Lebensdaten
1906 – 1983
Geburtsort
Meßkirch (Baden)
Sterbeort
Freiburg (Breisgau)
Beruf/Funktion
Religionsphilosoph ; Theologe
Konfession
katholisch
Namensvarianten
  • Welte, Bernhard Joseph
  • Welte, Bernhard
  • Welte, Bernhard Joseph
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Welte, Bernhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz140380.html [25.02.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Oskar (* 1873), Dr. iur., RA, S d. Constantin;
    M Emma Brüder (Bruder?) (1874–1942);
    3 B Benedikt, Konrad, Paul.

  • Biographie

    W. besuchte 1912–15 die Volks- und 1915–18 die Realschule in Meßkirch, danach das Heinrich-Suso-Gymnasium in Konstanz (Konvikt St. Konrad). Seit 1924 studierte er Kath. Theologie in Freiburg (Br.) und München. 1929 erhielt W. die Priesterweihe und wurde Kooperator am Freiburger Münster.

    1934–48 war er Sekretär des Freiburger Ebf. Conrad Gröber (1872–1948), dessen Schwester Marie (1873–1962) nach dessen Tod W.s Haushalt führte. 1938 wurde W. mit der Arbeit „Die postbaptismale Salbung“ (gedr. 1939) bei Engelbert Krebs (1881–1950) in Freiburg zum Dr. theol. promoviert; 1946 habilitierte er sich hier mit „Der philosophische Glaube bei Karl Jaspers und die Möglichkeit seiner Deutung durch die thomistische Philosophie“ (in: Symposion, Jb. f. Philos. 2, 1949, S. 1–190, franz. 1958). Trotz auswärtiger Rufe (nach Tübingen und Münster) blieb W. in Freiburg und lehrte dort nach seiner Habilitation Philosophie am Ebfl. Priesterseminar Collegium Borromaeum. 1952 wurde er Professor für theol. Grenzfragen an der Univ. Freiburg, wo er seit 1954 den Lehrstuhl für Christliche Religionsphilosophie innehatte (Rektor 1955 / 56, em. 1973). W.s Nachfolger auf diesem Lehrstuhl wurden seine Schüler Klaus Hemmerle (1929–94), der spätere Bischof von Aachen, und Bernhard Casper (* 1931). In den 1960er Jahren hielt W. Gastvorlesungen in Südamerika, in den 1970er Jahren in Jerusalem und im Libanon. W. hielt die Grabrede für Martin Heidegger (1889–1976).

    Geprägt wurde W. in den 1940er und 1950er Jahren durch den „Freiburger Kreis“ um Karl Färber (1888–1979), dem Intellektuelle wie Max Müller (1906–94), Reinhold Schneider (1903–58), Robert Scherer (1904–97) und der für W. besonders wichtige Heinrich Ochsner (1891–1970) angehörten. Durch intensive Rezeption älterer (Augustinus, Thomas von Aquin, Bonaventura, Meister Eckhart, Pascal, Kierkegaard, Nietzsche, der Tübinger Schule, Blondel etc.) und zeitgenössischer Philosophen (Husserl, Heidegger, Jaspers) erschloß der Kreis neue Wege philosophischen und theologischen Denkens. Richtungweisend für W. wurde das sich als „Wissenschaft der Ursprünge“ verstehende objekt- bzw. realitätsbezogene phänomenologische Denken des frühen Edmund Husserl (1859–1938), v. a. der „Logischen Untersuchungen“ (2 Bde., 1900 / 01), sowie dessen modifizierte Anwendung auf das religiöse Leben des faktisch-empirischen Daseins in Heideggers hermeneutischer Phänomenologie der Faktizität religiösen Lebens.

    W.s eigene phänomenologische Religionsphilosophie bzw. philosophische Religionsphänomenologie wendet sich den Sachen selbst im Modus ihres Vollzugssinnes zu und ist auf das faktische Leben und Erleben des menschlichen Daseins in seiner Lebenswelt ausgerichtet. Ihr erster methodischer Schritt besteht in dem von W. stets geforderten „Selber-Denken“ als noetischer Dimension sowie der „Sache des Denkens“ als noematischer Dimension der korrelativen Noesis, als die W. das phänomenologische Sehen und hermeneutische Verstehen praktizierte. In dieser radikalen Sachbezogenheit liegt es begründet, daß für ihn Wie und Was des phänomenologischen Sehens koinzidieren, so daß die Sache selbst zur Methode des phänomenologischen Denkens bzw. Sehens und dieses nichts anderes als die Selbsterschließung der gesehenen Sache in das sehende Denken des Phänomenologen hinein wird. Zum echten, sachgerechten phänomenologischen Sehen kommt es nach W. erst durch die vereinigende Macht des hl. Geheimnisses, die Denken bzw. Sehen in Übereinstimmung mit der gesehenen Sache bringt und somit Wahrheit als Entsprechung von Denken und Sein stiftet (Rel.philos., 1978, ⁵1997 hg. v. B. Casper u. K. Kienzler, span. 1982, ital. 1985).

    W. wandte seine Methode auf die existentiellen Grundzüge des menschlichen Daseins in seinem Selbstvollzug (u. a. auf Zeitlichkeit, Leiblichkeit, Sozialität, Sprachlichkeit) und auf die einheitsstiftenden Daseinsmächte, u. a. auf Glaube (Was ist Glauben?, 1982, ital. 1983, franz. 1984, span. 1984, poln. 2000), Liebe (Dialektik der Liebe, 1973, ²1984, ital. 1986), Hoffnung, Sinn, Heil (Heilsverständ-|nis, 1966), Gutes, Wahres, Schönes, sowie v. a. das Heilige an. Zudem berücksichtigte seine phänomenologische Daseinsanalyse ausführlich die zerstörerischen Daseinsmächte, u. a. Angst, Verzweiflung, Böses (Über das Böse, 1959, Neuaufl. 1986, span. 1968) und v. a. das Nichts (Das Licht des Nichts, 1980, ²1985, Neuausg. hg. v. H. Zaborowski, 2015, ital. 1983, franz. 1989, tschech. 1994).

    W.s phänomenologische Analyse von Grundvollzügen des menschlichen Daseins folgte Heideggers vollzugsgeschichtlicher Methode, die den Selbstvollzug des menschlichen Daseins zur Auslegung bringen will, und wendet sie auf eine Phänomenologie der religiösen Erfahrung an. Daraus resultierte W.s Überzeugung, daß eine philosophische Phänomenologie der Religion angemessen nur vollzugsgeschichtlich und damit nur von einem selbst religiösen Philosophen durchgeführt werden könne. Dieses methodologische Verständnis seines eigenen Denkens dokumentierte er in der Namensgebung seines ad personam eingerichteten Freiburger Lehrstuhls (f. Christl. Rel.philos.); es wurde auch zu einem Credo der von W. begründeten Freiburger Schule einer philosophischen Religionsphänomenologie, der neben Hemmerle und Casper Peter Hünermann (* 1929), Heinrich Rombach (1923–2004) sowie Klaus Kienzler (* 1944) und Heinz-Jürgen Görtz (* 1948) angehören. Darüber hinaus erfuhr sein Denken eine breite internationale Rezeption, v. a. in Italien, Polen und Lateinamerika (Argentinien, Chile). Mit Hünermann initiierte W. 1969 das Stipendienwerk „Lateinamerika-Deutschland e. V.“ zur Förderung der interdisziplinären Zusammenarbeit dt. und lateinamerik. Theologen, Philosophen, Pädagogen und Humanwissenschaftler. 1983 wurde die „Bernhard-Welte-Gesellschaft e. V.“ mit Sitz am Lehrstuhl für Christliche Religionsphilosophie der Univ. Freiburg gegründet, die u. a. durch Herausgabe der Werkausgabe und eine Schriftenreihe W.s geistiges Erbe zu sichern und zu aktualisieren sucht. Die Theol. Fakultät der Univ. Freiburg vergibt seit 1989 jährlich den B.-W.-Preis für hervorragende Dissertationen und Zulassungsarbeiten.

  • Auszeichnungen

    |päpstl. Hausprälat (1966);
    Dr. h. c. Córdoba (Argentinien) (1973);
    Ehrenbürger v. Meßkirch (1976);
    Gr. BVK (1978).

  • Werke

    |Vom Wesen u. Unwesen d. Rel., 1952, franz. 1954;
    Vom Geist d. Christentums, 1955, ²1966, franz. 1959, ital. 1961, span. 1963, slowak. 1995;
    Nietzsches Atheismus u. d. Christentum, 1958, ²1964, span. 1962, ital. 1994;
    Über d. Wesen u. d. rechten Gebrauch d. Macht, 1960, 2. verbesserte Aufl. 1965, span. 1968;
    Auf d. Spur d. Ewigen, 1965, ital. 1976;
    Im Spielfeld v. Endlichkeit u. Unendlichkeit, 1967, span. 1973, korean. 1996;
    Zeit u. Geheimnis, 1975, ²1979, poln. 2000;
    Maria, d. Mutter Jesu, 1976, ⁴1978, ital. 1977, niederl. 1979;
    Meister Eckhart, 1979, durchgesehene Neuausg. 1992, japan. 2000;
    Briefe u. Begegnungen, Briefwechsel Martin Heidegger, B. W., 2003;
    W.-Ausg.: Ges. Schrr., Abt. I-VI, 16 Bde., 2006–11 (P);
    Bibliogr.: St. Kušar, Dem göttl. Gott entgegen denken, 1986;
    Internetpräsenz d. B.-W.-Ges.;
    Nachlaß: Univ.archiv Freiburg (Br.).

  • Literatur

    |St. Kušar, Dem göttl. Gott entgegen denken, 1986 (W);
    A. Tischinger, Das Phänomen der Schuld, 1986;
    K. Hemmerle, (Hg.), Fragend u. lehrend d. Glauben weit machen, Zum Werk B. W.s anläßl. seines 80. Geb.tages, 1987 (Bibliogr. S. 139–66);
    G. Molinari, Die Rel.philos. B. W.s, Ein Denken im Spannungsfeld zw. Phänomenol. u. d. Lehre v. Gott, 1987;
    I. Feige, Geschichtlichkeit, Zu B. W.s Phänomenol. d. Geschichtlichen auf d. Grundlage unveröff. Vorlesungen, 1989;
    H. Lenz, Mut zum Nichts als Weg zu Gott, 1989;
    K.-S. Shim, Der nachmetaphys. Gott, Überlegungen z. Problematik d. Verhältnisses v. Gott u. Metaphysik in d. Entwürfen v. Martin Heidegger, Wilhelm Weischedel u. B. W., 1990;
    W. Schneider, in: Christl. Philos. im kath. Denken d. 19. u. 20. Jh., hg. v. E. Coreth u. a., Bd. 3, 1990, S. 305–16;
    ders., Personalität u. Päd., Der phil. Btr. B. W.s z. Grundlegung d. Päd., 1995;
    B. Döpfner, Das Problem d. Zus.denkens v. Determination u. Freiheit, 1992;
    A. Godzieba, B. W.s Fundamental Theological Approach to Christology, 1994;
    Gi-Chol Kwon, Menschsein als gerufene Freiheit, Der Sinn d. Freiheit d. Menschen b. B. W. u. e. mögl. Deutung seines Denkens aus d. Sicht Laotzus, 1995;
    St. Raueiser, Schweigemuster, Über d. Rede vom hl. Schweigen, Eine Unters. unter bes. Berücksichtigung v. Odo Casel, Gustav Mensching, Rudolf Otto, Karl Rahner, Wilhelm Weischedel u. B. W., 1996;
    P. Hofer, Die anspruchsvolle Sprache d. Lebens, Predigttheorie u. Predigtpraxis v. B. W., 1997;
    J. Bassler-Schipperges, Gebet aus d. Schweigen, 1997;
    E. Kirsten, Hl. Lebendigkeit, Zur Bedeutung des Heiligen b. B. W., 1998;
    St. Dietrich, Das schweigende Gebet, Zur fundamentaltheol. Grundlage d. Verständnisses v. schweigendem Gebet in ökumen. Blickwinkel, 2000;
    F. Morlacchi, Fede filosofica e fede cristiana in B. W., 2004;
    S. Nozza, Libertà dello spirito e fede cristiana in B. W., 2004;
    M. Eckholt u. B. Casper (Hg.), „Clash of Civilizations“ oder Begegnung d. Kulturen aus d. Geist d. Evangeliums?, B. W.s Impulse f. d. interkulturellen Dialog mit Lateinamerika, 2009;
    St. Geiger, Person u. Sein, B. W.s Philos. d. Personalität, 2012;
    D. Nebel, Glauben als Ereignis d. Freiheit, Die Bedeutung d. Kierkegaard-Vorlesungen B. W.s f. e. fundamentale Theol., 2012 (P);
    G. Bausenhart, (Hg.), Phänomenol. u. Theol. im Gespräch, Impulse v. B. W. u. Klaus Hemmerle, 2013;
    M. Enders (Hg.), Meister Eckhart u. B. W., Meister Eckhart als Inspirationsqu. f. B. W. u. f. d. Gegenwart, 2015 (P);
    J. Lorenz, Personsein, Freiheit u. Verantwortung, Anthropol. Voraussetzungen d. Ethik b. B. W., 2016;
    J. Elberskirch, Person, Miteinander, Kirche, B. W.s phil. Soziol. als Suche n. d. Wesen v. Gemeinschaft, 2017;
    |BBKL 13 (W, L);
    Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L);
    Killy;
    Baden-Württ. Biogrr. I.

  • Porträts

    |Photogr. B. W. am Katheder (Ebfl. Archiv, Freiburg, Br.).

  • Autor/in

    Markus Enders
  • Zitierweise

    Enders, Markus, "Welte, Bernhard" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 756-758 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz140380.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA