Lebensdaten
1724 bis 1788
Geburtsort
Glogau (Schlesien)
Sterbeort
Preßburg
Beruf/Funktion
Pädagoge ; Abt von Sagan ; Theologe ; Augustiner
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118532340 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Felbiger, Johann Ignaz von
  • Felbiger, Ignaz von
  • Felbiger, Johann Ignaz von

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Zitierweise

Felbiger, Ignaz von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118532340.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Anton, kaiserl. Postmeister.

  • Leben

    Nach 1744 in Breslau abgeschlossenen Studien war F. 2 Jahre Hauslehrer, trat 1746 in das Augustiner-Chorherrenstift zu Sagan ein, wurde 1748 Erzpriester und Abt des Stiftes. Angeregt durch Prior Benedikt Strauch, machte er die Reform des katholischen Schulwesens sich zur Lebensaufgabe. Nach Besuch bei J. J. Hecker in Berlin (1762), wo er den evangelisch-pietistischen Realschul- und Seminartyp, dazu die Tabell- und Literalmethode J. F. Hähns kennenlernte, wurden einige Katholiken bei Hecker ausgebildet. Das Ziel der Reform des Schulwesens nach F.s Grundsätzen war die Heranbildung von tüchtigen Mitgliedern der Kirche, von rechtschaffenen Untertanen des Landesherrn, von brauchbaren Bürgern des Staates, von Erben des Himmels. Im Einklang mit Heckers Generallandschulreglement von 1763 schuf er 1765 das von Friedrich dem Großen gebilligte Generallandschulreglement für die römisch-katholisch Schulen in Städten und Dörfern des souveränen Herzogtums Schlesien und der Grafschaft Glatz und trug bei guter Unterstützung durch Minister E. W. von Schlabrendorf wesentlich zur|friedlichen Eingliederung Schlesiens in den preußischen Staat bei. Durch Klassenunterricht, durch Anwendung der Hähnschen Methode, durch Katechismus- und biblischen Geschichtsunterricht, alles in der Obhut von gut vorgebildeten und sittlich einwandfreien, „rechtschaffenen“ Lehrern, gelang es allmählich, den Bildungsstand in den Normal-, den deutschen Hauptschulen und den Gemeinen deutschen oder Trivialschulen zu heben. Auf Ansuchen Maria Theresias ging F. 1773 mit Genehmigung Friedrichs des Großen nach Wien, um das österreichische Schulwesen zu reformieren. Auf Grund der Allgemeinen Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt- und Trivialschulen in sämtlichen kaiserlich und königlichen Erbländern von 1774 wurden die Schulpflicht vom 6.-12. Jahre und auch die „Sagansche Lehrart“ eingeführt. 1776 resignierte F. als Abt und wurde österreichischer Untertan. 1777 wurde er zum Oberdirektor des „Gesammten Normalschulen-Geschäfts“ ernannt, er machte die Normalschule zu Sankt Anna in Wien zur Musterschule der Monarchie. Durch „Soldatenschulen“ wollte er weiterhin dem Analphabetentum steuern. Unter Joseph II. verlor F. seinen Einfluß, wurde 1782 abgesetzt und auf die Propstei Preßburg verwiesen, von wo aus er sich des Schulwesens in Ungarn annehmen sollte. In Böhmen arbeitete in seinem Sinn Ferdinand Kindermann. – Nicht nur als Hauptvertreter der aufklärerischen Bildungsorganisation hat F. große Verdienste, sondern auch für Methode (Katechisieren) und für die Berufsethik des katholischen Lehrerstandes ist sein Wirken von hoher vorwärtsweisender Bedeutung.

  • Werke

    W u. a. Schles. Katechismus, Sagan 1765 (viele Ausgg., fast 100 J. im Gebrauch);
    Eigenschaften, Wiss. u. Bezeigen [= Vorhalten] rechtschaffener Schulleute, ebd. 1768, ed. W. Kahl, in: Slg. d. bedeutendsten päd. Schrr. 25, 41915, ed. J. Scheveling u. d. T. Gen.-Landschul-Reglement …, 1958 (W, L);
    Die wahre Sagansche Lehrart in d. niedrigen Schulen, ebd. 1774;
    Methodenbuch f. Lehrer d. dt. Schulen in d. k. k. Staaten, Wien 1775, ed. J. Panholzer, in: Bibl. d. kath. Pädagogen V, 1892 (W-Verz.);
    Kern d. bibl. Gesch. d. AT, Bamberg 1777.

  • Literatur

    ADB VI;
    K. A. Wiedemann, Die päd. Bedeutung d. Abtes I. v. F., Diss. Leipzig 1890;
    F. X. Thalhofer, Entwicklung d. kath. Katechismus in Dtld., 1899, S. 28 ff.;
    E. G. Walther, Die Grundzüge d. Päd. I. v. F., Diss. Leipzig 1903;
    F. Vollmer, Die preuß. Volksschulpol. unter Friedrich d. Gr., in: Mon. Germaniae paedagogica 56, 1918;
    F. Schubert, in: Schles. Lb. II, 1926, S. 69-73;
    K. A. Schmid, Enc. d. Gesamten Erziehungs- u. Unterrichtswesen II, 1860, S. 410-18;
    Encyklopäd. Hdb. d. Päd., hrsg. v. W. Rein, II, 21904, S. 789-92;
    Schwarz, in: Lex. d. Päd., 1913/17, Sp. 63-68;
    Meusel, Verstorb. Schriftst. III, S. 297-304 (W- Verz.);
    Wurzbach IV;
    LThK;
    Kosch, Kath. Dtld. (P).

  • Portraits

    Stich v. Schleuen, in: Nicolais Allg. Dt. Bibl. 19, 1773, Abb. in: J. Loos, Encyklopäd. Hdb. d. Erziehungslehre I, 1906, S. 398.

  • Autor/in

    Herbert Schönebaum
  • Empfohlene Zitierweise

    Schönebaum, Herbert, "Felbiger, Ignaz von" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 65 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118532340.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Felbiger: Johann Ignaz v. F., am 6. Januar 1724 zu Großglogau geboren, gehort zu den bedeutendsten Schulmännern, welche in der katholischen Kirche hervorgetreten sind. Nachdem er seine theologischen Studien zu Breslau beendet, trat er 1746 in das Augustiner-Chorherrenstift zu Sagan ein, wurde 1758 Erzpriester des dortigen Sprengels und bald hernach Abt des Stiftes Sagan. Als solcher machte er sich die Hebung des Schulwesens seines kleinen Stiftslandes zur besonderen Aufgabe. Zufällig kamen ihm dabei die „Nachrichten von der Berlin'schen Realschule“ zur Hand, die ihn so sehr überraschten, daß er sich alsbald (1762) im tiefsten Incognito nach Berlin begab, um diese Unterrichtsanstalt und die in ihr übliche Hähn'sche „Tabellar- und Litteralmethode“ (s. d. Art. Hähn) näher kennen zu lernen. Nach Sagan zurückgekehrt, schickte er sofort drei junge Leute nach Berlin, welche sich daselbst zu Lehrern ausbilden sollten, begab sich dann selbst nochmals nach Berlin und begann nun in seinem Kreise ein Schulwesen ins Leben zu rufen, welches bald Gegenstand allgemeiner Beachtung und insbesondere auch von Seiten des Königs Friedrich von Preußen wurde. Durch ihn, in dessen Austrag F. 1765 ein katholisches „Landschulreglement“ ausarbeitete, wurde Felbiger's Schulreform bald über das ganze katholische Schlesien ausgedehnt. Die Didaktik, welche F. hier einführte, beruhte 1) auf dem Zusammenunterrichten (statt des bisherigen Aussagenlassens einzelner Schüler), 2) auf dem Katechisiren und 3) auf der Hähn'schen Buchstaben- und|Tabellenmethode. — Die Erfolge, welche F. auf dem Gebiete der Volksschule in Schlesien erzielte, gaben alsbald in fast allen katholischen Territorien zur Nachbildung der schlesischen Schulreformen Anlaß. Den großartigsten Einfluß auf die Entwicklung des gesammten katholischen Schulwesens begann aber F. auszuüben, als ihn die Kaiserin Maria Theresia (nachdem 1773 der Jesuitenorden aufgehoben war), 1774 mit Genehmigung des Königs von Preußen nach Wien berief, um die Reform des österreichischen Schulwesens in seine Hand zu legen. F. folgte dem Rufe, trat zu Wien in die Stellung eines „Generaldirectors des Schulwesens für die österreichischen Staaten“ ein, und begann hier sofort wieder die eifrigste schriftstellerische und organisatorische Thätigkeit zu entfalten. Schon unter dem 6. December 1774 erschien die „Allgemeine Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt- und Trivialschulen in sämmtlichen kön. Erbländern“, indem es Felbiger's Gedanke war, in der Hauptstadt jeder Provinz eine Normalschule (d. h. eine höhere Realschule), in den größeren Städten deutsche Hauptschulen und in den übrigen Städten, sowie in den Pfarrdörfern eigentliche Volksschulen ins Leben zu rufen. Die hier von ihm eingeführte Lehrart war dieselbe, welche er in Schlesien heimisch gemacht hatte. Anfangs beschränkte sich die neue Schuleinrichtung auf Wien und das eigentliche Oesterreich; doch gewann sie bald auch in Böhmen und den anderen Kronlanden Eingang. Leider dauerte aber Felbiger's Wirksamkeit in Oesterreich nicht lange. Als 1778 der baierische Erbfolgekrieg auszubrechen drohte, erhielt F. von König Friedrich den Befehl, entweder nach Schlesien zurückzukehren oder auf seine Abtei zu verzichten. Um seine Schöpfung in Oesterreich zu schützen, that er das letztere, worauf ihm Maria Theresia die Propstei Preßburg und eine jährliche Pension von 6000 Gulden verlieh. Nach dem Tode der Kaiserin (1780) wurde er jedoch auffallender Weise von Joseph II. bei Seite geschoben. Der Kaiser befahl ihm, sich auf seine Propstei nach Preßburg zu begeben und für Verbesserung des Schulwesens in Ungarn Sorge zu tragen. F. starb hier am 17. Mai 1788.

    • Literatur

      Vgl. Ersch u. Gruber, v. F. Heppe, Gesch. des deutschen Volksschulwesens, Bd. I. S. 78 ff. Das vollständige Verzeichniß seiner Schriften s. in Meusel's Lexikon.

  • Autor/in

    Heppe.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heppe, Heinrich, "Felbiger, Ignaz von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 610-611 unter Felbiger, Johann Ignaz von [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118532340.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA