Lebensdaten
um 1540 bis 1600
Geburtsort
Venedig
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Maler ; Zeichner ; Entwerfer ; Architekt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118799487 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Süstris, Friedrich
  • Suster, Friedrich
  • Susterus, Friedrich
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Zitierweise

Sustris, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118799487.html [27.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Lambert (Suster, Zustris, Lambertus d'Amsterdam, Alberthus de Olandis) (um 1510/15–n. 1560), aus Amsterdam, Maler in Italien, u. a. in V. in Tizians Werkstatt tätig, 1548 u. 1550/51 in Augsburg f. Fürstbf. Otto Truchseß v. Waldburg u. f. d. Fugger tätig (s. Nagler);
    M N. N.;
    B (?) Lambert, Johann, lt. Sandrart beide Maler, Schüler v. Christoph Schwarz;
    1562 (?) Brigida († 1605), T d. Francesco Paduano (erw. 1558–62), Kartenmacher;
    3 S Lambert (erw. 1588/89), Maler, Ottheinrich (erw. 1599/1605, ⚭ Ursula Baumgartner), Maler, Wilhelm (erw. 1605), Soldat (?), 3 T Katharina (Caterina) (1563-vor 1605, ⚭ Johann [Hans] Krumper, um 1570–1634, Bossierer, Dekorateur, Architekt, Maler, Bildhauer, s. NDB 13), Livia († vor 1605, Antonio Maria Viani [il Vianino], um 1540–1629, Maler, Architekt in Cremona, M. u. Mantua, s. Nagler; ThB), Margarethe († n. 1605, 1] Jakob Santner, Maler, 2] Johann Krumper, s. o.); Schwager Alessandro Paduano (Padovini, eigtl. Scalzi) (erw. 1568, 1596), Maler in Florenz, Landshut, M. u. V., 1570–73 Gehilfe v. S. in Augsburg (s. ThB; L), Antonio Paduano (erw. 1573–99), Buchdrucker;
    E Libia Krumper (um 1599–1661/62, Johann Ulrich Loth, um 1600–62, Hofmaler in M., s. NDB 13), Miniaturmalerin.

  • Leben

    Den ersten Unterricht erhielt S. wohl vom Vater. 1560 in Rom, wurde er damals schon als „pittore“ bezeichnet, spätestens 1562 heiratete er und ließ sich in Florenz nieder. 1563–67 wirkte er unter Vasari an der Neuausstattung des Palazzo Vecchio und 1564 am Trauerapparat anläßlich Michelangelos Beerdigung mit; 1564 wurde er Mitglied der neugegründeten Accademia del Disegno (Beitragszahlungen 1563–68). 1565 schmückte er einen Ehrenbogen für die Hochzeit Francescos de’ Medici und zeichnete Kartons für die Tapisseriemanufaktur des Ghzg. Cosimo de’ Medici (Kliemann, 1993).

    1565 bewarb sich S. beim Fürstbf. von Augsburg, Otto Truchseß v. Waldburg, und beim bayer. Hzg. Albrecht V. um Aufträge, offenbar an Kontakte des Vaters anknüpfend. 1568 als Maler beim Augsburger Fürstbf. in Dillingen erwähnt, wurde S. schon im selben Jahr von Hans Fugger (1531–98) zur Ausstattung seines Wohnhauses (Kapelle, Festsaal u. Sammlungsräume) nach Augsburg gerufen. S. war verantwortlich für Entwurf und Aufsicht über die malerische und stuckplastische Dekoration von Wänden und Decken, für Türen, Kamine usw. (Diemer, 1993; Geissler, 1978). Nur zwei Sammlungsräume (sog. Badstuben) sind, schwer kriegsbeschädigt, erhalten; die derzeit restaurierten Grotesken des Studiolo sind wohl eigenhändig. Die Malerei des größeren Raumes war von seinem langjährigen Mitarbeiter und Groteskenspezialisten Antonio Ponzano († 1602) signiert.

    Ein wohl damals begonnenes Altarbild der Kreuzigung für das Domkapitel wurde erst 1574 vollendet (Augsburg, Bfl. Ordinariat). Auch ein von anderer Hand vollendetes Gemälde der Geburt Christi in der ev. Heiligkreuzkirche geht auf diese Jahre zurück. Quellen erwähnen von S. geschaffene Bildnisse. Diverse Nachrichten enthält auch der Briefwechsel Hans Fuggers.

    Ohne Verständnis für arbeitsteilige Organisation, hielt Fugger den Maler für arbeitsscheu und gab ihn nach Beendigung seiner Arbeiten bereitwillig an den Münchner Hof weiter. Im Okt. 1573 wurden S. und Ponzano von Erbprinz Wilhelm von Bayern (seit 1579 Hzg. Wilhelm V.) an seinen Hof auf der Burg Trausnitz über Landshut berufen, der neue Trakte errichten und nach Fuggers Vorbild florentinisch dekorieren ließ (die bereits im 19. Jh. stark reduzierte Substanz 1961 bis auf die „Narrentreppe“ und geringe Reste durch Brand vernichtet). Die Malereien zeigten z. T. staatspolitisch akzentuierte Programme, die „Narrentreppe“ hingegen, welche die Appartements von Fürst und Fürstin verband, hat Szenen der Commedia dell’arte. Die Ausführung besorgten Ponzano, Paduano, Hans Donauer d. Ä. und Engelhard de Pee. Ein großes Kreuzigungsbild entstand für St. Martin in Landshut. Hans Fuggers Bruder Markus bestellte bei S. einen Altar für die Andreaskapelle in St. Ulrich und Afra in Augsburg. Eine zweite Fassung der Geburt Christi (Paris, Louvre) muß aus derselben Zeit stammen.

    Nach dem Regierungsantritt Hzg. Wilhelms siedelte S. 1580 nach München über, erwarb ein Haus und stieg dank seiner Vielseitigkeit und Begabung als Zeichner bald zum Kunstintendanten des Hofes auf. Seine Weisungsbefugnis als „Oberster Baumeister“ unter den Hofkünstlern wurde in einem hzgl. Dekret 1587 ausdrücklich bestätigt, während man ihm die Zuständigkeit für Finanzielles und Materialienverwaltung entzog. Ihm oblagen Planung und Aufsicht über sämtliche künstlerischen Unternehmungen des Hofes sowie die Entwürfe dazu. Er zeichnete für Bildhauer, Malerkollegen, Goldschmiede, Tapissiers, Stukkatoren, Gärtner, für ephemere Dekorationen und auch Architektur. Sein Jahresgehalt stieg von 200 fl. 1583 auf 400 fl. zwischen 1589 und 1594 und in der Folge auf 600 fl.

    Das erste große Projekt der 1580er Jahre war der Neubau einer Residenz in ital. Stil rund um einen giardino segreto, den sog. Grottenhof (später verändert u. 1944 stark beschädigt). S.s Entwürfe bestimmten dessen Erscheinungsbild (seit 1581), etwa des Grottenhofs mit Wandmalereiszenen aus Ovids Metamorphosen und Jagdbildern oder des neu dekorierten Antiquariums. Auf ihn selbst gehen wohl die Historiengemälde „Triumph des Marius über Jugurtha“ und „Darius verwirft den Rat des Charidemus“ (beide München, Alte Pinakothek) zurück, offenkundig Reste von Gemäldezyklen der Münchner Residenz (Diemer, 2004). Nur Grottenhalle und Antiquarium geben noch einen Eindruck des Ensembles.

    1583 begann der von Wilhelm V. gestiftete Bau der Münchner Michaelskirche und des zugehörigen Jesuitenkollegs. S.s Anteil an der Architektur ist unklar; nach dem Einsturz des Turms 1590 wurde er zum vorläufigen Architekten ernannt; Entwurfszeichnungen deuten darauf hin, daß er Pläne für Chor und Querhaus geschaffen hat (zuletzt: Vignau-Wilberg, 2005). Mit Sicherheit fußen Portale und Innendekoration, die meisten Altäre, Figurenschmuck und Stuck auf seinen Entwürfen. Am Bau von Wilhelms Altersresidenz in München muß er führend beteiligt gewesen sein. Seit 1590/91 hatte er auch das – unvollendet gebliebene – vielfigurige Grabdenkmal für Wilhelm V. und Renata von Lothringen in St. Michael entworfen.

    Zeichnungen beleuchten S.s Vielseitigkeit: Bildnisse der hzgl. Familie (um 1582, Kopenhagen, Statens Museum for Kunst) und zahlreiche Entwürfe, u. a. zu einem Hausaltärchen der Hzgn. Renata mit dem Thema der „Sieben Fälle“ (ehem. Stuttgart, Staatsgal., 1945 zerstört), ausgeführt von Christoph Schwarz. Ebenso nach seinen Entwürfen ausgeführt sind die Glasgravuren eines Reliquienschreins der Reichen Kapelle (München, Schatzkammer d. Residenz), Gravuren in einem elfenbeinernen Prozessionskreuz in Budapest (Mus. f. Angewandte Kunst) und eine Silberstatuette des Erzengels Michael (München, Reiche Kapelle d. Residenz). Für seinen späten Zeichenstil sind seine Entwürfe zu Kupferstichen von Jan Sadeler d. Ä. seit 1587 aufschlußreich (reichhaltigste Zusammenstellung d. Zeichnungen, Stiche nach S. u. Archivalien bei Feuchtmayr). Auch wenn in den späten 90er Jahren Hans von Aachen die Rolle des Hofporträtisten übernahm, arbeitete S. doch nach Wilhelms V. Resignation 1597/ 98 weiterhin privat für den Fürsten.

    Mit seinem Schwerpunkt auf Zeichnen (disegno) war S. ein typischer Nachfolger der Florentiner Maniera, vielseitig begabt und ehrgeizig. Nach dem Muster des Medici-Hofs hat er die Münchner Hofkunst in allen ihren Gattungen geprägt. Als Entwerfer war er an Erfindungsreichtum, Leichtigkeit und Eleganz in seiner Zeit in Deutschland unübertroffen. Heute sind seine Leistung und Qualität nur noch schwer zu fassen, da der Großteil der von ihm entworfenen Werke verloren ist und seine Zeichnungen bisher nicht im Zusammenhang publiziert wurden. Die enorme Vielfalt seiner Aufgaben spiegelt sich vor allem in den Archivquellen.

    S.s Einfluß erstreckte sich über das Hzgt. Bayern hinaus bis nach Augsburg, Salzburg, Innsbruck und Stuttgart. Seine Ideen wurden studiert und kopiert, der komplexe und sensible Zeichenstil weithin nachgeahmt. Sein Schwiegersohn, der Bildhauer Hans Krumper, folgte S. als Hofkünstler nach, wenngleich künstlerisch regional verwurzelt und mit beschränkten Kompetenzen. Neben Krumper war der Augsburger Maler Johann Matthias Kager (um 1575–1634) besonders stark von S. beeinflußt.

  • Literatur

    ADB 37;
    A. Bertolotti, Artisti Belgi ed Olandesi a Roma nei secoli XVI e XVII, 1880;
    E. v. Bassermann-Jordan, Die dekorative Malerei d. Renaissance am bayer. Hofe, 1900, bes. S. 55 ff.;
    G. Lill, Hans Fugger u. d. Kunst, 1908;
    B. P. Baader, Der bayr. Renaissancehof Hzg. Wilhelms V. 1568–1579, 1943;
    M. Hock, F. S., Diss. Univ. München 1959 (masch.);
    H. Geissler, Unbekannte Entwürfe v. F. S., in: Kunstgeschichtl. Stud. f. Kurt Bauch, 1967, S. 151–60;
    ders., Neues zu F. S., in: Münchner Jb. d. Bildenden Kunst 29, 1978, S. 65–91;
    ders., Zeichnung in Dtld., Dt. Zeichner 1540–1640, Ausst.kat. 1979, I, S. 132–37;
    H. Glaser (Hg.), Wittelsbach u. Bayern, Ausst.kat. II/2, Um Glauben u. Reich, Kf. Maximilian I., 1980;
    B. Bushart (Hg.), Welt im Umbruch, Augsburg zw. Renaissance u. Barock, Ausst.kat., 2 Bde., 1980;
    Th. DaCosta Kaufmann, Drawings from the Holy Roman Empire, 1540–1680, Ausst.kat. 1982, S. 118–21;
    D. Diemer, Hans Fuggers Slg.kab., in: Die Fugger u. d. Musik, Anton Fugger z. 500. Geb.tag, Aust.kat. 1993, S. 13–40;
    dies., Hubert Gerhard u. Carlo di Cesare del Palagio, Bronzebildhauer d. Spätrenaissance, I, 2004, S. 105–07 u. a. (Anm. 77 zu S.s Todesj. 1600);
    J. Kliemann, Vincenzio Borghini 1565, Ärger mit F. S., in: Begegnungen, FS f. Peter Anselm Riedl, 1993, S. 107–23;
    B. W. Meijer, Per gli anni italiani di Federico S., in: Studi di storia dell`arte in onore di Mina Gregori, 1994, S. 139–44;
    D. u. P. Diemer, Das Antiquarium Hzg. Albrechts V. v. Bayern, in: Zs. f. Kunstgesch. 58, 1995, S. 55–104;
    B. VolkKnüttel, Der Maler Alessandro Paduano, in: Münchner Jb. d. bildenden Kunst 3, F. 49, 1998 (1999), S. 47–92;
    S. Maxwell, F. S. and the Rise of the Court Artist, Bavarian Court Patronage in the Age of the Counter-Ref., Diss. Univ. of Virginia 2002, u. d. T. The Court Art of F. S., Patronage in late Renaissance Bavaria, 2011;
    Th. Vignau-Wilberg, In Europa zu Hause, Niederländer in München um 1600, Ausst.kat. 2005;
    K. Feuchtmayr, in: ThB;
    Dict. of Art.

  • Autor/in

    Dorothea und Peter Diemer
  • Empfohlene Zitierweise

    Diemer, Dorothea; Diemer, Peter, "Sustris, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 712-714 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118799487.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Sustris: Friedrich S., Maler und Baumeister, der in Amsterdam angeblich 1526 das Licht der Welt erblickte und dann von seinem Vater Lambert|den ersten Unterricht in der Kunst empfing. Frühzeitig ging er nach Italien, blieb einige Zeit in Venedig und siedelte dann nach Florenz über, wo er sich lange aufhielt und Mitglied der Akademie wurde. Vasari erwies ihm seine Freundschaft und in seinem Werke, das 1568 erschien, sein besonderes Lob; er nennt ihn Federigo di Lamberto Flamingo und dieser war auch dessen Mitarbeiter bei der Ausführung des Trauergerüstes nach dem Tode des Michel Angelo. Wie lange S. in Florenz thätig war, ist unbekannt; nach 1579 befand er sich in München, wo er Hofmaler und Architekt des Herzogs Wilhelm V. wurde. Er wird in dieser Zeit ein Baumeister genannt und es wird ihm der Plan zur Jesuitenkirche in München zugeschrieben; es bleibt aber unentschieden, ob er nur den Plan entworfen oder darnach auch bei der Ausführung thätig war, denn wenn Kupferstecher auf Stichen nach ihm zugeschriebenen Gemälden ihn Maler und Architekt des Herzogs Wilhelm nennen, so weiß man nicht, ob auf solchen Blättern nur der Zeichner des Entwurfs oder auch der Bauführer beim Bau gemeint wird. Es werden in dieser Richtung noch verschiedene Gemälde genannt, die ihm zugeschrieben werden, so die Himmelfahrt Mariae in der Kapuzinerkirche in Landshut, die Verkündigung der Maria in der Galerie zu Göttingen; sein Bildniß als h. Lukas, der die Madonna malt und andere. Es kommen viele Stiche nach seinen Werken vor, welche die Kupferstecher Joh. Sadeler, Kilian, J. Custos, Alex. Vallée ausführten. Einige Stiche hat auch S. selbst herausgegeben, wie er auch Handzeichnungen, Entwürfe zu Waffen und Geräthen herausgab. Nach gewöhnlicher Angabe starb der Künstler 1599 in München.

    • Literatur

      Siehe Nagler. — Sighart, Gesch. der bild. Künste im Königr. Baiern.

  • Autor/in

    Wessely.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wessely, Joseph Eduard, "Sustris, Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 37 (1894), S. 195-196 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118799487.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA