Lebensdaten
1853 bis 1944
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
Schriftstellerin
Konfession
deutsch-katholisch
Normdaten
GND: 118862979 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kurz, Isolde
  • Kurz, I.
  • Kurz, Isolde K.
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Zitierweise

Kurz, Isolde, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118862979.html [19.07.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann (s. 1); - B Edgar (1853–1904), Arzt in Florenz (s. Brümmer), Erwin (1857–1931), Bildhauer, lernte an d. Münchner Ak. u. b. A. v. Hildebrand in Florenz, war seit 1893 in München tätig, wo er im Stil d. Hildebrand-Schule öffentl. u. private Aufträge ausführte (vor allem Porträts u. Grabmäler) (s. L), beide Frühsozialisten (s. L), Alfred (1855–1905), Arzt; - ledig; N (S d. Erwin) Otto Orlando (1881–1933), Architekt, arbeitete anfangs b. Gabriel u. Emanuel v. Seidl u. A. v. Hildebrand, errichtete dann in München öffentl. Bauten u. vor allem Siedlungen, 1926 d. Gabrielskirche (s. ThB).

  • Leben

    K. verlebte ihre Jugend in Obereßlingen, Kirchheim unter Teck und Tübingen. Die Mutter, die selbst Gedichte und Märchen schrieb und wie der Vater demokratischen Ideen anhing, ja Sympathien für die Sozialdemokraten hegte, setzte durch, daß K. vom Schulzwang befreit und ganz ihrer eigenen Erziehung überantwortet wurde. Sie erhielt keinen Religionsunterricht, doch war sie deutsch-katholisch getauft. In die Welt der Griechen wurden sie und ihre Geschwister durch szenisches Spiel eingeführt. Den Nachbarn galten sie als „Heidenkinder“ und blieben entsprechend isoliert. Um so enger war die Beziehung K.s zu den Geschwistern, besonders zu Edgar, und zu den Eltern, obgleich der Vater lebenslang ein distanziertes Verhältnis zum Alltag der Familie hatte. Trotz der knappen finanziellen Mittel erhielt K. schon mit 13 Jahren Tanzunterricht, lernte Reiten und Schwimmen, sportliche Betätigungen, mit denen sie als Mädchen besonderen Anstoß bei den Tübinger Bürgern erregte. Die daraus erwachsenden Schwierigkeiten erklärte sie später aus der sozialen Stellung der Frau: „Kaum dürfte je die Frau in Deutschland niedriger gestanden haben als im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts.“ Außerordentlich sprachbegabt, lernte K. frühzeitig Englisch, Französisch, Italienisch und Russisch; Latein und Griechisch lehrte sie Ernst Mohl, Pfarrersohn aus Hildrizhausen, der der Gefährte ihres Alters wurde. Dank ihrer Sprachkenntnisse arbeitete sie schon mit 14 Jahren am „Novellenschatz des Auslandes“ mit, den der Vater zusammen mit Paul Heyse herausgab, und übersetzte u. a. Stendhal (San Francesco a Ripa) und Gobineau (Le Mouchoir rouge). Vom Erlös ihrer Übersetzung von Ippolito Nievos „Bekenntnisse eines Achtzigjährigen“ (1877) (1000 österr. Gulden) errichtete die 20jährige dem Vater, für dessen Werk sie sich lebenslang einsetzte, ein Grabmal auf dem Tübinger Friedhof, wo später auch ihre Mutter und sie selbst beigesetzt wurden. Ihre ersten lyrischen und dramatischen Versuche aus dieser Zeit vernichtete sie; erhalten blieb allein ein für den kranken Bruder Balde geschriebenes, an Hauff erinnerndes Märchen „Von den goldenen Träumen“. 1876 folgte sie ihrem Bruder Erwin nach München, der dort zunächst Bildhauerei, dann Architektur studierte. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie durch Übersetzungsarbeiten und Italienisch-Unterricht. Paul Heyse u. a. förderten sie. Kurze Zeit war sie auch, wie ihre Freundin Rosalie Braun-Artaria, Mitarbeiterin der „Gartenlaube“. Doch schon 1877 übersiedelte die ganze Familie nach Florenz, wo der Bruder Edgar, der von der Mutter angeregt Sozialdemokrat geworden war und als Arzt in der schwäb. Provinz nicht Fuß fassen konnte, eine Praxis aufgebaut hatte. Mehr als 30 Jahre lebte K. nun in Italien. Von der deutschen Kolonie gibt sie in ihren „Florentinischen Erinnerungen“ (1910, zuletzt 1943) ein genaues Bild. Am meisten rühmt sie Adolf v. Hildebrand, der als einziger unmittelbaren Einfluß auf sie gehabt habe. Zu ihrem Freundeskreis gehörten ferner Arnold Böcklin, Karl Stauffer-Bern, Adolf Gf. Schack, Hans v. Marées, Konrad Fiedler und Karl Hillebrand. Nach einigen unter dem Titel „Phantasien und Märchen“ (1890) gesammelten Erzählungen bereitete sie die Herausgabe eines Florenz-Führers vor. Als dieses Vorhaben scheiterte, wurden die Vorarbeiten Grundlage für die „Florentiner Novellen“ (1890, 191929, zuletzt 1963), eine Sammlung von Renaissance-Novellen, durch die sie als Dichterin berühmt wurde. In „Die Stadt des Lebens, Schilderungen aus der Florentin. Renaissance“ (1902, 191929), „Nächte von Fondi, Eine Geschichte aus dem Cinquecento“ (1922, 45. Tsd. 1948, zuletzt 1962), „Die Nacht im Teppichsaal, Erlebnisse eines Wanderers“ (1933), kehrte sie immer wieder zu den Gestalten jener Epoche zurück. Nicht zu Unrecht wird sie, wenigstens was den Rang der Novellen betrifft, mit Conrad Ferdinand Meyer verglichen. Literarisch beeinflußt wurde sie ihrer eigenen Aussage nach allerdings allein durch Jacob Burckhardt und Maupassant. Die 1895 erschienenen „Ital. Erzählungen“ (101923) handein in der Gegenwart; auch hier bestimmen, wie in den weit erfolgreicheren Renaissance-Novellen, dunkle Schicksalsmächte das Leben. Die Aphorismensammlung „Im Zeichen des Steinbocks“ (1905, 31928), enthält Zeitkritisches vor allem hinsichtlich der Stellung der Frau, aber auch metaphysische Spekulation, in der sie den Mächten des Unbewußten als dem Grund des Lebens nachzuspüren sucht, wie noch in ihrem „Traumland“ (1919), in dem sie, unabhängig von zeitgenössischer Psychologie, eigenen Träumen und denen nahestehender Menschen nachsinnt. Bis 1900 schrieb sie auch eine Reihe von Erzählungen, die Erinnerungen an die Schwäb. Heimat verarbeiten und unter dem Titel „Von dazumal“ zusammengefaßt wurden (1900, zuletzt 1935). Unter ihnen scheinen die poetischen Kindergeschichten am besten gelungen. Die Lyrik K.s bleibt oft, klass. Vorbilder nachahmend, im Konventionellen, wenngleich sich auch ergreifende Töne, besonders der Totenklage, finden.

    Nach dem Tod der Brüder Egdar und Alfred lebte K. mit der Mutter überwiegend in München in der Nähe des Bruders Erwin, der hier seit 1893 als Architekt tätig war. Die Sommermonate verbrachte sie in Forte dei Marmi, wo sie, wie andere aus der Florentiner Künstlerkolonie, ein Haus besaß (mit einer von Hildebrand entworfenen Fassade). Die Mutter hatte noch kurz vor ihrem Tode K. der Sorge des Jugendfreundes E. v. Mohl anempfohlen, der sofort aus Rußland herbeieilte, wo er inzwischen als zaristischer Staatsrat geadelt worden war. Bis zu dessen Tod 1929 wohnten nun beide in München-Schwabing. Nach K.s Überzeugung war ihre Freundschaft mit Mohl „transzendentalen Ursprungs, durch das Diesseitige nicht erschöpfend zu erklären“. Höhepunkt ihres gemeinsamen Lebens war 1913 eine Reise nach Griechenland, deren literarisches Resultat, das Buch „Wandertage in Hellas“ (1913, 71925), noch heute als Führer brauchbar ist. Während des 1. Weltkriegs schrieb sie, wie viele zeitgenössische Autoren, flammende Kriegsgedichte („Schwert aus der Scheide“, 1916). Die Jahre danach lebte sie von Vortragsreisen, die sie auch wieder nach Italien (Florenz, Rom) führten. Vom politischen Leben der Gegenwart wandte sie sich in dieser Zeit ab, auch Zeitungen mochte sie nicht mehr lesen. 1931 erschien bei Rainer Wunderlich in Tübingen, dem Verleger ihrer späten Jahre, der Roman „Vanadis“ (490. Tsd. 1980). „Der Schicksalsweg einer Frau“ (Untertitel) ist mit autobiographischen Zügen versehen; er schließt die Erzählung vom Untergang einer Familie ein und berührt erneut eines der Lieblingsthemen: die entwürdigende Stellung der Frau am Ende des 19. Jh. Der schließlich 1938 erschienenen Autobiographie „Die Pilgerfahrt nach dem Unerreichlichen“ verdankt man den größten Teil der Nachrichten über ihr Leben; als „das große Wagnis einer Selbstdeutung“ gibt sie auch Aufschluß über Sinn und Absicht ihrer Werke. Obwohl sie hier mehrfach ihren Glauben an ein wiederholtes Erdenleben zum Ausdruck brachte, hing sie doch weder der Anthroposophie noch einer indischen Lehre an. – Außer regelmäßigen Fahrten nach Forte dei Marmi unternahm K. nun noch manche Reisen innerhalb Deutschlands. Über die letzten Lebensjahre geben vor allem die mit ergänzenden Notizen K.s versehenen Tagebücher von Lisa Betz Aufschluß, die, ursprünglich Haushälterin und Sekretärin des Bruders Erwin, 1931 die Sorge für K. übernommen hatte. K. nahm nun wieder regeren Anteil am politischen Geschehen, eine klare Einsicht allerdings schien ihr zu fehlen: Während sie sich von Faschismus und Nationalsozialismus blenden ließ, fühlte sie sich schockiert vom Ausbruch des Krieges. Trotz des zurückgezogenen Lebens der letzten Jahre pflegte sie in München noch den Verkehr mit den Kollegen Hans Brandenburg und Hans Carossa. Krank kehrte sie 1943 aus München nach Tübingen zurück, wo sie mit großen Ehren empfangen wurde.|

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Tübingen 1913); Goethe-Medaille f. Kunst u. Wiss. (1943).

  • Werke

    Weitere W u. a. Ges. Werke, 6 Bde., 1925;
    Hermann Kurz, Ein Btr. zu s. Lebensgesch., 1906, 31930;
    Aus meinem Jugendland, 1918, 241927, zuletzt 1943;
    Der Caliban, 1925 (Roman);
    Meine Mutter, 1926, 21927;
    Die Stunde d. Unsichtbaren, Seltsame Geschichten, 1927;
    Ein Genie d. Liebe, Dem toten Freunde zur Wohnstatt [E. v. Mohl], 1929;
    Der Meister v. San Francesco, Ein Buch d. Freundschaft [A. v. Hildebrand], 1931;
    Aus d. Reigen d. Lebens, Gedichte, 1933;
    Das Haus d. Atreus, 1939.

  • Literatur

    R. Krauß, Schwäb. Lit.-Gesch. II, 1899;
    ders, in: Der Schwabenspiegel, April 1926, Nr. 10, S. 122, u. Jan. 1928, Nr. 5, S. 31;
    R. Braun-Artaria, Von berühmten Zeitgenossen, 1918, H. Raff, in: Dt. Rdsch., 1928, S. 252-56;
    O. E. Hesse, I. K., 1931;
    R. Unger, Traumland u. Dichtung bei I. K., in: Internat. F z. dt. Lit.-Gesch., J. Petersen z. 60. Geb.tag, 1938;
    G. Bäumer, Gestalt u. Wandel, Frauenbildnisse, 1939, S. 507-32;
    E. Wezel, in: Schwaben 13, 1941;
    G. v. Koenig-Warthausen, in: Dt. Frauen in Italien, 1942, S. 257-69;
    dies., in: Lb. aus Schwaben u. Franken XII, 1972, S. 329-61 (W, L, P);
    H. Missenharter, in: NS-|Kurier 1943, Nr. 348;
    M. Klinkerfuß, Begegnungen in Pallanza, ebd. 1944, Nr. 117;
    dies., in: Aufklänge aus versunkener Zeit, 1947;
    A. Wenke, Die ital. Renaissance in d. Werken v. I. K., Diss. Marburg 1950;
    K. Morell-Krähmer, Meine Begegnung mit I. K., in: Reutlinger Heimatbll., 1952, Nr. 25;
    J. P. Steiner, I. K. and the spirit of Hellas, Diss. Columbia Univ. 1953;
    R. Hübler, I. K., „Die Nacht im Teppichsaal, Erlebnisse e. Wanderers“, Interpretation e. Rahmenerzählung, Diss. Tübingen 1954 (ungedr.);
    Ch. Nennecke, Die Frage nach d. Ich im Werk v. I. K., Diss. München 1957;
    dies., in: Kunisch;
    Th. Heuss, Vor d. Bücherwand, 1961, S. 172-74 (geschr. 1943);
    B. Tecchi, Svevia, Terra di Poeti, 1964, S. 85 f.;
    Rhdb. (W, P). - Zu B Erwin: H. Raff, in: Westermanns Mhh., Aug. 1918, S. 549-58;
    ThB;
    Vollmer. - Zu B Edgar u. Erwin:
    O. Borst, in: Btrr. z. Landeskde., Beil. z. Staatsanz. Baden-Württemberg, April 1979.

  • Portraits

    Kohlezeichnung v. Prinz Ernst v. Sachsen-Meiningen, 1938 (Marbach, Schiller-Nat.-Mus.), Teil-Abb. b. Wilpert, Literatur in Bildern;
    Zeichnung v. K. Fuchs, 1907 (ebd.);
    Porträt v. K. Morell-Krähmer (Reutlingen, I.-K.-Gymnasium), Abb. b. Koenig-Warthausen, s. L, 1972.

  • Autor/in

    Gabriele Freiin von Koenig-Warthausen
  • Empfohlene Zitierweise

    Koenig-Warthausen, Gabriele Freiin von, "Kurz, Isolde" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 332-334 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118862979.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA