Lebensdaten
1470 bis 1552
Geburtsort
Straßburg (Elsaß)
Sterbeort
Basel
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
katholisch,reformierter Sohn
Normdaten
GND: 11889434X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Herbster, Hans
  • Herbst, Hans
  • Herbster, Hans
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Zitierweise

Herbst, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11889434X.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Handelsmann in St.;
    M N. N.;
    1) wohl Basel vor 1497 Anna Dyg ( wohl 1503), 2) Basel wohl 1504 Barbara Lupfrid; Schwager Hans Dyg (um 1470–1528/29), Maler in Zürich (s. ThB);
    2 K aus 1), 2 S, 3 T aus 2), u. a. Johannes Oporinus ( 1568), Graezist, Drucker, Christine ( 1] Leonh. Zwinger, Kürschnermeister in B., 2] Conrad Lycosthenes, 1518–61, Prof. in B., Humanist);
    E Theodor Zwinger (1533–88), Prof. d. Med. in B., Humanist (s. ADB 45).

  • Leben

    H. ergriff gegen den Willen des Vaters den Malerberuf und erhielt seine Ausbildung zuerst in seiner Heimat, wohl in Schongauers Schule, und später, durch den Zorn des Vaters zum Auszug aus Straßburg veranlaßt, in Süddeutschland. Seine frühe Malweise entsprach vermutlich einer Synthese von oberrheinischer und süddeutscher Spätgotik, am ehesten derjenigen von Hans Holbein der Ältere Neben dem traditionellen Stil, der sich auf Schongauer gründet, zeigte er sich den neuen aus Italien kommenden Einflüssen aufgeschlossen.

    Kurz vor 1492 ließ sich H. in Basel nieder und wurde 1492 durch seine Aufnahme als Meister in die Himmelzunft Stadtbürger (Stubenmeister der Himmelzunft 1496, 1507, 1514, 1521). Wehrdienst im Kontingent seiner Zunft leistete er 1512 (Pavierzug), 1515 (Marignano und Mailand, vielleicht durch einen Vertreter). Als streitbarer Mann kommt H. in verschiedenen Gerichtsakten von 1502-31 vor. Gegen die Einführung der Reformation scheint er sich hartnäckig gewehrt zu haben. Das Abendmahl in beiderlei Gestalt verschmähte er und mußte zur „christlichen Musterung“ antreten, an der er sich widerspenstig zeigte; er wurde eingekerkert und unter Androhung des Schwertes zum öffentlichen Widerruf (1530) gezwungen. Als Altarmaler hatte er vor allem wirtschaftliche, aber wohl auch religiöse Gründe zu seiner antireformatorischen Einstellung. Man benachteiligte ihn später nicht, denn er erhielt von der Stadt auch nach 1530 kleinere Aufträge. Neben seinen Zunftämtern versah er auf eigene Bewerbung hin seit 1525 das städtische Sinschreiberamt (Eichmeisterei). 1547 wird er in einer Straßburger Urkunde erwähnt. Er starb 1552 an der Pest.

    Die Tätigkeit H.s als Maler in Basel ist durch private, einen klösterlichen und mehrere städtische Aufträge belegt. 1502 malte er den Grabstein für Hans Bär der Ältere, 1515 eine Tischplatte für Hans Bär der Jüngere (als einziges gesichertes Werk erhalten in Zürich, Schweizer. Landesmus.), schuf 1518 die Malerei und Fassung des von Martin Hoffmann geschnitzten Hauptaltars des Dominikanerinnenklosters Maria Magdalena in den Steinen zu Basel und malte 1523 die Hinter- und Vorderfassade des Hauses zum Falken, 1526 das Bläsitor. Weitere Aufträge beziehen sich auf das Bemalen von Türmen, Schilden, Schießscheiben, Fahnenstangen, Leuchterweibchen u. ä. – Zum persönlichen Bekanntenkreis H.s in Basel gehörten Ambrosius Holbein (1516), Hans Holbein (durch gemeinsame Einträge in den Akten der Himmelzunft), Hans Dyg, H.s Schwager, die Brüder Franz Bär und Bannerherr Hans Bär. Als gebildeter und schreibgewandter Mann verkehrte H. zusammen mit seinem gelehrten Sohn Johann Oporin in Universitätskreisen. Es ist anzunehmen, daß er jahrelang einen bedeutenden Anteil an der Basler Buchillustration um 1500 genommen hat. Die Meinung, H. habe die Brüder Holbein in ihrer ersten Basler Zeit als Meister – vielleicht auf Empfehlung ihres Vaters – betreut und aufgenommen, hat manches für sich, läßt sich aber nicht belegen.

    Den Eindruck einer stark diesseitig gerichteten Kunst erweckt die von H. doppelt signierte Tischplatte für Hans Bär von 1515 in Zürich. Diese bis 1966 Hans Holbein der Jüngere wegen einer falsch interpretierten Signatur als Basler Erstlingswerk zugewiesene Meisterleistung erweist H. als humorvollen, geistreichen und erzählerisch begabten, dem humanistischen Realismus verpflichteten Maler von überdurchschnittlichem Können. Die elegant durchkomponierte Platte zeigt in der Mittelpartie zwei volkstümliche Figuren, den „Nemo“ und den von Affen beraubten schlafenden Krämer, in den Randpartien Turniere und symbolische Jagdszenen. Die allen technischen und malerischen Problemen gewachsene Fertigkeit läßt die Zuweisung des Werks an den jüngeren Holbein verständlich erscheinen, obwohl sein Gehalt einen gereiften Menschen voraussetzt. Der Tischplatte stilistisch und inhaltlich verwandt sind die|Randzeichnungen zum „Lob der Torheit“ des Erasmus, zumindest die breitfedrige, derbere Gruppe. Könnte man sich entschließen, diese Zeichnungen an H. zu weisen, würde die Anwesenheit Holbeins in Basel vor Anfang 1516 neuerdings in Frage gestellt. Leider ist bis heute kein kirchliches Werk von H. gesichert, so daß man sich bei Zuweisungen in dieser Richtung an die Tischplatte als Vergleichsobjekt halten muß. – Am nächsten stehen seiner Manier einige bisher ebenfalls Hans Holbein der Jüngere zugeschriebene und zwischen 1515-17 liegende Arbeiten. Es ist vor allem die Karlsruher Kreuzschleppung (bezeichnet HH 1515), ferner die Leinwandpassion in Basel (erhalten 5 Teile von 16), die aber von François Maurer (1966) wohl mit Recht mit Hans Dyg in Verbindung gebracht wird. Daneben fallen für H. in Betracht das Darmstädter Jünglingsbildnis (bezeichnet HH 1515), das Basler Jünglingsbild (Inv. 953), die arabisch datierte Seite der Schulmeistertafel, Adam und Eva. Die Autorität der Amerbachschen Inventare wird damit teilweise in Zweifel gezogen. H. nahe stehen die Holbeinzeichnungen Ganz Nummer 103 (Kreuztragung), 104 (Sitzende Madonna, signiert wie die Karlsruher Kreuzschleppung), auch 183 (Scheibenriß mit 3 Bauern) und Nummer 22 u. 23 der „Handzeichnungen Schweizer. Meister des XV.-XVIII. Jahrhundert“ von P. Ganz (Band 1). H. zuzuweisen wären auch die 1966 im abgerissenen Haus Spalenberg 5 entdeckten Wandgemälde (Schicht mit 2 Putten, Vase und Pflanzenvoluten), die ganz in A. Holbeins Manier gehalten sind. Zu erwähnen sind ferner die (nicht erhaltenen) Vorzeichnungen zu den Wappenscheiben in der Stube des Kleinen Rats im Rathaus (Fragmente im Historisches Museum Basel), ein mit HH 1527 (?) bezeichnetes Hausaltärchen, das heilig Königspaar Heinrich und Kunigunde vorstellend (Privatbesitz W. Hack, Köln), und eine Geburt Christi im Benediktinerkloster Sankt Paul im Lavanttal (Kärnten). Einer eingehenden Untersuchung müßten einige Wandmalereien des beginnenden 16. Jahrhundert in Basel unterzogen werden.

    Kaum in Frage kommen das sogenannte(r) Herbsterbildnis (wohl von A. Holbein), die zu feine Silberstiftzeichnung mit Jünglingskopf (signiert HH, Kupf.kab. Basel), sicher nicht das Altarblatt im Ratssaal von Oberehnheim (signiert hh 1508, Hans Hitz?) und die Wandmalereien in der Johanniterkapelle in Mülhausen i. E. (Kilian Maeder?). Die übrigen in Erwägung gezogenen Werke bei Thieme-Becker scheinen alle wegzufallen, ebenso die von A. Stange in der „Weltkunst“ (1965, S. 1197) für H. in Anspruch genommenen Portraits. Eine Tätigkeit als Portraitist läßt sich für H. nach den Charakterköpfen auf der Zürcher Tischplatte bloß vermuten. Abzuklären bleibt vor allem das Verhältnis zu Ambrosius Holbein, auch zu dem Sigmund Holbein zugewiesenen Werk. Mit diesen Meistern scheint H. mehr gemeinsam zu haben als mit Hans Holbein der Jüngere

  • Literatur

    L. A. Burckhardt, Notizen üb. Kunst u. Künstler zu Basel, 1841, S. 16, 27, 42 f.;
    Anz. f. Kunde d. dt. Vorzeit NF 13, 1866, Sp. 272-74 (Vertrag f. Altar v. 1518);
    Rep. f. Kunstwiss. 2, 1879, S. 157-59 (christliche Musterung 1530);
    A. Seyboth, ebd. 15, 1892, S. 39;
    B. Harms, Der Stadthaushalt Basels im ausgehenden Mittelalter, 1. Abt., Bd. 3, 1913, S. 386, 389;
    H. Rott, Qu. u. Forschungen z. südwestdt. u. schweizer. Kunstgesch. im XV. u. XVI. Jh., Bd. 3: Der Oberrhein. Qu. II (Schweiz), 1936, S. 49-51, 58, 61, 98;
    Aktenslg. z. Gesch. d. Basler Ref. 4, 1941, S. 492, 508 f. - Zur Zürcher Tischplatte: [F.] S. Voegelin, Der Holbeintisch, 1878;
    H. Kohlhaußen, in: German. Nat.mus., Anz., 1936-39, S. 12 ff.;
    P. Ganz, H. Holbein, Die Gemälde, 1950, Tafel 192-95, S. 244 f.;
    ders., in: Zs. f. schweizer. Archäologie u. Kunstgeseh. 11, 1950, S. 40 ff.;
    Die Weltkunst 36, 1966, S. 738;
    L. H. Wüthrich, in: Neue Zürcher Ztg. Nr. 3196 v. 24.7.1966;
    ders., in: The Connoisseur No. 662, London 1967 (Abb. d. Tischplatte). -Aligemeines: Th. Zwinger, Theatrum humanae Vitae 20, Basel 1604, S. 3701;
    D. Burckhardt, Die Schule M. Schongauers am Oberrhein, Diss. Basel 1888, S. 115 ff.;
    [H.] A. Schmid. Holbein d. J. Entwicklung 1515–26, I, 1892;
    B. Haendcke, Die Schweizer. Malerei im XVI. Jh., 1893, S. 8 ff.;
    Ber. d. Gottfried Keller-Stiftung, 1899, S. 9 f.;
    dass., 1917, S. 8;
    W. Hes, Ambrosius Holbein, = Stud. z. dt. Kunstgeseh. 145, 1911, S. 8, 16, 144 f.;
    A. B. Chamberlain, H. Holbein I, London 1913, S. 39, 58, 61 f.;
    R. Wackernagel, Gesch. d. Stadt Basel III, 1924, S. 276;
    H. A. Schmid, Erasmi Roterodami Encomium Moriae, Basler Ausg. v. 1515, II Text, 1931, S. 46 (Abb.), 47-51;
    Die Kunstdenkmäler d. Schweiz, Basel I, 1932, S. 349, 491, Basel IV, 1961, S. 126-29, 308, Basel V, 1966, S. 20, 454;
    P. L. Ganz, Die Miniaturen d. Basler Univ.matrikel, 1960, S. 45;
    Die Malerfam. Holbein in Basel, Ausstellung im Kunstmus. Basel, 1960, S. 23, 25 ff., 127 ff., 167 f., 170, 172, 217, 221, 225, 350;
    L. Lang, in: Gazette des Beaux-Arts 6. F. 64, Paris 1961;
    ders., in: Bull, du Musée hist. de Mulhouse 69, 1961, S. 96 ff.;
    Jb. d. Bern. Hist. Mus. 1963/64, [1966], S. 52, 148 f.;
    A. Stange, in: Die Weltkunst 35, 1965, S. 1197;
    G. Schmidt u. A. M. Cetto, Schweizer Malerei u. Zeichnung im 15. u. 16. Jh., Basel o. J., S. XXXI;
    SKL u. ThB (falsche Lebensdaten).|

  • Quellen

    Qu.: Staatsarchiv Basel-Stadt (teilweise angegeben in ThB).

  • Portraits

    (?) Das sog. Herbsterporträt (wohl v. Ambrosius Holbein) Basel (Öffentl. Kunstslg.), Abb. in: Die Malerfam. Holbein in Basel, 1960, Abb. 37;
    Wappen: Wappenbuch d. Stadt Basel, hrsg. v. W. R. Staehelin, o. J., 1. T., 1. Folge, Bl. 9.

  • Autor/in

    Lucas Heinrich Wüthrich
  • Empfohlene Zitierweise

    Wüthrich, Lucas, "Herbst, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 590 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11889434X.html#ndbcontent

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