Lebensdaten
1644 bis 1707
Geburtsort
Oldenburg
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Jurist ; Polyhistor ; Professor für Philosophie, Moral und Politik in Leipzig ; Rechtsgelehrter ; Herausgeber der "Acta Eruditorum" ; Literaturhistoriker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 119120984 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mencke, Otto
  • Mencke, Othon
  • Mencken, Otto
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Zitierweise

Mencke, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119120984.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes (1607–88), Kaufm. u. Ratsherr in O., S d. Otto (1573–1617), Kaufm. u. Stadtbaumeister in O., u. d. Gesche Hanfmann;
    M Anna Sophia (1617–59), T d. Lüder Spießmacher (ca. 1575–1629), Bgm. in O., u. d. Elisabeth zur Helle;
    Vt Lüder (s. Einl.);
    Leipzig 1672 Magdalena Sybilla (1656–1703), T d. Burchard Berlich (1603–70), Prof. d. Rechte in|Jena, später Hof- u. Justizrat in Dresden (s. ADB II), u. d. Barbara Hilliger;
    2 S (1 jung †), 1 T, Johann Burchard (s. 2). Anna Sophia (1678–1714, Johann Christian Wiechmannshausen, 1663–1727, Prof. d. oriental. Sprachen u. Bibliothekar in Wittenberg, s. ADB 42, S. 316);
    E Friedrich Otto (s. Gen. 2), Jurist.

  • Leben

    M. besuchte das Bremer Gymnasium illustre und anschließend die Univ. Leipzig, wo er 1664 zum Magister artium promovierte. Auf das Studium der Theologie in Jena und neuerlich in Leipzig folgte eine Studienreise nach den Niederlanden und nach England. 1667 wurde M. Assessor der Philosophischen Fakultät – eine Art Dozent – und im Jahr darauf Collegiat des kleinen Fürsten-Collegiums. 1669 erhielt er eine Professur für Philosophia practica und las über Moral und Politik. Dabei legte er u. a. Grotius' „De iure belli ac pacis“ seinen Vorlesungen zugrunde und trug als einer der ersten eine Art Ius publicum universale vor, beides Gegenstände, die ihn als vorsichtig-verdeckten Anhänger der neueren niederländ. Natur- und Völkerrechtslehren ausweisen. Infolge seiner umgänglichen Art brachte ihn das freilich nicht – wie später Christian Thomasius – in Gegnerschaft zu den orthodoxen Kreisen der Universität. Nebenher setzte M. seine theologischen Studien fort und erwarb 1671 das theologische Lizentiat. Nach dem Vorbild des Journal des Sçavans gründete M. 1682 eine literarisch-kritische Zeitschrift, die Acta Eruditorum. Auf einer zweiten Reise nach England und den Niederlanden 1680 hatte er hierfür Anregungen und Kontakte gesammelt. In der Folge gelang es ihm, fast alle führenden Leipziger Gelehrten sämtlicher Fakultäten, und alsbald auch Nicht-Leipziger, zur Mitarbeit zu gewinnen und die Zeitschrift zu einem international angesehenen Gelehrtenpodium zu machen. M., der selbst literarisch nicht allzu erfolgreich war, redigierte bis zu seinem Tod 25 Bände nebst drei Supplementbänden.

    1697 wurde er Decemvir der Universität und 1700 Collegiat des großen Fürsten-Collegiums, gehörte also – obwohl „nur“ Professor an der Artistenfakultät – dem entscheidenden Universitäts-Gremium an. Sein bleibendes wissenschaftliches Verdienst ist es, die zeitgemäße Idee einer literarischen und wissenschaftlich-kritischen Zeitschrift verwirklicht, die Kontakte hergestellt und das Unternehmen, das Sohn und Enkel fortführen sollten, in Gang gehalten zu haben. Seine eigenen wissenschaftlichen Abhandlungen, zumeist auf den Gebieten der Philosophia practica und der Historie, richteten sich recht zurückhaltend an niederländ. Vorbildern aus und waren vorab durch eine antiquarische, für Leipzig nicht auffallende oder gar anstößige Ausrichtung charakterisiert.

  • Literatur

    ADB 21;
    D. F. Pönmann, Lebensbeschreibungen gelehrter Männer, 1714, S. 186 ff;
    Jöcher III (W);
    Conrad Müller, Bismarcks Mutter u. ihre Ahnen. I: Die Jugendzeit, 1909, S. 34-42;
    J. Kirchner, Zur Entstehungs- u. Redaktionsgesch. d. Acta Eruditorum, in: Archiv f. Buchgewerbe u. Gebrauchsgraphik 65, 1928, H. 4, S. 75-88, erweitert in: ders., Ausgew. Aufsätze, 1970, S. 153-72);
    A. Tenbergen, O. M. u. Bremen, in: Der werbende Buch- u. Zss.handel 70, 1962, S. 153-67 (L, P);
    A. H. Laeven, De „Acta Eruditorum“ 1682-1707 onder redactie van O. M., 1986 (engl. 1990, P). – Zu Lüder: ADB 21.

  • Portraits

    Ölgem., um 1685 (Leipzig, Univ.bibl.);
    Kupf. v. Martin Bernigeroth (Berlin, Kupf.kab.;
    Paris, Kupf-kab.;
    Leipzig, Stadtbibl.;
    Bibl. d. Halleschen Waisenhauses/Franckesche Stiftungen).

  • Autor/in

    Notker Hammerstein
  • Empfohlene Zitierweise

    Hammerstein, Notker, "Mencke, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 33-34 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119120984.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mencke: Otto M., geb. am 22. März 1644 zu Oldenburg, am 18. Jan. 1707 zu Leipzig, war der älteste Sohn des Kaufmanns und Rathsherrn Johann M. zu Oldenburg und ein Vetter des Rechtsgelehrten Lüder M. (s. o.). Er besuchte die lateinische Schule seiner Vaterstadt und das Gymnasium zu Bremen, bezog dann, um zunächst der Philosophie sich zu widmen, die Universität Leipzig, wo er schon 1662 zum Baccalaureus und 1664 zum Magister creirt wurde, verweilte ein halbes Jahr auf der Universität Jena, wo er gleichfalls die Magisterwürde erlangte und Theologie studirte, und kehrte darauf nach Leipzig zurück, um seine theologischen Studien zu beendigen und mit der Jurisprudenz sich bekannt zu machen. Nach einem Besuche seiner Vaterstadt und einer Reise durch Holland ließ er sich in Leipzig als Privatdocent nieder, wurde 1667 Beisitzer der philosophischen Facultät und 1668 des kleinen Fürstencollegiums Collegiat, erhielt 1669 die Professur der Moral und Politik und wurde 1670 Baccalaureus der Theologie und 1671 Licentiat derselben. Neben philosophischen Vorlesungen trug er Geschichte vor und las über Grotius, jus belli et pacis und über deutsches jus publicum; überall erwarb er sich ungetheilten Beifall. Seinen Ruhm bei der Nachwelt aber begründete er durch die Herausgabe der „Acta Eruditorum“, der ersten kritischen Zeitschrift Deutschlands. Angeregt durch das seit 1666 erscheinende Journal des savans machte M. den Mitgliedern des Collegium Gellianum, einer litterarischen Gesellschaft, welche in wöchentlichen Versammlungen hauptsächlich mit der Mittheilung und Beurtheilung litterarischer Neuigkeiten sich unterhielt, den Vorschlag, ihre Arbeiten hinfort durch den Druck bekannt zu machen, und unternahm dann, um auch auswärtige Gelehrte durch persönliche Bekanntschaft für die Unterstützung seines Werkes zu gewinnen, eine Reise nach Holland und England (1680), auf welcher er u. A. mit Graevius in Utrecht, Jac. Gronovius in Leyden, Henschenius und Papebroek, den Herausgebern der Acta Sanctorum, in Antwerpen, Nic. Heinsius im Haag, Joh. Wallis in Oxford, Isaac Vossius in London in nähere Verbindung trat. Nachdem er nach seiner Rückkehr auch mit den Gelehrten Frankreichs und Italiens einen Briefwechsel angeknüpft hatte, begann er mit seinen Leipziger Freunden, die sich zu dem Ende in seinem Hause zu versammeln pflegten, die Arbeit, und es erschien im J. 1682 in monatlichen Heften der erste Band der Acta Eruditorum. An diesem ersten Bande, der sofort die neuesten Erscheinungen auf dem Gebiete aller Facultäten in den Kreis der Besprechungen zog, hatten folgende Leipziger Gelehrten gearbeitet: die Theologen Valent. Alberti, Joh. Bened. Carpzov, Thomas Ittig, Joh. Cyprian, Ad. Rechenberg und Romanus Teller, die Juristen Heinr. Sam. Eckhold und Friedr. Bened. Carpzov, die Mediciner Mich. Ettmüller und Joh. Bohn, der Philosoph A. G. Heshusius, der Philologe Joh. Olearius und der Mathematiker Chr. Pfautz, sowie von auswärtigen Gelehrten der englische Astronom Joh. Flamsteed und der französische Mediciner Jac. Spon. An den nächstfolgenden Bänden betheiligten sich neben den Leipzigern u. A. G. W. von Leibniz, der hier seine Differentialrechnung bekannt machte, der Physiker E. W. von Tschirnhausen, Jacob Bernouilli, Veit L. von Seckendorf. M. selbst lieferte nur wenige Anzeigen, leitete aber das Ganze, führte die Correspondenz,|schaffte die Bücher an und vertheilte sie unter die Mitarbeiter; bei seinen Lebzeiten erschienen 25 Bände nebst 3 Supplementbänden. — M. starb, nachdem er 1697 Decemvir der Universität und 1700 Collegiat des großen Fürstencollegiums geworden war, am 18. Januar 1707. Die Acta Eruditorum wurden von seinem Sohne, dem Professor der Geschichte Johann Burkhard M. (s. o.) bis 1732 und dann unter dem Titel „Nova Acta Eruditorum“ von seinem Enkel Friedrich Otto M. bis 1754 und endlich im Namen und auf Kosten der Mencke'schen Familie von K. A. Bel (s. Bd. II, S. 303) bis zu dem 1782 erschienenen Jahrgang 1776 fortgesetzt. Das ganze Werk umfaßt, einschließlich der Supplemente und Indices, 117 Bände.

    • Literatur

      L. W. C. von Halem in der Oldenb. Zeitschrift (1805), Bd. 3, S. 290.

  • Autor/in

    Mutzenbecher.
  • Empfohlene Zitierweise

    Mutzenbecher, "Mencke, Otto" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 312-313 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119120984.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA