Lebensdaten
1865 bis 1908
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Graphiker ; Maler ; Schriftsteller
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118727303 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leistikow, Walter
  • Leistikow, Walter Rudolf

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Zitierweise

Leistikow, Walter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118727303.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl (1820–93), Apotheker u. Kaufm., S d. Gutspächters u. Administrators Ludwig u. d. Henriette Engelke;
    M Bertha (1837–1912), T d. Apothekers Ferdinand Hoyer in Bromberg u. d. Amalie Thiel;
    Berlin 1894 Anna (1863–1950), T d. Großkaufm. Henrik Mohr in Kopenhagen u. d. Margrete Hvalsoe;
    1 S, 1 T;
    N Hans (1892–1962), Maler, Graphiker, Plakatkünstler, Bühnenbildner (s. ThB);
    Groß-N Oskar (1884–1970), Genealoge.

  • Leben

    Die Bedeutung L.s liegt neben seiner auf das Landschaftsbild beschränkten künstlerischen Leistung vor allem in der Rolle, die er um die Jahrhundertwende bei der Entwicklung Berlins zur führenden deutschen Kunststadt spielte. Als „Maler der Mark Brandenburg“ entdeckte er den spröden Reiz der Landschaft um Berlin. Er gilt als einer der wenigen Vertreter des Jugendstils in der Malerei, obwohl im Grunde nur seine stark stilisierten kunstgewerblichen Entwürfe ganz dieser Stilrichtung zuzuordnen sind. – 1883 als „talentlos“ von der Berliner Akademie abgelehnt, studierte L. 1883-87 in den Ateliers von Hermann Eschke und Hans Gude in Berlin. 1890-93 übte er an der Berliner Kunstschule ein Lehramt aus. Als Mittelpunkt eines Freundeskreises junger Literaten (Max Halbe, Otto Erich Hartleben, Gerhart Hauptmann, Arno Holz, Hugo v. Tschudi, Samuel Fischer) wurde er zu eigenem literarischem Schaffen angeregt, veröffentlichte 1896 den Roman „Auf der Schwelle“ und nahm seit 1892 in zahlreichen Artikeln oft auch polemisch zu Fragen der zeitgenössischen Kunst und Kunstpolitik Stellung (einige Male unter dem Pseudonym „Walter Selber“), wobei er für eine moderne, von jeder offiziellen Gängelung befreite, international offene Kunst eintrat. In diesem Geist gründete er 1892 unter anderen mit Max Liebermann die gegen die Kunstpolitik des Vereins Berliner Künstler gerichtete „Vereinigung der XI“. L. ging in seiner Kunst zunächst von der älteren realistischen Landschaftskunst des Andreas Achenbach aus. Eine Entwicklung zu kleineren, staffagelosen, unprätentiösen Naturausschnitten wurde vorübergehend abgelöst von einer symbolistischen Phase, in der sich die Begegnung L.s mit der Kunst Böcklins, Munchs und – auf einer Reise nach Paris 1893 – Puvis de Chavannes' sowie vor allem des belgischen Dichters Maurice Maeterlinck niederschlug. Obwohl L. solche literarischen Tendenzen in der Malerei bald wieder aufgab, blieb doch für sein Werk eine Neigung zu symbolistischer Farbgebung und ausdrucksbetonter Linienführung maßgebend. Vor allem unter dem Eindruck der weiten skandinavischen Landschaften und der Kunst des dän. Malers J. F. Willumsen entwickelte er einen großzügig dimensionierten Landschaftsstil und gab das Idyllische auf zugunsten lokalfarbiger „majestätischer, langgestreckter Naturschilderungen“ (L. Corinth), in denen er die Details zu geschlossenen Massen und zeichenhaften Silhouetten zusammenfaßte. Die dekorative Stilisierung dieser Landschaftsschilderungen brachte L. folgerichtig zur angewandten Kunst; es entstanden Entwürfe für Möbel, Teppiche, Vorhänge und Tapeten, Wandschirme, Glasfenster und Vignetten, wobei nordische stilisierte Landschafts- und Tiermotive vorherrschten. Hier trieb er die Stilisierung bis zur ornamentalen Konsequenz voran und löste sich gänzlich von der Bindung an die natürliche Farbgebung. In seinen Gemälden jedoch rückte er in den späten 90er Jahren, wohl unter dem Einfluß Liebermanns, von allzu dekorativer Stilisierung ab und kehrte zu einer naturalistischeren Naturauffassung zurück. In monumentalen Naturschilderungen von suggestiver Stille, in denen er die herbe Schönheit der mark. Wälder und Seen einfing, fand er seinen endgültigen persönlichen Stil. 1898 wurde L.s große „Abendlandschaft am Grunewaldsee“ (Berlin-West, Nat.gal.) bei der Großen Kunstausstellung ausjuriert, was letztlich den Anstoß zur Gründung der Berliner Secession (1899) gab, deren Präsident|zwar Max Liebermann, deren Initiator, Organisator und geistiger Mittelpunkt aber L. gewesen ist. Auf den Ausstellungen der Secession wurden vor allem auf sein Betreiben zum ersten Mal Werke von den bis dahin in Berlin und ganz Deutschland weitgehend unbekannten Malern der franz. Moderne gezeigt. Berlin wurde damit zum Zentrum fortschrittlicher künstlerischer Bestrebungen in Deutschland. L.s letzte initiatorische und organisatorische Leistung war 1904 die Gründung des deutschen Künstlerbundes in Weimar.

  • Werke

    Gemälde: Rügen, Blick üb. Vitt auf d. Kap Arkona, 1886 (Regensburg, Ostdt. Gal.);
    Ziegelei b. Eckernförde, 1887 (Dresden, Gem.gal.;
    im 2. Weltkrieg verloren);
    Märk. Landschaft, 1897 (Wuppertal, v. d. Heydt-Mus.);
    Märk. Abendlandschaft, um 1897/98 (Regensburg, Ostdt. Gal.);
    Parksee-Brücke im Grunewald, 1898 (Berlin, Bez.-amt Charlottenburg);
    Grunewaldsee, um 1898 (Kiel, Kunsthalle);
    Dän. Parklandschaft mit Villa (Wien, Kunsthist. Mus.);
    Thür. Waldtal (München, Neue Pinakothek);
    Waldstück mit Sandgrube, um 1905 (Berlin, Nat.gal.);
    Am kleinen Wannsee (Dresden, Gem.gal.);
    - Gouache: Helgoland, 1890 (Hamburg, Altonaer Mus.).

  • Literatur

    L. Corinth, Das Leben W. L.s, 1910 (P);
    H. H. Hofstätter, Gesch. d. europ. Jugendstilmalerei, 1963;
    ders., Jugendstil Druckkunst, 1968, S. 128 f.: Oskar Leistikow, in: Genealogie 14, Bd. 7, 1965 (P);
    R. Pfefferkorn, Die Berliner Secession, 1972;
    K. H. Bröhan, Berliner Secessionisten, Slg. Bröhan I, 1973. -
    Fr. v. Boetticher, Malerwerke d. 19. Jh., I/2, 1895, S. 831, 979;
    K. Merx, in: Herder, Die gr. Enz. d. Malerei V, 1977, S. 1687 f.;
    ThB.

  • Portraits

    v. L. Corinth, 1893 (Stadt Berlin);
    ders., L. malend am Strand in Agger, 1900 (Berlin, Gal. d. 20. Jh.).

  • Autor/in

    Klaus Merx
  • Empfohlene Zitierweise

    Merx, Klaus, "Leistikow, Walter" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 163 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118727303.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA