Lebensdaten
1805 – 1885
Geburtsort
Ratzenried (Allgäu)
Sterbeort
Rottenburg
Beruf/Funktion
katholischer Priester ; Theologe ; Domkapitular in Rottenburg (Neckar) ; Priester ; Hochschullehrer ; Katholischer Theologe ; Kirchenhistoriker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117278513 | OGND | VIAF: 64779856
Namensvarianten
  • Welte, Benedict
  • Welte, Benedikt Konrad
  • Welte, Benedikt von (seit 1883)
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Welte, Benedikt von (seit 1883), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117278513.html [26.05.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Franz Joseph W. (1765 / 69–1818), Bauer in Ratzenried;
    M Franziska Riedisser (1772–n. 1818);
    8 Geschw (4 früh †) B Franz Joseph Johann (* 1802), Schw Maria Waldburga (* 1803), Maria Anna (* 1810), Barbara (* 1815).

  • Biographie

    Nach dem Abitur am Gymnasium in Rottweil 1826 studierte W. in Tübingen und Bonn Kath. Theologie mit dem Schwerpunkt oriental. Sprachen und Exegese des Alten Testaments. 1831 legte er als Konviktor des Tübinger Wilhelmsstifts das Examen pro Seminario ab und erhielt den Preis der Kath.-Theol. Fakultät. Nach einem Jahr im Priesterseminar in Rottenburg/ Neckar wurde W. 1833 zum Priester geweiht und war anschließend als Vikar an St. Moritz in Rottenburg und dann in Hemmendorf in der praktischen Seelsorge tätig. 1835 zum Repetenten am Wilhelmsstift ernannt, übernahm W. nach dem Tod des Alttestamentlers Johann Georg Herbst (1787–1836) dessen Vorlesungen an der Univ. Tübingen und wurde – ohne eine theol. Dissertation vorgelegt zu haben –1838 ao. und 1840 o. Professor für alttestamtliche Exegese.

    In der Kath.-Theol. Fakultät zeichnete sich nach dem Wirken des Kirchenhistorikers Johann Adam Möhler (1796–1838) seit Beginn der 1830er Jahre eine Spaltung in eine alte „aufgeklärte“ (Johann Sebastian Drey, 1777-1853, Johann Georg Herbst, 1787–1836, Johann Baptist Hirscher, 1788–1865) und eine jungkirchlich „ultramontane“ Richtung (Johannes Evangelist v. Kuhn, 1806–87, Carl Joseph v. Hefele, 1809–93, Martin Joseph Mack, 1805–85) ab. Die Berufung W.s, dessen kirchenpolitische, staatskritische Ausrichtung der württ. Regierung zunächst nicht bekannt war, bedeutete den Sieg der Ultramontanen. Weil er sich in den kirchenpolitischen Auseinandersetzungen nicht offen positionierte und damit nicht in das Visier der Stuttgarter Regierung geriet, konnte er im Unterschied zu v. Hefele und v. Kuhn im Hintergrund für die „Romanisierung“ der Tübinger Fakultät und der Diözese Rottenburg arbeiten. Im Streit um die Besetzung des Rottenburger Bischofsstuhls wurde W., der auch vor persönlichen Denunziationen und Verunglimpfungen kirchenpolitisch unliebsamer, „liberaler“ Kandidaten nicht zurückschreckte, zu einem wichtigen Informanten der Münchner Nuntiatur. In Rom galt er als treuer „Romain“ und wurde 1845 / 46 als „ultramontaner“ Bischofskandidat für Rottenburg gehandelt.

    W. setzte sich mit seiner historisch-kritischen Exegese von seinem Lehrer und Vorgänger Herbst ab. In seiner Einleitung in das Alte Testament (1840), die auf Vorarbeiten Herbsts basiert, lassen sich dessen „historische“ und W.s „apologetische“ Methode gut erkennen.

    Verbunden bleibt W.s Name mit dem gemeinsam mit Heinrich Joseph Wetzer (1801–53) herausgegebenen „Kirchen-Lexikon oder Encyklopädie der Katholischen Theologie und ihrer Hilfswissenschaften“ (12 Bde., 1847–56, Gen.reg. 1860, ²1882–1901 bearb. v. J. Hergenröther u. F. Kaulen, franz. Übers. in 26 T., 1858–68, ⁴1900), für das W. rund 200 Artikel beisteuerte. Der „Wetzer-Welte“ wurde zum Standardwerk der kath. Theologie und gilt als Vorläufer des „Lexikons für Theologie und Kirche“.

    1857 wurde W. zum Domkapitular in Rottenburg ernannt und beendete seine literarische Produktion. Durch ein Augenleiden behindert und geistig zunehmend an Leistungskraft verlierend, konnte W. in diesem Amt kaum mehr Akzente setzen und war im letzten Lebensjahrzehnt arbeitsunfähig.

  • Werke

    |Ueber d. Zus.hang zw. d. Lehren u. d. disciplinaren Leben d. kath. Kirche, in: Theol. Quartalschr. 18, 1836, S. 371–402 u. 566–642;
    Ueber d. kirchl. Ansehen d. deuterokanonischen Bücher, ebd. 21, 1839, S. 224–98;
    Nachmosaisches im Pentateuch, 1841;
    Geist u. Werth d. altrabbin. Schr.auslegung, ebd. 24, 1842, S. 19–58;
    Ueber Kg. Abgar u. d. Einf. d. Christenthums in Armenien, ebd., S. 336–65;
    Ueber d. Parallelstellen in d. Büchern Josua u. Richter, ebd., S. 584–608;
    Ueber das Opfer Jephta’s, Richt. 11, 29 bis 40, ebd., S. 608–20;
    Kirchl. Ansehen d. sog. lat. Vulgata, ebd. 27, 1845, S. 55–80;
    Rechtfertigung d. kirchl. Ansehens d. Vulgata, ebd., S. 348–86;
    Einheitl. Charakter d. Bücher Samuels, ebd. 28, 1846, S. 183–246;
    Ueber d. Bibellesen in d. Volkssprache, ebd. 30, 1848, S. 3–56;
    Zur Gesch. d. hebr. Bibeltextes, ebd., S. 600–32;
    Elisäus v. Amathunik über d. Besessenheit, ebd., S. 633–44;
    Johannes Mantagunensis über Zauberei, ebd. 33, 1851, S. 85–119;
    Entstehungszeit d. zweiten oder serubbabel. (zorobabel.) Tempels zu Jerusalem, ebd., S. 223–55;
    Vorgebl. Verstöße gegen d. hist. Wahrheit im Pentateuch,ebd., S. 579–610;
    Bemm. über d. Entstehung d. alttestamentl. Canons, ebd. 37, 1855, S. 58–93;
    Ueber Exod. 26, 23 f., ebd., S. 606–10;
    Die Apologie d. Melito v. Sardes, ebd. 44, 1862, S. 384–410;
    Specielle Einl. in d. deuterokanon. Bücher d. alten Testaments, Hist.-krit. Einl. in d. hl. Schrr. d. alten Testaments v. Dr. J. G. Herbst, Nach d. Vf. Tode vervollständigt u. hg. v. B. Welte, 3 T., 1840–42;
    Goriun’s Lebensbeschreibung d. hl. Mesrop, aus d. armen. Urtexte z. ersten Male übers. u. aus armen. Schriftst. erl. […], 1841;
    Das Buch Job, 1849;
    Mithg.: Theol. Quartalschr., seit 1840.

  • Literatur

    |ADB 41;
    R. Reinhardt (Hg.), Tübinger Theologen u. ihre Theol., Qu. u. Forsch. z. Gesch. d. Kath.-Theol. Fak. Tübingen, 1977;
    ders., Franz Xaver Linsenmann, Sein Leben Bd. 1: Lebenserinnerungen, 1987;
    H. Wolf, Ketzer oder Kirchenlehrer? Der Tübinger Theol. Johannes v. Kuhn (1806–1887) in d.|kirchenpol. Auseinandersetzungen seiner Zeit, 1992;
    ders., Denunzianten, Nuntiaturen, päpstl. Geheimdienst, Oder: Von d. gr. Verlegenheit d. Kard.staatssekr. Lambruschini im Fall Schöninger 1841 / 42, in: Rottenburger Jb. f. KGesch. 17, 1998, S. 229–61;
    M. Blum u. R. Kampling (Hg.), Zw. Kath. Aufklärung u. Ultramontanismus, Neutestamentl. Exegeten d. „kath. Tübinger Schule“ im 19. Jh. u. ihre Bedeutung f. d. kath. Bibelwiss., 2012;
    Catholic Enc. 15, 1912;
    BBKL 18 (W, L);
    LThK¹⁻³;
    Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L).

  • Porträts

    |Graphik, Abb. in: Theol. Quartalschr. 150, 1970, H. 1, S. 60.

  • Autor/in

    Hubert Wolf
  • Zitierweise

    Wolf, Hubert, "Welte, Benedikt von" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 754-756 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117278513.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Biographie

    Welte: Benedict W., katholischer Theologe, geboren 1805 zu Ratzenried, am 27. Mai 1885 zu Rottenburg. Er machte seine Studien zu Tübingen, wurde 1833 Priester, 1835 Repetent im Convict zu Tübingen. 1836 übernahm er die Vorlesungen des am 31. Juli gestorbenen Professors der alttestamentlichen Exegese, J. G. Herbst (s. A. D. B. XII, 50). wurde 1837 zum Hülfslehrer, 1838 zum außerordentlichen, 1840 zum ordentlichen Professor für dieses Fach ernannt, welches er eine Reihe von Jahren ehrenvoll vertrat. Die letzten Jahre verlebte er, körperlich und geistig arbeitsunfähig, als Domcapitular in Rottenburg. 1840—44 besorgte W. die Herausgabe von J. G. Herbst's „Historisch-kritischer Einleitung in das A. T.“ in vier Bänden. Er hat das Manuscript von Herbst vielfach vervollständigt und berichtigt, bei manchen einzelnen Fragen conservativere Anschauungen vertheidigt. Der vierte Band, die deutero-kanonischen Bücher, ist ganz von W. verfaßt. Seine conservative Richtung bekundet W. auch in der 1841 erschienenen Schrift „Nachmosaisches im Pentateuch beleuchtet“. Manche Punkte der alttestamentlichen Einleitung hat er in Aufsätzen und Recensionen in der Tübinger Quartalschrift und in Artikeln des Kirchenlexikons behandelt. Die einzige eigentlich exegetische Arbeit ist „Das Buch Hiob übersetzt und erklärt“ (1849). Unter den katholischen Gelehrten des 19. Jahrhunderts, die als Lehrer und Schriftsteller auf dem Gebiete der alttestamentlichen Wissenschaft gearbeitet haben, nimmt W. wenn nicht den ersten Platz, so jedenfalls einen der ersten Plätze ein. So lange W. in Tübingen Ordinarius war, war er auch Mitherausgeber der Tübinger Theologischen Quartalschrift. 1846 übernahm er mit Professor J. H. Wetzer in Freiburg die Redaction des von dem Heider’schen Verlag in Freiburg von 1854 an veröffentlichten Kirchenlexikons, welches 1860 mit dem Generalregisterbande (12 Bände) vollendet wurde. Die zweite Auflage erscheint seit 1882, begonnen von Cardinal Hergenröther, fortgesetzt von Prof Fr. Kaulen in Bonn.

    • Literatur

      A. M. Weiß, Herder. Freiburg 1889. — Hurter, Nomenclator III, 795, 1268. — Werner, Gesch. der kath. Theologie, S. 473 u. f.

  • Autor/in

    Reusch.
  • Zitierweise

    Reusch, Heinrich, "Welte, Benedikt von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 41 (1896), S. 692 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117278513.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA