Lebensdaten
1754 bis 1826
Geburtsort
Voltlage (Kreis Osnabrück)
Sterbeort
Münster (Westfalen)
Beruf/Funktion
katholischer Schulreformer ; Religionspädagoge ; Theologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118590987 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Overberg, Bernhard Heinrich

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Zitierweise

Overberg, Bernard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118590987.html [21.11.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Bernard (1713–77), Krämer, Wanderhändler, „Tödde“, S d. Krämers Johann (1679–1735) u. d. Alheid Overberg (1688–1728);
    M Maria Gertrud (1715–96), T d. Johann Heinrich Kerck u. d. Anna v. Hulse;
    Schw Anna Maria Elisabeth (* 1748, Johann Heinrich Andreas Reinermann);
    Gr-N Joseph Reinermann, Vf. d. ersten Biogr. O.s.

  • Leben

    O. besuchte 1771-74 das Franziskanergymnasium in Rheine und studierte danach an der Univ. Münster Philosophie und Theologie. Im Dezember 1779 zum Priester geweiht, wurde er im Herbst 1780 Kaplan in Everswinkel, wo er sich schon bald wegen seines vorzüglichen Religionsunterrichts einen Namen machte. Auf Vorschlag des Generalvikars Franz v. Fürstenberg (1729–1810) wurde er 1783 zum Lehrer der Normalschule ernannt, die im selben Jahr in Münster nach dem Vorbild der von Johann Ignaz Felbiger (1724–88) in Österreich gegründeten errichtet wurde. Die durch die Normalschule angestrebte inhaltliche und methodische Befähigung der Lehrer bildete das Kernstück der Elementarschulreform im Fürstbistum Münster, die durch die „Provisional-Verordnung die Landschulen betreffend“ vom 7.8.1782 eingeleitet und durch weitere Verordnungen (1788, 1801) intensiviert wurde. 1783-1826 hielt O. jährlich einen zweieinhalb bis drei Monate dauernden – für die bereits im Amt befindlichen Lehrer und Lehrerinnen anfangs freiwilligen, später obligatorischen – Normalschulkurs. Dieser war nach O.s Worten „ein methodologischer Lehrkursus“. Kennzeichnend für die „neue Lehrart“ war die Einteilung der Schüler in Klassen und eine die Selbsttätigkeit des Verstandes fördernde fragend-entwickelnde Unterrichtsform. Lehrbeispiele bot O. den Kursteilnehmern in den beiden Mädchenschulen der Lotharinger Chorfrauen, wo er 1785-1811 unterrichtete. Seine in der „Anweisung zum zweckmäßigen Schulunterricht für die Schullehrer im Hochstifte Münster“ (1793, 101888, zuletzt 1957, niederländ. u. d. T:|Handleiding voor Schoolleeraars, 1808–10) niedergelegte Erziehungs- und Unterrichtslehre beruhte auf kundiger Rezeption der zeitgenössischen Aufklärungspädagogik. Sein Lehrerbild war vom Prinzip der Vorbildlichkeit bestimmt. Durch sein Methodenbuch und seine Bücher für den Religionsunterricht, von denen einige über hundert Auflagen erzielten und ins Niederländische übersetzt wurden, hat O. das kath. Schulwesen bis ins 20. Jh. beeinflußt. 1786 wurde er zum Synodalexaminator ernannt, wodurch er Einfluß auf die katechetische Qualifikation der Pfarrer nehmen konnte. 1809 wurde er Regens des Priesterseminars und Dechant bei St. Liebfrauen-Überwasser, 1823 Ehrendomkapitular. Von der neuen preuß. Landesherrschaft wurde O. zum Konsistorialrat für Schulangelegenheiten (1816) und zum Oberkonsistorialrat und Ehrenmitglied des Provinzialschulkollegiums (1826) ernannt.

    O. gehörte zum „Kreis von Münster“ um Franz v. Fürstenberg und die Fürstin Amalie v. Gallitzin (1748–1806), war Beichtvater der Fürstin und ihr pädagogischer Berater bei der Erziehung ihrer Kinder. Die diesem Kreis eigene Verknüpfung von aufklärerischer Reflexion, kirchlich gebundener Gläubigkeit und religiös-aszetischer Selbstformung war auch für O. kennzeichnend.|

  • Auszeichnungen

    Roter Adler-Orden III. Kl. (1818).

  • Werke

    Weitere W u. a. Dissertatio canonica de electionibus coadjutorum episcopalium, 1780;
    Neues ABC-Buchstabier- u. Lese-Buch nach d. im Hochstifte Münster eingeführten Lehrart, 1788, 631877;
    Die Gesch. d. alten u. neuen Testaments. 2 T., 1799, 331888;
    Katechismus d. christkath. Lehre z. Gebrauche d. kleineren Schüler, 1804, 1071897 (niederländ. 41825);
    Katechismus d. christkath. Lehre z. Gebrauche d. größeren Schüler, 1804, 1041900 (niederländ. 71825);
    Christkath. Rel.hdb., 2 Bde., 1804, 81868 (niederl. 1828);
    Vollendung d. Laufes d. geliebten Amalia, Fürstin v. Gallitzin, geb. Gfn. v. Schmettau, in: Athanasia NF 10, 1839, S. 216-49;
    Sechs Bücher v. d. Priesterstande, 1858.

  • Literatur

    ADB 25;
    J. Reinermann, B. O., 1829;
    C. F. Krabbe, Leben B. O.s, 1831;
    R. Stapper (Hg.), B. O. als päd. Führer seiner Zeit, 1926 (P;
    S. 207-18: A. Bömer, B. O.s schriftst. Tätigkeit bio-bibliograph. betrachtet);
    ders., in: Westfäl. Lb. I, 1930, S. 258-74;
    A. Schröder, O. u. Fürstenberg in ihrer Bedeutung f. d. geistige u. kulturelle Hebung d. ländl. Bevölkerung, 1937 (W-Verz., L);
    ders., B. H. O., Zur Genealogie u. Herkunft d. gr. Schulreformers, in: Rheine – gestern, heute, morgen 16, 1986, S. 60-74;
    S. Sudhof, Einiges üb. d. Normalschule in Münster, Ein unveröff. Text B. O.s, in: Vj.schr. f. wiss. Päd. 36, 1960, S. 202-17;
    Der Kreis v. Münster, Briefe u. Aufzeichnungen Fürstenbergs, d. Fürstin Gallitzin u. ihrer Freunde, hg. v. dems., 1. T. (1769–1788), 1962-64;
    H. Steinhaus, B. O.s „Anweisung z. zweckmäßigen Schulunterricht f. d. Schullehrer“ (1793), Die Rezeption d. Aufklärungspäd. im Fürstbistum Münster, in: Westfäl. Zs. 137, 1987, S. 89-126;
    ders., Schulreform aus d. Geist kath. Aufklärung. B. O. (1754-1826) im Dienste d. Gen.vikars Franz v. Fürstenberg (1729–1810), in: „Kath. Päd.od.Kath. Christen als Pädagogen“?, hg. v. C. Menze, 1989, S. 4-24;
    A. Hanschmidt, B. O. u. d. Reform d. Elementarschulwesens im Fürstbistum Münster, in: Schulreform im Fürstbistum Münster im ausgehenden 18. Jh., hg. v. M. Peters, 1992, S. 1-44 (P);
    ders., Lehrerexistenz u. Heils- u. Gemeinwohlverantwortung, Zum Lehrerbild B. O.s, in: Dem Evangelium verpflichtet, Perspektiven d. Verkündigung in Vergangenheit u. Gegenwart, hg. v. W. Eckermann u. K. J. Lesch, 1992, S. 67-84;
    LThK;
    Lex. d. Päd., 1971;
    BBKL;
    Westfäl. Lit.-Lex. I, 1993.

  • Portraits

    Ölgem. v. J. Ch. Rincklake, um 1810, Privatbes., Abb. in: H. Westhoff-Krummacher,). Ch. Rincklake, Ein westfäl. Bildnismaler um 1800, 1984, Abb. 113, S. 169 (S. 471-75: weitere Beschreibungen u. Abb. v. O.-Porträts Rincklakes).

  • Autor

    Alwin Hanschmidt
  • Empfohlene Zitierweise

    Hanschmidt, Alwin, "Overberg, Bernard" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 727 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118590987.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Overberg: Bernard Heinrich O., katholischer Pädagoge, geb. am 1. (nicht 5.) Mai 1754 in der Bauerschaft Höclel, Kirchspiel Voltlage, im Osnabrückischen, am 9. November 1826 zu Münster. Die Eltern Overberg's waren arm: der Vater war Hausirer (er starb während seiner Studienjahre), die Mutter hielt einen kleinen Kramladen; daher hieß O. als Knabe "Krämers Bernd". In seinen Kinderjahren war er sehr schwächlich, verrieth auch wenig Talent. Nachdem er bei einem Geistlichen in Voltlage den ersten Unterricht im Lateinischen erhalten, kam er im Herbst 1770, schon sechszehn Jahre alt, in die zweite Classe des von den Franciscanern zu Rheins geleiteten Gymnasiums. Die beiden letzten sog. philosophischen Classen des Gymnasiums absolvirte er 1774—76 zu Münster, wo er Hauslehrer bei dem Hofrath v. Münstermann war. Im Herbst 1776 begann er dort die theologischen Studien. Am 20. December 1779 wurde er von dem Münster'schen Weihbischof d'Alhaus zu Rheine zum Priester geweiht. Er blieb nun noch einige Monate im Priesterseminar. Aus Anlaß der Wahl des Erzherzogs Maximilian Franz zum Coadjutor des Kurfürsten Maximilian Friedrich für Köln und Münster (16. August 1780) verfaßte O. unter der Leitung des Professors der Kirchengeschichte, des Exjesuiten Clemens Becker, eine kirchenrechtliche Dissertation über die Coadjutorwahlen, die er unter Becker's Präsidium vertheidigte ("Dissertatio canonica de electionibus coadjutorum episcopalium, publice propugnata praeside Cl. Becker et defendente B. Overberg"). Einen akademischen Grad hat O. weder damals noch später erhalten. Der kaiserliche Wahlcommissar Graf Metternich, dem er ein Exemplar der Dissertation überreichte, schenkte ihm 17 Louisd'or und erbot sich, ihn dem Coadjutor für eine geistliche Pfründe zu empfehlen. O. erklärte aber, er wünsche zunächst Hilfsgeistlicher, später Pfarrer auf dem Lande zu werden. Im Herbst 1780 wurde er Caplan zu Ewerswinkel bei Münster mit freier Station bei dem Pfarrer und einem baaren Gehalte von 30 Thalern. Der schon bejahrte Pfarrer überließ ihm den ganzen Religionsunterricht und Overberg's hervorragende Befähigung zum Unterrichten wurde nun bald in weiteren Kreisen bekannt. Der Generalvicar (frühere Minister) Franz von Fürstenberg (s. A. D. B. VIII, 240) wohnte im Juni 1782 an einem Sonntag ungesehen der Katechese Overberg's bei und bot ihm dann sogleich die Leitung der von ihm geplanten Normalschule an. O. lehnte anfangs ab, willigte aber, da Fürstenberg seinen Antrag dringender wiederholte, im Mai 1783 ein; seinem Wunsche entsprechend wurde ihm ein Gehalt von 200 Thalern bei freier Station im bischöflichen Seminar zugesichert. Die Ernennungsurkunde wurde von dem Kurfürsten am 2. August unterzeichnet und in demselben Monate begann O. seine Thätigkeit. Die Normalschule war ein Lehrcursus, der alljährlich im Seminargebäude während der vom 21. August bis Anfang October dauernden Herbstferien von je 20 bis 30 angehenden oder bereits angestellten Lehrern und Lehrerinnen, von den meisten mehrere Jahre nach einander, besucht wurde. Vormittags wurde drei Stunden in der Religion und Pädagogik, Nachmittags drei Stunden in biblischer Geschichte, Lesen, Schreiben, Rechnen u. s. w. unterrichtet. Anfangs ertheilte O. den ganzen Unterricht; später übernahm ein Hilfslehrer, der Geistliche Anton Wiggermann, die Nachmittagsstunden. Am Ende des Cursus fand eine Prüfung statt, von deren Ausfall die Anstellung bezw. die Höhe der Gehaltszulage für die Lehrer abhing. O. hielt diesen Cursus, der ein an sich sehr unvollkommenes, aber unter einer Leitung wie die seinige sehr werthvolles Surrogat für ein Lehrerseminar war, bis zu seinem Tode 43 Jahre lang jeden Herbst, auch in den Kriegsjahren im Anfange des Jahrhunderts. — Im J. 1785 wurde O. Beichtvater der sog. lotharingischen Klosterjungfern und Vicar an ihrer Kirche. In der von ihnen geleiteten Freischule und in ihrem Mädchenpensionate ertheilte er 27 Jahre lang regelmäßig Unterricht, in ersterer namentlich in der biblischen Geschichte und im Rechnen. Sonntags hielt er in ihrer Kirche Katechesen, die auch von Erwachsenen aus allen Ständen fleißig besucht wurden. 1786 wurde er auf die dringende Empfehlung Fürstenbergs zum Synodalexaminator ernannt.

    Von 1789 an wohnte O. fast zwanzig Jahre in dem Hause der Fürstin Gallitzin (s. A. D. B. VIII, 338), die ihn zu ihrem Beichtvater und Gewissensrathe gewählt hatte. 1791 begleitete er sie auf ihrer Reise nach Hamburg und Wandsbeck. Durch die Fürstin wurde er mit den zahlreichen hervorragenden Männern bekannt, die mit ihr verkehrten. Er gewann die Hochachtung aller: selbst Voß bezeichnete ihn als ein "Bild altdeutscher Redlichkeit". Am 1. Juni 1800 legten Friedrich Leopold Stolberg und seine Gemahlin in der Hauscapelle der Fürstin vor O. das katholische Glaubensbekenntniß ab.

    Die Schriften, welche O. zur Hebung des Volksschulwesens von 1788 an veröffentlichte, sind folgende: "Neues A-B-C, Buchstabir- und Lesebuch für die Schulen Münsterlands", 1788; "Anweisung zum zweckmäßigen Schulunterricht für die Schullehrer im Hochstift (in den späteren Auflagen: im Fürstenthum) Münster", 1793 (3. Aufl. 1798, mit einer "Abhandlung vom Belohnen und Strafen"; 4. Aufl. 1804, mit zwei Zugaben; 9. Aufl. 1861); "Biblische Geschichte des Alten und Neuen Testaments", zwei Theile 1799; "Katechismus der christkatholischen Lehre zum Gebrauche der kleineren Schüler", und "Katechismus ... der größeren Schüler", 1804; "Christkatholisches Religionshandbuch", zwei Theile, 1804 (7. Aufl. 1854). Gesammtausgaben der Schriften für Schulen erschienen in sechs Theilen 1807 und 1825. Von der "Anweisung"|wurden 1793 auf Kosten des Landes 500 Exemplare, von dem "Religionshandbuch" auf Kosten der preußischen Regierung eine Anzahl von Exemplaren an Lehrer und Lehrerinnen vertheilt. Die Fibel und die Biblische Geschichte wurden durch die Fürstenberg'sche "Schulverordnung" vom J. 1801 (s. A. D. B. VIII, 241) zum ausschließlichen Gebrauch vorgeschrieben; auch die Katechismen wurden in den Münster'schen Schulen eingeführt. Von diesen und der Fibel ist eine Reihe von Auflagen erschienen; später wurden sie stereotypirt. In den letzten Jahrzehnten wurden in Münster Neubearbeitungen der Katechismen und der Biblischen Geschichte (diese von Wilh. Erdmann, zuerst 1873) gedruckt. Die Schulbücher von O. wurden auch in den katholischen Schulen in anderen Gegenden von Deutschland, in Uebersetzung auch in Holland gebraucht. Von der "Anweisung" erschien in Lüttich eine französische Uebersetzung in zwei Auflagen. Sie fand auch bei protestantischen Pädagogen Anerkennung; die Jenaer Litteraturzeitung empfahl sie 1793 sogar zur Verbreitung in protestantischen Gegenden. Das "Religionshandbuch" wurde 1805 in den Göttinger Gelehrten Anzeigen sehr anerkennend besprochen, dagegen in Nicolai's Deutscher Bibliothek scharf angegriffen (B. Rensing, Apologie der Schriften des Herrn B. Overberg wider die Recensionen derselben in dem 1. Stück des 100. Bandes der Neuen allg. deutschen Bibliothek, 1808). — Außer den genannten Schriften veröffentlichte O. nur noch "Kleiner Hausfegen oder gemeinschaftliche Hausandacht", "Ueber die Moden. Gespräche einer Lehrerin mit ihren Pensionären", beide 1807, und einige Aufsätze in Zeitschriften.

    An der erwähnten "Verordnung für die deutschen und Trivialschulen des Hochstifts Münster vom 2. September 1801" hatte O. in den Jahren 1799 bis 1801 mitgearbeitet; er wurde auch Mitglied der durch sie errichteten "Land- und Trivialschulen-Commission". — Nach dem Tode der Fürstin Gallitzin (23. April 1806) behielt O. noch einige Jahre seine Wohnung in ihrem Hause bei ihrer Tochter Marianne (Mimi). Im J. 1809 wurde er zum Regens des Priesterseminars, gleichzeitig zum Dechanten in Ueberwasser, ernannt. Er wirkte nun noch 17 Jahre ebenso segensreich für die Bildung der Candidaten des geistlichen Standes wie für das Schulwesen. Als im J. 1816 die Schulcommission zu einer Abtheilung der königlich preußischen Regierung umgestaltet wurde, wurde O. zum Consistorialrath und Mitglied der Regierung für Schulangelegenheiten ernannt. Im J. 1818 verlieh ihm der König den rothen Adlerorden 3. Classe; im J. 1826 ernannte er ihn zum Oberconsistorialrath und Ehrenmitglied des Provincial-Schulcollegiums. Bei der Errichtung des neuen Domcapitels im J. 1823 wurde ihm das zweite Canonicat angeboten; er lehnte es ab, weil Alter und schwache Gesundheit ihn hinderten, die damit verbundenen Verpflichtungen zu erfüllen; die geistliche Obrigkeit, fügte er bei, würde ihn zwar von dem Chorbesuche dispensiren können, er wolle aber nicht Anlaß dazu geben, daß die neue Ordnung mit Dispensationen beginne. Er wurde darauf zum Ehrendomherrn ernannt. — Im J. 1825 wurde das erste Lehrseminar für Westfalen in Büren errichtet. O. erklärte: schon länger als ein Vierteljahrhundert habe er danach geseufzt, besonders am Ende jedes Normalcursus, weil ihm dann die Unzulänglichkeit dieses Interimsbehelfes am lebhaftesten aufgefallen sei. Im Herbst 1826 hielt er den letzten Normalcursus; er schloß ihn am 7. November, zwei Tage vor seinem Tode. Im J. 1828 wurde ihm in einem Hofe des Priesterseminars ein bescheidenes Denkmal gesetzt; in den Inschriften wird mit Recht gesagt: "Lehrer der Lehrer während 43 Jahren. So ward ihm vergönnt, der Wohlthäter des ganzen Münsterlandes zu werden. Sein heilbringendes Wirken hemmte des Landes Grenze nicht. Ein großer|Theil von Deutschlands Jugend wird fort und fort nach seinem Lehrplan unterrichtet. Er förderte das Reich Gottes durch Wort und That. Trost, Rath und Hilfe hat er Unzähligen gespendet. Nicht Einen schloß er je von seiner Liebe aus".

    Nach Overberg's Tode erschienen noch: "Vollendung des Laufes der geliebten Amalia Fürstin von Gallitzin", in der Würzburger Zeitschrift Athanasia. N. F. X (1839), S. 216—249. "Sechs Bücher von dem Priesterstande. Betrachtungen, gehalten in dem bischöflichen Seminar zu Münster, nach einer von dem sel. Verfasser nachgelassenen Handschrift herausgegeben", 1858.

    • Literatur

      B. Overberg, in seinem Leben und Wirken dargestellt von einem seiner Angehörigen (I. Reinermann), 1830. — C. Krabbe, Leben B. Overbergs, 1831 (3. Aufl. 1864, ins Französische und zweimal ins Englische übersetzt). — H. Schubert, Erinnerungen an B. Overberg und G. M. Wittmann, 1835. — E. Raßmann, Nachrichten von Münsterl. Schriftst., 1866, S. 248; R. F. S. 262. — H. Zöckler in der Real-Encyklopädie für prot. Theol., 2. Aufl., XI, 148. — Die Schriften über Fürstenberg und die Fürstin Gallitzin (s. A. D. B. VIII, 244, 345), besonders J. Galland, Die Fürstin Amalie von Gallitzin und ihre Freunde, 1880, und (desselben) Aufsätze in den hist.-pol. Blättern, 83. Band (1879), S. 405. 561. 641.

  • Autor

    Reusch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Reusch, Heinrich, "Overberg, Bernard" in: Allgemeine Deutsche Biographie 25 (1887), S. 14-17 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118590987.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA