Wischnewski, Siegfried

Lebensdaten
1922 – 1989
Geburtsort
Saborowen (Zaborowo, Ostpreußen)
Sterbeort
Königswinter/Rhein
Beruf/Funktion
Schauspieler
Konfession
-
Namensvarianten

  • Wischnewski, Siegfried

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Zitierweise

Wischnewski, Siegfried, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz142908.html [15.02.2026].

CC0

  • Wischnewski, Siegfried

    | Schauspieler, * 15.4.1922 Saborowen (Zaborowo, Ostpreußen), † 24.1.1989 Königswinter/Rhein, ⚰ Königswinter/Rhein, Friedhof im Stadtteil Oberpleis.

  • Genealogie

    V N. N., Landarb.;
    M N. N.;
    1948 1956 erneut 1963 Trude Suzanne Ritter, Schausp. (s. BiografiA);
    1 S Alexander (* 1948), Journ.

  • Biographie

    W., der das Arndt-Gymnasium in Berlin-Dahlem besuchte, machte bereits als Schüler erste Schauspielerfahrungen. Nach dem Abitur 1940 schlug er jedoch eine Offizierslaufbahn bei der Marine ein und brachte es zum Rang eines Oberbootsmanns. Ohne eine Schauspielausbildung erhalten zu haben, debütierte er 1946 am Theater in Lüneburg als junger Tempelherr in einer Aufführung von Lessings „Nathan der Weise“. Es folgten Engagements an den Theatern in Lübeck (1948–50), Kiel (1950–52), Darmstadt (1952–54 u. 1962–63), Wiesbaden (1954), als Gast in Düsseldorf und Berlin, Köln (1965–1968) und Basel (1968–71). Als freier Schauspieler brillierte er u. a. 1969 am Hamburger Thalia-Theater in der dt. Uraufführung von Tennessee Williams’ Schauspiel „Königreich auf Erden“ in der Inszenierung von Douglas Sirk (1897–1987) und mehrfach in der titelgebenden Rolle in George Bernard Shaws Komödie für Puritaner „Kapitän Brassbounds Bekehrung“, die mit W. 1967 von Wolfgang Glück (* 1929) auch für das Fernsehen eingerichtet wurde.

    W.s erste Entfaltungsmöglichkeit in dem neuen Medium lieferte der Odysseus in dem Fernsehspiel „Ein Opfer für den Wind“ (1954, Regie Rudolph Cartier). Mit seiner auch enormen körperlichen Präsenz übernahm W. in den 1950er und 60er Jahren zunächst zahlreiche kleine und mittlere Rollen in Literaturverfilmungen klassischer Stoffe, etwa den Boris Annenkow in der Camus-Adaption „Die Gerechten“ (1959, Regie Rolf Hädrich), in den Ionesco-Stücken „Die Nashörner“ als Logiker (1961, Regie Gustav Rudolf Sellner) und in „Die kahle Sängerin“ als Mr. Martin (1961, Regie Sylvain Dhomme), als Prinz Escalus in Shakespeares „Romeo und Julia“ (1964, Regie Gerhard Klingenberg) und zweimal als Sultan Saladin in Lessings „Nathan der Weise“ (1967 Regie Franz Peter Wirth, 1979 Oswald Döpke). Hauptrollen spielte er u. a. in „Friede den Hütten! Krieg den Palästen“ nach Kasimir Edschmid (1970, Regie Gerhard Klingenberg) und in „Wunnigel“ nach Wilhelm|Raabe (1978, Regie Oswald Döpke). Daneben wurde W. häufig in Spionage- und Kriminalfilmen eingesetzt, etwa als sowjet. Generalmajor Samjatin in der Serie „Oberst Wennerström“ (Regie Helmuth Ashley) oder als Inspektor Trueman in der Serie „Tim Frazer. Der Fall Salinger“ (1963/64, Regie Hans Quest), als Inspektor Cameron in dem Dreiteiler „Melissa“ (1965/66, Regie Paul May), beide nach Vorlagen von Francis Durbridge, sowie als Titelheld in der Vorabendserie „Privatdetektiv Frank Kross“.

    W.s auf den ersten Blick etwas verschlossene Spielweise, seine untersetzte Statur, unterstützt von einer hart-spröden Diktion und dem Hang, die Endsilben zu betonen, konturierten nachdrücklich die Protagonisten, die er verkörperte. Stets umgab ihn eine gewisse Distanz, die ihm im Ensemble einen eigenen Rang zuwies. Doch konnte W. sein Spiel auch ironisch brechen und mit listiger Laune aufhellen – als tatkräftiger, aber erfolgloser Bürgermeister Gareis in der von Egon Monk (1927–2007) inszenierten mehrteiligen Fallada-Adaption „Bauern, Bonzen und Bomben“ (1972) oder als verschroben knurriger, ins Tyrannische schlagender Pferdehändler Gustav Krause in der Verfilmung des Volksstücks „Seine Majestät Gustav Krause“ nach eigenem Drehbuch auf der Vorlage von Erich Kästner (1899–1974) und Eberhard Kleindorff (1902–1974) (1971, Regie Günter Gräwert, 1930–96). Mit gelassener Würde verkörperte er von 1985 bis 1989 den Tierarzt Willi Bayer in der Serie „Ein Heim für Tiere“.

    Der dt. Film bot W. nur wenige Rollen. 1959 spielte er den Quacksalber Kippsass in der Sudermann-Adaption „Jons und Erdme“ (Regie Victor Vicas), als unnachgiebiger Ermittler wurde er von Wolfgang Staudte (1906–1984) in seinem Kriminalfilm „Der letzte Zeuge“ (1960) besetzt und als Münz-Matthias in seiner Version von Brechts „Die Dreigroschenoper“ (1963). W.s Interpretation des Hagen von Tronje in dem zweiteiligen „Nibelungen“ -Film (1966/67) von Harald Reinl (1908–1986) setzte mit stupendem Effekt auf die Massigkeit seines Gesamtausdrucks, in der sich rhetorische Kälte mit brutalem Schweigen paarte, eine schauspielerische Leistung, die die Inszenierung über das Effekthascherische und den Trash Streifende hob.

    Unverkennbar mit seinem markanten Bass, trat W. zudem ab den 1950er Jahren regelmäßig als Sprecher in Hörspielen hervor.

  • Werke

    Weitere Filme u. a. Unruhige Nacht, TV 1955 (Regie: F. P. Wirth);
    Der Lügner, 1961 (R: L. Vajda);
    Er kann’s nicht lassen, 1962 (R: A. v. Ambesser);
    Die Revolution entläßt ihre Kinder, TV 1962 (R: R. Hädrich);
    Der Zinker, 1963 (R: A. Vohrer);
    Mauern, TV 1963 (R: E. Monk);
    In d. Sache J. Robert Oppenheimer, TV 1964 (R: G. Klingenberg);
    Die Verschwörung d. Fiesco zu Genua, TV 1964 (R: H. Koch);
    Die Ermittlung, TV 1966 (R: P. Schulze-Rohr);
    Geheimnisse in goldenen Nylons/Deux billets pour Mexico, 1967 (R: Christian-Jaque);
    Der Teufel u. d. liebe Gott, TV 1967 (R: P. Beauvais);
    Ich spreng euch alle in d. Luft, Inspektor Blomfields Fall Nr. 1, 1968 (R: R. Zehetgruber);
    Rotmord, TV 1968 (R: P. Zadek);
    Affaire Dreyfus, TV 1968 (R: F. J. Wild);
    Schmetterlinge weinen nicht, 1970 (R: K. Überall);
    Zwei himmlische Dickschädel, 1974 (R: W. Jacobs);
    Sladek oder Die schwarze Arme, TV 1976 (R: O. Döpke);
    Die Stadt im Tal, TV 1975 (R: W. Petersen);
    Der starke Ferdinand, 1976 (R: A. Kluge);
    Das Doppelleben d. Wilfried E., TV 1978 (R: W. Storch);
    Der Thronfolger, TV 1979 (R: O. Döpke);
    Der Schnüffler, 1983 (R: O. Runze);
    Die Rückkehr d. Zeitmaschine, TV 1984 (R: J. Klaus);
    Wanderungen durch d. Mark Brandenburg, TV 1986 (R: E. Itzenplitz).

  • Literatur

    |G. Hensel, Männergeschichten, in: FAZ v. 30.1.1989;
    BM, Zum Tode v. S. W., in: Berliner Morgenpost v. 31.1.1989;
    no, Früher Lorbeer bleibt am längsten frisch, in: Die Welt v. 31.1.1989;
    K. Weniger, Das große Personenlex. d. Films;
    Altpreuß. Biogr. V/2;
    Munzinger.

  • Autor/in

    Wolfgang Jacobsen
  • Zitierweise

    Jacobsen, Wolfgang, "Wischnewski, Siegfried" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 295-296 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142908.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA