Lebensdaten
1823 – 1901
Geburtsort
Reichenbach (Niederschlesien)
Sterbeort
Bad Nauheim (Hessen)
Beruf/Funktion
Germanist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118806521 | OGND | VIAF: 19805887
Namensvarianten
  • Weinhold, Karl Gotthelf Jakob
  • Weinhold, Karl
  • Weinhold, Karl Gotthelf Jakob
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Zitierweise

Weinhold, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118806521.html [12.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Gotthelf (1793–n. 1870), aus Rothenburg (Oberlausitz), 1820 Diakon in Schönberg (Oberlausitz), 1823 Pastor in R., zuletzt in Berlin, Mitgl. d. Oberlausitz. Ges. d. Wiss. in Görlitz, evtl. S d. Karl Gotthelf (1757–1835), Pastor in Sachsen;
    M Amalie, T d. Chr. Gottfried Gössel (um 1760–1839), Pastor in Schwepnitz b. Königsbrück (Lausitz) (s. NND 17, 1841);
    Ur-Gvv Friedrich Theodor Lademann (1728–1809), Pastor in Madlow b. Cottbus, Vf. e. KGesch. d. Stadt u. Herrschaft Cottbus, 1798 / 99 (s. Hamberger-Meusel);
    B Rudolf (1829–v. 1915), Dir. e. Papierfabrik;
    1850 Anna Ellger ( 1905), aus Breslau.

  • Biographie

    Nach Abschluß der Prima am Gymnasium in Schweidnitz 1842 studierte W. Ev. Theologie (bis 1843), Germanistik und Philosophie in Breslau (1842–45) und Berlin (1845 / 46). Zu seinen wichtigsten akademischen Lehrern zählten Theodor Jacobi (1816–48), Jacob Grimm (1785–1863) und Karl Lachmann (1793–1851). 1846 wurde er in Halle/ Saale mit der Studie „Spicilegium formularum quas ex antiquissimis Germanorum carminibus congessit“ zum Dr. phil. promoviert und 1847 mit Unterstützung des Historikers Heinrich Leo (1799–1878) mit einer (als Ganzes unveröff.) Abhandlung über das eddische Gedicht „Völuspâ“ habilitiert. 1847–49 war W. Privatdozent für Dt. Philologie in Halle, 1849 / 50 als Nachfolger Jacobis ao. Professor in Breslau. 1850 ging er als erster o. Professor| für Dt. Sprache und Literatur an die Univ. Krakau, 1851 wechselte er nach Graz, 1861 weiter nach Kiel. 1876 übernahm W. als Nachfolger Heinrich Rückerts (1823–75) ein Ordinariat in Breslau, bevor er 1889 an die Univ. Berlin wechselte (em. 1901; Rektor, Kiel 1870–72, Breslau 1879 / 80 u. Berlin 1893 / 94; Dekan, Graz 1860 / 61). Rufe nach Wien (1851), Prag (1851 / 52) und Basel (1870) lehnte er ab.

    W. war als Gründer Germanistischer Seminare in Kiel (1875) und Breslau (1877) wesentlich an der Etablierung der Germanistik als Universitätsfach beteiligt. Bereits von der zeitgenössischen Germanistik wurde er als letzter großer Repräsentant der dt. Philologen bezeichnet, die ihre Fertigkeiten noch bei Grimm und Lachmann erworben hatten – ein Topos, den W. selbst gerne pflegte. Gemäß dieser Tradition erforschte W. das gesamte Spektrum der german. Philologie und veröffentlichte häufig mehrfach aufgelegte und nachgedruckte Schriften zur Altertumskunde, germanistischen und skandinavistischen Mediävistik, neueren dt. Literaturgeschichte, regionalen Literatur, Kulturgeschichte, Sprachgeschichte, Grammatik, Orthographie, Dialektologie, Wissenschaftsgeschichte, zum Sprach- und Literaturunterricht sowie zur Volkskunde. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. zählte W., der sich keiner wissenschaftlichen Gruppierung anschloß, keine eigene Schule bildete und nicht an fachlichen Kontroversen wie dem „Nibelungenstreit“ teilnahm, zu den produktivsten und bedeutendsten Germanisten.

    Im Unterschied zu den meisten Fachkollegen seiner Zeit beschäftigte sich W. auch mit der Praxis des Deutschunterrichts, u. a. indem er für Österreich ein „Mittelhochdeutsches Lesebuch“ (1850, ⁴1891) konzipierte, das auch in Preußen zugelassen wurde. W.s „Mittelhochdeutsche Grammatik“ (1877, ²1883) blieb in einer gekürzten Form (Kl. mhdt. Grammatik, 1881, 18. verbesserte u. v. H. Moser neu bearb. Aufl. 1986), überarbeitet von Gustav Ehrismann (1855–1941) und Hugo Moser (1909–89), bis in die jüngste Zeit ein viel benutztes Lehrmittel. Hervorzuheben ist ferner W.s Einsatz für die Volkskunde, den er durch zahlreiche und umfassende Schriften, durch die Gründung und Leitung des „Vereins für Volkskunde“ (1890) sowie 1891–1901 als Herausgeber der von ihm begründeten „Zeitschrift des Vereins für Volkskunde“ leistete.

  • Auszeichnungen

    |Dr. iur. h. c. (Göttingen 1881);
    Geh. Reg.rat (1888);
    Mitgl. d. Ges. f. dt. Philol. Berlin (korr. 1854, o. 1860) u. d. Österr. Ak. d. Wiss. (korr. 1854, wirkl. 1860, Ehrenmitgl. 1890);
    ausw. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1878);
    o. Mitgl. d. Preuß. Ak. d. Wiss. (1889);
    Ehrenmitgl. d. Ver. f. Gesch. u. Altertum Schlesiens (1889).

  • Werke

    |Die dt. Frauen im MA, 1851, ³1897, Neudr. 1968;
    Über dt. Dialektforsch., 1853;
    Weihnacht-Spiele u. Lieder aus Süddtld. u. Schlesien, 1853;
    Btrr. zu e. schles. Wb., 1855;
    Altnord. Leben, 1856;
    Grammatik d. dt. Mundarten, 2 Bde., 1863 (Neudr. 1967) u. 1867 (Neudr. 1985);
    Heinrich Christian Boie, 1868, Neudr. 1970;
    J. M. R. Lenz, Dramat. Nachlaß, 1884 (Hg.);
    J. M. R. Lenz, Gedichte, 1891 (Hg.);
    Bibliogr.: M. Roediger, Gedächtnisrede auf K. W., in: Zs. d. Ver. f. Volkskde. 11, 1901, S. 353–76;
    Nachlaß: Archiv d. Berlin-Brandenburg. Ak. d. Wiss. Berlin;
    Staatsbibl. zu Berlin, Preuß. Kulturbesitz;
    Bibl. d. HU Berlin;
    Univ.bibl. Berkeley (USA) (T. d. privaten Bibl.).

  • Literatur

    |K. Dziatzko (Hg.), Festgruß an K. W. z. 70. Geb.tage am 26. Okt. 1893, 1893;
    W. Creizenach u. a. (Hg.), Btrr. z. Volkskde., FS K. W. z. 50j. Dr.jub. am 14. Jan. 1896 dargebracht im Namen d. Schles. Ges. f. Volkskde., 1896;
    Festgabe an K. W., Ihrem Ehrenmitgl. zu seinem 50j. Dr.jub., Dargebracht v. d. Ges. f. Dt. Philol. in Berlin, 1896;
    O. Brenner u. a., FS z. 50j. Dr.jubelfeier K. W.s am 14. Jan. 1896, 1896;
    FS d. Germanist. Ver. in Breslau, hg. z. Feier seines 25j. Bestehens, Dem Andenken K. W.s gewidmet, 1902;
    – E. Schmidt, Gedächtnisrede auf K. W., 1902;
    F. Vogt, in: ZDP 34, 1902, S. 137–62;
    F. Ilwof, K. W., Biographisches, Erinnerungen, Briefe, in: Steier. Zs. f. Gesch. 1, 1903, S. 71–103;
    E. Leitner, Die neuere dt. Philol. an d. Univ. Graz 1851–1954, 1973, S. 10–22;
    B. Rindermann, Die ersten Ordinarien am Germanist. Seminar, K. W., in: Wiss. Zs. d. HU Berlin/ Ges.- u. sprachwiss. R. 36, 1987, S. 782–84 (P);
    G. Osthues, „Die Macht edler Herzen u. gewaltiger Weiblichkeit“, Zwei frühe Btrr. z. Situation d. Frau im MA, in: Der frauwen buoch, Versuche zu e. feminist. Mediävistik, hg. v. I. Bennewitz, 1989, S. 399–431;
    H. Eberhard, K. W. in Graz, in: Btrr. z. Wiss.gesch. d. Volkskde. im 19. und 20. Jh., hg. v. K. D. Sievers, 1991, S. 23–40;
    B. Bönisch-Brednich, Volkskundl. Forsch. in Schlesien, 1994;
    K. Böldl, Altnord. Leben, Zur romant. Anthropol. K. W.s, in: Kontinuität in der Kritik, hg. v. dems. u. M. Kauko, 2005, S. 91–106;
    S. Firyn, Btrr. z. jüngeren u. jüngsten Gesch. d. dt. Sprache, 2011;
    U. Joost, Genrebilder aus d. Frühgesch. d. Dt. Philol., Aus d. Briefwechsel Karl Goedekes mit K. W., in: Archiv f. d. Studium d. neueren Sprachen u. Literaturen 248, 2011, S. 332–50;
    W. Kunicki, Sprache u. Pol., Zur Gesch. d. Germanistik an d. Univ. Breslau, in: Silesia nova 8, H. 3 / 4, 2011, S. 17–40;
    Breslau-Lex.;
    Lex. Grammaticorum;
    Internat. Germanistenlex. (W, L);
    Killy;
    Kosch Lit.-Lex³ (W, L).

  • Porträts

    |Lith. v. M. Dauthage, 1860 (Österr. Nat.bibl. Wien);
    Photogrr. (Breslau, Univ.mus. u. HU Berlin, Univ.bibl.).

  • Autor/in

    Jelko Peters
  • Zitierweise

    Peters, Jelko, "Weinhold, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 642-643 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118806521.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA