Lebensdaten
1581 bis 1643
Geburtsort
Darmstadt
Sterbeort
Butzbach
Beruf/Funktion
Landgraf von Hessen-Butzbach
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 115864660 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Philipp von Hessen-Butzbach
  • Philipp III.
  • Philipp III.
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Philipp III., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd115864660.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Georg I. (1547–96), Lgf. v. H.-Darmstadt (s. NDB VI), S d. Philipp I. (1504–67), Lgf. v. H. (s. NDB 20), u. d. Christine, Hzgn. v. Sachsen (1505–49);
    M Magdalena, (1552-87), T d. Bernhard VIII. (1527–63), Gf. zur Lippe; 6 überlebende Geschw, u. a. Ludwig V. (1577–1626), Lgf. v. H.-Darmstadt (s. NDB 15), Friedrich (1585–1638), Lgf. v. H.-Homburg;
    1) Darmstadt 1610 Anna Margareta (1580–1629), T d. Friedrich II. Gf. v. Diepholz ( 1585), u. d. Anastasia Gfn. v. Waldeck ( 1582), 2) Aurich 1632 Christine Sophie (1600–58), T d. Enno III. Gf. v. Ostfriesland (1563–1625), u. d. Anna Hzgn. v. Holstein-Gottorf (1573–1610); kinderlos.

  • Leben

    P. wurde seit 1587 von Wilhelm Buch und in den 1590er Jahren von Johannes Mylius unterrichtet. 1600-02 besuchte er auf einer Bildungsreise mit seinem jüngeren Bruder Frankreich und Flandern und bereiste bis 1608 Italien, Ungarn, Spanien und wiederum Frankreich. Trotz anderer Verfügung des Vaters wurde durch das hessen-darmstädt. Erbstatut 1606 die Primogenitur zugunsten von Lgf. Ludwig V. eingeführt, wobei die jüngeren Brüder mit hohen Leibrenten abgefunden wurden. Später wurden ihnen kleinere Landesteile bei weiterbestehender Oberhoheit Ludwigs V. übertragen und die Leibrenten entsprechend vermindert. P. erhielt 1609 den hess. Anteil an der Stadt Butzbach und das gleichnamige Amt. Dazu kamen u. a. 1636 der Solmser Anteil der Stadt, 1639 die Herrschaft Itter und 1641 das Amt Niederweisel. Mit P.s Tod fiel das gesamte Territorium an Hessen-Darmstadt zurück. Durch seinen strengen luth. Glauben vertiefte er die Auseinandersetzung zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt um die Marburger Erbschaft.

    P. ließ nach einem Brand 1609 durch den Darmstädter Baumeister Jakob Wüstmann das Schloß in Butzbach wiedererrichten, das wegen seiner Ausmalung u. a. von Philipp Uffenbach und Konrad Mantius und wegen seines Lustgartens mit Brunnenkunst berühmt war. Außerdem ließ er Schloß Philippseck als Landsitz und Fluchtburg anlegen. Er richtete eine Kantorei in Butzbach ein und beschäftigte fähige Kapellmeister wie Johann Georg Schott und Johann Andreas Herbst (Autumnus). P. ging vielfältigen wissenschaftlichen und künstlerischen Interessen nach. Neben Französisch, Italienisch und Spanisch, das er auf seinen Reisen erlernt hatte, betrieb er Latein, Griechisch und Hebräisch. Dazu kam ein starkes Interesse an Mathematik, Astronomie, Medizin und Alchemie. Galilei war er in Italien begegnet, Johannes Kepler besuchte P. mehrfach in Butzbach. Mit Johannes Faulhaber in Ulm stand er in brieflichem Kontakt. 1621 stellte P. Daniel Mögling (1596–1635) als Leibarzt ein. Er baute eine umfangreiche Bibliothek und eine Sammlung astronomischer Instrumente auf und ließ einen Himmelsglobus anfertigen.

  • Literatur

    ADB 26;
    Ph. Walther, Lgf. Wilhelm v. H. gen. d. Dritte od. auch v. Butzbach, in: Archiv f. hess. Gesch. 11, 1866, S. 269-403;
    W. Diehl, P., Lgf. v. H.-B., 1909 (P);
    ders., Lgf. P. v. B., Seine Bauten u. seine Studien, 1922 (P);
    S. Rösch, Lgf. P. III. v. H.-B. u. Johannes Kepler, in: Wetterauer Gesch.bll. 24, 1975, S. 99-108.

  • Portraits

    Ölgem. auf Kupfer, um 1635, Abb. in: Die Miniaturenslg. … d. Ghzg. Ernst Ludwig v. H. u. b. Rhein, 1917, Tafel 19, Abb. 54;
    M. Merian, Theatrum Europaeum V, 1643-47, S. 74.

  • Autor/in

    Katharina Schaal
  • Empfohlene Zitierweise

    Schaal, Katharina, "Philipp III." in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 379 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115864660.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Philipp (III.), Landgraf von Hessen, dritter Sohn des Landgrafen Georg I. von Hessen-Darmstadt aus dessen erster Ehe mit Magdalene, geborner Gräfin zur Lippe, geb. zu Darmstadt am 26. December 1581. zu Butzbach am 28. April 1643, beigesetzt in der Stadtkirche daselbst am 10. August 1643. Er erhielt, gleich seinen Brüdern, eine sehr sorgfältige Erziehung. Einer seiner Lehrer, Wilhelm Buch, sagt von dem Knaben: „Ist alle Zeit still und gedultig gewessen, hat allewege sauer und ernsthafftig ins geloch gesähen.“ In seinem neunzehnten Jahre (1600) wurde er zu seiner weiteren Ausbildung auf Reisen geschickt, an welchen er solchen Gefallen fand, daß er bis zum Jahr 1608 fast immer in fremden Ländern war. Er bereiste, zum Theil wiederholt, Frankreich, die Niederlande, Italien und Spanien, sah einen Theil von Ungarn, Oesterreich und Böhmen. Dabei bekundete er überall regen Sinn für die Merkwürdigkeiten der großen Städte und die Landessprachen und suchte die Bekanntschaft bedeutender Männer. Durch Vertrag vom 21. März 1609 räumte ihm sein älterer Bruder Ludwig den hessischen Antheil an Stadt und Amt Butzbach gegen einen Abzug von 6000 Gulden an dem ihm überwiesenen Deputat von 24 000 Gulden ein. Am 29. Juli 1610 vermählte er sich zu Darmstadt mit Anna Margaretha, Tochter des letzten Grafen von Diepholz. Sie starb, ohne ihm Kinder zu hinterlassen, am 9. August 1629 zu Butzbach, worauf er sich am 2. Juni 1632 zu Aurich mit Christine Sophie, geborner Gräfin von Ostfriesland, wieder verheirathete. Auch diese Ehe blieb kinderlos. Nach Abschluß des erwähnten Vertrages von 1609 nahm er seinen ständigen Aufenthalt zu Butzbach, wo er das 1603 abgebrannte Schloß (jetzt Kaserne) wieder aufbaute, mancherlei in der Fremde Gesehenes dabei verwerthend. Auch einen schönen Lustgarten mit einem kunstreichen Wasserwerk legte er hinter dem Schlosse an. Ein merkwürdiger Bau, zu welchem er selbst den Plan entwarf, war das 1625—1628 errichtete Schloß Philippseck bei Münster, unweit Butzbach. Es bildete ein gleichseitiges Dreieck, in der Mitte jeder Seite sprang ein Querbau vor. 1773 wurde es, weil die Unterhaltungskosten zu groß waren, leider abgebrochen. In der Nähe betrieb er, doch mit schlechtem Erfolg, ein Silberbergwerk und legte Weinberge an. Das alles ist längst wieder verschwunden. Auch die Kirchen zu Münster und zu Holzheim hat er erbaut. P. beschäftigte sich viel mit Physik und Astronomie; zu Galilei und Kepler unterhielt er Beziehungen. Er soll acht Sprachen verstanden haben. Das Hebräische beherrschte er so weit, daß er eine wörtliche Uebersetzung der Bibel unternehmen konnte. Er besaß eine stattliche Bibliothek von fast 3000 Bänden, die jetzt einen Bestandtheil der Hofbibliothek zu Darmstadt bildet. Seine mathematischen und astronomischen Instrumente fielen der Universität Gießen zu, sind|aber nicht mehr vorhanden. Auch für Musik und Malerei besaß er Verständniß, hielt eine Capelle und einen Hofmaler. Zeitgenossen rühmen seine Frömmigkeit und Gerechtigkeitsliebe und tadeln nur seinen vom Vater ererbten Jähzorn. Er starb, nachdem er schon längere Zeit leidend gewesen war, an Brandwunden, welche er sich bei einem Schweißbade aus heißen, mit Spiritus übergossenen Backsteinen zugezogen hatte. Ein Bild von ihm ist dem unten erwähnten Monumentum exequiale beigegeben.

    • Literatur

      Correspondenzen im Großherzogl. Hausarchive zu Darmstadt. — Wilhelm Buchs handschriftliche hessische Chronik ebenda. —
      M. Erythropilus, Monumentum exequiale, d. i. eine christl. Leich-, Trauer- und Trostpredigt bei der fürstl. Begräbuuß ... Herrn Philippsen deß dritten, Landgraven zu Hessen .... Franckf. a. M. 1647. 4°. S. 89—120. —
      Walther im Archiv f. Hess. Gesch. u. Alterthumskunde XI, S. 269—403. — Ueber Schloß Philippseck Günther im genannten Archiv VI, S. 401—412.

  • Autor/in

    Arthur Wyß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wyß, Arthur, "Philipp III." in: Allgemeine Deutsche Biographie 26 (1888), S. 1-2 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115864660.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA