Zschintzsch, Werner
- Lebensdaten
- 1888 – 1953
- Geburtsort
- Roßla (Harz)
- Beruf/Funktion
- Jurist ; Regierungspräsident ; Staatssekretär
- Konfession
- evangelisch
- Namensvarianten
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- Zschintzsch, Werner
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Zschintzsch, Werner
| Jurist, Regierungspräsident, Staatssekretär, * 26.1.1888 Roßla (Harz), † 1.7.1953 Göttingen. (evangelisch)
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Genealogie
V →Friedrich (1851–1924), aus Friedersdorf (Niederlausitz), fürstl. stolberg-roßla. Kammer- u. Forstrat, S d. Friedrich August († 1888), solms-sonne(n)wald. Revierförster, u. d. Christiane Luisa Wildgrube († 1898);
M →Martha (* 1863), T d. →Ludwig Wagner (1822–1896), Gutsbes. in Heiligenthal b. Gerbstadt (Harz), u. d. →Antonia Otto (1839–1914), aus Diem|itz b. Halle/Saale;
⚭ 1919 →Theodora (* 1891, ⚭ 1] N. N. Pfeiffer), aus Danzig, T d. →Ernst August Claaszen (1853–1924), aus Danzig, Kaufm., Konsul in Zoppot, u. d. →Martha Steinmeyer (* 1869), aus Oelsburg b. Braunschweig;
Gvv d. Ehefrau →Jean Rudolf Claaszen (1812–1875), Fabr. in Danzig, Gvm d. Ehefrau →Albert Steinmeyer (1844–1924), aus Oelsburg, Landesökonomierat;
2 T →Irene (* 1923), →Jutta (* 1926). -
Biographie
Nach dem Abitur an der Klosterschule Ilfeld (Harz) 1906 studierte Z. Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten Lausanne, München und Halle/Saale. Auf die 1. jur. Staatsprüfung 1909 am Oberlandesgericht Naumburg folgte der Eintritt in den Referendardienst (1909–11) am Amtsgericht Roßla, unterbrochen 1909/10 vom Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger. 1911 wechselte er als Regierungsreferendar an die Regierung in Merseburg. Bedingt durch den Kriegsdienst 1914–18 (zuletzt Oberlt.), legte er die 2. jur. Staatsprüfung 1915 während eines Fronturlaubs ab. 1919 zum Regierungsassessor bei der Verwaltung des Landratsamts im Kreis Schwetz ernannt, wurde Z. nach Abtretung des Gebiets an Polen 1919 verhaftet, konnte aber nach Deutschland fliehen. 1920–22 war er Mitglied der DNVP. 1920–25 bei der Regierung Marienwerder (1922 Reg.rat, 1925 Oberreg.rat), wechselte er 1925 in das Referat Kommunalabteilung des Preuß. Innenministeriums (1926 Min.rat), bis er im Febr. 1933 kommissarisch, im Juni 1933 hauptamtlich den von →Hermann Göring (1893–1946) entlassenen Regierungspräsidenten in Wiesbaden, →Fritz Ehrler (1871–1944) (SPD), ersetzte. Z. sorgte u. a. mit Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für einen wirtschaftlichen Aufschwung in der Region.
Im März 1936 wechselte Z. als Staatssekretär in das Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, wo er die vermittelnde Linie des Reichsministers →Bernhard Rust (1883–1945) bei der Umgestaltung des Schul- und Hochschulsystems gegen die Machtansprüche der Partei verteidigte. Er sah sich in der Tradition des preuß. Beamtentums, sein Vorbild war der einstige Leiter der Hochschulabteilung im preuß. Kultusministerium, →Friedrich Althoff (1839–1908), zu dessen 100. Geburtstag er eine Gedenkveranstaltung im Reichswissenschaftsministerium ausrichtete. 1945 wurde Z. verhaftet und in verschiedenen Lagern interniert. Er wurde von den Alliierten mehrfach verhört, wobei er behauptete, von den Verbrechen des Regimes nichts gewußt zu haben. Nach der Haftentlassung wurde er in den Ruhestand versetzt. Zunächst als Minderbelasteter entnazifiziert, stufte ihn ein späteres Verfahren als Mitläufer ein.
Z. war ein ausgezeichneter Jurist, der seine Prägungen im späten Kaiserreich erhalten hatte. Dem Weimarer Staat stand er reserviert gegenüber. Dagegen gehörte er zur Funktionselite des „Dritten Reichs“ und diente dem Regime vorbehaltlos: Er wurde am 1.5.1933 Mitglied der NSDAP, trat 1934 der NS-Volkswohlfahrt, 1935 dem Reichsluftschutzbund und 1938 dem Reichskriegerbund bei. Ab 1936 war er Mitglied der SS und der Akademie für Dt. Recht.
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Auszeichnungen
|preuß. Staatsrat (1936);
SS-Totenkopfring (1937);
Ehrendegen d. Reichsführers SS (1937);
ungar. Verdienstkreuz I. Kl. (1937);
Goldenes Parteiabzeichen (1938);
Ehrenbürger d. Univ. Frankfurt/M. (1939);
serb. St. Sava-Orden (1940);
Großkreuz d. Ordens d. Krone v. Italien (1940);
japan. Orden d. Hl. Schatzes I. Kl. (1941). -
Werke
|Kommunalkredit, Kommentar z. d. Gesetz über d. Aufnahme v. Anleihen u. Darlehen usw. durch Gemeinden u. Gde.verbände v. 29. Mai 1931, den Richtlinien f. d. Schuldenwesen d. Gemeinden v. 3. Dez. 1930, den Richtlinien über d. Aufnahme v. Auslandskrediten durch Länder, Gemeinden u. Gde.verbände v. 21. Okt. 1927, nebst Zus.stellung d. sonst maßgebenden Vorschrr. u. Erlasse, 1931;
Das Besoldungsrecht d. Kommunalbeamten n. d. VO v. 12. Sept. 1931, 1931;
Die [preuß.] Gde.finanz-VO v. 2. Nov. 1932 nebst d. StellenplanVO v. 2. Nov. 1932, d. 1. u. 2. VO über d. Durchführung d. Gde.finanzVO v. 17. Dez. 1932 u. v. 28. Jan. 1933 sowie d. Musterordnung z. Gde.finanzVO, 1933;
Das dt.-ungar. Kulturabkommen u. seine Auswirkungen, in: Ungar. Jbb. 1940, S. 129–36. -
Literatur
|A. C. Nagel, Hitlers Bildungsreformer, Das Reichsmin. f. Wiss., Erziehung u. Volksbildung 1934–1945, 2012, S. 101 u. passim;
Biogr. Lex. NS-Wiss.pol.;
Hess. Biogr.;
– Qu Personalunterlagen u. Ll. im BA Berlin-Lichterfelde (P);
Archiv d. IfZ ZS1670-1 1948/56, Vernehmungen W. Z. am 19. 5., 12. 6. u. 11.12.1947 (Internet). -
Porträts
|Projekt Beamte nat.soz. Reichsministerien (Internet).
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Autor/in
Anne C. Nagel -
Zitierweise
Nagel, Anne C., "Zschintzsch, Werner" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 749-750 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143055.html#ndbcontent