Lebensdaten
1836 bis 1925
Geburtsort
Riga
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Forschungsreisender ; Afrikaforscher ; Botaniker ; Geologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118760041 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schweinfurth, Georg August
  • Schweinfurt, Georg
  • Schweinfurt, Georg
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Schweinfurth, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118760041.html [26.09.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (Jörg) Adam (1787–1859), aus Wiesloch (Pfalz), Küfer, 1810 n. R. ausgewandert, wo er d. Fa. G. A. Schweinfurth gründete, S d. Rudolf, Küfermeister in Wiesloch, u. d. Katharina Seitz; M Louise (1796–1875), aus R., T d. Johann Jakob Mauer, Schuhmacher, u. d. Caroline Luise Salchow; Schw Julie ( Julius Behrens, Kaufm. in R.); – ledig; Gr-N Konrad Guenther (1874–1955), ao. Prof. d. Zool. in Freiburg (Br.) (s. NDB VII; L); Verwandter Philipp (1887–1954), Dr. phil., Kunsthist., Privatgel. in München, 1914–19 Doz. an d. TU in R., 1919–26 Doz. an d. Lett. Hochschule u. an d. Kunstak. ebd., 1932–35 apl. ao. Prof. f. Kunstgesch. in Breslau, 1936 ao., 1945–49 o. Prof. f. frühchristl. Kunst an d. Univ. Berlin, 1949–50 an d. Univ. Zürich, seit 1950 f. byzantin. Kunstgesch. in Istanbul (s. Dt.balt. Biogr. Lex.; W), S d. Georg Daniel, Kaufm. in R.

  • Leben

    Finanziell zeitlebens unabhängig, konnte S. seinem Interesse für Botanik und Paläontologie nachgehen. Er studierte 1856–62 in Heidelberg (1863 Dr. phil.), München und Berlin Botanik. Neben dem Studium katalogisierte er die botan. Sammlungen, die Adalbert v. Barnim (1841–60) und Robert Hartmann (1832–93) aus dem Sudan mitgebracht hatten. 1863–66 führte S. botan. Feldstudien bei Khartum und am Roten Meer durch. Seine Dissertation über die Pflanzen der Nilländer bildete den Anfang einer langen Serie von Publikationen über die Flora Afrikas. Seine Forschungen erregten die Aufmerksamkeit der Alexander v. Humboldt-Stiftung und der Preuß. Akademie der Wissenschaften, die S. mit weiteren Forschungsreisen betrauten und unterstützten.

    Im Jan. 1869 reiste S. von Khartum aus zum Weißen Nil und drang in Gesellschaft von Elfenbein- und Sklavenhändlern in die bislang unbekannten Gebiete der Dinka, Nuer, Bongo und Njam-Njam vor. Die Erfahrungen mit seinen Reisebegleitern machten ihn zu einem lebenslangen Gegner der Sklaverei. Da die von ihm beschriebenen Stämme durch die Sklavenhändler praktisch ausgerottet wurden, besitzen die Beschreibungen S.s besonders großen dokumentarischen Wert. Die von den Stämmen der Niam-Niam, Azande und Mangbattu als Jagdhunde benutzten „Basenjis“ machte S. unter dem Namen „Kongo-Terrier“ in Europa bekannt und beschrieb sie detailliert. Im März 1870 entdeckte S. den Fluß „Welle“ oder „Uelle“, der hydrographisch unabhängig vom Nil war. Seine Vermutung, daß der gefundene Fluß zum Einzugsbereich des Tschadsees gehöre, stellte sich als richtig heraus. Die Auffindung des Uelle war die wohl wichtigste geographische Leistung S.s, die wesentlich dazu beitrug, die Hydrographie des Bahr el Ghazal-Systems, eines Nebenflusses des Weißen Nils, zu erhellen. Größere Bedeutung hatten jedoch seine Erkenntnisse über die Bewohner sowie die Flora und Fauna Zentralafrikas. Er beschrieb detailliert die kannibalischen Traditionen der Mangbetu und den bereits in der Antike erwähnten Pygmäenstamm der Akka und deren Siedlungsgewohnheiten. 1871 gelangte|er wieder nach Khartum und kehrte von dort nach Deutschland zurück.

    1873/74 begleitete S. Gerhard Rohlfs (1831–96) bei dessen Expedition in die libysche Wüste und ließ sich anschließend in Kairo nieder, wo er 1878 eine geogr. Gesellschaft gründete. 1876 drang er in die arab. Wüste vor und blieb dort mit Unterbrechungen bis 1888. 1885 entdeckte er im Wadi Garawi am östl. Nilufer die Reste einer antiken Staumauer (2600 v. Chr.), eine der ältesten bekannten Talsperren der Welt. Im Niltal führte er geol. und botan. Untersuchungen in der Oase Fayoum und der umliegenden Wüste durch. Die Entdeckung (1884) des „Schweinfurth-Tempels“ in der ägypt. Wüste Qasr-el-Saga machte ihn auch bei Archäologen bekannt. 1889 kehrte S. nach Berlin zurück, reiste aber 1891, 1892 und 1894 erneut nach Afrika und besuchte die ital. Kolonie Eritrea und Abessinien.

    S. zählt zu den namhaftesten Afrikaforschern. Er erweiterte unsere Kenntnisse der Botanik, Wirtschaft, Völkerkunde, Vorgeschichte und der Archäologie Afrikas und war zudem Sprachforscher und Ägyptologe. Er war einer der ersten, der bei Ausgrabungen den botan. Grabbeigaben Aufmerksamkeit widmete und diese präparierte und so konservierte. Kennzeichnend für S. ist die außerordentliche Vielseitigkeit seines Werkes, das mehr als 400 Publikationen sowie umfangreiche Sammlungen und deren akribische Dokumentation umfaßt. S.s Sammlungen wurden von ihm selbst an verschiedene Museen in Europa, Afrika und Amerika verteilt. Sein Reisebericht „Im Herzen von Afrika“ (1874, 31918) wurde zum bis heute gelesenen Klassiker.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Leopoldina (1867, Ehrenmitgl. 1925); Goldmedaille d. Royal Geographical Soc., London (1874); korr. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1882); Ehrenmitgl. v. etwa 30 geogr. u. naturwiss. gel. Ges.; Dr. phil. et med. h. c.

  • Werke

    Reise an d. Küste d. Roten Meeres v. Kosser bis Suakin, in: Zs. d. Ges. f. Erdkunde, 1865; Btrr. z. Flora Äthiopiens, 1867; Pflanzengeogr. Skizzen d. gesamten Nilgebietes u. d. Uferländer d. Roten Meeres, in: Petermanns Geograph. Mitt., 1868; Im Herzen v. Afrika, Reisen u. Entdeckungen im Centralen Äquatorial-Afrika während d. J. 1868–1871, 2 Bde., 1874, 1922, 1930 u. ö., 1984, engl. u. d. T. The heart of Africa, 1873, 1878; De la flore pharonique, 1881; Aufnahmen in d. östl. Wüste v. Ägypten, 10 Kartenbll., 1897–1902; Auf unbetretenen Wegen in Ägypten, 1922; Afrikan. Skizzenbuch, verschollene Merkwürdigkeiten, 1925; – Hg.: Emin Paschas Reisebriefe, 1888 (mit F. Ratzel); – W-Verz. zu Philipp: H. Ladendorf, P. S:, Schrr.verz. in chronol. Folge, in: Aus d. byzantinist. Arb. d. Dt. Demokrat. Rep., Bd. 2, 1957, S. 187–205.

  • Literatur

    | M. Blankenhorn, in: Petermanns Geogr. Mitt. 1925; M. Linke, G. S. u. sein Wirken als Geograph, ebd. 121, 1977, S. 247–51; W. Busche, in: Berr. d. dt. botan. Ges., 1925; S. Passarge, in: Mitt. d. Geogr. Ges. Hamburg, 1926; H. Munier, in: Bull. de la Soc. Royale de Géographie d'Egypt BSRGE 14, 1926, S. 65–72; K. Guenther, in: Balt. Mhh. 1937, S. 134 ff.; ders., G. S., Lb. e. Afrikaforschers, Briefe v. 1857–1925, in: H. W. Frickhinger (Hg.), Gr. Naturforscher 17, 1954; K. Kayser (Hg.), Die berühmten Entdecker u. Erforscher d. Erde, 1965; K. Schleucher (Hg.), Pioniere u. Außenseiter, 1968, S. 332–53; G. Guadalupi, Der Nil, Die Gesch. seiner Eroberung u. Entdeckung, o. J., S. 234–41 (P); Ostdt. Gedenktage 1986, S. 196 f. (P); ebd. 2000, S. 181–84; Wi. 1911; Dt.balt. Biogr. Lex.; Who was Who in Egyptology, 1995 (P); Pogg. III–V; DuMonts Enz. d. Seefahrer u. Entdecker, 2002 (P); Killy; Kosch, Lit.-Lex.3; Lex. Bryologen (P); Henze, Entdecker.

  • Portraits

    Relief v. J. v. Kopf, 1902 (Berlin, Humboldt-Univ.), Abb. in: A. Keune, Gelehrtenbildnisse d. Humboldt-Univ. zu Berlin, 2000, S. 123.

  • Autor

    Ursula von den Driesch
  • Empfohlene Zitierweise

    Driesch, Ursula von den, "Schweinfurth, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 50-51 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118760041.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Artikel noch nicht erschlossen.