Lebensdaten
1588 – 1666
Geburtsort
Nürnberg
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Komponist ; Musiktheoretiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 123936993 | OGND | VIAF: 44565819
Namensvarianten
  • Autumnus, Johann Andreas
  • Herbst, Johann Andreas
  • Autumnus, Johann Andreas
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Zitierweise

Herbst, Johann Andreas, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123936993.html [16.06.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Michael, Händler in N.;
    M Ursula (* 1550), T d. Hans Köppel in N.;
    1614 Johanna, T d. Peter Grünenwald, Orgelbauer in N.;
    1 S, 3 T.

  • Biographie

    Über H.s Jugend und musikalische Lehrjahre ist nichts bekannt. 1614 übernahm er die Stellung eines Hofkapellmeisters bei Landgraf Philipp von Butzbach, die er 1619 mit der bei Landgraf Ludwig V. in Darmstadt vertauschte. 1623 wurde er als Director musices und Leiter der Kirchenmusik an die Barfüßerkirche zu Frankfurt/M. berufen und übte dort bald einen beherrschenden Einfluß auf das Musikleben aus. Er ließ das vergrößerte Orchester durch einen besonderen Leiter schulen und gründete einen Kapellchor, den er im modernen italienischen Gesangsstil ausbildete, so daß dieser die mehrchörigen Werke von Gabrieli, Praetorius und Schütz zu Gehör bringen konnte. H. übernahm zwar 1636 das musikalische Amt an der Nürnberger Frauenkirche, kehrte aber 1644 wieder in seine Frankfurter Stellung zurück, da die Auswirkungen des 30jährigen Krieges die Pflege der musica sacra Nürnbergs stark beeinträchtigten. – Der Schwerpunkt von H.s kompositorischem Schaffen liegt auf dem Gebiet der Kirchenmusik. Fühlte er sich anfangs noch stark der Tradition des späten 16. Jahrhundert verpflichtet, das heißt der kontrapunktischen Stimmverflechtung in den Tricinien und der Durchimitation in den Motetten, so ist in seinen Werken der 30er Jahre die zunehmende Rezeption und innere Verarbeitung moderner Stilmittel, vornehmlich die der italienischen Mehrchörigkeit, zu beobachten. Harmoniefüllende Grundlage aller seiner Kompositionen wird jetzt der Generalbaß. Der neue vokale Klangstil, oft durch instrumentale Umrahmungen und Ritornelle bereichert, findet in den großen, dem Frankfurter Rat 1648-51 dedizierten Werken (den Vertonungen des 8., 34. und 107. Psalms) seinen eindrucksvollen Niederschlag. – H.s knapp formulierte und in deutscher Sprache geschriebenen musiktheoretischen Schriften fußen im wesentlichen auf italienischen Vorbildern und auf dem „Syntagma musicum“ des Michael Praetorius. Es handelt sich um Elementar- (Compendium musices, 1652) und Kompositionslehren (Musica poetica, 1643 [P] und Arte prattica e poetica, 1653) sowie um Darstellungen der italienischen Gesangskunst (Musica practica, 1642, erweitert 1653 und 1658; Gründliche Unterweisung uff jetzige Ital. Manier zu singen). Alle diese Lehrbücher sind pädagogisch geschickt abgefaßt und waren im 17. Jahrhundert weit verbreitet.

  • Literatur

    ADB XII;
    W. Nagel, Zur Biogr. d. J. A. H., in: Sammelbde. d. Internat. Musikges. XI, 1909/10;
    A. Allerup, Die „Musica Pratica“ d. J. A. H. u. ihre entwicklungsgeschichtl. Bedeutung, 1931;
    H. H. Eggebrecht, Zum Wort-Ton-Verhältnis in d. „Musica poetica“ v. J. A. H., in: Kongreßber. Hamburg 1956, 1957, S. 77-80;
    W. Stauder, in: MGG VI, Sp. 197-203 (W, L, P: Kupf. v. S. Furck, 1635).

  • Autor/in

    Lothar Hoffmann-Erbrecht
  • Zitierweise

    Hoffmann-Erbrecht, Lothar, "Herbst, Johann Andreas" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 592 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123936993.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Biographie

    Herbst: Johann Andreas H., auch Autumnus genannt, gehörte in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts unter die angesehensten Musiker. Nach seinem 1635 gestochenen Bilde, als Musikdirector in Frankfurt am Main, war er 1588 in Nürnberg geboren. Dort wird er auch seine wissenschaftliche Bildung sich erworben haben, die sich noch um 1613 nur nebenbei auf Musik erstreckte. Unsere bedeutenden Musiker der älteren Zeit waren meist Studirte, welche als Lehrer an höheren Schulanstalten ihren Lebenslauf begannen und erst später Musikdirectoren und Capellmeister wurden, nachdem sie sich einen Ruf als Komponist erworben hatten. So auch H., obgleich man ihm die Thätigkeit im Lehrfache nicht direct nachweisen kann; aber in seiner im Jahre 1613 in Nürnberg herausgegebenen ersten Sammlung deutscher Lieder zu 5 Stimmen (Exemplar auf der königl. Bibliothek zu Berlin) spricht er in der Dedication an die Herzöge von Württemberg über seine musikalischen Leistungen in einem sehr bescheidenen Tone: er möchte dieselben nicht denen der bekannten Musiker gleichgestellt sehen, sondern nur als einen Versuch in der Composition. Danach möchte man also schließen, daß er damals noch nicht Musiker vom Fache war. Dennoch beweist der auf der Rückseite des Titelblattes befindliche Canon zu 4 Stimmen, daß H. in den Künsten des strengen Contrapunktes wohl erfahren ist. Ums J. 1619 bezeichnet er sich dann aber auf dem Titel eines Hochzeitsgesanges (königl. Bibliothek zu Berlin) als einen Musiker in Nürnberg und auf einem Gesange zum neuen Jahre, den Bürgermeistern in Frankfurt a. M. 1621 gewidmet, lesen wir, daß er die Stellung eines Capellmeisters beim Landgrafen zu Darmstadt angetreten hat (Exemplar ebendas.). Auf einem anderen Neujahrsgesange aus dem J. 1637 ersehen wir, daß er städtischer Kapellmeister in Nürnberg geworden ist. Hier scheint er sich mehr der Lehrthätigkeit im Musikfache gewidmet zu haben, denn seit 1642 gab er eine Reihe theoretischer Werke heraus, die in wiederholten Auflagen bis 1653 erschienen, während von Compositionen nur noch eine Reihe mehrstimmiger Kirchenlieder bekannt sind, deren v. Winterfeld im 2. Bande seines evangelischen Kirchengesanges (Beilg. S. 5 ff.) vier veröffentlicht und andere vier Schöberlein im Schatz des liturgischen Chor- und Gemeindegesangs. Um 1653 war er städtischer Kapellmeister in Frankfurt a. M. und lebte noch um 1660. Seine Verdienste sind weniger in seinen Compositionen zu suchen, als in seinem regen und strebsamen Wirken für die Kunst, hier als Lehrer, dort als Dirigent. Ueber seine Lehrthätigkeit gibt ein Artikel in den Monatsheften für Musikgeschichte 1878 S. 100 Auskunft (die in den Lexika's angegebenen von den obigen abweichenden Daten beruhen auf Irrthümern).

  • Autor/in

    Rob. Eitner.
  • Zitierweise

    Eitner, Robert, "Herbst, Johann Andreas" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 50 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123936993.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA