Lebensdaten
1867 – 1928
Geburtsort
München
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Komponist ; Kabarattist ; Gesangslehrer
Konfession
katholisch
Namensvarianten
  • Weinhöppel, Richard
  • Weinhöppel, Richard Johann Baptist (eigentlich)
  • Richard, Hans (Pseudonym)
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Zitierweise

Weinhöppel, Hans Richard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz139940.html [19.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Nepomuk (1819–87), Schreiber, 1860 Diurnist b. Magistrat in M., S d. Joseph (1782–1840), Schneidermeister in d. Vorstadt Au, u. d. Maria Klara Ha(i)merl (* 1777), Schullehrers-T;
    M Franziska Karolina (1825–1900), T d. Karl Stel(l)pflug (1786–1860), Pfragnermeister, Seifensieder in Bamberg, u. d. Dorothea Raab (1786–1873);
    2 Halb-B Johann Nepomuk (* 1848 / 49), Soldat, Valentin Stellpflug (* 1849), Maler, Bildhauer, B Friedrich (Fritz) (1863–1908), Gebrauchsgraphiker in M. (s. Vollmer);
    1) London 1900 1906 Estella (Stella) Brokow ( 1] N. N. Schurtz), 2) Köln-Lindenthal 1907 Fleeta Fay Foster (* 1876, 1] August Böndel, Ps. Hans Strick, * 1873, Sänger, Tenor, Kabarettist, Mitgl. d. „Elf Scharfrichter“), 3) Elberfeld 1911 Anna (Änne) Hackenberg (1885–1968), wohl W.s Schülerin, Konzertsängerin in Köln;
    möglicherweise 1 S aus 1);
    Adoptiv-S d. B Kurt (1915–81), Sänger, Gitarrist u. Lehrer in M., Leiter d. Capella Monacensis, dessen T Susanne (* 1958), Harfenistin, Liedermacherin.

  • Biographie

    Nach dem Besuch des Münchner Wilhelms-Gymnasiums 1878–85 immatrikulierte sich W. an der Kgl. Akademie der Tonkunst, ebenfalls in München. Bis 1891 studierte er hier zunächst Gesang bei Karl Falkner, Hans Hasselbeck (1842–n. 1881) und Karl Brulliot (1831–97), später Kontrapunkt bei Joseph Rheinberger (1839–1901). Prägender als das akademische Umfeld waren die Verbindungen zur Münchner Intellektuellenszene, die W. ebenfalls zu dieser Zeit aufnahm. Er wurde Mitglied in der „Gesellschaft für modernes Leben“ von Michael Georg Conrad (1846–1927) und knüpfte Kontakte, aus denen wichtige Freundschaften entstanden, so zu Otto Julius Bierbaum (1865–1910), Hanns v. Gumppenberg (1866–1928), Max Halbe (1865–1944) und Frank Wedekind (1864–1918). 1892 verbrachte W. ein Dreivierteljahr in Paris, wo er bei Władysław Mierczwin´ ski und Orme Darvall seine Gesangsstudien fortsetzte und nächtens mit Wedekind die Pariser Halbwelt erkundete. Ab Herbst 1892 war W. für knapp vier Jahre als Kapellmeister oder Chordirigent am French Opera House in New Orleans engagiert. Nach seiner Rückkehr eröffnete er 1896 ein Gesangsstudio in München und betätigte sich zudem als Musikkritiker und -journalist. W.s künstlerisch bedeutsamste Schaffensphase begann 1901 mit der Eröffnung der von ihm mitgegründeten Bühne der „Elf Scharfrichter“. Als Hauskomponist und musikalischer Leiter des Theaters trug er maßgeblich zum Erfolg dieses ersten Münchner Kabaretts bei. Ab Frühjahr 1904 verbrachte W. einige Monate in Italien, danach in Berlin, wo er 1905 kurzzeitig am Stern’schen Konservatorium angestellt war. 1906 und 1907 gründete er mit den ehemaligen „Scharfrichter“-Kollegen Marc Henry (1873–1943) und Marya Delvard (1874–1965) in Wien die Kabaretts „Nachtlicht“ und „Fledermaus“, an denen er für kurze Zeit mitwirkte. 1906 erhielt W. eine Stelle als Gesangslehrer an der Rhein. Musikschule in Köln, wo er bis zu seiner Beurlaubung aufgrund eines Schlaganfalls 1919 wirkte. Seine letzten Jahre verbrachte W. in Partenkirchen, Köln und München.

    W.s künstlerische Bedeutung bemißt sich an seinen gut 120 Kompositionen, davon über 100 Sololieder und knapp 20 musikalische Ensemblenummern, die er zwischen 1901 und 1904 für die Kabarettbühne der „Elf Scharfrichter“ schrieb. Er vertonte Texte von Zeitgenossen wie Bierbaum, Richard Dehmel (1863–1920), Gustav Falke (1853–1916), Gumppenberg, Ludwig Thoma (1867–1921) u. a., aber auch älterer Autoren wie Goethe, Eichendorff und Heine sowie viele Gedichte aus der romantischen Sammlung „Lieder aus des Knaben Wunderhorn“; sie zählten zu den populärsten Nummern des Theaters. Quantitativ halten sich ernste und humoristische Stücke die Waage. Stilistisch orientierte sich W. in diesen wie auch seinen späteren Kompositionen am Kunst- und Volkslied und weniger an dem auf den Unterhaltungsbühnen jener Zeit überwiegend gepflegten Couplet- und Operettenton. Seine intensive Beschäftigung mit den Textvorlagen spiegelt sich in seinen klug durchdachten, zum Teil detailverliebten Tonschöpfungen wider. Mit ihren eingängigen Melodien und ihrer ansprechenden, dabei jedoch nie banalen Leichtigkeit erfüllten W.s Kompositionen alle Anforderungen der Kabarettbühne.

    Mit insgesamt gut 400 Titeln bildet das Lied das wichtigste Genre in W.s Gesamtwerk. Erste überlieferte Kompositionen stammen aus seiner Studienzeit, viele weitere folgten nach dem Ende der „Scharfrichter“ und wurden in ca. 30 Alben veröffentlicht, wobei sich der inhaltliche Schwerpunkt der vertonten Gedichte im Laufe der Jahre immer mehr in Richtung einer sentimentalen Volkstümelei verschob: Etwa ein Viertel seines gesamten Lied-Schaffens basiert auf Gedichten des Heimatdichters Hermann Löns (1866–1914). Wichtigstes Begleitinstrument seiner Lieder ist die Gitarre, die ab ca. 1900 in weiten Kreisen an Bedeutung gewann. Zwei größere Werke schuf| W. mit dem 1904 in München gezeigten Faschingsspiel „Deutsche Volkslieder“ (Text: Bierbaum) sowie der verschollenen Pantomime „Das fremde Mädchen“ (1911, Text: H. v. Hofmannsthal). Begonnene Opernprojekte mit Bierbaum und Gumppenberg konnten hingegen nicht abgeschlossen werden.

    Verschiedentlich betätigte sich W. als Zeichner sowie als Autor. So verfaßte er eine Librettofassung von Halbes Theaterstück „Jugend“, das 1917 in der Vertonung von Ignatz Waghalter (1881–1949) in Berlin Premiere hatte. W. war auch der erste, der Wedekind-Lieder herausgab (Lautenlieder, 1920).

    Spuren von W.s Biographie finden sich in Briefen, Memoiren, Tagebüchern und Werken vieler seiner Zeitgenossen, darunter Peter Altenberg (1859–1919), Georg Fuchs (1868–1949), Halbe, Karl Kraus (1874–1936), Erich Mühsam (1878–1934), Oscar A. H. Schmitz (1873–1931) (Erzählung „Die Geliebte des Teufels“, 1902), Josef Ruederer (1861–1915) (Novelle „Das Grab des Herrn Schefbeck, 1909), Wedekind und vielen anderen. Sie alle schildern W. als auffälligen Bohemien und originelle Künstlerpersönlichkeit.

  • Werke

    |ein krit. Gesamtverz. d. Werke existiert bislang nicht;
    gedr. Komp. f. d. „Elf Scharfrichter“: Die elf Scharfrichter, Grotesker Marsch f. Klavier solo, 1902;
    54 Lieder: Einzeldrucke sowie Abdrucke in Liederalben, 1902–1927;
    Soldatenlieder-Album (Text: L. Thoma), o. J.;
    ungedr. Lieder u. Komp. f. d. „Die Elf Scharfrichter“ (Stadtbibl. München/Gasteig): Die Elf Scharfrichter, Grotesker Marsch, Babette (T: H. v. Gumppenberg), Hüt’ du dich (T: Des Knaben Wunderhorn), Kurz ist d. Frühling (T: D. v. Liliencron), alle ca. 1901;
    Des Narren Versuchung (T: H. v. Gumppenberg), Die Hochzeitsmusikanten (T: L. Greiner), Lebensläufe (T: G. Falke), Zwiegespräch (T v. dems.), alle ca. 1902;
    Der Handkuss (T: D. v. Liliencron), Schusters Abendlied, beide ca. 1903;
    weitere gedr. Lieder u. Liederalben: Zwölf Lieder f. e. Singst. mit Gitarrebegleitung, 2 Bde., um 1905;
    Aus Großmutters Tagen: 25 schöne alte Lieder zur Gitarre, ca. 1910;
    Zwölf neue Schelmenlieder f. Gitarre od. Laute, I-IV, 1912 u. ca. 1919;
    Rokoko: 20 Lieder mit Gitarre od. Lautenbegleitung, 2 Bde., 1912;
    30 heitere Basslieder, 2 Bde., 1914;
    Scherz u. Ernst: 12 neue Lautenlieder, ca. 1915;
    20 Romanzen, Balladen, Serenaden, Mori- u. andere Taten, ca. 1916;
    Dideldum: 12 humorist. Lieder z. Gitarre, 2 Bde., ca. 1920;
    12 neue Wandervogellieder z. Laute, ca. 1920;
    45 Lieder aus d. Rosengarten v. Hermann Löns, 1921;
    Was ihr wollt: Zwanzig heitere Lieder z. Gitarre, 2 Bde., 1921;
    Hannes Ruchs schönste Lautenlieder, 1927;
    Notenautographe (Stadtbibl. München/ Gasteig): u. a. 10 aus d. Kontext d. „Elf Scharfrichter“;
    Dt. Volkslieder, Faschingsspiel (T: O. J. Bierbaum), Partitur, ca. 1903;
    Der Musenkrieg, Komische Oper (T v. dems.), Fragment, 1903;
    Texte: u. a. Musikkritiken u. Texte in versch. Münchner Zss., 1896–99.

  • Literatur

    L W. Rath, Vom Schreibtisch u. aus d. Atelier, Münchener Künstlerbrettl, Erinnerungen an d. Zeit v. 1901, in: Velhagen & Klasings Mhh. 2, 1912, S. 367;
    A. Kutscher, Frank Wedekind, Sein Leben u. seine Werke, 3 Bde., 1922–31;
    P. Schlesinger [Sling], Die 11 Scharfrichter, Zu ihrem 25. Geb.- u. ihrem 22. Todes-Tage, in: Uhu 8, 1926, S. 116–23;
    J. Zuth, Hdb. d. Laute u. Gitarre, 1926;
    H. v. Gumppenberg, Lebenserinnerungen, 1929;
    G. Fuchs, Sturm u. Drang in München um d. Jh.wende, 1936;
    M. Halbe, Jh.wende, Gesch. meines Lebens, 1893–1914, 1945;
    H. Greul, Die Elf Scharfrichter, 1962;
    W. Rösler, Der musikal. „Scharfrichter“, H. R. W. z. 100. Geb.tag, in: Melodie u. Rhythmus 22, 1967, S. 26 ff.;
    T. Wedekind, Lulu, Die Rolle meines Lebens, 1969;
    R. Otto u. W. Rösler, Kabarettgesch., Abriß d. dt.sprach. Kabaretts, 1977;
    W. Rösler, Das Chanson im dt. Kabarett 1901–1933, 1980;
    O. A. H. Schmitz, Das wilde Leben d. Boheme, Tagebücher 1896–1906, hg. v. W. Martynkewicz, 2006;
    J. Kemp, „Ein winzig Bild vom großen Leben“, Zur Kulturgesch. v. Münchens erstem Kabarett Die Elf Scharfrichter (1901–1904), 2017 (Qu- u. L-Verz., W-Verz, Ill., P);
    Riemann (z. T. fehlerhaft);
    Riemann Erg.bd.;
    Metzler Kabarett Lex. (unter Ruch);
    BMLO.

  • Porträts

    |Photogrr., um 1900, 1903, 1927 u. undat., Abb. in: J. Kemp (s. L), S. 169, 176, 183 u. 356.

  • Autor/in

    Judith Kemp
  • Zitierweise

    Kemp, Judith, "Weinhöppel, Hans Richard" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 641-642 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz139940.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA