Lebensdaten
1870 bis 1951
Geburtsort
Dresden
Sterbeort
Freiburg (Schweiz)
Beruf/Funktion
Ostkirchenforscher ; katholischer Theologe ; Herzog zu Sachsen ; Philosoph ; Professor der Philologie in Freiburg/Schweiz
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118604678 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Maximilian
  • Max Prinz von Sachsen
  • Max
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Zitierweise

Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118604678.html [16.01.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Hause Wettin;
    V Kg. Georg v. S. (1832–1904, s. NDB VI);
    M Maria Anna, Infantin v. Portugal (1843–84);
    B Kg. Friedrich August III. v. S. (1865–1932, s. NDB V), Johann Georg v. S. (1869–1938), Orientforscher, Vf. hist. Schrr.;
    N Kaiser Karl I. v. Österreich (1887 1922, s. NDB XI), Kronprinz Georg v. S. SJ (1893–1943, s. L).

  • Leben

    M. erhielt den Elementar- und Gymnasialunterricht im Familienpalais und die sportlichmilitärische Erziehung zusammen mit seinem Bruder Johann Georg. Nach der Reifeprüfung (1888) und der aktiven Dienstleistung (bis zum Grad eines Premierlieutenants) studierte er in Freiburg im Breisgau und in Leipzig die Rechte und Nationalökonomie (Dr. iur. 1892). – 1893 begann M. das Theologiestudium in Eichstätt, was in der Öffentlichkeit viel Aufsehen erregte, und erhielt 1896 die Priesterweihe. Er versah Seelsorgestellen in London, Eichstätt und Nürnberg und promovierte daneben in Theologie (Würzburg 1898). 1900 wurde M. zum Professor für Kirchenrecht (nur ein Semester) und Liturgik an die 1889 gegründete Univ. Freiburg im Uechtland (Schweiz) berufen. Er spezialisierte sich auf die Liturgien der orthodoxen und altoriental. Kirchen und lernte mehrere einschlägige Sprachen. Jährlich unternahm er Reisen in den Osten (Ägypten,|Palästina, Armenien, Rußland, Konstantinopel, Griechenland [Berg Athos]), knüpfte Beziehungen zu den Vertretern der Ostkirche und weitete seine Studien auf die historischen, dogmatischen und psychologischen Hintergründe der Trennung und des Auseinanderlebens von Ost- und Westkirche aus. 1910-14 dozierte er zusätzlich zu den Verpflichtungen in Freiburg bzw. Köln am ruthenisch-unierten Generalseminar in Lemberg beim befreundeten Metropoliten Andreas Graf Scheptitzkyj über oriental. Liturgien. Mehrfach wurde er – ohne sein Zutun – auf die Kandidatenliste vakanter Bischofsstühle gesetzt.

    Mit einem Artikel über die Vereinigung der Kirchen in der neu gegründeten Zeitschrift „Roma e l'Oriente“ (Grottaferrata b. Rom) im November 1910 zog sich M. die Verurteilung durch die röm. Kurie zu (Schreiben „Ex quo“ Pius' X. vom 26.12.1910, in: Acta Apostolicae Sedis 3, 1911, S. 118). M. forderte in diesem Aufsatz, die beiden Kirchen in Ost und West sollten sich als Schwesternkirchen anerkennen und den Dialog auf der Grundlage der ökumenischen Konzilien des ersten Jahrtausends aufbauen; in bezug auf Fegfeuer, Epiklese (Herabrufung des Heiligen Geistes während der Liturgie) und Firmung solle man die Position der Ostkirche gelten lassen und die faktische Ausübung des röm. Primats nicht unbesehen als von Christus eingesetzt ausgeben; jedenfalls seien genaue Kenntnisse und Liebe vonnöten, wenn man in der Frage der Wiedervereinigung voranschreiten wolle. 1912 wurde M. ans Priesterseminar Köln berufen, das er 1914 verließ, um an der Westfront als Feldgeistlicher zu wirken. Die röm. Verurteilung mit der implizierten Unmöglichkeit, weiter auf seinem Forschungsgebiet zu arbeiten, und die aufwühlenden Kriegserlebnisse veranlaßten ihn. sich für sittliche Erneuerung, Lebensreform, eine umfassende Schöpfungsethik und den Frieden einzusetzen. Wegen einer Bemerkung über die Kriegführung der Deutschen in Belgien, die durch Indiskretion aus einem Privatbrief in die Weltpresse geriet, wurde er 1916 vom König auf Antrag des Oberlandesgerichts Dresden (wohl auch unter dem Druck des Echos in der Öffentlichkeit und aus Rücksicht auf den Kaiser) ins Schloß Wermsdorf verbannt; seine Korrespondenz und sein auf die nächste Umgebung beschränktes seelsorgliches Wirken wurden überwacht; erst eine Woche vor dem Sturz der Monarchie wurde er wieder freigelassen. – 1921 kehrte M. nach Freiburg in die Schweiz zurück, diesmal an die für einen Priester weniger exponierte Philosophische Fakultät, wo er bis zum Lebensende (seit 1941 als Honorarprofessor) über „Kulturen und Literaturen des Ostens“ las, wobei er sich unter anderem intensiv mit der russ. Geschichte und Literatur befaßte (besonders mit Dostojewski und Tolstoi). Die Ernennung zum Päpstlichen Hausprälaten (1921) schlug er aus.

    Von ethischen Idealen tief durchdrungen und von grenzenloser Liebe zu den Menschen und aller Kreatur erfüllt, war M. in erster Linie Seelsorger. Er war weder spekulativer Theologe noch kritischer Historiker; die methodische Seite wissenschaftlicher Arbeit war ihm wenig vertraut. Sein phänomenales Wissen und seine in die Zukunft weisenden Ideen vermochte er in Vorlesungen und Veröffentlichungen nur unzureichend zu gliedern und zu formulieren. M. verausgabte sich – körperlich und finanziell – für die Bedürftigen und Hilfesuchenden und für seine Ziele: Einheit der Kirchen, Lebensreform, Frieden. Mit besonderer Vorliebe wandte er sich randständigen Menschen zu; so betreute er in Freiburg jahrzehntelang die Gefängnisinsassen, hielt regelmäßig Fasten- und Marien-Predigten und wirkte segensreich im Beichtstuhl. Seiner Familie und der weitläufigen Verwandtschaft blieb er zeit seines Lebens innig zugetan. Durch seine Verwurzelung im ostkirchlichen Frömmigkeitsideal des „Narren in Christo“ wirkte er weltfremd. Schalkhaft und störrisch, gelehrt und schlicht, hoheitsvoll und demütig, paßte er in kein konventionelles Schema.

  • Werke

    Die staatsrechtl. Stellung d. Kgl. Sächs. Markgrafentums Oberlausitz, Diss. Leipzig 1893;
    Der hl. Märtyrer Apollonius v. Rom. Eine hist.-krit. Studie. Diss. Würzburg 1898;
    Praelectiones de liturgiis orientalibus I, 1904, 21908, II, 1913;
    Vorlesungen üb. d. oriental. Kirchenfrage, 1907 (griech. 1908);
    Pensées sur la question de l'union des Eglises, in: Roma e l'Oriente 1, 1910, S. 13-29;
    Erklärung d. Psalmen u. Cantica in ihrer liturg. Verwendung, 1914;
    Das christl. Hellas, 1918 (1919) (Vorlesungen v. 1910);
    Der hl. Theodor, Archimandrit v. Studion, 1929;
    Viele Bände u. Broschüren mit Predigten u. Ansprachen, Dutzende v. Kleinschr. u. Aufsätzen zu Lebensreform, Vegetarismus, Frieden u. üb. Themen d. christl. Ostens. – Übersetzungen: Missa syro-maronitica, – chaldaica, – graeca, – armenica, – syriaca-antiochena, 5 Bde., 1907 f. (= Ritus missae Ecclesiarum orientalium S. Romanae Ecclesiae unitarum I-V) (Übersetzungen aus d. Originalsprachen ins Lateinische, mit Kommentar);
    Des hl. Johannes Chrysostomus Homilien üb. d. Evangelium d. hl. Matthaeus, 2 Bde., 1910;
    Des hl. Johannes Chrysostomus Homilien üb. d. Genesis od. d. erste Buch Mosis, 2 Bde., 1913 f.;
    Nerses v. Lampron, Erklärung d. Sprüchwörter Salomo's (in armen. Sprache), 3 Bde., 1919-26;
    Nerses v. Lampron, Erklärung d. „Versammlers“ (Predigers) (in armen. Sprache), 1929.

  • Literatur

    I. Baumer, Prinz M. v. S., Ein volkstüml. byzantin. Frömmigkeitstypus in Westeuropa, in: Jb. f. Volkskde. NF 7, 1984, S. 96-114 (P);
    ders., Prinz M. v. S., Einheit d. Kirchen, Lebensreform, Frieden, 1985 (P);
    ders., Prinz M. v. S. (1870–1951) u. Armenien, 1986 (P). |

  • Nachlaß

    Nachlaß (ca. 100 Schachteln): Kantonsu. Univ.bibl. Freiburg (Schweiz). – Zu Kronprinz Georg: E. v. Schönau, Vom Thron zum Altar, Georg Kronprinz v. Sachsen, 1955.

  • Portraits

    Ölgem. v. H. Brulhart (Kantons- u. Univ.bibl. Freiburg/Schweiz);
    Phot. in: W. v. Metzsch u. K. Siegismund, Friedrich August III. Kg. v. Sachsen, 21906;
    6 Phot. (Nat.bibl. Wien, Bildarchiv).

  • Autor/in

    Iso Baumer
  • Empfohlene Zitierweise

    Baumer, Iso, "Max" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 513-515 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118604678.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA