Lebensdaten
1883 bis 1945
Geburtsort
Hannover
Sterbeort
Berne (Oldenburg)
Beruf/Funktion
Reichserziehungsminister
Konfession
katholisch,evangelisch,konfessionslos
Normdaten
GND: 119368617 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rust, Karl Josef Bernhard
  • Rust, Bernhard
  • Rust, Karl Josef Bernhard
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Zitierweise

Rust, Bernhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119368617.html [15.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Franz (1828–1900), aus Seulingen (Eichsfeld), Zimmermeister, später Rentier in H.;
    M Josefa Deppe (1845–1928), aus Breitenberg (Eichsfeld);
    1) 1910 Martha Haake (1885–1919), 2) 1920 Anna-Sofie Dietlein (1891–1979);
    1 S, 3 T.

  • Leben

    R., der aus wohlhabender Familie stammte, studierte nach dem Abitur in Hannover 1904-08 Germanistik, klassische Philologie, Philosophie, Kunstgeschichte und Musik in München, Berlin, Göttingen und Halle. Nach Examen und einjährig-freiwilligem Dienst unterrichtete er 1909-30 am Ratsgymnasium zu Hannover. Am 1. Weltkrieg nahm er 1914-18 teil, wurde mehrmals schwer verwundet und erhielt hohe Tapferkeitsauszeichnungen. Schon seit 1922 in der NSDAP und verschiedenen völkischen Organisationen aktiv, übernahm R. nach der Wiedergründung der Partei im Febr. 1925 die Funktion eines Gauleiters von Südhannover-Braunschweig (bis Dez. 1940). Seit 1929 führte er die NSDAP-Fraktion im Hannoverschen Provinziallandtag und gab im März 1930 nach einem Konflikt mit dem Oberpräsidenten sein Lehramt am Gymnasium auf, um einer Absetzung zuvorzukommen. Seit Sept. 1930 hatte er zudem ein Reichstagsmandat inne.

    Im April 1933 übernahm R. die kommissarische Leitung des Preuß. Kultusministeriums; nach Abschaffung der Kulturhoheit der Länder wurde er am 1.5.1934 zum „Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung“ ernannt. In seiner Schulpolitik führte R. zunächst eine bereits in der Weimarer Republik geforderte Vereinheitlichung des Schulwesens (u. a. Abschaffung d. privaten Vorschulen) durch, verbunden mit massiver ideologischer Ausrichtung des Unterrichts und einer Ausgrenzung „nichtarischer“ und behinderter Schüler. Zugleich führte R. allgemeine „Hochschulen für Lehrerbildung“ ein, die auch künftige Gymnasiallehrer zu durchlaufen hatten – mit dem Ziel der verstärkten Ideologisierung des Lehrpersonals im ganzen Reich. Besonders verheerend wirkten sich die von R. mit zu verantwortenden „Säuberungen“ an den Universitäten aus: Seit 1933 verloren weit mehr als 1000 Wissenschaftler aus rassischen und politischen Gründen ihre Stellung. Auch die Zahl der Studenten, der Dozenten und der Schullehrer in Deutschland ging während der NS-Zeit zurück.

    R., der innerhalb der NS-Hierarchie nie eine bedeutende Position einnahm, wurde seit 1936/37 zunehmend von Goebbels, Rosenberg, Bormann u. a. an den Rand gedrängt und von Hitler seit 1937 nicht mehr empfangen. Schwer erkrankt, zum Alkoholiker geworden und von Depressionen geplagt, entging der zunehmend entscheidungsschwach agierende Minister einer Entlassung offenbar nur deshalb, weil Hitler ihn als Gefährten aus der „Kampfzeit“ der Partei schätzte. R. erschoß sich am Tag der dt. Kapitulation.

  • Werke

    u. a. Die Grundlagen der nat.soz. Erziehung, in: Hochschule u. Ausland 13, 1935, H. 1, S. 1-18;
    Education in the Third Reich, in: Germany speaks, London 1938, S. 97-117;
    Reichsuniv. u. Wiss., 1940.

  • Literatur

    A. Krebs, Tendenzen u. Gestalten d. NSDAP, 1959;
    R. Eilers, Die nat.soz. Schulpol., 1963;
    U. Pedersen, B. R., Ein nat.soz. Bildungspolitiker vor d. Hintergrund seiner Zeit, 1994 (P, S. 360-74;
    R. Mentzel, Erinnerungen an B. R. [1981];
    H. Heiber, Univ. unterm Hakenkreuz, I-II/2, 1991-94;
    B. vom Brocke, Hochschulpol. in Föderalismus u. Diktatur, II/2, 2001 (P);
    Biogr. Hdwb. Erwachsenenbildung;
    R. Wistrich, Wer war wer im Dritten Reich, 1983 (P);
    K. Höffkes, Hitlers pol. Generale, 1986 (P);
    Biogr. Lex. Hannover.

  • Portraits

    Ölgem. v. L. v. König, 1934.

  • Autor/in

    Hans-Christof Kraus
  • Empfohlene Zitierweise

    Kraus, Hans-Christof, "Rust, Bernhard" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 301 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119368617.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA