Lebensdaten
1722 bis 1804
Geburtsort
in der Grafschaft Perthshire (Schottland)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Benediktiner ; Naturforscher ; Sekretär der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116130393 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kennedy, Thomas (Taufname)
  • Kennedy, Ildefons
  • Kennedy, Ildephons
  • mehr

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Zitierweise

Kennedy, Ildephons, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116130393.html [25.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    Vermutl. aus Fam. niederadliger kleinerer Grundbesitzer („Lairds“) d. kath. Minorität aus P.;
    V Thomas;
    M Amalia Macgregor.

  • Leben

    Über K.s Herkunft und frühe Jugend ist wenig bekannt. Da die Katholiken in Schottland durch strenge Strafgesetze von gymnasialer Schulbildung, Universitätsstudium und höherer Berufslaufbahn ausgeschlossen waren, wurden ihre Söhne auf den schottischen Kollegs und Seminaren des Kontinents erzogen. So kam auch K. 1735 zusammen mit 9 jungen Landsleuten in das von der schottischen Benediktinerabtei Sankt Jakob zu Regensburg unterhaltene Missionsseminar. Er wählte 1741 den Ordensstand, trat in den Konvent zu Sankt Jakob ein, legte im Jahr darauf Profeß ab und studierte dann in Erfurt, wo die Regensburger Schotten einen Filialkonvent und 3 Lehrstühle an der gemischt-konfessionellen städtischen Universität innehatten. Hier wurde K. entscheidend beeinflußt von seinem Landsmann, dem Naturforscher und Vorkämpfer gemäßigter Aufklärung im katholischen Deutschland, Andreas Gordon. Nach der Priesterweihe kehrte K. 1747 in das Regensburger Schottenkloster zurück, wo er Mathematik und Physik unterrichtete, 1753 das Amt des Ökonomen und 1756 auch die Leitung des Seminars übernahm.

    In Regensburg machte er sich durch rege wissenschaftliche und pädagogische Aktivität bald einen Namen; er schloß sich dem im Sinne der katholischen Aufklärung wirkenden sogenannten „Disputierkollegium“ in der Benediktiner-Reichsabtei Sankt Emmeram an und pflegte auch enge Kontakte zu protestantischen Gelehrten der Reichsstadt. Als im Spätherbst 1758 J. G. Lori in München eine „Bayerische Gelehrte Gesellschaft“, als Vorläuferin der großen staatlichen Akademie, ins Leben rief, erbat und erhielt er K.s Unterstützung; bei Konstituierung der Kurbayerischen Akademie der Wissenschaften im Frühjahr 1759 wurde K. ordentliches Mitglied der Philosophischen Klasse. Nach Loris Rücktritt vom Amt des ständigen Akademiesekretärs im Juli 1761 wurde K., der sich auf missionarische Tätigkeit in Schottland vorbereitete, durch Intervention des Kurfürst Max III. Joseph in diese Schlüsselposition nach München berufen. Er bekleidete dieses Amt bis 1800; 1761-64 und 1776-1801 war er zudem akademischer Zahl- oder Schatzmeister.

    K.s einflußreiche Stellung in der Akademie, wissenschaftliches Ansehen, Sprachkenntnisse und persönliche Lauterkeit verschafften ihm eine Reihe weiterer wichtiger Ämter: 1763 Bücherzensor für die Münchener Jahrmärkte, 1768-81 Vorsitzender der sogenannten „Tischtitelprüfungen“ für Weltgeistliche, 1769 Mitglied des neuen kurfürstlichen Bücherzensurkollegiums, 1773 auch des Geistlichen Rates, das heißt der obersten Zentralbehörde für Kirchen- und Schulangelegenheiten. Daneben vertrat er erfolgreich die Interessen seines Klosters, das wesentlich auf bayerischem Territorium bei Regensburg begütert war. Mit britischen Diplomaten in München und auf dem Reichstag in Regensburg, mit Reisenden von den Britischen Inseln unterhielt er lebhafte Beziehungen. Beim Adel und beim gebildeten hauptstädtischen Bürgertum stand er in hohem Ansehen, nicht zuletzt wegen seiner öffentlichen Vorlesungen über Experimentalphysik (1762–76), einer Art früher Volkshochschulkurse. Die hierfür verwendeten, zum Teil von K. selbst angefertigten Instrumente und Maschinen bildeten den Grundstock für das „physikalische Armarium“ der Akademie. Als Sekretär oblag ihm die Akademie-Korrespondenz, die ihn in der gelehrten Welt außerhalb Bayerns bekannt machte; er korrespondierte unter anderem, und andere mit Herder, Felbiger, Mesmer und J. A. Euler.

    K.s eigentliches wissenschaftliches Werk scheint demgegenüber bescheiden; es beschränkt sich im wesentlichen auf Veröffentlichungen in den Akademieabhandlungen und einzelne Beiträge in der kurzlebigen Monatsschrift „Der Patriot in Baiern“ (1769/70). Im Zentrum standen naturwissenschaftliche und pädagogisch-didaktische Fragen. Als oberste Kriterien galten der Forschungsfortschritt im internationalen Rahmen, der unmittelbar praktische Nutzen, vorzüglich für Bayern, schließlich die aufklärerisch-erzieherische Zielsetzung. In der scharfen pädagogischen Grundsatzdiskussion zwischen einer neuhumanistischen Richtung um Heinrich Braun und utilitaristisch-philanthropischen Reformern um J. A. Freiherr von Ickstatt und Lori verwandte sich K. entschieden für letztere, vor allem für den Aufbau eines Real- und Berufsschulwesens.

    Dennoch ist ein Wandel in seiner Grundhaltung unverkennbar: Der zunächst dominierende technologische, utilitaristische und pädagogische Aspekt und Impuls trat seit den 80er Jahren immer entschiedener zugunsten der „reinen“ Forschung zurück, wobei ihm bedeutsame Erkenntnisse auf dem Gebiet der Paläontologie, der Genetik und der Verhaltensforschung gelangen. Gemeinsam mit L. Westenrieder leitete er 1788/89 im Gebiet von Dachau die ersten vor- und frühgeschichtlichen Grabungen der Akademie. K. ist in seinem wissenschaftlichen Rang noch nicht voll erkannt; er zählt zu den bedeutenden Naturforschern und den tragenden Kräften der europäischen Akademiebewegung des 18. Jahrhunderts.

  • Werke

    W Verz. in: Meusel, u. C. A. Baader, Das gel. Baiern I, 1804. -
    Hauptsätze u. Erinnerungen jener physikal. Versuche, welche auf d. Akadem. Saale in München öff. angestellet worden sind, 1763;
    Von d. Morästen, in: Abhh. d. Bayer. Ak. d. Wiss. I/2, 1763, S, 127-60;
    Vom Bezoar, in: Neue Abhh. der Bayer. Ak. d. Wiss. 1, 1778. S. 1-37;
    Vom Eise, ebd. 2, 1780. S. 407-66;
    Vom Baumsteine, ebd. 3, 1783, S. 19-66;
    Von einigen in Baiern gefundenen Beinen, ebd. 4, 1785, S. 1-48;
    Über d. Witterung in d. J. 1783–86, ebd. 5, 1789, S. 399-466;
    Über d. Verwandtschaft d. Fuchses mit d. Hunde, ebd. 6, 1794, S. 220-42;
    Über d. Singen d. Vögel, ebd. 7, 1797, S. 170-206. -
    Übers.: W. Bailley, Die Beförderung d. Künste, d. Manufakturen u. d. Handelschaft, od. Beschreibung d. nützl. Maschinen u. Modelle, welche in d. Saale d. z. Aufmunterung d. Künste, Manufakturen u. Handelschaft errichteten Ges. aufbewahrt werden …, 1776 (engl. 1772).

  • Literatur

    ADB 15 (L);
    F. Muncker, Herders Briefwechsel mit K., in: Vj.schr. f. Lit.-Gesch. 2, 1889, S. 139-46, Records of the Scots Colleges at Douai, Rome, Madrid, Valladolid and Ratisbon (New Spalding Club), 1906, S. 251, 270, 284;
    M. Dilworth, Two Necrologies of Scottish Benedictine Abbeys in Germany, in: Innes Review 8, 1958, S. 190;
    W. Fichtl, Das bayer. Bücherzensurkollegium 1769–99, Diss. München 1940 (Teildr. f. d. J. 1769–77);
    W. R. Humphries, Placid Fleming, in: Aberdeen Univ. Review 30, 1944, S. 315-18;
    Electoralis Ac. Scientiarum Boicae Primordia - Briefe a. d. Gründungszeit d. Bayer. Ak. d. Wiss., hrsg.|v. M. Spindler, 1959;
    L. Hammermayer, Gründungs- u. Frühgesch. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1959;
    ders., Die Benediktiner u. d. Ak.bewegung im kath. Dtld., in: StMBO 70, 1960, S. 45-146;
    ders., Süddt.- russ. Wiss.beziehungen im 18. Jh., in: Festschr. f. M. Spindler, 1969, S. 503-28;
    ders., Academiae Scientiarum Boicae Secretarius Perpetuus, I. K. OSB, 1772–1804, in: Großbritannien u. Dtld., Festschr. f. J. W. P. Bourke, 1974, S. 195-246.

  • Portraits

    Ölgem. v. J. G. Edlinger (München, Bayer. Ak. d. Wiss.), Abb. in: Geist u. Gestalt, Biograph. Btrr. z. Gesch. d. Ak. d. Wiss. III, 1959.

  • Autor/in

    Ludwig Hammermayer
  • Empfohlene Zitierweise

    Hammermayer, Ludwig, "Kennedy, Ildephons" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 491-493 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116130393.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kennedy: Ildefons K., gelehrter Benedictiner, geb. am 20. Juli 1722 in der schottischen Provinz Perth, kam schon im 13. Lebensjahre in das Schottenkloster zu Regensburg, legte hier 1741 die Profeß ab und wurde 1747 mit der Leitung des Seminars betraut. Mit leidenschaftlichem Eifer widmete er alle Mußestunden dem Studium der Physik und Mechanik und galt bald in Süddeutschland als Autorität in diesen Disciplinen. Als Lori und Linbrunn 1758 mit dem Gedanken umgingen, in München eine Akademie der Wissenschaften zu stiften, wurde K., noch ehe das Institut wirklich ins Leben trat, als einer der ersten zum Mitglied gewählt. In einen bedeutsamen Wirkungskreis berief ihn 1761 seine Ernennung zum Secretär der Akademie; er siedelte nach München über und war hier bis an sein Lebensende der treueste Genosse jener hochverdienten Männer, welche mit Ueberwindung unsäglicher Schwierigkeiten deutsche Wissenschaft und Litteratur in dem noch ganz und gar im Mittelalter steckenden Baiern einbürgerten. Es galt als waghalsiges Beginnen, daß er, der Schotte, in seinen physikalischen Unterrichtsstunden nicht des herkömmlichen Latein, sondern der deutschen Sprache sich bediente; sein Vortrag war jedoch so faßlich und fesselnd, daß sich bald Angehörige aller Stände zu seinen Vorlesungen drängten. 1763 wurden seine „Hauptsätze und Erklärungen jener Physikalischen Versuche, welche auf dem akademischen Saale in München öffentlich angestellt wurden“, im Druck veröffentlicht. Zahlreiche naturwissenschaftliche Aufsätze aus Kennedy's Feder erschienen in der von Heinrich Braun herausgegebenen Zeitschrift „Der Patriot in Baiern“. Noch höher als der wissenschaftliche Werth dieser Leistungen sind der Freimuth und die Gesinnungstüchtigkeit zu schätzen, womit K., selbst ein frommer Ordenspriester von unangreifbarer Unbescholtenheit, in den Kämpfen, welche das aufblühende akademische Institut mit dem Obscurantismus auszufechten hatte, der Fahne der Aufklärung treu blieb. Auf speciclle Anregung des Kurfürsten Max Josefs III. übertrug er mehrere gemeinnützige Werke aus dem Englischen ins Deutsche, z. B. W. Baily's „Theoretisch-praktisches Werk, die Künste, die Manufacturen und die Handelschaft betreffend.“ 1769 wurde er Mitglied des Censurcollegiums, das, wie des toleranten Kurfürsten Mandat erklärte, „keineswegs zur Unterdrückung der Denk- und Preßfreiheit, sondern vielmehr zum Schutze und zur Sicherheit derselben“ aufgestellt wurde. Auch der Nachfolger Max Josefs, Karl Theodor, schätzte das schneidige, offene Wesen des Gelehrten; zweimal rettete Kennedy's Fürsprache die Akademie, die durch die Denunciation der P. Frank und Lippert in ihrer Existenz bedroht war. In späteren Lebensjahren wandte er sich freilich mit der ihm eigenthümlichen Heftigkeit — Westenrieder vergleicht ihn deßhalb mit dem Barbier in Paris, dessen Yorik in seiner empfindsamen Reise erwähnt — nicht nur gegen engherzige und zelotische Feinde der Wissenschaft, sondern auch gegen die „Einfälle von Kant, Fichte und Schelling“, welche „die gesunde Anschauungs- und Beurtheilungskraft unzähliger Leute verrücken und sie mit einem, dem achten, freien Forschgeist höchst schädlichen Dünkel von sich selbst erfüllen würden.“ K. starb am 9. April 1804 zu München.

    • Literatur

      L. Westenrieder, Denkrede auf Ildephons Kennedy (1804). — Westenrieder, Geschichte der Akademie der Wissenschaften (1784).

  • Autor/in

    Heigel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heigel, Karl Theodor von, "Kennedy, Ildephons" in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 602-603 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116130393.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA