Lebensdaten
1908 bis 1981
Geburtsort
Redel (Kreis Belgard-Schivelbein, Pommern)
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Photographin
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11861925X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Strelow, Liselotte Ella Frieda (geborene)
  • Guiard, Liselotte (verheiratete)
  • Strelow, Liselotte
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Zitierweise

Strelow, Liselotte, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11861925X.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Leonhard Reinhard Reinhold (1877–1920), Landwirt, erwarb 1912 d. Gut Charlottenhof (Kr. Neustettin, Hinterpommern), S d. Albert († 1920), Bauernhofbes., u. d. Emilie Leske;
    M Hedwig Renate Auguste (1883–1960), T d. August Peter, Bauernhofbes., u. d. Therese Technow;
    1 B, 1 Schw;
    1943 Guido (1910–44), aus Tempelburg (Kr. Neustettin), Dr. phil., Studienassessor, S d. Paul Guido Erich Guiard, Lehrer, u. d. Hedwig Anna Maria Schröder; kinderlos.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Volksschule und eines privaten Lyzeums erhielt S. eine Ausbildung zur Landwirtin auf dem väterlichen Gut. 1930 begann sie eine Berufsausbildung in Berlin, wo sie nach zwei Semestern Fotografie beim Lette-Verein ihre Ausbildung bei der renommierten Porträtphotographin Suse Byk (1885-n. 1960) am Kurfürstendamm fortsetzte und 1933 mit der Gesellenprüfung abschloß. Es folgten fünf Jahre Tätigkeit beim Berliner Werk der Eastman Kodak Company aus Rochester (USA), die in der Entwicklung neuer Techniken führend war. Hier eignete sich S. umfängliches fototechnisches Wissen wie auch neueste Werbemethoden an. 1936 absolvierte sie die Meisterprüfung, 1938 erstand sie im Zuge der „Arisierung“ das Atelier von Suse Byk.

    Zunächst fertigte S. Porträtaufnahmen für die Stars der Berliner Film- und Unterhaltungsindustrie wie auch für die großen Theaterschauspieler an; mit Ausbruch des Krieges kamen v. a. junge Adlige, um sich vor ihrem Einsatz an der Front fotografieren zu lassen. Um der Bombardierung Berlins zu entgehen, verlagerte S. 1943 den größeren Teil ihres Ateliers nach Neustettin in Pommern und war dort höchst erfolgreich tätig. Zu Jahresbeginn 1945 floh sie aus Pommern und kam über Elmshorn nach Detmold, wo sie an der neugegründeten Musikakademie Künstler wie Orff und Pfitzner, Agnes Miegel und Werner Bergengruen, auch Politiker wie Kurt Schumacher porträtierte. 1949 ging sie auf|Empfehlung von Gustaf Gründgens nach Düsseldorf und begleitete dort fünfzehn Jahre lang zunächst dessen, später Karlheinz Stroux’ (1908–85) Theaterinszenierungen. Berühmt wurden ihre Porträts von Helene Weigel, Jean Cocteau, Therese Giehse, Marianne Hoppe und immer wieder von Gründgens. Zeitgleich arbeitete sie 1952–61 als Vertragsfotografin in Bayreuth und für Oscar Fritz Schuh am Kölner Schauspiel (1959–62). Der künstlerischen Moderne nahestehend, unterhielt sie Kontakt zu Hans Werner Henze, Jean Cocteau, Uwe Johnson, Henry Moore sowie Hans Scharoun. Für ihre von Siegfried Mohrhof (* 1925), Programmleiter beim WDR, angeregte Fernsehreihe „Sagt die Fotografie die Wahrheit?“ (10 T., WDR, 1965) erhielt S. 1966 den Adolf-Grimme-Preis. 1951 gehörte S. als einzige Frau zu den 20 Gründungsmitgliedern der Dt. Gesellschaft für Photographie. Mit zahlreichen Zeitungsartikeln beteiligte sie sich an politischen und fachlichen Debatten, etwa mit der Forderung, Fotografie als ernstzunehmenden Spiegel der Zeit und der Gesellschaft zu betreiben. 1961 gab sie mit dem Buch „Das manipulierte Menschenbildnis“ Einblick in die ästhetischen und technischen Grundlagen ihrer Arbeit. 1967 zog S. nach Berlin, 1969 nach München, von dort 1976 nach Hamburg, wo sie, inzwischen schwer erkrankt, ihre Lebenserinnerungen verfaßte (unvollendet, Nachlaß Raschke). S.s Porträts lesen sich wie eine Bildbiographie der Zwischenkriegs- und Nachkriegszeit. Bedeutende Politiker wie Adenauer, Heuss und Lübke, Künstler wie Boris Blacher, Thomas Mann, Heinrich Böll, Joseph Beuys, Marlene Dietrich, Hildegard Knef, Wissenschaftler wie Werner Heisenberg und Alexander Mitscherlich und Industrielle wie Helmut Horten und Gabriele Henkel standen vor ihrer Kamera. Bemüht, in ihren Porträts stets den individuellen „Moment der Wahrheit“ abzubilden, der Zufall und Beiwerk überdauert, „schuf sie von vielen die gültigen, jedenfalls die einprägsamsten und sensibelsten Porträts“ (K. Honnef).

  • Auszeichnungen

    A u. a. Silberne Medaille d. KODAK-Wettbewerbs v. Rochester (1936); Gausieger im Handwerker-Wettkampf d. Berufsgruppe Photographen (1939); Preis d. Internat. Kunstausst. in Salzburg (1951); Goldmedaille d. Internat. Fotobiennale in Venedig (1957); 1. ,Photokina-Auge` d. Photokina in Köln (1958); David-Octavius-Hill-Medaille d. Ges. Dt. Lichtbildner (1969); – Mitgl. d. Journalistenverbands (1948) u. d. Dt. Werkbunds (1950).

  • Werke

    Weitere W u. a. Gerhard Marcks, Dietrich Fischer-Dieskau, Maria Schell, Egon Eiermann, Kaschnitz, Lil Dagover, Martin Buber, Hans Günter Winkler, Sergiu Celibidache, Peggy Guggenheim (Nachlaß Raschke);
    Schrr.:
    Etwas über Theaterfotogr., in: Dt. Schauspieler d. Gegenwart, hg. v. K. J. Lemmer, 1955;
    Das manipulierte Menschenbildnis, 1961, engl. u. d. T. Photogenic Portrait Management, 1966;
    Nachlaß: Theaterphotogrr.
    im Dumont-Lindemann-Archiv, Düsseldorf (Theatermus. Düsseldorf);
    weitere Nachlaßteile: Rhein. Landesmus. Bonn;
    Privatbes. (Heide Raschke, Hamburg).

  • Literatur

    L. S., Portraits 1933–1972, Ausst.kat. Rhein. Landesmus. Bonn, hg. v. K. Honnef, 1977;
    L. S. (1908–1981), Ausst.kat. Bad Bevensen, hg. v. D. Gosselk u. H. Raschke, 1989;
    S. Darchinger, Gesicht als Ereignis, L. S. Porträtphotogr. 1936–1974, 1997 (P, Ill.);
    Szenen-Wechsel, Von Gründgens bis Badora, Fünf J.zehnte Düsseldorfer Schauspielhaus im Objektiv dreier Fotografinnen, L. S., Lore Bermbach, Sonja Rothweiler, hg. v. W. Keiszies, 2001;
    Ch. Kuhlmann, Bewegter Körper – Mechanischer Apparat, Zur medialen Verschränkung v. Tanz u. Fotogr. in d. 1920er J. ( . . . ), 2003;
    L. S., Momente d. Wahrheit, Bilder e. Jh., mit e. Text v. M. Müller-Rytlewski, 2006;
    Facts – Tatsachen, Ausst.kat. Mus. Ludwig, Köln, hg. v. B. v. Dewitz, 2006, S. 260–62;
    L. S. Retrospektive 1908–1981, Ausst.kat. Rhein. Landesmus. Bonn, hg. v. K. Honnef u. a., 2008 (Verz. d. Schrr., L);
    J. Krichbaum, Lex. d. Fotografen, 1981.

  • Portraits

    Selbstporträt im Münchner Atelier, 1975, Abb. in: Darchinger (s. L), Abb. 1.

  • Autor/in

    Marlene Müller-Rytlewski
  • Empfohlene Zitierweise

    Müller-Rytlewski, Marlene, "Strelow, Liselotte" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 539-540 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11861925X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA