Lebensdaten
1874 - 1933
Geburtsort
Tscheb (Batschka)
Sterbeort
Budapest
Beruf/Funktion
Politiker ; Germanist ; Volkstumspolitiker in Ungarn ; Hochschullehrer ; Lehrer ; Literarhistoriker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118663933 | OGND | VIAF: 72187830
Namensvarianten
  • Bleyer, Jakob
  • Bleyer, J.
  • Bleyer, Jacob
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Bleyer, Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118663933.html [24.09.2021].

CC0

  • Genealogie

    Aus deutscher Kolonistenfamilie in der Batschka, die im 18. Jahrhundert aus dem badischen Murgtal eingewandert ist;
    V Jacob (1843–1924), Bauer;
    M Veronika Stern (1848–1925);
    1902 Wihelmine Holzinger ( 1953); 4 K.

  • Leben

    Nach seinen Studien in Budapest, Leipzig und München wirkte B. zuerst in Budapest, dann in Ödenburg und zuletzt wieder in Budapest als Gymnasiallehrer für deutsche Sprache und Literatur. Seit 1905 Privatdozent für Germanistik an der Universität Budapest, wurde er 1908 ordentlicher Professor für deutsche Literaturgeschichte an der Universität Klausenburg und 1911 in Budapest. B. ist nach einer Reihe von minder bedeutenden Vorläufern, wie etwa Gustav Heinrich, der bedeutendste Germanist in Ungarn gewesen, der der Deutschtumsforschung Bahn gebrochen und eine weit verzweigte Germanistenschule geschaffen hat. Zusammen mit dem Philologen Gideon Petz begründete er das germanistische Seminar an der Universität Budapest, 1912 die Schriftenreihe „Arbeiten zur deutschen Philologie“ und 1929 die „Deutsch-Ungarischen Heimatblätter“.

    B.s große wissenschaftliche Leistung war die Erforschung des deutschen Kultureinflusses im Südosten, dessen ganzer Umfang erst von ihm aufgedeckt und von seinen zahlreichen Schülern im einzelnen behandelt wurde. Vor allem hat B. auch als erster die große kulturelle Mittlertätigkeit des Südostdeutschtums und die weite geistige Ausstrahlung Wiens nach dem Südosten herausgearbeitet. Seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts waren die 2 Millionen Deutschen in Ungarn (mit Ausnahme der Siebenbürger Sachsen) ihrer sprachlichen und kulturellen Rechte beraubt worden. Einer kulturell hochstehenden Volksgruppe war (wiederum mit Ausnahme der Siebenbürger Sachsen) bis etwa 1900 das gesamte einst blühende und für ganz Ungarn so fruchtbare Schul- und Bildungswesen zerstört worden. Selbst einsichtige magyarische Staatsmänner erkannten vereinzelt, welch verheerende Folgen die Magyarisierung einer so staatstreuen Gruppe für den Staat haben müsse. Schon seit 1900 (Gründung des Deutschen Tagblattes für Ungarn) regte sich unter dem Deutschtum da und dort ein Widerstand gegen die Entdeutschung. Dennoch blieb die Lage der Volksgruppe in jenen Jahrzehnten verzweifelt.

    Die Sorge um die Zukunft des Deutschtums in Ungarn führte B. seit 1917 in die Politik. Er nahm am Kampf gegen den Kommunismus in Ungarn teil. Nach Überwindung der Rätediktatur wurde er im August 1919 Nationalitätenminister (bis 1920). Seit 1919 war er der von allen anerkannte Führer des Deutschtums in Ungarn. Er begründete 1921 das „Sonntagsblatt“, lange Zeit das einzige deutsche Blatt in Ungarn, und 1924 den „Ungarländischen deutschen Volksbildungsverein“. Seit Jahrzehnten hatte das Ungarndeutschtum keine Vertretung im ungarischen Parlament besessen. Nunmehr, seit 1926, vertrat B. den deutschen Wahlkreis Villány im ungarischen Abgeordnetenhaus, welchem er bis 1933 angehörte. Trotz fortdauernder Behinderung durch die ungarische Regierung und vor allem durch die Schikanen der Verwaltung gelang es B., die deutsche Volksgruppe in Ungarn zusammenzuschließen und zu festigen.

    Die Entfaltung der Volksgruppe nach B.s Tode auf schulischem und kulturellem Gebiete wurde von ihm vorbereitet. Sein Nachfolger als Vorsitzender des Volksbundes der Deutschen in Ungarn wurde 1938 Franz Basch (1901–46). Durch den Wiener Vertrag von 1940 zwischen der nationalsozialistischen Reichsregierung und der königlich ungarischen Regierung übernahm die Führung des Volksbundes auch gleichzeitig die Leitung der deutschen Volksgruppe. Basch hat in dieser Eigenschaft auch unter veränderten politischen Verhältnissen an der von B. festgelegten staatspolitischen Loyalität aus Überzeugung festgehalten. Gerade ihm kann daher eine Mitschuld an der Entrechtung und Vertreibung der Deutschen in Ungarn nach 1945 nicht zugeschrieben werden. Red.

  • Literatur

    Denkschr. f. J. B., in: Ungar. Bibliothek, Reihe 1. H. 18, 1934 (auch Ungar. Jb. 14, 1934);
    H. Schwind, J. B., der Führer d. ungarländischen Deutschtums,|Ein Lb., Diss. phil. München 1936 (ungedr.);
    J.B. Gedenkh., in: Südostdt. Heimatbl. 3, 1954 (W, L, P).

  • Autor/in

    Fritz Valjavec
  • Empfohlene Zitierweise

    Valjavec, Fritz, "Bleyer, Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 302-303 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118663933.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA