Lebensdaten
1782 bis 1863
Geburtsort
Mailand
Sterbeort
Ebenzweier (Oberösterreich)
Beruf/Funktion
Hochmeister des Deutschen Ordens ; Erzherzog von Österreich-Este
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 130261084 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Maximilian von Österreich-Este
  • Maximilian Joseph von Österreich-Este
  • Maximilian
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Maximilian Joseph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd130261084.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Hause Habsburg-Lothringen;
    V Erzhzg. Ferdinand ( 1806), Statthalter d. Lombardei, Hzg. v. Breisgau (s. NDB V), S d. Kaisers Franz I. ( 1765, s. NDB V) u. d. Maria Theresia ( 1780, s. NDB 16);
    M Maria Beatrix v. Este (1750–1829), Hzgn. v. Massa u. Carrara, Erbin v. Modena;
    Ov u. a. Kaiser Joseph II. ( 1790, s. NDB X), Kaiser Leopold II. ( 1792, s. NDB 14), Kf. Maximilian Franz v. Köln ( 1801, s. NDB 16);
    Tante-v u. a. Marie Antoinette ( 1793, s. NDB 16, Kg. Ludwig XVI. v. Frankreich, 1793);
    B Hzg. Franz IV. v. Modena (1779–1846), Karl Ambros (1785–1809), EB v. Gran, Primas v. Ungarn;
    Schw Marie Therese (1773–1832, Kg. Viktor Emanuel I. v. Sardinien, 1759–1824), Maria Leopoldine ( 1848, s. NDB 16, 1] Kf. Karl Theodor v. d. Pfalz, 1799, s. NDB XI, 2] Ludwig Gf. v. Arco, 1854), Maria Ludovika ( 1816, s. NDB 16, Kaiser Franz I. v. Österreich, 1835, s. NDB V);
    Vt Erzhzg. Anton Viktor ( 1835), Hoch- u. Dt.meister.

  • Leben

    Als eines von sieben Kindern wuchs M. in Mailand und Monza auf. Sein Pate und Mentor war sein Onkel, Erzhzg. Maximilian Franz, Hoch- und Deutschmeister und letzter Kurfürst-Erzbischof von Köln und Münster.|Er regte den Eintritt M.s in den Deutschen Orden (1801) an und machte ihn auch zum Universalerben seines beträchtlichen Privatvermögens. Entscheidend für M.s politische Anschauung war die Hinrichtung seiner Tante, Kgn. Marie Antoinettes von Frankreich, 1793. Zeitlebens behielt er eine starre absolutistische Haltung und einen großen Abscheu vor der Revolution (was sich auch anläßlich der Revolutionen in Modena 1831 und in Wien 1848 zeigte). Die Napoleonischen Feldzüge in Italien zwangen die Familie Habsburg-Este 1796 nach dem Fall der Lombardei, die Heimat zu verlassen. Sie ließ sich in Wiener Neustadt nieder, wo M. an der Militärakademie sein Studium (vor allem Artillerie und mathematische Fächer) absolvierte.

    Er stieg rasch zum Feldmarschalleutnant und Stellvertreter des Artillerie-Direktors auf (1807). 1808 wurde er mit der Organisation der Landwehr in Nieder- und Oberösterreich betraut. 1809 wurde er zum Kommandanten der gesamten Feldartillerie ernannt mit dem Auftrag, das durch Napoleon bedrohte Wien bis zum Eintreffen der Hauptarmee zu verteidigen. Die Übergabe der Stadt an Napoleon empfand M. als große persönliche Niederlage. Von nun an beschäftigte er sich lebenslang mit Projekten für Festungen und Verteidigungssysteme, vor allem im Donautal. 1819 zum General-Feldzeugmeister avanciert, ließ M. 1822 auf Privatkosten einen Probeturm für Kanonen auf der Simmeringer Heide bei Wien bauen und 1828 einen Probeturm in Linz als Beginn einer geplanten großen Festungsanlage mit 26 Türmen (er wurde nie vom Militär beansprucht und verfiel im Laufe der lahre). Ähnliche Befestigungen erhielt Brescello im Herzogtum Modena. – M. betätigte sich auch als Numismatiker und als Erfinder (Porzellanmünzen und „Dippelziegel“) und schuf Pläne für eine Schiffsmaschine und eine Kettenbrücke nach engl. Muster in Linz. Im Kriegshafen von Plymouth ließ er sich in einer Taucherglocke auf den Meeresgrund senken. Er förderte die Volkskunde des Salzkammergutes (Volkstrachten und Jodeln) und veranstaltete 1827 zu Ehren seines Vetters Erzhzg.-Kardinal Rudolf in Bad Ischl ein großes Volksfest.

    Nach dem Tod des Hoch- und Deutschmeisters Erzhzg. Anton Viktor wurde M. 1835 zum Nachfolger gewählt. Er förderte die Ordensgüter in Schlesien und engagierte sich im Sozialwesen (Ordenshäuser für die „Deutschordens-Schwestern“ für Krankenpflege und Mädchenerziehung in Troppau und Freudenthal, Finanzierung eines Choleraspitals in Wien u. a.). Er unterstützte die Jesuiten (denen er u. a. den Linzer Probeturm als Seminar mit Kirche ausbauen ließ), gab der Volksmission der Redemptoristen eine Residenz in seinem Schloß Puchheim und förderte die kath. Romantiker um Klemens Maria Hofbauer und Adam Müller.

  • Werke

    Versuch e. Kriegssystems d. österr. Kaisertumes u. Bruchtheile desselben, 1850 (anonym);
    Slg. v. Denksprüchen, 1855;
    Abh. üb. d. Bauen mit zus.-gedippelten Ziegeln, o. J. (anonym);
    Einige Worte üb. Geld- u. Münzverhältnisse überhaupt u. daraus entspringende Vorschlag e. Maßregel, um im Österr. Kaiserthume d. Gleichheit zw. Staats-Einnahmen u. Staats-Ausgaben herzustellen, 1860.

  • Literatur

    E. Hillbrand, Die Maximilian. Befestigung v. Linz, in: Anz. d. österr. Ak. d. Wiss., phil.-hisf. Kl., 1957;
    D. Kastner, Erzhzg. M. u. s. Kreis, Btr. z. österr. Kulturgesch. im 19. Jh., Diss. Wien 1964 (ungedr.);
    J. N. Stöger, M. Erzhzg. v. Ö.-E., Ein Lb., 1865;
    ders., Die letzten Lebensj. Seiner kgl. Hoheit Erzhzg. M. J. v. Ö.-E., o. J.;
    R. Wagner-Rieger, Die Maximilian. Türme v. Linz als Architekturdenkmal, in: Kunstjb. d. Stadt Linz, 1963;
    800 J. Dt. Orden, Ausst.kat. Nürnberg 1990 (L, P);
    ÖBL.

  • Autor/in

    Brigitte Hamann
  • Empfohlene Zitierweise

    Hamann, Brigitte, "Maximilian Joseph" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 512 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130261084.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Maximilian Josef von Este, Erzherzog von Oesterreich, geboren am 14. Juli 1782 in Mailand als dritter Sohn des Erzherzogs Ferdinand und der Erzherzogin Maria Beatrix von Este, wurde schon von Kindheit an für den militärischen Beruf vorbereitet und widmete sich mit Vorliebe artilleristischen Studien. Am 1. September 1805 zum Generalmajor ernannt, machte er den Feldzug im Hauptquartier des Erzherzogs Karl mit, versah dann die Dienste eines Brigadiers in Wien und wurde am 2. April 1807 Feldmarschalllieutenant und Inhaber des Artillerieregiments Nr. 2. Nach den Kämpfen bei Regensburg im J. 1809 übertrug Kaiser Franz dem Erzherzog die Leitung der Vertheidigungsanstalten von Wien. Es war dies, schon mit Rücksicht auf die seit Jahren vernachlässigten Befestigungen der Reichshauptstadt und der geringen, dem Erzherzog zur Verfügung stehenden Anzahl Truppen eine schwierige Aufgabe, und sie konnte um so weniger glücklich gelöst werden, als zwischen den Ansichten des Erzherzogs und jenen mehrerer seiner erfahrenen Rathgeber eine Uebereinstimmung nicht zu erzielen war. Am 10. Mai erschienen die französischen Vortruppen unter Marschall Lannes vor Wien, und am folgenden Tage wurde die Stadt, nachdem die Aufforderung zur Uebergabe abgewiesen worden war, beschossen. Schon nach der überraschenden Festsetzung der Franzosen im Prater am 11. Mai war die Durchführung des Entschlusses, Wien noch vier Tage, bis zur Ankunft der kaiserlichen Hauptarmee zu behaupten, zweifelhaft geworden, und als am 12. morgens der Versuch, die von den Franzosen beim Lusthause im Prater geschlagene Schiffbrücke zu zerstören, mißlang, gab Erzherzog M. jeden weiteren Widerstand auf und räumte die Stadt. Im ersten Unmuth über dieses Ereigniß versetzte der Kaiser den Erzherzog nach Siebenbürgen, doch schon nach wenigen Monaten erhielt er wieder seine Eintheilung als Brigadier bei der Artillerie in Wien. Den Feldzug des Jahres 1814 machte Erzherzog M. als Divisionär im Reservecorps mit; nach Beendigung des Krieges wurde er dem Artillerie-Hauptzeugamte zugetheilt, in welcher Verwendung er, am 18. November 1818 zum Feldzeugmeister befördert, bis zum Jahre 1835 verblieb. Während dieser Zeit beschäftigte sich Erzherzog M. mit eifrigen Studien neuer Erfindungen auf dem Gebiete der Technik und Mechanik; besondere Aufmerksamkeit aber wandte er fortisikatorischen und artilleristischen Fragen zu. Schon vor dem Jahre 1809 war die Befestigung des Donauthales angeregt worden, aber der Gedanke, theils wegen des nachfolgenden Krieges, theils aus Rücksicht auf die großen Kosten der Befestigungen von Komorn wieder aufgegeben worden. Erst später nahm man den Plan wieder auf, Linz wurde zum Mittelpunkt des neuen Befestigungssystems ausersehen, und es entstanden auf Anregung und unter der Leitung des Erzherzogs M. in den Jahren 1828—1834 bei Linz jene Befestigungswerke, die unter dem Namen „Maximilianische Thürme“ bekannt sind. Wenn auch durch die technischen Errungenschaften neuerer Zeit überholt, gehören diese Thürme zu den wichtigsten fortifikatorischen Verbesserungen und sichern ihrem Schöpfer einen ehrenvollen Namen in der Geschichte der Befestigungskunst.

    Nach dem Tode des Hoch- und Deutschmeisters Erzherzog Anton, 2. April 1835, wurde Erzherzog M., der bereits seit 1801 Ritter des deutschen Ordens und seit 1805 Verwalter der Ballei Franken war, am 22. April einstimmig an dessen Stelle gewählt und am 26. April zum Inhaber des Infanterieregiments Nr. 4 ernannt. Unausgesetzt mit militärwissenschaftlichen Studien beschäftigt, als deren Frucht im J. 1852 das Werk „Versuch eines Kriegssystems des österreichischen Kaiserthums“, 28 Bände mit 256 Tafeln, erschien, machte Erzherzog M. von den reichen, ihm zur Verfügung stehenden Mitteln den edelsten Gebrauch und namentlich im weiteren Umkreise seines herrlichen Wohnsitzes Ebenzweier am Traunsee verehrten die Bewohner in ihm ihren Wohlthäter. Im März 1863 erkrankte der Erzherzog, dem nach Auflösung des Artillerieregiments Nr. 2 im J. 1854, die Inhaberschaft des Artillerieregiments Nr. 10 (jetzt Nr. 6) verliehen worden war, und am 1. Juni jenes Jahres verschied er auf Schloß Ebenzweier.

    • Literatur

      Acten des k. u. k. Kriegs-Archivs. — Militär-Zeitung Nr. 42 und 44 vom Jahre 1863. — Hirtenfeld, Oesterreichischer Militär-Kalender für 1864.

  • Autor/in

    Criste.
  • Empfohlene Zitierweise

    Criste, Oscar, "Maximilian Joseph" in: Allgemeine Deutsche Biographie 52 (1906), S. 270-271 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130261084.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA