Lebensdaten
1858 bis 1889
Geburtsort
Laxenburg (Niederösterreich)
Sterbeort
Mayerling (Niederösterreich)
Beruf/Funktion
Erzherzog von Österreich ; österreichischer Kronprinz
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118603698 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rudolf Franz Carl Josef
  • R. E. H.
  • Rudolf <Austria, Crown Prince>
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Zitierweise

Rudolf, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118603698.html [29.07.2016].

CC0

Rudolf Franz Carl Joseph

Erzherzog von Österreich, Kronprinz, * 21.8.1858 Laxenburg (Niederösterreich), (Freitod) 30.1.1889 Mayerling (Niederösterreich), Wien, Kapuzinergruft. (katholisch)

  • Genealogie

    V Franz Joseph I., Ks. v. Österr., Kg. v. Ungarn (1830–1916, s. NDB V), S d. Franz Karl, Ehzg. v. Österr. (1802-78), u. d. Sophie, Prn. v. Bayern (1805–72); M  Elisabeth, Ksn. v. Österr., Kgn. v. Ungarn (1837–98, s. NDB IV), T d. Maximilian, Hzg. in Bayern (1808–88, s. NDB 16), u. d. Ludovika Wilhelmine, Prn. v. Bayern (1808–92); Wien 1881  Stephanie, Prn. v. Belgien (1864–1945, s. L, 2] 1900  Elemér Gf. Lónyay, 1863–1946), T d.  Leopold II., Kg. d. Belgier (1835–1909), u. d.  Maria Henriette, Ehzgn. v. Österr., Kgn. d. Belgier (1836–1902); 1 T  Elisabeth Marie (1883–1963, 1] 1902-48  Otto Fürst Windischgraetz, 1873–1952, 2] 1948  Leopold Petznek, 1881–1956, aus Bruck/Leitha, Lehrer, soz.dem. Pol., seit 1921 MdL-Niederösterr., 1927 dessen Zweiter Präs., 1944/45 im KZ Dachau inhaftiert, 1945-47 Präs. d. Rechnungshofs, s. Hist. Lex. Wien; H. Maukner, Der niederösterr. LT in d. 1. Rep., 1966; Biogr. Hdb. d. niederösterr. LT u. d. niederösterr. Landesreg. 1921-2000, 2000), Ehzgn. v. Österr. (s. Hist. Lex. Wien; Munzinger).

  • Leben

    Der intelligente, sensible und kränkliche Kronprinz wurde einer strengen militärischen Erziehung unterworfen, bis seine Mutter durchsetzte, daß R. seit seinem 7. Lebensjahr von liberalen und bürgerlichen Lehrern unterrichtet wurde, die ihn nachhaltig prägten. Sein besonderes Interesse galt den Naturwissenschaften, speziell der Ornithologie; ein reguläres Studium untersagte der Kaiser. R. durchlief stattdessen eine militärische Karriere (1888 Gen.Inf.Insp.). Von politischen Dingen ferngehalten und auf rein repräsentative Aufgaben beschränkt, zeigte R. dennoch reges politisches Interesse und hatte in seinem Freundeskreis viele Journalisten. Er verfaßte anonym eine Reihe von Schriften und arbeitete insgeheim an mehreren Zeitungen mit, v. a. an dem von Moriz Szeps (1834–1902) herausgegebenen „Neuen Wiener Tagblatt“. R.s Denkschriften und Artikel dokumentieren seine Ansichten: Er hegte Abneigung gegen die Aristokratie, das Regime des cisleithan. Ministerpräsidenten Eduard Gf. Taaffe (1833–95) und den Antisemitismus, betonte Antiklerikalismus und Freisinn und ein übernationales Denken, das Ausdruck in „Die österr.-ungar. Monarchie in Wort und Bild“ (1886-1902, 24 Bde.) fand, dessen Initiator und treibende Kraft R. war und das als „Kronprinzenwerk“ bekannt ist. In außenpolitischer Hinsicht setzte R. seine Hoffnungen auf eine enge Zusammenarbeit mit einem liberalen Deutschland unter Ks. Friedrich III. und einem liberalen Frankreich. Die zunehmende Abhängigkeit Österreich-Ungarns vom Dt. Reich unter Bismarck und Wilhelm II., gegen den er eine ausgeprägte Aversion hegte, empfand er als demütigend. Die wachsende politische Gegnerschaft der herrschenden Kreise der Monarchie, der Zusammenbruch seiner außenpolitischen Hoffnungen, mangelnder Kontakt zu seinen Eltern, Eheprobleme und ein exzessives Privatleben als Frauenheld, in dessen Folge R. an einer venerischen Krankheit litt, ferner Depressionen, Alkohol und Drogen führten schließlich dazu, daß er seit Herbst 1888 Selbstmordgedanken hegte. Obwohl manches noch ungeklärt ist, bestehen heute über die wesentlichen Fakten und Abläufe der „Tragödie von Mayerling“ kaum mehr Unklarheiten. Am 30.1.1889 erschoß R. zuerst eine seiner Geliebten, die romantisch-schwärmerische 17jährige Baronesse Mary Vetsera (* 1871), dann sich selbst. Nach einigen Vertuschungsversuchen bestätigte der Hof schließlich offiziell den Selbstmord R.s (wenngleich als Folge e. „Geistesverwirrung“, wodurch e. christl. Begräbnis möglich war), der Mord an Vetsera wurde bis 1918 hingegen nie zugegeben.

  • Werke

    Fünfzehn Tage auf d. Donau, 1878;  Allerlei ges. ornitholog. Beobachtungen, 1880;  Eine Orientreise, 1881, in Ausw. neu hg. v. L. Leitner, 1994;  Einige Jagdreisen in Ungarn, 1881;  Ges. ornitholog. u. jagdl. Skizzen, 1884;  Jagden u. Beobachtungen, 1886;  6 Btrr. zu d. v. R. hg. Sammelwerk: Die österr.-ungar. Monarchie in Wort u. Bild, 1886–88, 1900 (postum) (Einl. in: Übersichtsbd. I, 1887, S. 5-18, Landschaftl. Lage Wiens, in: Wien, 1886, S. 3 f., Der Wienerwald, in: Niederösterr., 1888, S. 3-24, Die Donau-Auen v. Wien b. z. ungar. Grenze, ebd., S. 97-112, 113-122, Einl. in: Ungarn I, 1888, S. 3-6, Eine Bärenjagd in d. Munkáscer Gegend, in: Ungarn V, 1900);  – anonym: Der österr. Adel u. sein constitutioneller Beruf, 1878;  Einige Worte über d. Spiritismus, 1882;  Skizzen aus d. österr. Pol. d. letzten J., 1886;  Österr.-Ungarn u. seine Alliancen, Offener Brief an S. M. Ks. Franz Joseph I. v. Julius Felix, 1888;  zahlr. Ztg.art.;  Pol. Briefe an e. Freund 1882-1889, hg. v. J. Szeps, 1922;  Briefe u. Schrr. aus d. J. 1875-1889, hg. v. O. v. Mitis, in: ders., Das Leben d. Kronprinzen R., 1928;  Majestät, ich warne Sie …, Geh. u. priv. Schrr., hg. v. B. Hamann, 1979;  Kronprinz R. v. Österr., Sein Briefwechsel mit Dr. G. A. Girtanner, Die Slg. Kronprinz R. am Nat.mus. Wien, hg. u. komm. v. B. Schneider u. E. Bauernfeind, 1999.

  • Literatur

    O. v. Mitis, Das Leben d. Kronprinzen R., 1928, neu hg. v. A. Wandruszka, 1971; Prn. Stephanie v. Belgien, Fürstin v. Lonyay, Ich sollte Kaiserin werden, 1935; Das Mayerling-Orig., Offizieller Akt d. k. k. Polizeipräsidiums, 1955; F. Judtmann, Mayerling ohne Mythos, 1968; I. Schiel, Stefanie, Kronprn. im Schatten v. Mayerling, 1978; B. Hamann, R., Kronprinz u. Rebell, 1978 (P); F. Weissensteiner, Die rote Erzherzogin, Das ungewöhnl. Leben d. Tochter d. Kronprinzen R., 1982; ders., Frauen um Kronprinz R., 1991; ders. (Hg.), Lieber Rudolf, Briefe v. Ks. Franz Joseph u. Elisabeth an ihren Sohn, 1991; J. T. Salvendy, R., Psychogramm e. Kronprinzen, 1987; G. Windisch-Graetz, Kaiseradler u. rote Nelke, Das Leben d. Tochter d. Kronprinzen R., 1988; G. Holler, Mayerling, 1988; S. Mattl-Wurm (Red.), R., Ein Leben im Schatten v. Mayerling, Ausst.kat., Hist. Mus. d. Stadt Wien, 1989 (P); J. P. Bled, Rodolphe et Mayerling, 1989; S. M. Größing, Kronprinz R., Freigeist, Herzensbrecher, Psychopath, 2000 (P); NÖB (P); Habsburger (P); ÖBL.

  • Portraits

    Reiterbildnis u. Porträtstudie v. T. Ajdukiewicz, 1889 (Privatbes.), Abb. in: S. Mattl-Wurm, 1989 (s. L); Büste v. V. Tilgner, 1888 (Hist. Mus. d. Stadt Wien).

  • Autor

    Peter Urbanitsch
  • Empfohlene Zitierweise

    Urbanitsch, Peter, "Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 181-182 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118603698.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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