Lebensdaten
erwähnt um 1091 , gestorben 1157
Sterbeort
Kloster Lauterberg bei Halle/Saale (als Mönch)
Beruf/Funktion
Markgraf von Meißen und der Niederlausitz
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 121506533 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Konrad von Meißen
  • Konrad
  • Konrad von Meißen
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Zitierweise

Konrad, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121506533.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Hause Wettin;
    V Thimo ( um 1091), Gf. v. Wettin u. Brehna, Mitstifter d. Naumburger Doms, S d. Dietrich ( 1034), Gf. v. Eisenberg, Mgf. d. sächs. Ostmark seit 1032 (s. ADB V), u. d. Mathilde;
    M Ida, T d. Otto v. Northeim ( 1083)), Hzg. v. Bayern;
    Ov Friedrich ( 1084), Bischof v. Münster seit 1064, Mgf. Dedo II. d. Ostmark ( 1075, s. ADB V), Gf. Gero v. Brehna ( n. 1059);
    B Gf. Dedo IV. v. Wettin ( 1124 ⚭ Bertha, 1143, Erb-T d. Gf. Wiprecht I. v. Groitzsch, 1124, s. NDB VII, Schw d. Heinrich v. Groitzsch, 1135, Burggf. v. Magdeburg, Mgf. d. Niederlausitz, Gründer d. Petersklosters auf d. Lauterberg, s. ADB V);
    Vt Gf. Dietrich v. Brehna ( v. 1116), Gf. Wilhelm v. Camburg ( v. 1116), Günther ( 1089), Bischof v. Naumburg seit 1079, Gf. Heinrich I. v. Eilenburg ( 1103), Mgf. v. Meißen u. d. Lausitz (s. NDB VIII), Kaiser Lothar III. ( 1137);
    - spätestens 1116/19 Luitgard ( 1146), T d. schwäb. Gf. Albrecht;
    6 S, 6 T, b. a. Mgf. Otto d. Reiche v. Meißen (1125–90), Dietrich v. Landsberg ( 1185), Mgf. d. Niederlausitz (s. ADB V), Gf. Heinrich I. v. Wettin ( 1181), Gf. Dedo V. v. Groitzsch ( 1190), Mgf. d. Niederlausitz seit 1185, erhielt 1144 v. d. Witwe s. Ov Dedo IV., Bertha, d. Gfsch. Groitzsch (s. ADB V), Gf. Friedrich v. Brehna ( 1182);
    N Gf. Heinrich II. v. Eilenburg ( 1123), Mgf. v. Meißen (s. ADB X);
    E Konrad v. Landsberg (1159–1210), Mgf. d. Niederlausitz (s. ADB 16), Mgf. Dietrich v. Meißen ( 1221, s. NDB III).

  • Leben

    Als edelfreier kleiner Grundherr, der zunächst mit seinem älteren Bruder Dedo den Burgwardbereich Wettin gemeinsam besaß, war K. am Ausgang der gegen die Salier gerichteten Fürstenopposition groß geworden. Um 1116 erbte er die Grafschaft Brehna von seinem ohne männliche Erben verstorbenen Vetter Dietrich, 1124 von seinem Bruder Dedo dessen Anteil an Wettin, die Grafschaft Camburg und die wettinischen Allode als damals einziger männlicher Erbe des Geschlechts. Außerdem hatte er nach dem Tod des kinderlosen Heinrich II. von Eilenburg, Markgraf von Meißen und der Niederlausitz (1123), mit dem die von K.s Großoheim Dedi ( 1075) abstammende ältere Linie der Wettiner ausstarb, auch deren Erbe angetreten. Früh hat er die besonderen Aufgaben seiner Stellung als Herrschaftsinhaber nahe der Grenze des Reiches richtig erkannt und im engeren Anschluß an den Sachsenherzog Lothar von Supplinburg zu nutzen gewußt. Die 1123 heimgefallenen Reichslehen, die Marken Meißen und Niederlausitz, übertrug Kaiser Heinrich V. dem Grafen Wiprecht von Groitzsch. Lothar von Sachsen, dem eine Mehrung des salischen Einflusses am Rande seines herzoglichen Machtbereiches unerwünscht war, führte statt dessen in offenem Widerstand gegen das königliche Recht K. in jene Marken ein. Diesem gelang die Behauptung des Gewonnenen, und nachdem Lothar selbst das salische Erbe angetreten hatte, dürfte er noch im Jahre seiner Wahl zum deutschen König K. mit der Mark Meißen nach Reichsrecht belehnt haben (1125). Weitere Erwerbungen glückten und rundeten K.s Besitz, der ihm auch von Lothars Nachfolger Konrad III. nicht bestritten wurde.

    Um die Mitte des 12. Jahrhunderts umfaßte der wettinische Besitz schon die Lande von der Saale ostwärts bis zur Lausitz. Er war nicht völlig zusammenhängend, aber doch weitgehend gefestigt. Nördlich der Mark Meißen erstreckte sich ein Landstrich bis zur Schwarzen Elster, der als Teil der alten Ostmark bis 1123 wetttinisch gewesen, dann aber an Albrecht den Bären und über diesen 1137 an K. zurückgefallen war. Das östliche Gebiet mit dem Allod Eilenburg verschmolz mit der Mark Meißen. Das westliche, gelegentlich nach Landsberg genannt, blieb unter einer Nebenlinie des wettinischen Hauses bis auf Konrad von Landsberg, von dem es 1210 an die Hauptlinie zurückging. Außerdem brachte der Tod des erbenlosen Heinrich von Groitzsch 1136 die Niederlausitzer Mark, die wenige Jahre später durch Erwerbungen im Eibtal und vor 1144 in der Oberlausitz beträchtlichen Zuwachs, ebenfalls aus Groitzschem Erbe, erhielt. Weiter erwarb er Allodialgüter gleicher Herkunft im Bereich der alten Marken Zeitz und Merseburg sowie, von König Konrad III. überwiesen, das Rochlitzer Land, eine willkommene Klammer zum Lehnsbesitz der Meißner Mark. Eine wesentliche Abrundung des weltlichen Besitzstandes stellten die Kirchenvogteien dar: über das Bistum Naumburg, das Stift auf dem Lauterberg und die Klöster Bosau, Chemnitz und Gerbstedt.

    Als Gründer der wettinischen Hausmacht in den meißnischen Landen hat K. die Selbständigkeit seines Amtes gegenüber dem sächsischen Stammesherzogtum zu wahren und gegen das Königtum weitgehend durchzusetzen gewußt. Bevor er, der 1147 an dem Kreuzzug gegen die Abotriten teilgenommen hatte, der Herrschaft entsagte, vergab er die Reichslehen Meißen und die Ostmark (Mark Lausitz) ungeschmälert an seine Söhne Otto und Dietrich, unter die übrigen wurden Grafschaften und Allode nach fürstlichem Erbrecht aufgeteilt.

  • Literatur

    ADB 16;
    W. Hoppe, Mgf. K. v. M., der Reichsfürst u. d. Gründer d. wettin. Staates, in: Neues Archiv f. sächs. Gesch. 40, 1919;
    W. Giese, Die Mark Landsberg bis zu ihrem Übergang an d. brandenburg. Askanier i. J. 1291, in: Thür.-sächs. Zs. 8, 1918;
    R. Kötzschke u. H. Kretzschmar, Sächs. Gesch. I, 1935;
    H. Helbig, Der wettin. Ständestaat, 1955;
    W. Schlesinger, KG Sachsens im MA II, 1962.

  • Autor/in

    Herbert Helbig
  • Empfohlene Zitierweise

    Helbig, Herbert, "Konrad" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 512 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121506533.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Konrad, Markgraf von Meißen 1123—1156, der zweite Sohn Thimo's, der sich nach der von ihm bei Halle erbauten Burg Graf von Wettin nannte, und der Ida, Tochter Ottos von Nordheim, geb. 1098; er begegnet schon in jungen Jahren mehrfach in Urkunden: 1116 schenkt er dem Kloster Reinhardsbrunn den ihm aus der Erbschaft seines Vetters Wilhelm von Kamburg zugefallenen Ort Lausnitz nebst der Hälfte des dortigen Waldes; 1118 erscheint er als Zeuge bei Gelegenheit der Zueignung der von seiner Schwägerin Bertha von Groitzsch gegründeten Liebfrauenkirche zu Zwickau an das Kloster Bosau. Schon bei Lebzeiten seines Vetters Heinrich II. von Eilenburg trat er mit Ansprüchen auf dessen Mark Meißen auf, die er durch Verbreitung des Gerüchtes, als ob jener ein untergeschobenes Kind sei, zu begründen suchte; im J. 1119 legt er sich den Titel eines Markgrafen von Meißen bei. Die darüber ausbrechende Fehde brachte K. in die Gefangenschaft seines Vetters und das Chronicon Montis Sereni weiß von dem Ungemach zu berichten, welches er wählend seiner Haft auf dem Kirchberg bei Jena zu erdulden hatte. Heinrichs Tod 1123 machte derselben ein Ende und da mit jenem die ganze Nachkommenschaft Dedo's von der Ostmark erlosch, so erhob nunmehr K. Erbansprüche nicht blos auf die Allode desselben, sondern auch auf die Marken Meißen und Niederlausitz. Allein Kaiser Heinrich erkannte die letzteren nicht an, wie er aber auf dem Hoftage zu Worms über beide Marken verfügt hat, läßt sich, da die Quellen einander widersprechen, nicht mit voller Bestimmtheit entscheiden; entweder belehnte er Wiprecht von Groitzsch mit Meißen und Hermann von Winzenburg mit der Niederlausitz oder ersteren mit beiden Marken und Hermann mit der damals ebenfalls erledigten Grafschaft Thüringen. Für K. jedoch trat Herzog Lothar von Sachsen ein, nicht blos weil er durch seine Gemahlin Richenza mit ihm verschwägert war, sondern weil er die Aufrechthaltung des Erbrechts der Seitenverwandten in seinem eigenen Interesse fand. Im Bunde mit Albrecht von Ballenstädt vertrieben beide Wiprecht mit Gewalt aus der Mark Meißen, ohne daß die von dem Kaiser zu des letzteren Schutz aufgebotenen Herzöge Wladislaus von Böhmen und Otto von Mähren in den Kampf eingegriffen hätten und ließen die nach Eilenburg berufenen Vornehmen des Landes ihre Einwilligung dazu geben, daß K. die Mark Meißen, Albrecht die Niederlausitz erhielt. Durch diese Usurpation, welche König Lothar nachträglich im J. 1127 anerkannt zu haben scheint, erlangte also K. die Markgrafschaft Meißen, welche seitdem im erblichen Besitz seines Hauses geblieben ist. Außer derselben hat K. nachher noch weitere sehr ansehnliche Erwerbungen gemacht. Nachdem ihm bei dem Tode Heinrichs von Groitzsch 1135 die Pegauer Gegend mit Ausnahme der Burg Groitzsch, sowie die Zwickauer zugefallen waren, belehnte ihn sein alter Gönner Kaiser Lothar 1136 auch mit der Lausitz und vermuthlich hat sich diese Belehnung auch auf die Länder Budissin und Nisani erstreckt, in deren Besitz K. 1144 erscheint. Nachher scheint es dem Staufer Konrad III. gelungen zu sein ihn von der sächsisch-welfischen Partei zu sich herüberzuziehen; 1140 befand sich K. auf dem Frankfurter Reichstage in der Umgebung des Königs und im J. 1143 schenkte ihm dieser das zur Verbindung der Groitzscher Güter mit Meißen trefflich gelegene Reichsgut Rochlitz. Um dieses reichen Besitzes willen haben die sächsischen Geschichtschreiber des 16. Jahrhunderts ihm den Beinamen des Großen beigelegt, auf welchen ihm das Wenige, was wir sonst noch über seine Person wissen, kein Anrecht verleiht. 1136 war er mit in Italien bei der Belagerung von Ancona, 1138 nahm er auf Veranlassung der Kaiserin Richenza Theil an dem Kampfe gegen Albrecht den Bären, welchem das Heinrich dem Stolzen abgesprochene Herzogthum Sachsen verliehen worden war; zweimal unternahm er Pilgerfahrten ins Gelobte Land, machte daselbst 1145 eine Stiftung für das heilige Grab|und unternahm 1147 im Verein mit anderen Fürsten einen Kreuzzug gegen die Abodriten; das Jahr vorher war er bei einem Zuge gegen Polen, der ihm die Hand der polnischen Fürstentochter Dobergana für seinen Sohn Dietrich eintrug. K. hat das von seinem Bruder Dedo begonnene Kloster auf dem Petersberg bei Halle vollendet und zu seinem und seines Geschlechtes Erbbegräbniß bestimmt, woraus die Vorliebe erklärlich ist, mit der die Chronik dieses Klosters seiner gedenkt; als Graf Hoier von Mansfeld die während Konrads Kreuzfahrt gestorbene Gemahlin desselben, Luitgard, Tochter eines schwäbischen Grafen Albrecht (v. Ravenstein?) in Gerbstädt hatte beisetzen lassen, zwang ihn K. bei seiner Rückkehr die Leiche nach dem Petersberge überzuführen. Außer der Vogtei über dieses und das Kloster Bosau besaß er auch noch die über die drei Stifter Meißen, Naumburg und Merseburg, über das von ihm und seiner Gemahlin zu Elchingen gegründete Kloster, über das zu Gerbstädt, eine Gründung seines Vaters, sowie über das Benedictinerkloster zu Chemnitz. Als er die Annäherung seines Endes fühlte, vertheilte er seine Besitzungen, die Lehen so gut wie die Allode, unter seine fünf Söhne so, daß Otto die Mark Meißen, Dietrich die Niederlausitz mit Landsberg und Eilenburg, Heinrich die Grafschaft Wettin, Dedo die Grafschaft Groitzsch und Friedrich die Grafschaft Brene erhielt und vertauschte dann am 30. November 1156 das Fürstengewand mit der Mönchskutte im Kloster auf dem Petersberge; nachdem er sie zwei Monate und fünf Tage getragen, ist er dort am 5. Februar 1157 gestorben. Von seinen Töchtern nahmen drei den Schleier, Oda und Bertha zu Gerbstädt, Agnes zu Quedlinburg, Gertrud war vermählt mit Hermann III. von der Pfalz, Adelheid in erster Ehe mit dem Dänenkönig Swen V., in zweiter mit Albrechts des Bären gleichnamigem Sohne, Sophie mit einem baierischen Grafen Gebhard.

    • Literatur

      Die Hauptquellen über K. sind außer den Urkunden das Chronicon Montis Sereni und Annalista Saxo. Schöttgen, Geschichte Konrads des Großen, Dresden und Leipzig 1745. J. L. O. Lobeck, Markgraf Konrad von Meißen, Inauguraldissertation, Leipzig 1878. O. Posse, Die Markgrafen von Meißen und das Haus Wettin, Leipzig 1881, S. 216 ff.

  • Autor/in

    Flathe.
  • Empfohlene Zitierweise

    Flathe, Heinrich Theodor, "Konrad" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 598-599 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121506533.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA