Lebensdaten
erwähnt 18. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Nürnberger Patrizierfamilie ; Kaufmannsfamilie
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 141246480 | OGND | VIAF: 120853659
Namensvarianten
  • Volchmair
  • Volckmair
  • Volkamair
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Zitierweise

Volckamer, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd141246480.html [28.02.2024].

CC0

  • Biographie

    1337 wanderte ein Hertel Volkmar (Hartwig I. Volckamer, 1375) aus dem oberpfälz. Neumarkt nach Nürnberg zu und wurde am 14. Febr. in das Bürgerrecht aufgenommen. Eine Verbindung der V. zum fränk. oder pfälz.-bayer. Ministerialenadel ist nicht belegt. Dieser erste in Nürnberg ansässige V. wurde bereits kurz nach seiner Bürgerrechtsaufnahme 1339 oder 1340 Mitglied des Größeren Rats der Reichsstadt.

    1362 gelang einem ersten Vertreter der V. als Jüngerer Bürgermeister der Aufstieg in den Kleineren Rat. Es ist nicht eindeutig belegbar, ob dies Hartwig I. oder sein gleichnamiger Sohn Hartwig II. ( 1379) war. Dieser Hartwig II. war jedoch sicher 1368, 1371 / 72 und 1379 jeweils als Jüngerer sowie 1373 und 1375 als Älterer Bürgermeister Mitglied im Kleineren Rat der Reichsstadt.

    Mit den Söhnen Hartwigs I. teilte sich das Geschlecht in zwei Hauptlinien, benannt nach den Wohnsitzen in die ältere Lorenzer Hauptlinie und die jüngere Sebalder Hauptlinie.

    Die ältere, begründet von Heinrich ( 1396) erlosch mit dem an der Pest verstorbenen Hans IX. ( 1602). Die jüngere Hauptlinie, begründet von Hartwig II., blüht bis heute.

    Wirtschaftliche Aktivitäten bildeten auch für diese Nürnberger Patrizierfamilie die Grundlage ihres Reichtums. Um 1400 handelten die V. mit Gewürzen und Tuchen am Niederrhein. Hans VII. (1469–1536), der letzte Ratsherr des Geschlechts aus der Lorenzer Hauptlinie und Schwiegersohn Anthonis II. Tucher (1457–1524), des führenden Kopfs der Tucherischen Handelsgesellschaft, hatte aufgrund der politischen Aktivitäten seines Schwiegervaters neben seinem Schwager Linhart II. Tucher (1487–1568) und dessen Onkeln Hans IX. (1452–1521) und Martin I. Tucher (1460–1528) eine führende Stellung in der Tucherfirma inne und bestimmte nach Anthonis II. Tod zusammen mit Linhart, Hans und Martin Tucher die Tucherische Geschäftspolitik. Ein entfernter Verwandter Hans’ VII., Clemens I. (1495–1541), der älteste Sohn des Vordersten Losungers Paul I. (1448–1505) aus der Sebalder Hauptlinie, war 1524–27 Mitgewerke Linharts II. Tucher auf der Zeche Stürmheit im thür. Ilmenau.

    Noch 1631 besaß Georg IV. (1560–1633) aus der Sebalder Hauptlinie, seit 1622 Vorderster Losunger und Reichsschultheiß, Handelsvollmacht in der in Nürnberg agierenden ital. Firma der Brüder Julius Caesar und Camillo Pestalozzi.

    Stärker als im Handel und Montanbereich traten die V. jedoch im diplomatischen Dienst ihrer Heimatstadt hervor: Peter I. ( 1432) aus der Sebalder Hauptlinie war neben Sebald I. Pfinzing (1372–1431) der wichtigste außenpolitische Vertreter der Reichsstadt im ersten Drittel des 15. Jh. Er verhandelte für diese bei Kg. Ruprecht (reg. 1400–10) und Kg. Sigismund (reg. 1410–37), bei den Bischöfen von Würzburg und Eichstätt, auf Reichstagen, in Streitsachen und auf dem Konstanzer Konzil sowie während der Hussitenkriege. Er kommandierte Nürnberger Truppen 1417 an der Seite Sigismunds gegen Hzg. Friedrich von Österreich (1382–1439), v. a. bewerkstelligte er mit Sebald Pfinzing im Namen des Rats der Reichsstadt 1427 den Kauf der burggräflichen Burg, der Nürnberger Reichswälder und anderer Rechte. Peter I. starb in diplomatischen Diensten, abgeordnet zu Sigismund am 5. 9. 1432 in Siena. 1400 erwarb er den Oberen Sitz in Burgfarrnbach bei Fürth, den seine Nachkommen 1493 an die Wolff v. Wolffsthal verkauften.

    Clemens I. wurde bereits als Jüngerer Bürgermeister mit Ratsbotschaften betraut, so 1523 mit Christof II. Scheurl (1481–1542) zu Ks. Karl V. (reg. 1519–56) nach Valladolid (Kastilien-Leon). 1525–41 war Clemens I. regelmäßig Nürnbergs Gesandter beim Schwäb. Bund, 1530 unterzeichnete er neben drei anderen Nürnberger Ratsherren auf dem Augsburger Reichstag im Namen der Reichsstadt die Augsburger Konfession. Er starb am 19. 7. 1541 auf der Heimreise vom Reichstag in Regensburg.

    Georg III. (1528–75), Sohn Georgs II. (1497–1554), des jüngeren Bruders Clemens’ I., nahm als Älterer Bürgermeister und Gesandter des Rats 1565–69 an den Treffen des Landsberger Bunds in Ingolstadt, München und Augsburg teil und gestaltete das dort verhandelte überkonfessionelle defensive Landfriedensbündnis maßgeblich mit. Als Kirchen- und Schulherr (1571–75) gilt er als einer der Gründer der Hohen Schule (ab 1623 Univ.) Altdorf, als deren erster Student sein Sohn Georg IV. immatrikuliert wurde.

    Wie seine Vorfahren wurde Georg IV. mit Ratsbotschaften betraut, so beispielsweise 1607 zum Reichstag in Regensburg. Daneben war er in zahlreichen reichsstädtischen Ämtern und Funktionen tätig – ab 1582 Genannter des Größeren Rats sowie Assessor und Schöffe am Stadtgericht, ab 1584 Ratsherr (Jüngerer Bürgermeister 1584, Älterer Bürgermeister 1602, Septemvir 1611, Oberster Hauptmann 1618, Zweiter Losunger 1620, Vorderster Losunger und Reichsschultheiß 1622), ferner 1587 Rugherr, 1590 Vormundherr, 1597 Scholarch, 1598 Oberalmosenpfleger, 1612 Kirchenpfleger bei St. Sebald, 1617 Ratsbaumeister, 1617 Pfleger des Katharinenklosters und auch bei St. Leonhard sowie 1622 Pfleger des Heilig-Geist-Spitals. Sein großes Ansehen außerhalb Nürnbergs zeigte sich darin, daß Georg IV. kurmainz. Rat unter vier Kurfürst-Erzbischöfen war und zum Hofrat Kg. Gustav II. Adolfs von Schweden (reg. 1611–32) ernannt wurde.

    Wie Georg IV. kurzzeitig 1617–20 übten weitere V. das Amt eines reichsstädtischen Ratsbaumeisters aus. Der bedeutendste unter ihnen war Georgs IV. Sohn Friedrich I. (1619–82). Er verantwortete 1667 den Bau des ersten Nürnberger Opernhauses, das sog. Nachtkommödienhaus, und 1672 des reichsstädt. Weizenbräuhauses, die Urzelle der heutigen Tucherbrauerei.

    Im Gegensatz zu den meisten anderen Nürnberger Patrizierfamilien erwarben die V. nie im größeren Stil Landgüter und Herrensitze im Umfeld der Stadt. Neben dem Sitz in Burgfarrnbach im 15. Jh. besaßen die V. im 17./18. Jh. das Herrenhaus Bremenstall bei Fürth-Unterfarrnbach, in der Mitte des 18. Jh. erwarben sie eine Anzahl kleinerer Herrensitze: Reichelsdorf und Tennenlohe (1750), Rasch (1756) und Thumenberg (1758), die aber in der 1. Hälfte des 19. Jh. wieder verloren gingen.

    Zu ihrem namensgebenden Sitz kamen die V. durch eine weitläufige Verbindung der im frühen 17. Jh. im Mannesstamm erloschenen Lorenzer Hauptlinie mit den Tetzel v. Kirchensittenbach. Jobst Friedrich Tetzel (1556– 1612), Sohn der Anna V. ( 1573), einer Tochter des Hans VII., war in zweiter Ehe mit Anna Schlüsselfelder (1565–1639) verheiratet. Als Jobst Friedrich Tetzel 1612 kinderlos starb, richtete er testamentarisch die heute noch bestehende, nach ihm benannte Familienstiftung ein. Diese umfaßte im Wesentlichen das Schloßgut Kirchensittenbach samt Zubehör. Als Nutznießer seiner Stiftung bestimmte der Stifter seine Witwe und ihre Herkunftsfamilie, die Schlüsselfelder, sowie die ältere Tetzellinie. Im Falle des Aussterbens der Schlüsselfelder testierte Jobst Friedrich im Wechsel die V. und die Behaim (nach Ver-|trag v. 28. 3. 1925 die Stromer) als Nutznießer der Stiftung. Nachdem 1709 die Schlüsselfelder und 1736 die Tetzel ausgestorben waren, traten diese Bestimmungen in Kraft.

    1813 wurden die V. als Edle dem bayer. Adel immatrikuliert. Im 19. Jh. übten Mitglieder der Familie – wie bei den meisten Nürnberger Patrizierfamilien – Berufe in der staatlichen bayer. Verwaltung (Zoll, Forst, Justiz) bzw. beim Militär aus. Bedeutendster Sproß der Familie in bayer. Zeit war der Historiker Guido Friedrich Christoph Jobst V. v. Kirchensittenbach (1860–1940) aus Passau. Die Bedeutung seiner Dokumentation der Nürnberger Familien und Geschichte kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Vom Bruder Richard (1857–92 / 93 ⚔) in die Kunst des Photographierens eingeführt, fertigte er archivalisch bis heute wichtige Aufnahmen von vielen Nürnberger Herrensitzen. Seine Heirat 1885 mit der vermögenden Antonie Reizammer (1860–1911) und die Nutznießung aus der Tetzelschen und Schlüsselfelderschen Stiftung ermöglichten es ihm, eine V.-Familien- und eine Norica-Sammlung anzulegen, die Pergamenturkunden, Zeitungsausschnitte, Ansichtskarten, Bücher, Graphiken, heraldisch-genealogische Archivalien, Stammbücher, Münzen, Medaillen, Gemälde und kunsthandwerkliche Objekte enthielt. Guido veräußerte Teile seiner Sammlungen – so u. a. 1911 die Norica-Sammlung an den Regierungsassessor in Zabern (Elsaß), Friedrich Frhr. Haller v. Hallerstein (1872–1944), der den größten Teil (etwa 4000 Nummern) 1944 testamentarisch der Stadt Nürnberg vermachte. Die danach neu zusammengetragene und ihre Vorgängerin in Umfang und Wert weit übersteigende Norica-Sammlung überließ Guido kurz vor seinem kinderlosen Tod dem German. Nationalmuseum.

  • Quellen

    |GNM, Hist. Archiv; StadtA Nürnberg; – J. Müllner, Die Ann. d. Reichsstadt Nürnberg v. 1623, 3 Bde., 1972–2003.

  • Literatur

    |H. Pohl, Guido v. V. u. seine Slgg., in: Mitt. d. Ver. f. Gesch. d. Stadt Nürnberg 52, 1963 / 64, S. 554–59;
    G. Hirschmann, Das Nürnberger Patriziat im Kgr. Bayern 1806–1918, 1971;
    L. F. Peters, Der Handel Nürnbergs am Anfang d. Dreißigj. Krieges, 1994, S. 184;
    A. Frenken, Nürnberg, Kg. Sigmund u. d. Reich, Die städt. Ratsgesandten Sebolt Pfintzing u. Petrus Volkmeir in d. Reichspol., in: Jb. f. fränk. Landesforsch. 58, 1998, S. 97–165;
    P. Fleischmann, Rat u. Patriziat in Nürnberg, 2008, S. 1043–68;
    W. Bauernfeind, Marktinformationen u. Personalentwicklung e. Nürnberger Handelsges. im 16. Jh., Das Briefarchiv v. Anthoni u. Linhart Tucher in d. Zeit v. 1508 bis 1566, in: Beschaffungs- u. Absatzmärkte oberdt. Firmen im Za. d. Welser u. Fugger, hg. v. A. Westermann u. St. v. Welser, 2011, S. 23–60;
    G. Friedrich, Bibliogr. z. Patriziat d. Reichsstadt Nürnberg, 1994;
    Stadtlex. Nürnberg;
    Nürnberger Künstlerlex.;
    Adelslex. 15, GHdA 134, 2004.

  • Autor/in

    Michael Diefenbacher
  • Zitierweise

    Diefenbacher, Michael, "Volckamer" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 82-84 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd141246480.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA