Lebensdaten
1872 bis 1966
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Schriftstellerin ; Philosophin
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118620096 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bendemann, Margarete (verheiratete)
  • Reiner, Otto ((Pseudonym))
  • Susman, Margarete (geborene)
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Zitierweise

Susman, Margarete (geborene), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118620096.html [24.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus jüd. Kaufmannsfam.;
    V Adolph (1836–92, Kaufm. in H.;
    M Jenni Katzenstein (1845–1906;
    1 Schw Paula (1870–1942, Freitod, ⚭ August Hammerschlag, 1934, Kammerger.rat);
    Hannover 1906 1928 Eduard (1877–1959, aus Kiel, Maler, Kunsthist., S d. Felix v. Bendemann (1848–1915, preuß. Adel 1905), dt. Admiral, Chef d. Marinestation d. Nordsee (s. NDB II), u. d. Helene Sturz (1847–1913;
    1 S Erwin v. Bendemann (Ps. Ludwig Berger) (1906–2006, Journ.; Gvv d. Ehemanns Eduard Bendemann (1811–89, Porträt- u. , Prof., Dir. d. Kunstak. in Dresden u. Düsseldorf, Dr. h. c. (s. NDB II); Schwager Walter v. Bendemann (* 1874), preuß. Hptm., Felix v. Bendemann (* 1885), dt. Kpt.lt., Schwägerinnen Irma (* 1881, 1] 1906 1921 Paul Wolfram, 1871–1946, dt. Kontreadmiral, 2] 1921 Herbert Kahle, Kaufm. in Berlin), Lida (* 1883, Hugo Luchsinger, Kaufm. in Z. u. Rio Grande do Sul, Brasilien), Ruth (* 1889, ⚭ Gerhard Sachau, * 1882, Dr. iur., Dir. d. Dt. Bank u. Discontoges. in Frankfurt/M., s. NDB 14*).

  • Leben

    S. wuchs zunächst in Hamburg, nach 1882 in Zürich auf. Sie absolvierte dort eine höhere Töchterschule und studierte seit 1892 Malerei in Düsseldorf. Seit 1899 besuchte S. eine Kunstgewerbeschule in München und freundete sich mit der Kunsthistorikerin Gertrud Kantorowicz an. Karl Wolfskehl führte sie in den George-Kreis ein, zu dem sie aber innere Distanz wahrte. S.s erster Lyrikband „Mein Land“ erschien 1901. Im selben Jahr ging sie nach Berlin, um Philosophie an der Universität zu hören. Sie schloß sich Georg Simmel an, der sie förderte, ihr seinen Band „Die Religion“ (1906) widmete und sie mit Martin Buber, Ernst Bloch, Georg Lukács und Bernhard Groethuysen bekanntmachte. 1903–06 studierte S. mit Georges Braque zusammen Malerei in Paris.

    Bekannt wurde S. v. a. wegen ihrer Essays und Rezensionen, die sie seit 1907 – abwechselnd in Deutschland und der Schweiz lebend – u. a. für die „Frankfurter Zeitung“ und die „Neue Zürcher Zeitung“ schrieb und in denen sie für eine christl.-jüd. und eine dt.-franz. Verständigung eintrat. Außerdem arbeitete sie seit 1917 an Bubers Zeitschrift „Der Jude“ mit. S., die die Kriegsbegeisterung ihrer dt. Freunde 1914 nicht teilte, unterstützte zusammen mit Gustav Landauer die Revolution 1918. In diesem Zusammenhang stand auch S.s erste Veröffentlichung zur Rolle der Frau in der modernen Gesellschaft, einem Thema, das sie bis 1933 immer wieder beschäftigte. Seit 1919 bewirtschaftete S. einen Bauernhof bei Säckingen (Württ.) und lehrte zeitweise an dem von Franz Rosenzweig gegründeten Jüd. Lehrhaus in Frankfurt/M. Nach dem Scheitern ihrer Ehe zog sie 1929 dorthin und veröffentlichte „Die Frauen der Romantik“ (1929, 31966, neu hg. v. B. Hahn, 1996), eine lose Reihe von Essays u. a. über Rahel v. Varnhagen, Dorothea v. Schlegel und Bettina v. Arnim. 1933 emigrierte sie in die Schweiz. Hier schrieb sie für die Zeitschrift „Neue Wege“ des religiösen Sozialisten Leonhard Ragaz, wurde aber wegen des Verdachts auf Linksextremismus 1939 mit Publikationsverbot belegt. S.s Reflexionen über die Vernichtung des europ.|Judentums enthält ihr Band „Das Buch Hiob und das Schicksal des jüd. Volkes“ (1946, Neuausgg. 1968, 1996, niederl. 1987, franz. 2003), in dem sie versucht, Hiob, dessen Fragen ohne endgültige Antworten bleiben, als Symbol für das Schicksal des jüd. Volks und damit die Shoah als „jüd. Schicksal“ zu deuten. Zum Sinnbild für die gescheiterte Beziehung zwischen Deutschen und Juden geriet ihr die „Deutung einer großen Liebe, Goethe und Charlotte von Stein“ (1951). Da das allgemeine Interesse an einer Beschäftigung mit der Shoah in der unmittelbaren Nachkriegszeit nur gering war, wurden S.s Bücher v. a. von intellektuellen Emigrantenzirkeln rezipiert, die in ihnen ihre eigenen Gedanken wiederfanden. Nahezu völlig erblindet starb S. 1966 in Zürich.

    In ihren Dichtungen, ihren für die Rezeption von Autoren wie Kafka, Lukács, Bloch und Rosenzweig wegweisenden Rezensionen und ihren kulturtheoretischen Essays sah S. in den Gegensatzpaaren Nichtjuden – Juden, Männer – Frauen, Mensch – Gott fundamentale Konflikte der westlichen Moderne. Dabei errichtete sie kein homogenes Gedankengebäude, sondern blieb Grenzgängerin zwischen Literatur und Theorie, Dichtung und Philosophie. Da S. sich keiner phil. Schule zuordnen läßt und lange nur als Muse und Mentorin berühmter Intellektueller, wie z. B. Erwin Kircher, Manfred Schlösser oder Paul Celan, wahrgenommen wurde, beschränkte sich die Rezeption ihrer Arbeiten zunächst auf phil. Kreise. Seit den 1990er Jahren wird S. aufgrund der Originalität ihres Denkens zu den bedeutendsten Vertreterinnen der dt.-jüd. Geistesgeschichte des 20. Jh. gezählt.

  • Auszeichnungen

    A Dr. phil. h. c. (FU Berlin 1959); M.-S.-Weg, Frankfurt/M.

  • Werke

    Neue Gedichte, 1907;
    Das Wesen d. modernen dt. Lyrik, 1910;
    Vom Sinn d. Liebe, 1912;
    Die Liebenden, Drei dramat. Gedichte, 1917;
    Lieder v. Tod u. Erlösung, Gedichte, 1922;
    Das Kruzifix, 1922;
    Aus sich wandelnder Zeit, Gedichte, 1953;
    Gestalten u. Kreise, 1954;
    Deutung bibl. Gestalten, 1956, Neuausg. 1960;
    Die geistige Gestalt Georg Simmels, 1959;
    Vom Geheimnis d. Freiheit, Aufss., 1964;
    Ich habe viele Leben gelebt, Erinnerungen, 1966;
    Vom Nah- u. Fernsein des Fremden, Essays u. Briefe, hg. v. I. Nordmann, 1992;
    Vom Geheimnis d. Freiheit, Aufss. 1914–1964, hg. v. M. Schlösser, 1994;
    Nachlaß:
    DLA Marbach.

  • Literatur

    M. Schlösser (Hg.), Für M. S., Auf gespaltenem Pfad, 1964 (W);
    I. Nordmann, Transzendenz u. Verantwortung, M. S. im Dialog mit Nietzsche u. d. Tora, in: Vom Jenseits, Jüd. Denken in d. europ. Geistesgesch., hg. v. E. Goodman-Thau, 1997, S. 169–78;
    Ch. Ueckert, Über M. S., Annäherung an e. „Zentrum ohne Peripherie“, in: Die Gesch. d. Juden in Hamburg, hg. v. A. Herzig, Bd. 2, 1991, S. 263–74;
    dies., M. S. u. Else Lasker-Schüler, 2000;
    P. Zudrell, Der abgerissene Dialog, Die intellektuelle Beziehung Gertrud Kantorowicz – M. S. oder d. Schweizer Grenze b. Hohenems als Endpunkt e. Fluchtversuchs, 1999;
    M. Steer, „Da zeigte sich, der Mann hatte ihr keine Welt mehr anzubieten“, M. S. u. d. Frage d. Frauenemanzipation, 2001;
    B. Hahn, Die Jüdin Pallas Athene, Auch e. Theorie d. Moderne, 2002;
    H. Brandstädter, Die Poetik d. Verlustes, M. S. (1872–1966 als Kulturwissenschaftlerin, in: Barrieren u. Karrieren, hg. v. E. Dickmann, 2002, S. 35–44;
    B. Schlieben u. a. (Hg.), Gesch.bilder im George-Kreis, Wege z. Wiss., 2004, S. 252;
    A. Gilleir, M. S., Staat, Lit. oder nochmals z. dt. Intellektualismus, in: The German Quarterly 82, 2009, H. 4, S. 483–503;
    Killy;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Lex. Schriftstellerinnen 1933–45 (W, L, P);
    Metzler Lex. d. dt.-jüd. Lit. (P);
    Metzler Lex. jüd. Philosophen;
    Philosophinnenlex.;
    RGG4;
    BHdE II;
    Frankfurter Biogr.;
    Munzinger;
    Wedel, Autobiogrr. Frauen;
    Heuer.

  • Autor/in

    Martina Steer
  • Empfohlene Zitierweise

    Steer, Martina, "Susman, Margarete" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 711-712 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118620096.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA