Lebensdaten
1823 bis 1904
Geburtsort
Graz
Sterbeort
Pottschach (Niederösterreich)
Beruf/Funktion
österreichischer Politiker ; Kultusminister
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117317810 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stremayr, Karl Anton Franz Ritter von
  • Stremayr, Carl (bis 1864)
  • Stremayr, Carl Ritter von (seit 1864)
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Zitierweise

Stremayr, Carl Ritter von (seit 1864), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117317810.html [01.04.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus österr. Mil.beamtenfam.;
    V Franz S., Beamter d. k. k. Feldapothekenverw.;
    M N. N.;
    B Alexander v. S. (* 1825), k. u. k. Hptm. (s. Wurzbach);
    – ⚭ N. N. Freiin v. Gudenus;
    T Lina ( wohl Johann [Hans] Schemua, 1850–1919, k. u. k. Gen. d. Inf., Kdt. d. Landesverteidigung in Tirol u. Vorarlberg, GR, s. ÖBL);
    N Bertha v. S. ( Josef Freyn, 1845–1903, Bauing. in Prag, Botan., s. NDB V).

  • Leben

    S. wuchs bei den Großeltern in Graz auf und besuchte das Gymnasium der Admonter Benediktiner. Ein Studium der Rechtswissenschaften 1840–45 in Graz schloß er 1846 mit der Promotion zum Dr. iur. ab und war anschließend bis 1849 als Konzeptspraktikant bei der Kammerprokuratur in Graz tätig. Im Frühjahr 1848 wurde er als jüngster Abgeordneter in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt, wo er sich – großdt., aber nicht antidynastisch gesinnt – der linken Mitte anschloß („Württemberger Hof“). Nach 1849 war S. kurzzeitig Supplent an der Jur. Fakultät in Graz, bevor er 1850 eine Laufbahn als Staatsanwalt einschlug (1850–55 Staatsanwaltssubstitut b. d. Finanzprokuratur, 1855–59 Ratssekr. d. Landesger., 1859–|64 Staatsanwaltssubstitut b. d. Gen.prokuratur, 1864–69 Landesger.rat), die zeitweise von seinem Ruf als „48er“ beeinträchtigt wurde.

    Seit 1861 stellte S., der von sich selbst sagte: „Die hohe Politik war nie mein Gebiet“, seine administrativen Fähigkeiten als Landesausschußbeisitzer in der Steiermark unter Beweis. 1868 wurde er von Carl Giskra (1820–79) als Ministerialrat ins Innenministerium geholt, 1869 in den Reichsrat gewählt. Als Folge der Krise des dt.-liberalen Bürgerministeriums erfolgte 1870 S.s Ernennung zum Unterrichtsminister im Kabinett Hasner. S. führte dieses Amt nach einigem Zögern im Kabinett Potocki fort, das einen Ausgleich mit den Slawen herbeiführen sollte, verlangte aber freie Hand in Ressortangelegenheiten. Die Verkündigung des Unfehlbarkeitsdogmas auf dem 1. Vatikan. Konzil 1870 bot ihm die willkommene Handhabe, das Konkordat von 1855 für ungültig zu erklären.

    Nach dem Intermezzo des konservativen Kabinetts Hohenwart 1871 wurde S. im Kabinett Auersperg 1871–78 erneut mit dem Kultus- und Unterrichtsressort betraut. Seine konziliante Amtsführung an der Spitze dieses Schlüsselressorts der Kulturkampfära – mit guten Beziehungen zu Teilen der kath. Hierarchie – trug ihm die wachsende Kritik seiner engeren, bald ehemaligen Gesinnungsgenossen ein, weil er den „unerfüllbaren Wünschen“ des antiklerikalen, alpenländischen Flügels der liberalen Verfassungspartei nicht gerecht zu werden vermochte. Als das Gros der Deutschliberalen wegen der Okkupation Bosniens in die Opposition überging, wurde S. als dienstältester Minister im Febr. 1879 mit der Leitung eines Übergangskabinetts betraut und nach den Wahlen im August von Eduard Taaffe (1833–95) abgelöst, der S. als Justizminister und liberales Aushängeschild für sein über den Parteien stehendes „Kaiserministerium“ behielt. S. mußte mit seinem Namen noch die „Stremayr’schen Verordnungen“ (19. 4. 1880) decken, welche die Verwendung der dt. Sprache bei Prozessen einschränkten, bevor ihm am 26. 6. 1880 der Rücktritt bewilligt wurde. Als 2., seit 1891 als 1. Präsident des Obersten Gerichtshofes amtierte S. – 1889 ins Herrenhaus berufen – noch bis 1899.

    S. war einer der „48er“, die in ihrer späteren Laufbahn an ihrem jugendlichen Idealismus gemessen wurden, gleichwohl als (gemäßigte) Linke der Verfassungskämpfe den Ansprüchen der Linken der Kulturkampfära nicht genügen konnten. Anton Bruckner, dessen Entwicklung S. unterstützt hatte, widmete ihm 1876 seine 5. Sinfonie.

  • Auszeichnungen

    A Ehrenmitgl. d. Österr. Ak. d. Wiss. (1894).

  • Werke

    Erinnerungen aus d. Leben, 1899.

  • Literatur

    W. Rogge, Österr. seit d. Katastrophe Hohenwart-Beust, 1879;
    G. Kolmer, Parlament u. Vfg. in Österr., Bd. 2, 1904;
    A. v. Czedik, Zur Gesch. d. k. k. Ministerien 1861–1916, Bd. 1, 1917, S. 115–35;
    G. E. Zündel, K. v. S., Diss. masch. Wien 1944;
    E. Marko-Stöckl, Die Entwicklung d. pol. Landschaft in d. Steiermark am Fallbsp. d. Liberalen d. sechziger u. frühen siebziger Jahre d. 19. Jh., in: Zs. d. hist. Ver. f. Steiermark 84, 1993, S. 171–91;
    L. Höbelt, 1848, Österr. u. d. dt. Rev., 1998;
    Wurzbach;
    BJ IX, S. 118–30 u. Tl.;
    Kosch, Biogr. Staatshdb.;
    Personenlex. Österr.;
    Biogr. Hdb. Frankfurter NV;
    ÖBL (L).

  • Autor/in

    Lothar Höbelt
  • Empfohlene Zitierweise

    Höbelt, Lothar, "Stremayr, Carl Ritter von" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 540-541 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117317810.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA