Lebensdaten
1847 bis 1921
Geburtsort
Marburg/Lahn
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Bildhauer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118550934 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hildebrand, Adolf (bis 1903)
  • Gil'debrand, Adol'f
  • Gildebrand, Adolf
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Zitierweise

Hildebrand, Adolf Ritter von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118550934.html [24.07.2017].

CC0

Hildebrand, Adolf Ritter von (bayerischer Personaladel 1903, erblicher Adel 1913)

Bildhauer, * 6.10.1847 Marburg/Lahn, 18.1.1921 München. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Bruno (s. 2); Florenz 1877 Irene (1846–1921), gesch. Koppen, T d. Industriellen Gustav Schäuffelen in Heilbronn u. d. Auguste Syffer; 1 S, 5 T, u. a. Dietrich (1889-1977), Prof. d. Philos. a. d. Columbia-Univ. in New York, Eva ( Carl Sattler, 1877–1966, Architekt, Prof., Präs. d. Bayer. Ak. d. Bildenden Künste, München), Irene (* 1880, Theodor Georgii, 1883–1963, Bildhauer, s. ThB; Vollmer), Bildhauerin (s. Vollmer), Bertha ( Walter Braunfels, 1882–1954, Komponist, Pianist, Dir. d. Musikhochschule in Köln, s. MGG II); 1 Stief-S (adoptiert); E Dieter Sattler (1906–68), dt. Botschafter beim Hl. Stuhl.

  • Leben

    Nach der Gymnasialzeit in Bern und Jena (seit 1861) und nach einem Jahr selbständiger Modellierarbeit besuchte H. 1864-66 die Kunstschule in Nürnberg unter August von Kreling. Ferienaufenthalte führten ihn in dieser Zeit öfter nach München; dort lernte er Ende 1866 im Hause des Bildhauers Karl Zumbusch den Kunsttheoretiker Konrad Fiedler und den Maler H. v.von Marées kennen. Diesem für H.s Entwicklung so entscheidenden Ereignis folgte die erste Italienfahrt, die er an der Wende zum Jahre 1867 mit Zumbusch antrat und die ihn über Verona nach Florenz und Rom führte. Ende 1869 ging H. mit Fiedler und Marées nach Berlin|und war dort kurze Zeit im Atelier Adolf Siemerings. Seit 1872 lebte er in Italien. 1873, im Jahre der ersten Ausstellung seiner Werke (Wien), half er Marées bei der Ausmalung der Zoologischen Station in Neapel. 1874 erwarb er das Kloster San Francesco di Paola bei Florenz als ständigen Wohnsitz. Erst 1884 tauchte H. wieder in Deutschland auf, anläßlich der Berliner Ausstellung, die ihn bekannt machte. 1889 errang er den 1. Preis im Wettbewerb für das Nationaldenkmal Kaiser Wilhelms I.; die Ausführung scheiterte am Widerspruch Kaiser Wilhelms II. 1891 erhielt er seinen ersten Großauftrag: Entwurf und Ausführung des Wittelsbacher Brunnens in München (vollendet 1894). Dieses Werk sicherte endgültig H.s künstlerisches Ansehen und verschaffte ihm zahllose Aufträge für Denkmäler, Brunnen und Porträtbüsten. 1898-1914 lebte H. abwechselnd in Florenz und in München, wo er seit 1897 ein Haus (Hildebrand-Haus) nach eigenen Entwürfen besaß.

    Die künstlerischen Vorbilder des bedeutendsten Bildhauers des wilhelminischen Deutschland waren, wie Braunfels treffend sagt, die antiken Bronzen des Neapler Museums, die Brunnen Roms und der Reliefstil der Florentiner Frührenaissance. Darüber hinaus war die italienische Renaissance für H.s künstlerische Vorstellungen und seinen weltbürgerlichen Lebensstil generell von idealer Vorbildlichkeit, die er in Intention und Universalität seines Schaffens, hierin einem Alberti nicht unähnlich, ebenso verwirklichte wie in der Zugehörigkeit zum Großbürgertum, das er porträtierte und in Denkmälern verewigte. H. schuf Büsten, Statuen, Reliefs, Plaketten, Denkmäler, Grabmäler, Brunnen und schöpfte dabei die Fülle der bildnerischen Möglichkeiten in Stein, Marmor, Bronze, Gips, Ton, Terrakotta, Wachs voll aus. Wie in seiner Arbeit als Bildhauer so dominiert auch in seinem malerischen und zeichnerischen Werk das Porträt. Als Porträtist ging es H. vor allem darum, die unsentimentale Beobachtung des Individuellen in einer strengen Formdurchdringung als einem allgemeinen gestalterischen Prinzip aufzuheben. Dieses Prinzip handelte er in seiner Schrift „Das Problem der Form in der Bildenden Kunst“ (1893) theoretisch ab; im Relief fand er seine ideale praktische Lösung. Das Problem des Verhältnisses von Figur und Umraum wurde nicht nur in der Gattung des Reliefs konkretisiert, sondern gewann auch für H.s Denkmäler (Schillerdenkmal in Nürnberg, 1900–11) und Brunnen (Doggenbrunnen im Garten Robert Mendelssohn, Berlin, 1912; Bismarckbrunnen im Park des Freiherrenvon Stumm, Holzhausen, 1901) grundsätzliche Bedeutung, indem das Architektonische und Plastische in einer idealen, meist geschwungenen Ebene angeordnet und auf die umgebende Landschaft als lebendigen Reliefgrund bezogen wurde. So gehört die Natur ebenso zu H.s Auffassung des Monumentalen wie die Architektur. Sein Interesse an der Architektur ist für seine Denkmäler, Grabmäler (Grabmal Hans von Bülow, Hamburg, 1896) und Brunnen (Hubertusbrunnen, München, 1907) von grundlegender Bedeutung und wichtiger als seine tatsächlich ausgeführten architektonischen Entwürfe (Landhaus Hildebrand, Forte dei marmi, 1901). Der eigentliche Hintergrund des Schaffens H.s ist das Großbürgertum, in dessen Auftrag er arbeitete und dessen noch unbeschädigtes und ungebrochenes Selbstverständnis seinem Werke die Kraft des Klassischen gab.

  • Werke

    Weitere W u. a. Porträtbüsten: Theodor Heyse, 1872 (Berlin, Nat.gal.); Arnold Börklin, 1898 (Berlin, Nat.mus.); Max v. Pettenkofer, 1899 (München, Dt. Mus.); Wilh. Bode, 1900 (Berlin, Nat.gal.); Hans Thoma, 1912 (Karlsruhe, Privatbes.); Oskar v. Miller, 1914 (München, Dt. Mus.); Irene Sattler, 1902 (München, Neue Staatsgal.). - Figuren: Schlafender Hirtenknabe, 1872-73 (Berlin, Nat.gal.); Wasserausgießer, 1881-86 (ebd.); Kugelspieler, 1886 (Berlin, Privatbes.); Luna, 1896 (Stuttgart, Villa Siegle). - Reliefs: Werbung, 1879-80 (München, Privatbes.); Bogenschützen I, 1887-88; Dionysos, 1890. - Porträtreliefs: Kaiser Wilhelm II., 1904; Gabriel v. Seidl, 1911 (München, Bayer. Nat.mus.); Ludwig III., Kg. v. Bayern, 1915; Irene Hildebrand, 1881 (Florenz, S. Francesco); Eleonora Duse, 1910 (München, Privatbes.); Prn. Maria Gabriella v. Bayern, 1911. - Denkmäler: Werner v. Siemens, 1896-1901 (Berlin); Reiterstandbild Prinzregent Luitpold v. Bayern, 1903-13 (München); Reiterstandbild Bismarck, 1907-10 (Bremen). - Grabmäler: Hans v. Bülow, 1896 (Hamburg); Heinr. v. Herzogenberg, 1901 (Wiesbaden); Hzg. Karl Theodor v. Bayern, 1913 (Tegernsee). - Brunnen: Bismarckbrunnen, 1893-94 (Jena); Siegfriedbrunnen, 1904-14 (Worms); Brunnen f. Köln, 1913-20.

  • Literatur

    A. Heilmeyer, A. H., 1902 (P); ders., Die moderne Plastik in Dtld., 1903; ders., A. v. H., 1922 (vollst. W-Verz., P); ders., Die Plastik d. 19. Jh., 1931; A. Kuhn, Die neuere Plastik v. 1800 b. z. Gegenwart, 1921; Ch. R. Post, A hist. of European and American sculpture, 1921; G. Jachmann, Briefwechsel H.s mit Conrad Fiedler, 1927; M. Sauerlandt, Dt. Bildhauer um 1900, 1927; D. Sattler, A. H. u. d. Architektur, Diss. TH München 1932; W. Hausenstein, A. H., 1947; H. Read, The art of sculpture, 1954; B. Sattler, A. v. H. u. s. Welt, 1962 (P); ThB; Vollmer.

  • Portraits

    Relief v. Th. Georgii, Abb. b. A. Heilmeyer, 1922, s. L; Ölgem. v. H. v. Marées, 1867, Abb. b. B. Sattler, s. L.

  • Autor

    Werner Mittlmeier
  • Empfohlene Zitierweise

    Mittlmeier, Werner, "Hildebrand, Adolf Ritter von" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 119 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118550934.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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