Lebensdaten
um 1000 bis wohl vor 1046
Beruf/Funktion
Gräfin von Ballenstedt ; Markgräfin von Meißen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 120330601 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Uta von Naumburg
  • Uta von Ballenstedt
  • Uta
  • mehr

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Zitierweise

Uta, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120330601.html [15.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V wohl Adalbert, Gf. v. Ballenstedt;
    M wohl Hidda, T d. Hodo I., Mgf. d. Lausitz ( 993, s. ADB XII);
    B wohl Esico, Gf. v Ballenstedt, Schw wohl Hazecha, Äbtissin v. Gernrode;
    – ⚭ Ekkehard II., Mgf. v. Meißen (um 985–1046, s. NDB IV); kinderlos.

  • Leben

    U. wird erstmals 1249 in einer gemeinsam von Bf. Dietrich II. (reg. 1242–72) und dem Domkapitel von Naumburg ausgestellten Urkunde genannt. Sie erscheint hier als „marchionissa“ neben Mgf. Ekkehard II. von Meißen und neun weiteren männlichen und weiblichen Vertretern des thür.-sächs. Adels aus dem 11. Jh. unter den „primi fundatores – also den Erststiftern – der Naumburger Domkirche. Zeitgenössische Quellen, die über U. bzw. ihr Leben Auskunft geben könnten, fehlen; in den zahlreichen original oder abschriftlich erhaltenen Schenkungsurkunden, die die reiche Stiftertätigkeit der ekkehardinischen Markgrafen von Meißen für die Naumburger Domkirche belegen, wird U. nicht namentlich aufgeführt. Alle Angaben zur familiären Herkunft basieren auf den Ausführungen des um 1570 am Stift Gernode schreibenden Pastors Andreas Popperod sowie auf Hypothesen der historischen Forschung. Nach Ausweis von nekrologischen Quellen starb sie am 23. Okt. wohl vor 1046 und wurde, anders als ihr in der Grablege der Ekkehardiner im Naumburger Georgenkloster beigesetzter Gemahl, in der Naumburger Domkirche vor dem Kreuzaltar begraben.

    Zwei Jahrhunderte später wurden im Zuge eines komplexen theologisch und politisch-juridisch motivierten Programms bei der Errichtung des Westchors der Naumburger Domkirche zwischen 1243 und 1249 zwölf lebensgroße Stifterfiguren vom sog. „Naumburger Meister“ und seiner Werkstatt geschaffen. Unter diesen nehmen die sich im Chorquadrum gegenüberstehenden ekkehardinischen Markgrafenpaare Hermann ( 1038) und Reglindis (um 989–um 1016) sowie Ekkehard II. und U. die wichtigsten Positionen ein. Aufgrund ihrer Lebensnähe, ihrer weitgehend erhaltenen Polychromie, der Wiedergabe von Affekten und Mimik, der realistischen Darstellung von Kleidung, Bewaffnung und Schmuck gehören die Naumburger Figuren zu den bedeutendsten Werken der hochmittelalterlichen Skulptur in Deutschland.

    Die Figur der U. erfuhr dabei eine einzigartige und vielgestaltige Rezeptionsgeschichte. Nach einer ersten Monographie 1822, die der Naumburger Landrat und Altertumsforscher Carl Peter Lepsius (1775–1853) verfaßte, erschienen zahlreiche weitere kunsthistorische und historische Arbeiten, u. a. von August Schmarsow (1853–1936), Heinrich Bergner (1865–1918) und Wilhelm Pinder (1878– 1947).

    Insbesondere durch die Photographien des Naumburger Photographen Walter Hege (1893–1955) verstand man U. seit den 1920er Jahren als Ikone, die kurz darauf während des Nationalsozialismus zum Idealbild der dt. Frau stilisiert wurde. Als solche wurde sie 1937 in der Ausstellung „Entartete Kunst“ Werken von Otto Dix, Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff und Werner Scholz gegenübergestellt; Romane, Theaterstücke und Filme entstanden (u. a. „Die steinernen Wunder von Naumburg“, 1932, Drehbuch, Regie u. Co-Produktion Rudolf Bamberger). Später wurde U. als Schutzpatronin der Frontsoldaten instrumentalisiert. Möglicherweise diente sie Walt Disney als Vorlage für seine Gestaltung der „bösen Königin“ in dem Zeichentrickfilm „Snow White and the Seven Dwarfs“ (1937, dt. UA u. d. T. „Schneewittchen und die sieben Zwerge“, 1950). In Zeiten des Kalten Krieges und der dt. Teilung figurierte U. als Symbol der Einheit Deutschlands. Zuletzt erfuhr sie im Rahmen der Ausstellung „Der Naumburger Meister“ (2011) mit der Gesamtheit des Naumburger Zyklus eine umfassende Würdigung als hervorragendes Beispiel für den west-östlichen Kulturtransfer und die Einheit der europ. Kultur des Hochmittelalters insgesamt.

  • Quellen

    Qu A. Popperod, Annales Gernrodenses, in: J. Ch. Beckmann, Accessiones Historiae Anhaltinae, 1716, S. 41; Urk.b. d. Hochstifts Naumburg, T. 2, 1207–1304, hg. v. H. K. Schulze, bearb. v. H. Patze u. J. Dolle, 2000, Nr. 236; H. Kunde, Einkünfte u. Servitienverz. d. Naumburger Dompropstes, in: Der|Naumburger Domschatz, Sakrale Kostbarkeiten im Domschatzgewölbe, hg. v. dems., 2006, S. 65–67; M. Ludwig, Nekrologauszüge aus Johann Zaders Naumburg-Zeitzischer Stiftschronik, in: Der Naumburger Meister, Bildhauer u. Architekt im Europa d. Kathedralen, Ausst.kat. hg. v. H. Krohm u. H. Kunde, Bd. 1, 2011, S. 780–84; – zur Rezeptionsgesch.: C. P. Lepsius, Über das Alterthum u. die Stifter d. Doms zu Naumburg u. deren Statuen im westl. Chor, 1822; A. Schmarsow, Die Bildwerke d. Naumburger Doms, 1892; H. Bergner, Beschreibende Darst. d. älteren Bau- u. Kunstdenkmäler d. Stadt Naumburg, 1903, Nachdr. 2001; Der Naumburger Dom u. seine Bildwerke, aufgenommen v. W. Hege, beschrieben v. W. Pinder, 1925.

  • Literatur

    L G. Rupp, Die Ekkehardiner, Markgrafen v. Meißen, u. ihre Beziehungen z. Reich u. zu d. Piasten, 1996, S. 151 u. 178;
    L. Partenheimer, Albrecht d. Bär, Gründer d. Mark Brandenburg u. d. Fst. Anhalt, 2001, S. 22 u. 207;
    W. Ullrich, U. v. N., Eine dt. Ikone, 2005 (auch z. Rezeption, Abb.);
    J.-F. Dwars, Fortgesetzte Spiegelungen, Kontinuitäten u. Brüche in d. Rezeptionsgesch. d. Naumburger Meisters, in: Der Naumburger Meister, Ausst.kat., Bd. 1, 2011, S. 43–64 (Abb.);
    C. Kunde u. V. V. Filip, Das Instrumentarium d. „ersten Stifter“, Physiognomie, Gebärden, Bekleidung, Schmuck, Waffen, ebd., Bd. 2, 2011, S. 973–97;
    M. Imhof u. H. Kunde, U. v. N., 2011 (Abb.)

  • Autor/in

    Holger Kunde
  • Empfohlene Zitierweise

    Kunde, Holger, "Uta" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 679-680 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120330601.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA