Lebensdaten
1909 bis 1960
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Prien/Chiemsee
Beruf/Funktion
Historiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118643088 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Valjavec, Friedrich Maria Ludwig
  • Valjavec, Fritz
  • Valjavec, Friedrich Maria Ludwig

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Valjavec, Fritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118643088.html [31.05.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Ludwig August (* 1879), Rechnungs-Official im Finanzmin. in W., S d. Andreas (* 1850), Eisenbahner, u. d. Pauline Kamnikar (* 1843);
    M Maria Katharine (* 1871), Tonkünstlerin, T d. Friedrich Schiessel (* 1833), Maschinist, u. d. Anna Swaty (* 1844);
    München 1938 Therese Kotter (* 1909);
    1 S Friedrich Alexander (* 1947), Anthropol., 1 T Veronika (* 1941).

  • Leben

    V. wuchs in Wien und Werschetz (Banat) auf, bevor er um 1919 mit Mutter und Schwester (der Vater verließ Wien wohl schon früher) nach Budapest zog. Hier erhielt er privaten Volksschulunterricht und besuchte 1923–30 die Reichsdt. Schule. Nachdem eine Immatrikulation an der Univ. Wien, die V.s Abiturzeugnis nicht anerkannte, gescheitert war, studierte V. seit 1930 Geschichte und Germanistik in München, wo er durch den Direktor des Südost-Instituts (SOI), Karl Alexander v. Müller (1882–1964), und durch Arnold Oskar Meyer (1877–1944) gefördert wurde. 1934 wurde V. bei v. Müller mit der Biographie „Karl Gottlieb von Windisch, Das Lebensbild eines südostdeutschen Bürgers in der Aufklärungszeit“ (gedr. 1936) zum Dr. phil. promoviert.

    1934/35 wirkte V. als wiss. Mitarbeiter im Südostausschuß der Dt. Akademie in München, verließ diese aber nach Streitigkeiten um Direktor Karl Haushofer (1869–1946) und erhielt auf Betreiben v. Müllers ein Habilitationsstipendium der DFG. Noch 1935 wurde er wiss. Mitarbeiter des SOI, wo er auf Anweisung des Stiftungsrats die Institutszeitschrift „Südostdeutsche Forschungen“ (seit Bd. 5, 1940: Südost-Forsch., SOF) gründete, deren Ausrichtung er vom ersten Band 1936 bis zu seinem Tod als Herausgeber maßgeblich bestimmte. Unter v. Müllers Nachfolger als Direktor des SOI, Friedrich Machatschek (1876– 1957), stieg V. zum Geschäftsführer (1937) sowie stellv. Leiter (1943) auf und betreute auch die Monographienreihe des Instituts. Daneben habilitierte er sich 1938 mit dem Thema „Der deutsche Kultureinfluß im nahen Südosten“ (gedr. 1940). Ebenfalls 1938 erhielt er auf Betreiben der Südostdt. Forschungsgemeinschaft (SOFG), zu deren Vorstand Machatschek gehörte, ein Stipendium vom SOI für Archivstudien in Budapest. 1940 nahm er einen Lehrauftrag am Lehrstuhl für Volks- und Landeskunde Südosteuropas an der neueingerichteten Auslandswissenschaftlichen Fakultät (AF) der Univ. Berlin an (ao. Prof. 1943) und rückte in den Stiftungsrat des SOI auf. Von Mitte bis Ende 1941 leistete V. Kriegsdienst unter Alois Persterer (1909–45) im Sonderkommando 10b der Einsatzgruppe D in der Bukowina.

    Nach dem 2. Weltkrieg setzte sich V. entschlossen für die finanzielle Wiedereinrichtung des SOI ein, das der Rechtsform nach fortbestand, aber dessen stark dezimiertes Stiftungskapital und weggebrochene Förderung einer Neuregelung bedurften. 1951 war die Weiterführung des SOI unter Karl August Fischer (1885–1975) gewährleistet. V. amtierte als geschäftsführender Direktor und regte in der Folgezeit die Gründung von Vereinigungen mit Südosteuropabezug an (u. a. Südostdt. Forsch.stelle, 1951, Südosteuropa-Ges., 1952, Südostdt. Hist. Komm., 1957), in denen er administrative und editorische Aufgaben übernahm. Seit 1954 lehrte V. als Honorarprofessor in München; 1958 erhielt er hier das Ordinariat für Wirtschaft und Gesellschaft an der Staatswirtschaftlichen Fakultät. Seit 1955 fungierte er auch als Direktor des SOI.

    Prägend für V.s historiographisches Schaffen waren seine Jugendjahre in „Rumpfungarn“ und die Bekanntschaft mit Jakob Bleyer (1874–1933), für dessen „Dt.-Ungar. Heimatsblätter“ V. seit 1931 gelegentlich schrieb, der ihm das Studium in München durch ein Stipendium ermöglichte und zeitlebens als Mentor wichtig blieb. V.s Augenmerk galt folglich der Nationalitätenfrage sowie der kulturellen Rolle des Dt.tums in Ungarn, später im Südostraum. Sein Hauptwerk ist die auf fünf Bände erweiterte Fassung seiner Habilitationsschrift (Gesch. d. dt. Kulturbeziehungen zu Südosteuropa, 1953–70, Bd. 4 u. 5 postum), die vom Mittelalter bis in das 19. Jh. v. a. kulturgeschichtliche Komponenten berücksichtigt. Verdienste erwarb V. auch durch programmatische Beiträge zur Ausrichtung der Südosteuropa-Forschung und die Übernahme der Herausgeberschaft des von Fritz Kern (1884–1950) universalhistorisch konzipierten Handbuchs „Historia Mundi“ (10 Bde., 1952–61).

    V.s Persönlichkeit wird heute ambig beurteilt: Als bleibende Verdienste werden v. a. die Trennung der Südosteuropa- von der Osteuropaforschung sowie die programmatische Ausrichtung des SOI nach diesem Aspekt gewertet, wenn auch im damaligen engen Blick auf das „Südostdeutschtum“. Zudem pflegte V. eine umfangreiche wissenschaftliche Kooperation mit zahlreichen Autoren aus dem südosteurop. Raum, auch wenn diese andere Standpunkte als V. selbst vertraten, was heterogene Beiträge in den SOF gewährleistete. Daneben steht sein Wirken während der NSZeit. V.s bis 1941 fehlende dt. Staatsbürgerschaft (zuvor jugoslaw.) stand u. a. einer Lehrtätigkeit bzw. Lehrstuhlübernahme im Weg. Zielstrebig diente sich V. daher dem NSMachtapparat an und nutzte sein Netzwerk zur „Gleichschaltung“ der südosteurop. dt. Minderheiten im Sinne der NS-Volksgruppenpolitik. Als Mitglied der NSDAP (1. 5. 1933) und des NS-Studentenbundes (NSDStB) engagierte er sich in der Studentenschaft München und knüpfte u. a. Kontakte zu Franz Ronneberger (1913–99) und Franz Alfred Six (1909–75). Ronneberger ermöglichte als Leiter des Außenamtes der Studentenführung (seit 1935) V. die Abhaltung zweier Kurse an der Univ. München; Six verpflichtete ihn 1940 für die auf Geheiß der SS neu geschaffene AF und das Auslandswissenschaftliche Institut (DAWI).

    V.s Wirken in der SS ist vor dem Jahr 1941, in dem er im Range eines SS-Untersturmführers geführt wird, umstritten; wohl nur 1934 gehörte er dem SS-Reservesturm 2/I. an. Seit 1940 finanzierte das DAWI die SOF mit. V. brachte das SOI mit Unterstützung von Six unter Ausschaltung des von Georg Stadtmüller (1909–85) geführten Leipziger Südosteuropa-Instituts in enge Bindung an das Reichssicherheitshauptamt (RSHA), was den Fortbestand des Instituts sicherte, allerdings auf Kosten einer noch stärkeren Ausrichtung hin zu der von der SS propagierten Gegnerforschung. Dementsprechend zwiespältig bleibt auch V.s Rolle während seines einzigen Kriegseinsatzes: Das Sonderkommando 10b, für das V. 1941 nach eigener Behauptung ausschließlich als Dolmetscher fungierte, wobei sein Einsatz als politischer Agent belegbar ist, war in Czernowitz für Massenexekutionen verantwortlich. Noch 1961 wurde er von einem Zeugen belastet, sich aktiv an der Ermordung von Juden beteiligt zu haben. Da hatte V.s Tod bereits die 1957 gegen ihn eröffneten Untersuchungen in dieser Sache ohne konkretes gerichtliches Ergebnis beendet.

  • Auszeichnungen

    A Gründungsmitgl. u. Dir. d. Südostdt. Forsch.stelle e. V. (1951); Gründungsmitgl. u. Geschäftsführer d. Südosteuropa-Ges. (1952); Vorstandsmitgl. d. Südostdt. Hist. Komm. (1957); Präsidialmitgl. d. Ostdt. Kulturrats; Geschäftsführer d. Dt.-Ungar. Ges. München; Mitgl. d. Südostdt. Rats München.

  • Werke

    Weitere W Wege u. Wandlungen dt. Südostforsch., in: SOF 1, 1936, S. 1–14;
    Der Werdegang d. dt. Südostforsch. u. ihr gegenwärtiger Stand, ebd. 6, 1941, S. 1–37;
    Betrachtungen z. Lage unserer Kultur, 1941;
    Südosteuropa u. Balkan, Forsch.ziele u. Forsch.notwendigkeiten, ebd. 7, 1942, S. 1–8;
    Der Josephinismus, Zur geist. Entwicklung Österr. im 18. u. 19. Jh., 1944, 21945;
    Die Entstehung d. pol. Strömungen in Dtld. 1770–1815, 1951, 21978;
    Gesch. d. abendländ. Aufklärung, 1961, span. 1964, ital. 1973;
    Hg.: Wiss. Dienst Südosteuropa 1952–60;
    Ostdt. Wiss. 1954–60;
    Südostdt. Archiv 1958–60;
    Bibliogr.: F. v. Schroeder, Verz. d. Arbb. v. F. V., in: SOF 19, 1960, S. 17–33;
    Verz. d. Arbb. v. F. V. u. Übersicht über d. Nachrufe auf F. V., in: Ausgew. Aufss., s. L, S. 411–18;
    Nachlaß: Bayer. HStA München, Abt. V: Nachlässe u. Slgg. (Briefe).

  • Literatur

    L K. A. Fischer, in: SOF 19, 1960, S. 1–15 (P); H. Steinacker, Der Kulturhist. F. V. (1909–1960), in: Südostdt. Archiv 3, 1960, S. 3–13;
    H. Diplich, in: Südostdt. Vjbll. 9, 1960, S. 57–60 (P);
    K. Zach, ebd. 50, 2001, S. 21 f.;
    F. Walter, in: Bohemia 2, 1961, S. 649–51; F. V. Ausgew. Aufss., hg. v. K. A. Fischer u. M. Bernath, 1963; Gedenkschr. f. F. V., hg. v. Südostdt. Kulturwerk, 1963 (P);
    K. Nehring, Gesch. d. Südost-Inst., in: Südost-Inst. München 1930–1990, hg. v. Südost-Inst. München, 1990, S. 21–31 (P); ders., Der Briefwechsel v. F. V. 1934–1950, Personen u. Institutionen, in: SOF 53, 1994, S. 323–54;
    L. Orosz, Die Verbindungen d. dt. Südostforsch. z. ungar. Wiss., in: Das Ungarnbild d. dt. Historiogr., hg. v. M. Fata, 2004, S. 130–67; Südostforsch. im Schatten d. Dritten Reiches, Institutionen, Inhalte, Personen, hg. v. M. Beer u. G. Seewann, 2004; I. Haar, F. V., Ein Hist.leben zw. d. Wiener Schiedssprüchen u. d. Dok. d. Vertreibung, in: Theol. u. Vergangenheitsbewältigung, hg. v. L. Scherzberg, 2005, S. 103–19;
    F. v. Schroeder, in: Biogr. Lex. Südosteuropa; K. Popa, in: Hdb. d. völk. Wiss., hg. v. I. Haar u. M. Fahlbusch, 2008;
    Biogr. Lex. Gesch. wiss.;
    Österr. Gesch.wiss. 20. Jh.;
    Kosch, Lit.-Lex. (W, L); Munzinger.

  • Autor/in

    Norbert Spannenberger
  • Empfohlene Zitierweise

    Spannenberger, Norbert, "Valjavec, Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 707-708 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118643088.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA