Lebensdaten
1909 – 2000
Geburtsort
Berlin-Lichterfelde
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11863187X | OGND | VIAF: 76324382
Namensvarianten
  • Westermann, Claus
  • Pesŭt'ŏman, K'ŭllausŭ
  • Vesutāman, C.
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Zitierweise

Westermann, Claus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11863187X.html [01.03.2024].

CC0

  • Genealogie

    Aus Bauernfam. in Baden b. Verden / Aller;
    V Diedrich (1875–1956), ao. Prof. f. afrikan. Sprachen an d. Univ. Berlin, Mitarb. im Berliner Missionshaus, 1938–41 Vors. d. Berliner Ges. f. Anthropol., Ethnol. u. Urgesch., o. Mitgl. d. Preuß. Ak. d. Wiss. (1938, 1949–51 Sekr. f. Sprachen, Lit. u. Kunst), Rudolf-Virchow-Plakette (1955) (s. Zs. f. Ethnol. 82, 1957; BBKL 24; Killy; Lex. Afrikanistik);
    M Katharina Claus, aus Baden;
    1 Schw Hanna;
    1937 Anna (1912–91), T d. Alfred Kellner (1883–1955), Pfarrer in Tiefenfurt (Kr. Bunzlau), 1938 Präses d. Schles. Bekenntnissynode (s. Personenlex. Protestantismus);
    1 T.

  • Biographie

    W. wuchs in Berlin-Südende auf. Während seiner Gymnasialzeit in Berlin-Lichterfelde besuchte er den Schülerbibelkreis des späteren Bundestagspräsidenten Hermann Ehlers (1904–54). Seit 1928 studierte er Ev. Theologie in Tübingen, u. a. bei Adolf Schlatter (1852–1938) und Karl Heim (1874–1958), danach in Marburg bei Rudolf Bultmann (1884–1976) und Emil Balla (1885–1956) und später in Berlin. 1933 legte er hier sein 1. theol. Examen ab, schloß sich der Bekennenden Kirche (BK) an und übernahm ein Vikariat in Arnswalde (Pommern). In dem von Martin Niemöller (1892–1984) eingerichteten Predigerseminar der BK in Naumburg am Gneis beschäftigte sich W. v. a. mit den Psalmen.

    Seine in einem Gottesdienst vorgetragene Position, daß der „Deutschglaube“ kein christlicher Glaube sei, führte zu einer einwöchigen Haftstrafe in Heynau. Nach Ablegung des 2. theol. Examens 1936 übernahm W. das Pfarramt am Burckhardt-Haus des Ev. Jugendwerks Berlin und unterrichtete in der Bibelschule.

    1940 zum Kriegsdienst eingezogen, wurde W. als Soldat in Rußland eingesetzt, wo er im Angesicht von Grauen und Zerstörung mit den Psalmen lebte und Russisch lernte. 1945 zurück in Deutschland, geriet er in sowjet. Gefangenschaft, während der er die existentiell und essentiell bedeutsamen sprachlichen Strukturen der Psalmen erforschte, die sich im Anhang des NT befanden, das er bei sich trug. Damit fand W. sein Lebensthema: „Forschung am Alten Testament“. Im Okt. 1945 wurde er entlassen und nahm seine Arbeit am Burckhardt-Haus in Berlin wieder auf. Der Alttestamentler Walther Zimmerli (1907– 83) verschaffte W. ein Promotionsstipendium in Zürich, wo W. 1949 zum Dr. theol. promoviert wurde. Seine Arbeit „Das Loben Gottes in den Psalmen“ (gedr. 1954) wurde ein Erfolg und führte ihn von einer Pfarrstelle an der Ks.-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin über eine Lehrtätigkeit an der Kirchlichen Hochschule in Berlin-Zehlendorf (1952 Dozent, 1954 Prof.) ohne eine zusätzliche Habilitationsschrift auf ein Ordinariat für AT an der Univ. Heidelberg (1958, Dekan 1961 / 62, em. 1978). Gastprofessuren und Vorträge führten ihn in die USA, die Schweiz, die Niederlande, nach Norwegen und Österreich. Als Teilnehmer der Tagungen zum Biblischen Kommentar beim Neukirchener Verlag legte er gewichtige Beiträge vor, so etwa mit seinem Kommentar zur „Genesis“ (2 T.bde., 1974 / 81).

    Mit seiner Arbeit über die ursprünglich mündlichen Elemente und Strukturen der Psalmen hatte W. die Schlüssel für seine weiteren Forschungen gewonnen, gleichsam eine Grammatik, nach der die biblischen Schriften bis in das NT und Gesangbuchlieder hinein sich artikulieren. Die Wurzel der Psalmen liegt nach W. im Dialog mit Gott in der Dimension des Gebets, die wissenschaftlich nicht objektiviert werden kann; doch der sprachliche Niederschlag des Geschehens ist der Forschung zugänglich. Freude und Leid werden zu Gott hin ausgesprochen in Klage und Lob als Reaktion auf die zwei Weisen im Wirken Gottes: das eingreifende (rettende oder auch richtende) und das stetige (segnende) Handeln (biologisch sich spiegelnd als | „Zufall und Notwendigkeit“, physikalisch als „Kontingenz und Gesetzmäßigkeit“).

    W.s Werke fanden weite Verbreitung. In viele Sprachen übersetzt, schlugen sie Brücken zur Religionsgeschichte, zur Praktischen Theologie, aber auch zu Systematischer Theologie und Dogmatik. Einen Fingerzeig auf das NT, auf Jesus Christus, erblickte er in der Leidensgeschichte des Mose und der Propheten, besonders Jeremias, bis zum „Gottesknecht“ im Jesajabuch (Kap. 53). Zu W.s Schülern zählt Rainer Albertz ( 1943).

  • Auszeichnungen

    A Dr. theol. h. c. (Göttingen 1964);
    Ehrenmitgl. d. Soc. for Old Testament Studies u. d. Soc. of Biblical Lit. (1979);
    Sexauer Gde.preis (1983);
    Burkitt Me- daille f. bes. Verdienste um d. Bibelwiss. d. Brit. Ac.

  • Werke

    W Das Loben Gottes in d. Psalmen, 2 Bde., 1953 / 54, ⁶1983;
    Gewendete Klage, Eine Auslegung d. 22. Psalms, 1955, ²1957;
    Der Aufbau d. Buches Hiob, 1956, ³1978;
    Gottes Engel brauchen keine Flügel, 1957, ⁴1989;
    niederl. 1962, 1998, ital. 1995, ungar. 2000;
    Tausend J. u. e. Tag, Unsere Zeit im AT, 1957, ⁶1965, Neuausg. 1979, niederl. 1960, engl. 1962, ²1964, japan. 1971, tschech. 1972, franz. 1975;
    Der Psalter, 1959, ⁴1980, ital. 1973;
    Der Schöpfungsber. v. Anfang d. Bibel, 1960, ⁶1970, engl. 1964;
    Umstrittene Bibel, 1960, ⁴1964, japan. 1966, engl. 1969;
    Grundformen prophet. Rede, 1960, ⁵1978, engl. 1967, 1991;
    Kann man d. Bibel glauben?, 1961, ³1967;
    Abriß d. Bibelkde., Altes u. NT, 1962, ¹³1991;
    Forsch. am AT, Ges. Stud., 2 Bde., 1964 / 74;
    Struktur u. Gesch. d. Klage im AT, 1964;
    Das Buch d. Propheten Jesaja, Kap. 40–66, 1966, ⁵1986, engl. 1969;
    Jeremia, 1967, ²1972;
    Der Segen in d. Bibel u. im Handeln d. Kirche, 1968, Neuausg. 1992;
    Das AT u. Jesus Christus, 1968, ³1992, engl. 1971, franz. 1972, Neuausg. 1997, span. 1972, korean. 1977;
    Theol. Hdwb. z. AT, 2 Bde., 1971–76 (Mithg.);
    Kurze Bibelkde. d. AT, 1974, ³1978;
    Predigten, hg. v. R. Landau, 1975;
    Theol. d. AT in Grundzügen, 1978, 2 1985, span. 1993;
    Vergleiche u. Gleichnisse im Alten u. NT, 1984;
    Die Wurzeln d. Weisheit, 1990;
    Das Johannes- evangelium aus d. Sicht d. AT, 1992, ²1994;
    Autobiogr.: Mein Leben, Eine autobiogr. Skizze, in: M. Oeming, 2003 (s. L), S. 13–51;
    Bibliogr.: ebd., S. 53–77;
    Nachlaß: Univ.archiv Heidelberg.

  • Literatur

    L K. Meyer zu Uptrup, Die Wahrheit ist einfach, C. W.s Herausforderung e. bibl. Theol. f. heute, in: Pastoraltheol., Mschr. f. Wiss. u. Praxis in Kirche u. Ges. 71, 1982, H. 9, S. 357–72, Wiederabdr. in: M. Oeming, 2003 (s. L), S. 115–31;
    ders., Die Bibel im Unterr., Wege z. Vergegenwärtigung, 1977, S. 89–104;
    ders., Zeit mit Gott, Liturgie, Meditation u. Gebet, 1982, S. 189–211;
    ders., Gestalthomiletik, Wie wir heute predigen können, 1986, S. 106–13;
    O. Fuchs, Klage, Eine vergessene Gebetsform, in: H. Becker u. a. (Hg.), Im Angesicht d. Todes, 1987, S. 987–1024;
    M. Oeming (Hg.), C. W., Leben, Werk, Wirkung, 2003 (W, L);
    K. Erlemann, C. W. als Gleichnisforscher, in: Kontexte, hg. v. Th. Wagner, 2008, S. 263–71;
    Ch. Möller, Die „gr. Zeit“ d. Theol. Fak. in Heidelberg, in: Alttestamentl. Wiss. u. kirchl. Praxis, 2009, S. 125–33;
    ders., Das Dreige|stirn d. Heidelberger Alttestamentler, Der Predigtansatz b. Gerhard v. Rad, C. W. u. Hans Walter Wolff, in: Dt. Pfarrerbl. 110, 2010, S. 474–76;
    R. Albertz, The Legacy of C. W. for Theology and Church, in: K. Dell u. P. Joyce (Hg.), Biblical Interpretation and Method, Essays in Honour of Prof. John Barton, 2013, S. 106–19;
    Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L);
    RGG³, Erg.bd.;
    RGG⁴ (W, L).

  • Porträts

    |Photogr. (Univ.archiv Heidelberg, Bildarchiv).

  • Autor/in

    Klaus Meyer zu Uptrup
  • Zitierweise

    Meyer zu Uptrup, Klaus, "Westermann, Claus" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 900-902 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11863187X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA