Lebensdaten
1819 bis 1890
Geburtsort
Aschaffenburg
Sterbeort
Würzburg
Beruf/Funktion
katholischer Apologet ; Dogmatiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118978330 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hettinger, Franz Seraph
  • Hettinger, Franz
  • Hettinger, Franz Seraph
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Zitierweise

Hettinger, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118978330.html [07.04.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus Seilerfamilie in A.

  • Leben

    H. studierte seit 1838 an der Würzburger Universität und im Klerikalseminar. Während ihm die philosophischen Systeme Hegels, Fichtes, Schellings wenig zusagten, wurde er in der Theologie stark beeindruckt, außer von Möhlers Symbolik, von den Professoren und späteren Bischöfen Reißmann und Stahl, durch den er auch in das berühmte, für ihn entscheidende germanische Kolleg in Rom Aufnahme fand (Priesterweihe 1843, Dr. theol. 1845). Sein Ideal einer einheitlichen Weltanschauung im Einklang von Vernunft und Offenbarung, Glauben und Wissen, Philosophie und Theologie wurde dort sehr gefördert. Es beeinflußten ihn besonders Kleutgen, Perrone, Patrizi, Carlo Passaglia. H. wurde 1845 Kaplan in Alzenau, 1847 Assistent, 1852 Subregens am Würzburger Klerikalseminar, wo er eine nachhaltige Tätigkeit in der Erziehung des unterfränkischen Klerus ausübte, 1856 außerordentlicher, 1857 ordentlicher Professor der Patrologie und Einleitungswissenschaft in Würzburg, 1867 Professor der Apologetik und Homiletik und 1884 Professor der Dogmatik (1862/63 und 1867/68 Rektor der Universität Würzburg).

    Nach der Epoche der seit der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts auch in der Würzburger Theologie mit Berg, Oberthür und anderen nachwirkenden Aufklärung hat H. mit seinen Mitgermanikern Denzinger, Hergenröther und anderen dort eine mehr positive Richtung eingeleitet. Freilich fand er in seiner konservativen Einstellung zeitlebens wenig Verständnis für den genialen Geist und die Fortschrittsdynamik des später zur Fakultät gekommenen H. Schell, der eine neue Epoche in der Würzburger Theologie einleitete.

    H.s seit 1863 erscheinende „Apologie des Christentums“ ist eine Zusammenfassung einer Reihe von Vorträgen für Studierende aller Fakultäten wie gebildete Laien und hat dementsprechend den Charakter des gesprochenen Wortes. Als Ausdruck des religiösen Ringens der Zeit ist sie eine der besten damaligen populär-wissenschaftlichen Glaubensbegründungen für Gebildete. Mehr wissenschaftlich - theologischen Charakter zeigt sein 1878 erstmals erschienenes apologetisches Hauptwerk, das „Lehrbuch der Fundamentaltheologie oder Apologetik“ (2 Bände, 31913 herausgegeben von S. Weber). Es will künftigen Theologen einen festen und sicheren Unterbau für das Wissenschaftssystem der Theologie geben, wofür dem Verfasser ein tiefes und universales Wissen auf dem Gebiet der Philosophie, Geschichte und Patristik zur Verfügung stand. Neben der sogenannten demonstratio religiosa und christiana wird besonderes Gewicht auf die demonstratio catholica und hier auf die Frage des Verhältnisses von Glaube und Wissen gelegt. Sie hat für die Aufgabe der Glaubensbegründung, insbesondere für Theologen, noch heute Wert.

    Im Bestreben, die kirchliche und christliche Ideenwelt in Zusammenhang mit dem ganzen Leben und Denken der Zeit zu bringen, legt H. seine Gedanken über das theologische System des Thomas von Aquin und des darauf aufbauenden Dante dar. Außer der Apologetik und der im Alter noch übernommenen Dogmatik richtete er sein besonderes Augenmerk auf die Homiletik, so unter anderem in der 1888 aus seinen reichen Seelsorgserfahrungen erwachsenen Schrift „Aphorismen über Predigt und Prediger“. Seine Rektoratsreden über den „Organismus der Wissenschaft und die Stellung der Theologie“ (1862), „Die Kunst im Christentum“ (1867), „David Friedrich Strauß“ (1875), „Die Krisis des Christentums, Protestantismus und katholischer Kirche“ (1881) dienen in apologetischer Absicht dem Erweis der Wahrheit des Christentums und der Entkräftung gegnerischer Einwände. Im Zusammenhang mit seiner Berufung zum Konsultor nach Rom zur Vorbereitung des I. Vatikanums erschien 1873 seine Schrift „Die kirchliche Vollgewalt des|Apostolischen Stuhles, Zugaben zu den 3 früheren Auflagen der Apologie des Christentums“.|

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Würzburg), Dr. theol. h. c. (Löwen), Ehrenmitgl. d. theol. Doktorkollegiums in Wien, d. Ac. religionis catholicae in Rom, päpstl. Hausprälat.

  • Werke

    Weitere W u. a. Apologie d. Christentums, 2 Bde., 1863-67, 101914 ff., 5 Bde., hrsg. v. E. Müller, franz. 1869/70;
    Die Göttl. Komödie v. Dante Alighieri nach ihrem wesentl. Inhalt u. Charakter dargest., 1880, 21889;
    Thomas v. Aquin u. d. europ. Zivilisation, 1880;
    Aus Welt und Kirche, 1885;
    Timotheus, Briefe an e. jungen Theologen, 1890, 31909 hrsg. v. A. Erhard.

  • Literatur

    ADB 50;
    J. Renninger, Prälat H., ein Lb., in: Der Katholik 70, 1890, I, (P);
    Th. Henner u. G. Wunderle, in: Ll. aus Franken II, 1922 (L);
    Kosch, Kath. Dtld.

  • Portraits

    Bronzeplakette (am Geburtshaus in Aschaffenburg, Badergasse 1), Abb. in: Spessart, Jg. 1958, H. 10, S. 12.

  • Autor/in

    Josef Hasenfuß
  • Empfohlene Zitierweise

    Hasenfuß, Joseph, "Hettinger, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 30-31 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118978330.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hettinger: Franz H., katholischer Theologe, geboren am 13. Januar 1819 in Aschaffenburg, am 26. Januar 1890 in Würzburg. Er besuchte das Gymnasium in seiner Vaterstadt und von 1836—39 die damals dort bestehende philosophisch-theologische Lehranstalt; die Aufhebung der theologischen Section derselben veranlaßte ihn, seit Herbst 1839 seine Studien in Würzburg, fortzusetzen. Auf Veranlassung des Professors und späteren Bischofs Stahl trat er im Herbst 1841 in das deutsche Colleg zu Rom ein, wo er in vier Jahren seine Studien vollendete, am 23. September 1843 die Priesterweihe empfing und 1845 Doctor der Theologie wurde. Eine ausführliche Schilderung dieser Jahre enthält der 1. Band seines Werkes: „Aus Welt u. Kirche“. Nach seiner Heimkehr wurde er zunächst am 3. October 1845 Kaplan in Alzenau. Am 25. October 1847 wurde er vom Bischof als Assistent an das Clericalseminar in Würzburg berufen und am 20. Mai 1852 zum Subregens desselben ernannt. Am 1. Juni 1856 wurde er außerordentlicher, am 16. Mai 1857 ordentlicher Professor der Patrologie und der theologischen Einleitungswissenschaften an der Universität Würzburg; am 1. Januar 1867 übernahm er die Professur der Apologetik und Homiletik mit der Leitung des homiletischen Seminars; seit 1871 hielt er an Stelle des erkrankten Denzinger auch Vorlesungen über Dogmatik, und nach dessen Tode wurde ihm am 16. December 1884 das Ordinariat der Dogmatik übertragen. In den Jahren 1862/63 und 1867/68 bekleidete H. das Rectorat der Universität. 1859 ernannte ihn die Würzburger philosophische Facultät zum Ehrendoctor der Philosophie; 1866 wurde er Ehrenmitglied des Doctoren-Collegiums der theologischen Facultät zu Wien, 1867 Ehrendoctor der Theologie von Löwen, 1885 Ehrenmitglied der Academia religionis catholicae in Rom. 1868 wurde er mit Hergenröther als Consultor zur Vorbereitung des Concils nach Rom berufen. Am 21. November 1879 ernannte ihn Papst Leo XIII. zum päpstlichen Hausprälaten.

    Unter den Vorzügen der schriftstellerischen Arbeiten Hettinger's sind der philosophische Geist, die universale Bildung des Verfassers und die geradezu classische Sprache besonders hervorzuheben. Sein Hauptarbeitsfeld war das der Apologetik, sein Hauptwerk die „Apologie des Christenthums“ (2 Bände in 5 Abthlgn., Freiburg i. B. 1863—67), von welcher während seines Lebens noch fünf weitere Auflagen erschienen (2. Aufl. 1865—67; 3. Aufl. 1867—69; 4. Aufl. 1871—73; 5. Aufl. 1875—80; 6. Aufl. 1885—87; weitere Auflagen gab nach seinem Tode einer seiner Schüler, der Straßburger Professor Eugen Müller heraus: 7. Aufl. 1895—98; 8. Aufl. 1899 f.); ein Werk, das bei seiner allgemein verständlichen Darstellung nicht bloß für Theologen, sondern auch für weitere gebildete Kreise bestimmt ist. Demselben folgte später das strenger fachwissenschaftliche „Lehrbuch der Fundamental-Theologie oder Apologetik“ (2 Theile, Freiburg 1879; 2. Aufl. 1887). Mit Vorliebe beschäftigte sich H. mit Dante; aus seinem Studium desselben gingen die folgenden Schriften hervor: „Grundidee und Charakter der göttlichen Komödie von Dante Alighieri“ (Bonn 1876); „Die Theologie der Göttlichen Komödie des Dante Alighieri in ihren Grundzügen dargestellt“ (Köln 1879); „Die göttliche Komödie des Dante Alighieri nach ihrem wesentlichen Inhalt und Charakter dargestellt. Ein Beitrag zu deren Würdigung und Verständniß“ (Freiburg 1880; 2. Aufl. 1889); „De theologiae speculativae ac mysticae connubio in Dantispraesertimtrilogia“ (Wirceburgi 1882); „Dante und Beatrice“ (Frankfurt 1883); „Dante's Geistesgang“ (Köln 1888). Eine Frucht seiner wiederholten Aufenthalte in Rom und Italien und seiner sonstigen Ferienreisen in verschiedenen Gegenden Deutschlands, Oesterreichs (besonders Tirols), der Schweiz und Frankreichs ist das schöne Werk: „Aus Welt und Kirche. Bilder und Skizzen“ (2 Bde. Freiburg 1885; 2. Aufl. 1887; 3. Aufl. 1893; 4. Aufl. 1897). Die einzelnen Reiseskizzen, aus denen dasselbe großentheils besteht, waren theilweise vorher in verschiedenen Jahrgängen der Historisch-politischen Blätter zuerst erschienen. Von seinen übrigen Schriften (abgesehen von einigen Gelegenheitspredigten) sind noch zu nennen: „Das Priesterthum der katholischen Kirche. Primizpredigten“ (Regensburg 1851; 2. Aufl. herausgegeben von Eugen Müller, 1897); „Die kirchlichen und socialen Zustände von Paris“ (Mainz 1852); „Die Idee der geistlichen Uebungen nach dem Plane des heil. Ignatius von Loyola“ (Regensburg 1853); „Herr, den du liebst, der ist krank. Ein Kranken- und Trostbuch“ (Würzburg 1855; 3. Aufl. 1878); „Die Liturgie der Kirche und die lateinische Sprache“ (Würzburg 1856); „Der Organismus der Universitätswissenschaften und die Stellung der Theologie in demselben“ (Rectoratsrede. Würzburg 1862); „Die Kunst im Christenthum“ (Rectoratsrede. Würzburg 1867); „Die kirchliche Vollgewalt des Apostolischen Stuhles“ (Freiburg 1873; 2. Aufl. 1887); „Der kleine Kempis. Brosamen aus den meist unbekannten Schriften des Thomas von Kempis“ (Freiburg 1874; 2. Aufl. 1900); „David Friedrich Strauß. Ein Lebens- u. Literaturbild“ (Freiburg 1875); „Thomas von Aquin und die europäische Civilisation“ (Frankfurt 1880); „Die 'Krisis des Christenthums', Protestantismus und katholische Kirche“ (Freiburg 1881); „Dreifaches Lehramt. Gedächtnißrede auf den Heimgang des hochw. Herrn Heinrich Joseph Dominicus Denzinger“ (Freiburg 1883); „Aphorismen über Predigt und Prediger“ (Freiburg 1888); erst nach seinem Tode erschien sein letztes Werk: „Timotheus. Briefe an einen jungen Theologen“ (Freiburg 1890; 2. Aufl. besorgt von Albert Ehrhard, 1897; spanische u. englische Uebersetzung Freiburg 1901. 2). Zahlreiche Aufsätze und größere Abhandlungen, zum Theil Vorarbeiten seiner größeren Werke, ließ er ferner in verschiedenen Zeitschriften erscheinen ("Katholik“, „Historisch-politische Blätter“, Würzburger „Katholische Wochenschrift“, Würzburger „Chilianeum", Linzer „Theologisch-praktische Quartalschrift“, „Oesterreichische Vierteljahresschrift f. kath. Theologie“ u. A.).

    • Literatur

      Gedenkblatt an den hochw. Herrn Dr. Franz Ser. Hettinger. Würzburg 1890. (Mit Porträt.) — Renninger, Prälat Hettinger, ein Lebensbild; Katholik 1890, I, S. 385—402. —
      Jahresbericht der Görres-Gesellschaft für 1890, S. 25—29 (Atzberger). —
      Eugen Müller im I. Bd. der von ihm besorgten 7. u. 8. Aufl. der Apologie des Christenthums. — Fr. Kaufmann, Franz Hettinger, Erinnerungen eines dankbaren Schülers. Frankfurt a. M. 1891.

  • Autor/in

    Lauchert.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lauchert, Jakob, "Hettinger, Franz" in: Allgemeine Deutsche Biographie 50 (1905), S. 283-284 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118978330.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA