Lebensdaten
1788 bis 1831
Geburtsort
Pisa (Italien)
Sterbeort
Baden bei Wien
Beruf/Funktion
Erzbischof von Olmütz ; Kardinal ; Erzherzog von Österreich
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118908138 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rudolf von Olmütz
  • Rudolph Johann Josef Rainer
  • Rudolf von Österreich
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Zitierweise

Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118908138.html [26.09.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Habsburger (s. NDB VII);
    V Ks. Leopold II. (1747–92, s. NDB 14), S d. Ks. Franz I. (1708–65, s. NDB V), u. d. Ksn. Maria Theresia (1717–80, s. NDB 16);
    M Maria Ludovica (Maria Luisa), Infantin v. Spanien (1745–92), T d. Kg. Karl III. v. Spanien u. beider Sizilien (1716–88) u. d. Maria Amalia Walburga, Prn. v. Sachsen (1724–60); 15 ältere Geschw (2 früh †) u. a. Ks. Franz II. (1768–1835, s. NDB V), Ghzg. Ferdinand III. v. Toskana (1769–1824, s. NDB V), Karl (1771–1847), österr. GFM, Hoch- u. Dt.meister (s. NDB XI), Joseph (1776–1847), Palatin v. Ungarn (s. NDB X), Johann (1782–1859), österr. FM, 1848/49 dt. Reichsverweser (s. NDB X), Rainer (1783–1853), Vizekg. v. Lombardo-Venetien (s. NDB 21), Ludwig (1784–1864), österr. FZM, Gen.dir. d. Artillerie, Vors. d. österr. Staatskonferenz (s. NDB 15).

  • Leben

    Ursprünglich für die militärische Laufbahn vorgesehen, wurde R. wegen seiner schwachen Gesundheit für den geistlichen Stand bestimmt. 1805 empfing er ohne theol. Vorbildung die Niederen Weihen und wurde zum Koadjutor cum jure successionis des Olmützer Fürsterzbischof Kard. Anton Theodor Gf. Colloredo (1726–1811) ernannt. 1806-11 betrieb R. private theol. Studien, schlug jedoch 1811 die Nachfolge Colloredos aus. 1819 zum Priester geweiht, wurde er im selben Jahr zum Erzbischof von Olmütz gewählt und zum Kardinal kreiert. Als Oberhirte suchte er, im Sinne der kath. Restauration für die Vertiefung des Glaubens und gleichzeitig im Sinne der Spätaufklärung, der er geistig entstammte, die Volksbildung zu verbessern. 1827 veranlaßte er die Wiedererhebung des Olmützer Lyzeums zur (1855 neuerlich aufgehobenen) Universität. Durch die 1829 auf Anregung von Franz Xaver Riepl (1790–1857) erfolgte Gründung der „Rudolph-Hütte“, Ausgangspunkt der späteren „Witkowitzer Bergbau- und Eisenhüttengewerkschaft“ bei Mähr.-Ostrau, trug R., der das modernste|Technologien (erster Kokshochofen d. Monarchie) einsetzende Unternehmen zum Teil aus seinem Privatvermögen finanzierte, maßgeblich zur wirtschaftlichen Entwicklung nicht nur der Region, sondern der gesamten Habsburgermonarchie bei, wenngleich der große Aufschwung erst nach dem Verkauf der Hütte 1843 an Salomon Rothschild (1774–1855) einsetzte. Neben seinem wirtschaftlich-technologischen Interesse pflegte R. zahlreiche künstlerische Neigungen: Er betätigte sich als Kupferstecher, v. a. aber auch als Musiker. Seit 1803/04 bekannt und befreundet mit Ludwig van Beethoven (1770–1827), erhielt er von diesem Unterricht im Klavierspiel, in Musiktheorie und Komposition. Gelegentlich traten beide gemeinsam in Konzerten auf. Zusammen mit den Fürsten Lobkowitz und Kinsky setzte R. dem Komponisten 1809 eine lebenslängliche Ehrenpension (jährl. 4000 fl.) aus, um ihn von einer aus finanziellen Gründen erwogenen Abwanderung aus der Habsburgermonarchie abzuhalten. Beethoven widmete seinem Freund und Gönner eine Reihe von Kompositionen, meist Klavierwerke (u. a. das Erzherzog-Trio), v. a. aber seine „missa solemnis“. Sie sollte ursprünglich bei der Inthronisation des Erzbischofs in Olmütz aufgeführt werden, wurde aber erst 1823 vollendet. R. komponierte auch selbst (Klaviervariationen u. kammermusikal. Werke, größtenteils unveröff.). Größere Bedeutung erlangte er durch seine umfangreichen musikalischen Sammlungen (u. a. Beethoven-Autographe), die nach seinem Tod zum größten Teil in den Besitz der 1812/13 gegründeten „Gesellschaft der Musikfreunde“ in Wien übergingen, deren Protektor R. seit 1814 war.|

  • Auszeichnungen

    Erzherzog-Trio v. L. v. Beethoven, 1811 (Klaviertrio B-Dur, op. 97).

  • Werke

    Aufgabe, v. Ludwig van Beethoven gedichtet, vierzigmal verändert u. ihrem Vf. gewidmet v. seinem Schüler R. E. H., 1819;
    Kanon f. 4 Singstimmen „Beethoven, ich danke Ihnen“, 1820;
    Sonate in A f. Klavier u. Klarinette, 1822;
    Fuga, Variation üb. e. Walzer v. Anton Diabelli, 1823.

  • Literatur

    ADB 29;
    Die Großind. Österr.s. II, 1-4;
    R. v. Perger, R. Hirschfeld, Gesch. d. k. k. Ges. d. Musikfreunde in Wien, 1912, S. 10 ff., 41 f.;
    J. Slokar, Gesch. d. österr. Ind. u. ihrer Förderung unter Ks. Franz I., 1914, S. 465 f.;
    P. Nettl, Erinnerungen an Ehzg. R., d. Freund u. Schüler Beethovens, in: Zs. f. Musikwiss. 4, 1921/22, S. 95-99;
    K. Vetterl, Der musikal. Nachlaß d. Ehzg. R. im ebfl. Archiv zu Kremsier, in: ebd. 9, 1926/27, S. 168-79;
    A. K. Huber, Ehzg. R. v. Österr. als Ebf. v. Olmütz 1819–31, in: Königsteiner Bll. 5, 1959, S. 111-25;
    ders., Der Ad-limina-Ber. d. Ebf. v. Olmütz, Ehzg. Kard. R., v. 1824, in: Archiv f. KGesch. v. Böhmen-Mähren-Schlesien 5, 1978, S. 271 ff.;
    D. W. MacArdle, Beethoven and the Archduke R., in: Beethoven Jb. 1959/60, S. 36-58;
    G. Croll, Die Musikslg. d. Ehzg. R., in: Beethoven-Stud., 1970, S. 51-55;
    W. Kowaschitz, Kard. Ehzg. R., der Bruder d. Ks. Franz, u. seine Beziehung zu d. Künsten, Diss. 1975;
    J. Matzke, Die Olmützer Erzbischöfe, 21978, S. 25 ff.;
    C. Dahlhaus, Ludwig van Beethoven u. seine Zeit, 1987, S. 18;
    S. Kagan, Archduke R., Beethoven's Patron, Pupil and Friend, His Life and his Music, 1988;
    Habsburger (P);
    Wurzbach;
    NÖB XI, 1957, S. 60-64 (PI;
    MGG (W, P);
    New Grove (W);
    Biogr. Lex. Böhmen;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Peter Urbanitsch
  • Empfohlene Zitierweise

    Urbanitsch, Peter, "Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 180-181 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118908138.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Rudolf: Johann Jos. Rainer, Erzherzog von Oesterreich und Cardinalerzbischof von Olmütz, geb. zu Florenz am 9. (nicht 8.) Januar 1788, zu Baden bei Wien am 24. Juli 1831, war der jüngste Sohn des Kaisers Leopold II. aus seiner Ehe mit Maria Louise von Spanien. Er widmete sich zuerst dem Militär, dann aber, als er bereits den Rang eines k. k. General-Feld-Wachtmeisters einnahm, aus Neigung und ob schwächlicher Gesundheit dem geistlichen Stande. Am 19. März 1805 erhielt er vom Wiener Erzbischofe Sigm. Ant. Grafen v. Hohenwart die Tonsur und die niederen Weihen, wurde am 30. März zum Domicellarkanoniker in Olmütz und am 24. Juni zum Coadjutor des greisen Cardinalerzbischofs Ant. Theodor Grafen von Colloredo mit dem Rechte der Nachfolge gewählt und am 9. September von Pius VII. bestätigt. Er verzichtete aber nach dem Tode des Erzbischofs (12. Sept. 1811) auf sein Recht. Nach dem Ableben des folgenden Cardinalerzbischofs Maria Thaddäus Grafen zu Trautmannsdorf (20. Januar 1819) wurde er einstimmig vom Domcapitel am 24. März 1819 zum Erzbischof gewählt, von Pius VII. am 4. Juni bestätigt und gleichzeitig zum Cardinalpriester mit dem Titel S. Petrus in montorio ernannt. Er wurde am 28. September zu Wien mit dem Cardinalbarette geschmückt und am 9. März 1820 zu Olmütz feierlich inthronisirt. Ein Muster von Herzensgüte und Frömmigkeit verwendete er einen großen Theil seines Einkommens zu wohlthätigen Zwecken. In der Musik von Beethoven ausgebildet war er einer der fertigsten Pianisten seiner Zeit. Er handhabte auch selbst die Radirnadel. Vielen Kunstjüngern war er ein freigebiger Mäcen. Seinen geistlichen Pflichten konnte er ob langwieriger schwerer Krankheit nicht in dem Maße obliegen wie er wünschte. Körperliche Leiden hinderten auch seine persönliche Theilnahme an der 700jährigen Jubelfeier der Olmützer Kirche im Juni 1831. Schon einen Monat später wurde sein Herz in seine Kathedralkirche gebracht, während sein Leib in der kais. Gruft zu Wien beigesetzt wurde. Von ihm kamen zu Wien im J. 1820 vierzig Variationen über ein Thema von Beethoven unter dem Titel heraus: „Aufgabe von L. v. Beethoven gedichtet, vierzig mal verändert und ihrem Verfasser gewidmet von seinem Schüler R. E. H.“

    • Literatur

      Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserth. Oesterr. VII, 145. — Wolny, Kirchliche Topographie von Mähren I, 115. Brünn 1855.

  • Autor/in

    P., Ant. Weis.
  • Empfohlene Zitierweise

    Weis, P. Anton, "Rudolf" in: Allgemeine Deutsche Biographie 29 (1889), S. 547-548 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118908138.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA