Lebensdaten
1841 bis 1895
Geburtsort
Oederan (Sachsen)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Kunsttheoretiker ; Mäzen
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118683551 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Fiedler, Adolph Konrad
  • Fidler, Konrad
  • Fiedler, Conrad Adolf
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Zitierweise

Fiedler, Konrad, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118683551.html [24.08.2016].

CC0

Fiedler, Adolph Konrad

Kunsttheoretiker und Mäzen, * 23.9.1841 Oederan (Sachsen), 3.6.1895 München. (lutherisch)

  • Genealogie

    V Hermann (1811–54), Fabr. u. Rittergutsbes., S d. Tuchfabr. Adolph Gottlob ( 1851); M Louise Maria (* 1819), T d. Kaufm. u. Stadtrats Ludw. Hartz in Leipzig; Mary (1854–1919, 2] Herm. Levi, 1900, Gen.-Musikdir., s. NDB I*, 3] 1908 Michael Balling, 1925, Dirigent, s. NDB I), T d. Jul. Meyer (1830–93), Kunsthist. (s. ADB 52).

  • Leben

    Seine Kindheit verbrachte F. auf dem väterlichen Gut Crostewitz bei Leipzig. Der Ausbildung auf der Fürstenschule in Meißen (1856–61) folgte ein juristisches Studium an den Universitäten Heidelberg, Berlin und Leipzig (Promotion und Staatsexamen 1865). Ein Jahr arbeitete er in der juristischen Praxis, dann gab er den ihm nicht zusagenden Beruf auf, um sich ganz der bildenden Kunst, Philosophie, Musik und Literatur zu widmen. Zahlreiche Reisen führten F. zu den wichtigsten Kunststätten Europas. Ihren Höhepunkt erreichten sie in Rom (Winter 1866/67), wo er die Bekanntschaft Hans von Marées' und Adolf Hildebrands machte. Gemeinsamkeit menschlicher und künstlerischer Anschauungen schloß die drei Männer zu lebenslanger Freundschaft zusammen. Durch mutiges Eintreten für die noch nicht anerkannte Kunst von Marées und materielle Unterstützung, die dem Künstler ein freies Schaffen gewährleistete, setzte sich F. als großzügiger Mäzen das schönste Denkmal. Nach Italien als seiner Wahlheimat zog es ihn immer wieder. 1874 richteten sich Marées und Hildebrand auf Betreiben F.s eine Arbeitsstätte in dem alten Kloster von San Francesco di Paolo vor Florenz ein, in dessen Umgebung F. und seine Frau fast jedes Jahr mehrere Monate verbrachten. In Florenz trat er Boecklin und Isolde Kurz nahe. München erwählte er sich seit 1880 zum dauernden Wohnsitz, wo auch die Familie Wagner, Hans Thoma und E. Humperdinck zu seinen Freunden zählten. Die wichtigsten theoretischen Schriften F.s handeln: „Ueber die Beurteilung von Werken der bildenden Kunst“ (1876), „Über Kunstinteressen und deren Förderung“ (1879), „Über modernen Naturalismus und künstlerische Wahrheit“ (1881) und „Über den Ursprung der künstlerischen Tätigkeit“ (1887). Sein vornehmstes Ziel war der mit der erkenntnis-theoretischen Methode Kants erbrachte Nachweis der Gesetzlichkeit des künstlerischen Schaffens. Sie bezieht sich allein auf die Gestaltung des Kunstwerks, die der Künstler unabhängig von dem gedanklichen und gefühlsmäßigen Inhalt des Naturvorbildes mit der Kraft seiner Formvorstellung aus der Wahrnehmung entwickelt. Die historische Bedeutung der Kunsttheorie F.s besteht ferner in der Feststellung des autonomen Charakters des Kunstwerkes, das er von der Bevormundung durch die willkürlichen Forderungen der spekulativen Ästhetik befreit. Dem gleichzeitig auf die Negation aller romantischen Ideale eingestellten Naturalismus (Courbet, Flaubert), der sich letztlich in einer bloßen Registrierung der Wirklichkeit erschöpft, stellt er den Begriff der künstlerischen Wahrheit, das heißt die formale Klarheit des gestalteten Kunstwerks, gegenüber. Auf die theoretischen Gedanken F.s hat Hildebrand seine das bildhauerische Schaffen analysierende Schrift „Das Problem der Form in der bildenden Kunst“ (1893) aufgebaut, die auf die Anschauungen H. Wölfflins bestimmend einwirkte. Mithin legte F. den Grund zu der formalen Betrachtung der deutschen Kunstgeschichte des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Eine Würdigung der Kunst und Persönlichkeit Marées', die den leidenschaftlichen Kampf des Freundes um die Verwirklichung seiner Vorstellungen vom Wesen der Kunst schildert, erweist gleichzeitig das hohe Ethos ihres Verfassers.

  • Werke

    Weitere W u. a. Schrr. üb. Kunst, 2 Bde., 1876;  Schrr. üb. Kunst, hrsg. v. H. Marbach, 1896 (mit d. Aufsatz üb. H. v. Marées, verfaßt 1889);  Briefwechsel K. F. u. H. v. Marées, in;  J. Meier-Graefe, H. v. Marées III, 1910 (P)Schrr. üb. Kunst, hrsg.|v. H. Konnerth, 2 Bde., 1913 f.;  A. v. Hildebrand, Briefwechsel mit K. F., hrsg. v. G. Jachmann, 1927 (P);  Künstler u. Kunstfreund, Briefwechsel Hans Thoma – K. F., bearb. v. A. v. Schneider, 1939 (P).

  • Literatur

    ADB 48;  W. Bode, K. F., in: Rep. f. Kunstwiss. 18, 1895, S. 331 ff.;  H. Konnerth, Die Kunsttheorie K. F.s, 1909;  P. Fechter, K. F., in: Kunst u. Künstler 12, 1913/14, S. 559 ff.;  H. Eckstein, K. F., Vom Wesen d. Kunst, 1942 (W, L)Körner.

  • Portraits

    Gem. v. H. Thoma, 1884 (ehem. Berlin, Nat.-Gal.);  Gem. u. Zeichnungen v. H. v. Marées, Abb. b. J. Meier-Graefe (s. W).

  • Autor

    Arthur von Schneider
  • Empfohlene Zitierweise

    Schneider, Arthur von, "Fiedler, Konrad" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 140 f. [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118683551.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Fiedler, Konrad

  • Leben

    Fiedler: Konrad F., Kunstkenner, wurde am 23. September 1841 in Oederan in Sachsen geboren, wo sein begüterter Vater als Fabrikant ansässig war. Im J. 1849 folgte er seinen Eltern auf das Rittergut Crostewitz bei Leipzig. In den Jahren 1856 bis 1861 besuchte er die Fürstenschule zu Meißen und studirte dann in Heidelberg, Berlin und Leipzig Jurisprudenz. Nachdem er sich in Leipzig den Doctorgrad erworben und im J. 1865 das Staatsexamen bestanden hatte, auch ein Jahr bei einem Rechtsanwalt praktisch thätig gewesen war, ging er längere Zeit auf Reisen. Er besuchte Paris und London, wo die Liebe für die Werke der bildenden Kunst in ihm erwachte. Den Winter von 1866 auf 1867 verbrachte er in Italien, dann ging er nach Griechenland, Spanien, Aegypten, Syrien und Palästina, überall eifrig mit dem Studium der älteren Kunst beschäftigt. In Italien war er Hans v. Marées, Adolf Hildebrand, Arnold Böcklin und Anselm Feuerbach näher getreten, später lernte er auch Lenbach, Thoma, Stauffer-Bern und Arthur Volkmann kennen. Mit Hildebrand und Marées lebte er eine Zeit lang in der Nähe von Florenz. Nach seiner Vermählung mit Fräulein Marie Meyer, der einzigen Tochter des bekannten Kunstschriftstellers und Directors des alten Museums in Berlin, Julius Meyer, im Jahre 1880, blieb er vorübergehend in Berlin, siedelte aber dann nach München über, wo er am 3. Juni 1895 infolge eines unglücklichen Sturzes einem plötzlichen Tode erlag. Er war ein ausgezeichneter Kenner der Kunst und hat sich als Mäcen namentlich um Hans v. Marées und die Bekanntmachung der hinterlassenen Werke dieses seines Freundes große Verdienste erworben. Seine "Schriften über Kunst" gab Hans Marbach nach seinem Tode gesammelt heraus (Leipzig 1896).

    • Literatur

      Repertorium für Kunstwissenschaft. Berlin und Stuttgart 1895. XVIII, 331—335. — Die Kunst. Bd. I: Freie Kunst. München 1900, S. 107. — Die Grenzboten. Leipzig 1895. 54. Jahrg., 3. Vierteljahr, S. 268—278 und 318—326. — Afranisches Ecce 1896—1900. Meißen o. J. S. 56, 59.

  • Autor

    H. A. Lier.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lier, Hermann Arthur, "Fiedler, Konrad" in: Allgemeine Deutsche Biographie 48 (1904), S. 555 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118683551.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA