Lebensdaten
1859 bis 1941
Geburtsort
Dresden
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Geograph
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118704273 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hettner, Alfred
  • Getner, Alʹfred
  • Gettner, Alʹfred
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Hettner, Alfred, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118704273.html [19.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann (s. 2);
    M Anna Grahl;
    B Otto (s. 3);
    - 1) 1899 Bertha ( 1902), T d. Erwin Rohde (1845–98), Prof. d. klass. Philol. (s. ADB 53), u. d. Valentine Framm. 2) 1925 Marie Mall ( 1955); kinderlos.

  • Leben

    H. war der erste Universitätsprofessor, der ohne Umweg über einen anderen Beruf Geograph wurde. Er besuchte die Universitäten Halle (Studium der Geographie bei A. Kirchhoff, der Philosophie bei R. Haym, der Geologie bei K. von Fritsch), Bonn (Theobald Fischer, „Bonner Kreis“) und Straßburg (Georg Gerland, Promotion 1881, Dissertation: Das Klima von Chile und Westpatagonien), um dann für ein Jahr nach Bonn zurückzukehren, wo Ferdinand von Richthofen zu wirken begonnen hatte. Eine Hauslehrerstelle beim britischen Konsul führte ihn 1882 nach Bogotá in Kolumbien, wo er die Kordillere erforschte (Reisen Columbian. Anden, 1888, 21969; Die Cordillere von Bogota, 1892). 1884 zurückgekehrt, habilitierte er sich 1887 in Leipzig, wo als Nachfolger Richthofens der H. persönlich nicht bekannte Ratzel die Geographie vertrat, mit einer klassisch gewordenen und erst viel später beachtete Forschungsergebnisse vorwegnehmenden geomorphologischen Arbeit „Der Gebirgsbau der Sächsischen Schweiz“ (1887), folgte aber schon 1888 einer Aufforderung A. Bastians, für das Berliner Museum für Völkerkunde in den Peruanischen Anden zu arbeiten. Über Chile, die Südanden, die Pampa, Uruguay und das brasilianische Bergland kehrte er im Spätjahr 1890 nach Leipzig zurück. Auf dieser Reise trat eine schon ältere leichte Atrophie der Beinmuskulatur in ein akutes Stadium, führte zu einer fortschreitenden Lähmung und fesselte ihn in höherem Alter an den Sessel. In Leipzig übernahm er zunächst den Text zu „Spamers Großem Weltatlas“ (1895), aus dem später seine „Grundzüge der Länderkunde“ (1907, 51932) hervorgegangen sind. Dem fiel zwar die Bearbeitung seiner peruanischen Reise zum Opfer, der Gewinn aber lag in dem weltweiten Überblick, der ihn befähigte, 1895 die „Geographische Zeitschrift“ zu gründen und entsprechend einer vertraglichen Vereinbarung mit dem Verlag Teubner bis 1935 als Miteigentümer zu leiten. Ihre Anfänge fielen in die Zeit des allgemeinen „Methodenstreits“, der H. zu eigener Stellungnahme anregte. Er hat die Zeitschrift fortan systematisch in den Dienst der geographischen Methodologie gestellt und mit ihr seine Auffassung von der „Einheit der Geographie“ dem damals herrschenden Dualismus (Erde und Mensch, Kausalität und Freiheit) gegenüber durchgesetzt. Das Fazit zog er in dem Buch „Die Geographie, ihre Geschichte, ihr Wesen und ihre Methoden“ (1927), das Standardwerk der geographischen Methodologie geblieben ist, erwachsen aus seinen Forschungen auf fast allen Gebieten der Geographie und aus einem starken, ständig geschulten philosophischen Interesse, das er ausschließlich der Konsolidierung seiner Wissenschaft widmete.

    H. wurde 1894 in Leipzig Titularprofessor, ging 1897 als Extraordinarius nach Tübingen und 1899, nachdem er eine Berufung nach Würzburg wieder rückgängig gemacht hatte, als außerordentlicher Professor nach Heidelberg, wo 1906 für ihn ein Ordinariat geschaffen wurde. Auf Reisen hat H. Europa in allen wesentlichen Teilen einschließlich Rußland bis zum Kaukasus, die Atlasländer, Ägypten und schließlich auf einer Weltreise Süd- und Ostasien einschließlich Sibirien (1913/14) kennengelernt. – Seine Forschungen lagen auf dem Gebiete der Geomorphologie (Die Oberflächenformen des Festlandes, 1921), der Klimatologie (Die Klimate der Erde, 1930), der Länderkunde und politischen Geographie (Das europäische Rußland, 1905, 41921; Englands Weltherrschaft, 1915, 41928) und der Anthropogeographie (Der Gang der Kultur über die Erde, 1923, 21929). Die Auswertung seiner Arbeiten in großen Übersichtswerken konnte er nach seiner Emeritierung (1928) nur noch teilweise zur Ausführung bringen. Eine vom didaktischen Zwang seiner „Grundzüge“ befreite, sehr stark erweiterte Länderkunde der Erde blieb im Manuskript stecken. Dagegen gelang ihm in seiner „Vergleichenden Länderkunde“ (4 Bände,|1933-35) die Zusammenfassung der Physischen Geographie. Seine „Allgemeine Geographie des Menschen“ konnte, wenn auch nur als Torso, so doch in drei thematisch geschlossenen Bänden (1947–57) aus dem Nachlaß herausgegeben werden. Damit hat H. die Geographie nicht nur theoretisch fundiert, sondern sie auch als wohl Letzter in ihrem Gesamtsystem aus einer Auffassung heraus dargestellt. Als ihr bedeutendster Methodologe und Systematiker lebt er in ihrer Geschichte fort.

    H. war ein gefürchteter und gelegentlich auch verletzender Gegner im literarischen Streit, persönlich aber von gewinnender, natürlicher Liebenswürdigkeit und altruistischer Güte. Nach dem frühen Tode seiner 1. Frau zog er als genialer und anregender Lehrer, der jeden in seiner Eigenart fördern und zur Selbständigkeit führen konnte, einen großen Kreis hervorragender Schüler an sich, die zahlreiche Lehrstühle im In- und Ausland besetzten, unter anderem F. Thorbecke, Fritz Jaeger, C. Uhlig, O. Schmieder, Friedrich Metz, B. Dietrich, H. Schmitthenner, O. Berninger, A. Kolb und der Prähistoriker E. Wahle. Sie hielten ausnahmslos dem im Nationalsozialismus zwar nicht Verfolgten, aber doch Verfemten und zum Schweigen Gebrachten die Treue.|

  • Auszeichnungen

    Geh. Hofrat, Dr. phil. nat. h. c. (Heidelberg 1929).

  • Literatur

    H. Schmitthenner, in: Geogr. Zs. 47, 1941, S. 441-68;
    ders., in: A. H., Allg. Geogr. d. Menschen I, 1947, S. XI-XXXXIV (P in II, 1957);
    E. Plewe, in: Atlantis 14, 1942, S. 210-12 (P);
    H. Hassinger, in: Alm. d. Ak. d. Wiss. Wien, 1945;
    Gedenkschr. zu H.s 100. Geb.tag. = Heidelberger Geogr. Arbb. 6, 1960 (mit Btrr. v. G. Pfeifer, E. Maschke, E. Plewe, F. Metz u. 3 autobiogr. Skizzen, W-Verz. ca. 160 Nrr. L, P, Verz. d. bei H. vf. Diss.);
    Rhdb. (P);
    Pogg. VII a. |

  • Nachlaß

    Nachlaß im Inst. f. Landeskde. in Bad Godesberg.

  • Portraits

    Ölgem. v. M. Thorbecke (Heidelberg, Geogr. Inst.).

  • Autor/in

    Ernst Plewe
  • Empfohlene Zitierweise

    Plewe, Ernst, "Hettner, Alfred" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 31 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118704273.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA