privat“ (1936); kinderlos; - Lebensgefährtin (seit 1906) Elisabeth Bruce, aus England, Tänzerin; N u. Adoptiv-S Walter, Erbe d. Brünner Steinmetzfirma.

  • Leben

    L. absolvierte vier Klassen an den Gymnasien in Iglau, Melk und Brünn, anschließend besuchte er bis 1889 die Staatsgewerbeschule|in Reichenberg und Brünn. 1889/90 hospitierte er an der TH Dresden und setzte dort, nach einem Jahr freiwilligen Militärdienstes, 1892/93 sein Studium fort. Durch ein Ferienpraktikum im Sommer 1887 erwarb er ein Maurerzeugnis. 1893 ging L. – wahrscheinlich durch die Weltausstellung in Chicago angeregt – nach Amerika. Dort lernte er die Architektur der Chicago-Schule kennen, besonders wurde er auf der Weltausstellung von der japan. Architektur angeregt. Bis 1896 lebte L. in New York und in anderen Städten der USA und kehrte dann über London und Paris nach Wien zurück.

    Nach erneutem Militärdienst trat L. in die Baufirma Carl Mayreder ein. Er wurde zunächst bekannt durch seine Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, in denen er sich für die Reform des Gewerbes einsetzte. L.s selbständige Tätigkeit in den ersten Wiener Jahren betraf nur die Innenarchitektur. Er befaßte sich mit Umgestaltungen und Inneneinrichtungen von Banken, Läden und Wohnungen, für die er auch die Möbel entwarf. 1899 fand besonders seine schmucklose Ausstattung des „Café Museum“ große Aufmerksamkeit. L.s erste größere Arbeit war 1903-06 der Umbau und die Ausstattung der Villa Karma am Genfer See (nach 1908 von H. Ehrlich beendet). Schon dieses erste Werk zeigt die für L. charakteristischen Züge, einfache stereometrische Körper – Kubus und Zylinderteil – als Grundformen des Gebäudes. Im Inneren werden durch die Aufeinanderfolge von Räumen verschiedener Höhe und durch Lichtwirkungen wechselnde Raumerlebnisse hervorgerufen. Die dekorative Wirkung überläßt L. den wertvollen Materialien: Marmor und Edelhölzer, Glas und Metall. Spiegel verwendete er zur Erreichung von Raumillusionen. Ein gutes Beispiel dafür ist die „American Bar“, die er 1908 in Wien einrichtete.

    L.s bedeutendstes Werk ist das 1909-11 errichtete Geschäftshaus am Michaelerplatz in Wien, das sog. „Looshaus“. L. schuf hier ein außen fast schmuckloses Gebäude, dessen Fassade in der Parterre- und Mezzaninzone mit Marmor verkleidet, darüber in vier Geschossen lediglich hell verputzt und durch einfache, gesimslose Fensterausschnitte gegliedert ist. Die repräsentative Eingangszone ist durch 4 hohe Marmorsäulen betont. Eine mit Ziegeln ausgefachte Skelettkonstruktion nimmt alle Lasten auf, so daß der Innenraum des ganzen Gebäudes frei unterteilbar ist. Die breiten, im Mezzanin raumhohen Fenster lassen die Räume transparent und luftig erscheinen. Der noblen Marmorverkleidung an der Außenseite entspricht effektvolles Material in der inneren Ausstattung der Kundenzone: politiertes Holz, geschliffenes Glas, Spiegel, glänzendes Messing. In den Arbeitsräumen herrscht dagegen absolute Zweckmäßigkeit, Sichtbeton statt Holzverkleidungen. Dieses Haus ist die einzige ausgeführte innerstädtische städtebauliche Bauaufgabe von L. Es ist mit großem Feingefühl in den Stadtplatz eingefügt, ohne die dominierende Wirkung der historischen Bauten in seiner Nähe zu stören.

    Die weitere Bautätigkeit L.s betraf hauptsächlich den Villenbau. Sein Hauptanliegen war, auf der gegebenen Grundfläche ein möglichst geräumiges Hausinneres zu schaffen und durch Terrassen die Verbindung mit dem Freien zu intensivieren. Diese Bestrebungen zeigt schon das Haus Steiner von 1910. Das Haus Scheu (1912/13) ist durch Zurückstufung des Baukörpers im 1. und 2. Obergeschoß einseitig terrassiert, die 1915 umgebaute Villa Duschnitz durch einen mehrfach terrassierten Anbau zum Garten hin ergänzt, ähnlich wie die Villa Mandl von 1916.

    Nach dem 1. Weltkrieg engagierte sich L. bis 1924 im Massenwohnungsbau, 1923/24 war er Chefarchitekt des Siedlungsamtes der Gemeinde Wien. Er entwarf große Terrassenhäuser für Arbeiterwohnungen, die den Kindern in der Großstadt einen gefahrlosen Aufenthalt in frischer Luft ermöglichen sollten. Sein Terrassen-Zinshaus bedeutete einen Kompromiß zwischen einem Kasernen-Wohnbau mit Einzimmerwohnungen und einer Gartensiedlung mit Einfamilienhäusern, die er als die einzig richtige und sozial angemessene Lösung des Arbeiter-Wohnproblems betrachtete. In diesem Sinne schuf er mehrere Varianten von kleinen Siedlungshäusern. Einen besonders sparsamen Haustypus ließ er 1921 patentieren. Gleichzeitig beschäftigte sich L. mit der Raumökonomie bei möglichst großer Raumdifferenzierung im Hausinneren. Die Wohnfläche erweiterte er durch gegeneinander versetzte Geschoßebenen, die durch sehr kurze Treppen miteinander verbunden sind, oder auch durch ⅔ Geschosse, wobei er in zwei untere Hausgeschosse drei Teilgeschosse einfügte. Im Entwurf für die Villa Konstandt (1919) bringt er das System der gegeneinander versetzten Geschosse zur vollen Anwendung. Nach 1925 zeigen die L.schen Villen mehrere Terrassenstufen außen und ein differenziertes Raumgefüge innen mit unterschiedlichen Raumhöhen auf versetzten Ebenen.

    Alle von L. angewendeten Baulösungen entstammen seiner Überzeugung, daß „der Architekt im Raume, im Kubus zu denken hat“. Gibt man jedem Raume nur die Höhe, die ihm seiner Natur nach zukommt, kann man ökonomischer bauen“. Diesen Grundsatz sprach L. bereits 1911 bei der Verteidigung seines Hauses am Michaelerplatz aus. Der „Raumplan“ ist die bedeutendste Erfindung L.s. Als Innenarchitekt änderte er seine Ausstattungsmittel im Laufe der Zeit nur wenig, er blieb bei Marmor, Edelhölzern, Glas, Metall und Spiegeln. In seiner Frühzeit hatte er auch Möbel entworfen, später nur mehr Einbaumöbel, hauptsächlich Wandschränke, die oft einer Unterteilung des Innenraums dienten. Für die Einrichtung bevorzugte L. engl. Möbel, besonders Sitzmöbel, die er aus England bezog oder von lokalen Tischlern kopieren ließ. Ende der 20er Jahre kamen bei ihm Schleiflack und leichte Thonet- und Korbsessel zur Geltung. L. lehnte das Ornament ab. Dies bedeutete aber nicht, daß er eine absolute Schmucklosigkeit vertrat, in mehreren Fällen griff er dennoch zum Ornament, wie figürlichen Friesen aus Stuck und Bändern mit Strichmotiven. L.s scharfe Ablehnung galt allerdings dem Erfinden von neuen Ornamenten, weil er dies als unzeitgemäß betrachtete.

    1912 eröffnete L. eine Bauschule, die er nach Unterbrechung durch den Krieg seit 1920 in einem Privatseminar fortsetzte. 1926 hielt er vier Vorträge in der Pariser Sorbonne, die das menschliche Verhalten in verschiedenen Lebenssituationen behandelten. Unter dem Titel „Der Mensch mit den modernen Nerven“ sprach er über Themen, die seit jeher auch sein Bauen bestimmt hatten: – Gehen, Stehen, Sitzen, Liegen, Schlafen, Essen, Wohnen und Sich-Kleiden. 1924-28 lebte L. ständig in Paris. Er war schon seit 1923, nach einer erfolgreichen Ausstellung seiner Entwürfe, Mitglied des „Salon d'Automne“, 1926 wurde er in die „Société coopérative d'Architectes“ aufgenommen. In Paris war L. auch Vertreter der Brünner Möbelfabrik, der „Vereinigten UP-Werke AG“, für die er Entwürfe schuf. Seine Vorträge in Brünn und Prag 1925 haben die tschech. Interieurkunst deutlich beeinflußt. Nach seiner Rückkehr nach Wien 1928 hielt er sich oft in der Tschechoslowakei auf. Er richtete mehrere Wohnungen in Pilsen ein (1928/29) und baute einige Privathäuser in Prag. In Babi (Nordböhmen) errichtete er 1931 eine Arbeitersiedlung.

    Seit 1897 hatte L. seine architekturtheoretischen Ansichten veröffentlicht. Anläßlich der Wiener Jubiläumsausstellung von 1898 erschien eine Serie von Aufsätzen in der „Neuen Freien Presse“, in denen er sich zu den ausgestellten Objekten kritisch äußerte. In einem eigenen Blatt, „Das Andere“, von dem 1903 zwei Nummern erschienen, nahm L. zu ästhetischen und ethischen Problemen seiner Zeit Stellung. 1907 erschien eine kleine Schrift „Wohnungswanderungen“, ein Führer durch mehrere von ihm eingerichtete Wohnungen, deren Besichtigung er organisiert hatte. – L.s Anhänger in Deutschland waren die Architekten Gustav Schleicher, Ulrich Straub, Adolf Schneck, in Jugoslawien Zlatko Neumann, in der Tschechoslowakei Norbert Krieger und Heinrich Kulka, der später auch in Österreich und Neuseeland Erfolg hatte, in Israel Kurt Unger und in Amerika Richard Neutra.

  • Werke

    Weitere W Ausgeführte Bauten Wohnhaus Leopold Goldmann, Wien XIX, 1909-11; Haus Stoessl, Wien XIII, 1911-12; Haus Horner, Wien XIII, 1912; Rohrbacher Zuckerraffinerie, Rohrbach b. Brünn, 1916; Villa d. Dir. d. Rohrbacher Zuckerfabrik, Rohrbach, vor 1918; Haus Straßer, Wien XIII (Umbau), 1918/19; Siedlungshäuser Lainz-Friedenstadt, Wien XIII, 1921; Heuberg-Siedlung, Wien XVII, 1921; Siedlungshäuser Lainz, Hermesstr., Wien XIII, 1921; Kriegerheimsiedlung Hirschstetten, Wien XXII, 1921; Siedlungshäuser Laarberg, Wien X, 1922/23; Villa Reitler, Wien XIII, Umbau, 1922; Villa Rufer, Wien XIII, 1922; Landhaus Spanner, Gumpoldskirchen b. Wien, 1924; Haus Tristan Tzara, Paris, 1926/27; Haus Moller, Wien XVIII, 1927/28; Wohnhaus Hans Brummel, Pilsen (Umbau). 1928/29; Haus Müller, Prag, 1928-30; Haus Winternitz, Prag 1931/32; Landhaus Khuner, Payerbach, Nd.österreich (mit H. Kulka), 1929/30; Haus Mitzi Schnabl, Wien XXII, 1931; Einfamilien-Doppelhäuser, Werkbundsiedlung, Wien XIII, 1930-32. - Schrr.: Richtlinien f. e. Kunstamt, mit e. Btr. v. A. Schönberg, in: Der Friede, 1919, Nr. 62; Ins leere gesprochen, 1920, 21932, Nachdr. 1981; Trotzdem, 1931, Nachdr. 1982; Sämtl. Schrr. I, 1962 (Neuaufl. v. „Ins leere gesprochen“ u. „Trotzdem“, hrsg. v. F. Glück); Die potemkin. Stadt, Verschollene Schrr. 1897-1933, 1983. - Entwürfe: Theater für 4000 Personen, 1898 (3. Variante, 1912); Kaiserjubiläums-Gedächtniskirche St. Elisabeth, 1898; Kriegsministerium, 1907/8; Karlsplatzverbauung, 1909; Technisches Museum, 1909; Stadtregulierungsplan Wien, Innere Stadt, um 1912; Verbauung d. Gartenbaugründe, Wien I, 1917; Bank Freyung, Wien I, um 1919; Generalarchitekturplan Wien, 1920; Haus mit e. Mauer, 1921 (patentiert); Gebäude f. „The Chicago Tribune“, Chicago, 1922; Kleinwohnungshaus f. d. Gemeinde Wien, Wien X, 1923; Villa Paul Verdier, Frankreich, 1923; Rathaus in Mexico, 1923; Grand Hotel Babylon, Nizza, 1923; Bürohaus Paris II, 1925; Ausstellungspalais Tientsin, China, 1925; Haus Josephine Baker, Paris, 1927; Villa Dr. Fleischner, Haifa, 1931; Hotel in Juan-les-Pins, 1931; Kleinwohnungshaus für Prag-Weingärten, 1931; Kleines Holzhaus, nach amerikan. Bauweise, Kleinhaustypus mit 6 Wohnebenen, 1933. - Nachaß: Wien, Slg. Albertina. Graph.

  • Literatur

    A. L. z. 60. Geb.tag, Festschr., 1930; H. Kulka, A. L., Das Werk d. Architekten 1931 (P); F. Glück, A. L., 1931 (P); L. Münz, A. L., 1956 (P); ders. u. G. Künstler, Der Architekt A. L., 1964 (W-Verz., P); M. Kubinsky, A. L., 1967 (ungar., dt. 1970) (P); R. L. Schachel, L.-Hoffmann, 1870–1970, in: Steine sprechen, Nr. 31/32, 1970 (W); A. L. 1870-1970, in: Form u. Geist, 29. H. 339, 1970 (P); Z. Kudělka, Činnost Adolfa Loose v Československu, Sborník prací filosofické fakulty brněnské university, XXIII, F 18, 1974 (P); H. Czech u. W. Mistelbauer, Das Looshaus, 1976 (W, L, P); B. Rukschio u. R. Schachel, A. L., Leben u. Werk, 1982 (W-Verz. L, P); B. Gravagnuolo, A. L., Theory and Works, 1982 (P); A. Opel (Hrsg.), Kontroversen, A. L. im Spiegel d. Zeitgenossen, 1985; L. Loos, Das Buch ohne Titel, 1947, 21986 u. Anhang m. Bildern. - Ausstat.Kat.: Mus. Villa Stuck, 1982; Paris, 1983; Ak. d. Künste Berlin (West), 1983; Arts Council of Great Britain, 1985. - Film v. H. Czech, 1970. - ÖBL, ThB.

  • Portraits

    Gem. v. O. Kokoschka, 1909 (Berlin, Nat.-Gal.), Abb. in: B. Rukschio u. R. Schachel, A. L., 1982, Abb. 123; Büste v. A. I. Loewenthal, 1909 (Looshaus Wien), Abb. In: B. Rukschio, u. R. Schachel, A. L., S. 163; Büste v. M. Oppenheimer 1910 (Hist. Mus. d. Stadt Wien).

  • Autor

    Vera J. Behal
  • Empfohlene Zitierweise

    Behal, Vera J., "Loos, Adolf" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 149-152 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd11857423X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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